Schriften von Otto Stockmayer
Abraham - der Vater der Gläubigen
27. Weitere ergänzende Bemerkungen - über 1. Mose 22,1-18 anhand von Hebräer 11,17-19 .27. Weitere ergänzende Bemerkungen - über 1. Mose 22,1-18 anhand von Hebräer 11,17-19 .
In Hebräer 11,19 heisst es: „Rechnend, dafürhaltend, dass Gott ihn von den Toten auferwecken konnte." Auch hier lüftet das Neue Testament ein Stück des Schleiers, der über manchen Vorgängen des Alten Testamentes liegt, und in diesem speziellen Falle zeigt es uns, was auf dem Wege nach Morijah in dem Herzen des Vaters vorging. War Abrams Antwort auf Isaaks Frage: „Wo ist das Schaf zum Brandopfer?" eine Ausflucht, oder liegt darin nicht ein tieferer Gedanke?
Vers 14 wird der Name des Ortes genannt: „Gott wird ersehen" wörtlich übersetzt – und das schliesst sich gerade an die Antwort Abrams an. Er hat in seinem Herzen geurteilt: Gott kann mir Isaak auch von den Toten wiedergeben. Was während dieser drei bedeutungsvollen Tage sonst im Vaterherzen vorgegangen ist, wissen wir nicht – wir haben aber den Eindruck, dass er bis zum letzten Augenblick die Sache in Gottes Hand liess, es Ihm anheimstellend, auch anders zu leiten.
Das erinnert wieder an Ninive, wo Gott das Gericht abwendete, als Er die Busse der Bewohner von Ninive sah. Wie manche sind in tiefe Irrtümer, in kranke, asketische Richtungen gekommen, weil sie – gerade auf dem Gebiete des Opferns – fremden Stimmen gehorchten! Nur unbedingter Gehorsam bewahrt vor fantastischen Wegen, aber Gehorsam bis ans Ende muss es sein – ein Gehorsam, wo man vor nichts zurückschreckt, sondern alles dem Herrn überlässt, in dem Bewusstsein: „Er wird's versehen; Er trifft Vorsorge auf Seinem heiligen Berge."
Bleibe auf dem Boden göttlicher Berechnungen und lass dein Auge nicht durch menschliche Spekulationen umnebeln!
In Hebräer 11,19 finden wir göttliche Berechnung, göttlichen Blick und einen göttlichen Ausweg. Es gibt immer noch göttliche Auswege, so dass wir die Dinge nicht selbst in die Hand nehmen müssen. Wir brauchen uns da gar nicht zu fürchten, dass wir uns eine Blösse geben könnten, noch uns darum zu kümmern, wie andere darüber urteilen.
Wer wirklich gehorchen will, setzt alles aufs Spiel. Wie bald ist sonst der Glaube geschwächt, das Herz ermattet, die Füsse schwer!
Abraham bekam innerlich Lichtblicke, bis Gott im entscheidenden Augenblick äusserlich eingriff. Behalten wir auch bei der grössten Isoliertheit die Augen stracks nach Jerusalem gerichtet wie unser Meister – nach Morijah wie Abraham – Schritt für Schritt – so werden wir bewahrt vor allem Krankhaften und Fremdartigen; so können wir uns allezeit auf Ihn verlassen. Und Er hat tausend Mittel und Wege, uns einen Ausblick zu geben und jederzeit selbst wieder einzugreifen. Die eine grosse Bedingung dafür ist und bleibt immer die richtige Stellung zu Gott.
Abraham fürchtete Gott; denn Vers 16 sagt der Herr zu Ihm: „Weil du dich gefürchtet hast und hast deines eigenen Sohnes nicht verschonet..." Fürchten wir Gott, so kann Er nach Seinem Wohlgefallen mit uns schalten und walten, und dann ist auch kein Hindernis für Ihn vorhanden, uns zur rechten Zeit volles Licht zu geben. Aber die Sache muss durchgemacht sein mit Gott.
Gott hat Abraham erprobt in den drei Tagereisen nach Morijah. In Prüfungszeiten erfährt Gott, was in unseren Herzen ist, und inwieweit wir uns mit allem, was wir sind und haben, in Seine Hand gegeben haben.
Wenn uns unten im Tal der Abel drückt und kein Ausweg sich zeigt – wenn bange Fragen vor uns liegen – o, wie herrlich ist es dann, sich sagen zu dürfen: „Droben auf dem Berge ist es licht; dort wird Gott sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer." Von oben herab zeichnet Gott allen Seinen Kindern ihre Bahnen vor – von oben herab, wohin kein Dunst von unten dringt. Von dorther leitet der allliebende, allwaltende Vater mit einem Herzen, das nie bedrückt, beirrt oder beschwert werden kann, das Geschick Seiner Kinder.
„Und wenn ich keinen Ausweg merke, so bet' ich an und fleh' um Stärke, Dir auch im Dunkeln zu vertrauen."
Lass dir das nicht aus den Augen rücken und wisse, dass, wenn Gott nach Vorbereitungsschulen und Glaubensübungen schliesslich deinen Isaak verlangt – das, woran du hängst –, wenn Er dir an dein eigenes Leben und Wesen geht – so ist's, um Raum zu machen für das Höchste. Nur wenn du alles in den Tod gibst, gewinnt Gottes Geist Raum für Seine Zeugungen, für Seine Schöpfungen.