Schriften von Otto Stockmayer
Abraham - der Vater der Gläubigen
7. Abrahams Sieg über Kedor Laomor - 1. Mose 14 .7. Abrahams Sieg über Kedor Laomor - 1. Mose 14 .
Das dreizehnte Kapitel hat mit den Worten geschlossen: „Und Abram baute dem Herrn einen Altar...“ und das vierzehnte Kapitel beginnt nun „Es geschah.“ Mit diesem: „Es geschah“ oder „es begab sich“ sind in der Regel neue Abschnitte bezeichnet, wie sie in jedem Menschenleben vorkommen und wie sie bezeichnend und bestimmend für den weiteren Weg wirken. Hat man jemand jahrelang gedient, so ist man des betreffenden Knechtes. Wer Gott dient, ist Gottes Knecht – wer der Sünde oder seinen Lüsten dient, gerät in deren Knechtschaft. So beginnt auch dieses 14. Kapitel im 1. Buche Mose mit einem: „Es begab sich.“ Eben weil die Dinge sich begeben, wie Gott will, ist es so überaus wichtig; denn wir können nie wissen, was sich morgen begeben und was schliesslich werden wird aus dem, was die Weltkinder an sich reissen. Darum gilt es, königlich handeln und unter allen Umständen ein Königskind bleiben; denn je reiner und freier jemand den irdischen Dingen gegenübersteht, umso mehr kann ihm Gott wie dem Abram die Fülle geben. Abram handelte als selbstloser Königssohn, der nie Nutzen für sich selbst aus der Hilfe zog, die er anderen leistete. Das sicherte ihm eine königliche Unabhängigkeit. Für Abram war der königliche Akt der Abgabe der Wahl an seinen Neffen der Ausgangspunkt für neue Offenbarungen Gottes. Was wir hienieden loslassen, macht Raum für göttliche Offenbarung – alles hingegen, was wir krampfhaft festzuhalten suchen, verschliesst uns die obere Welt und hängt sich an uns wie ein Bleigewicht, macht unseren Gang schwerfällig und unsicher.
Es zeigen sich nun die Folgen der irdischen Gesinnung und der eigenmächtig getroffenen Wahl für Lot. In der ganzen Umgegend entstehen Verwicklungen unter den dortigen Königen. Ein grosses Reich hatten letztere zwar nicht – nur eine Stadt und deren Umkreis –, aber sie herrschten dort eben. Da brach Krieg aus zwischen den verbündeten Königen von der einen und den Verbündeten von der anderen Seite. Zwölf Jahre lang hatten jene das Joch von Kedor Laomor getragen, und nun, im dreizehnten Jahre, wurde es ihnen unerträglich. Es kommt früher oder später immer ein Augenblick, wo einem ein Menschenjoch, unter das man sich gestellt hatte, lästig und drückend wird; nur kann man es dann nicht immer gleich abschütteln, noch aus des Feindes Hand herauskommen. Ein Leben, in dem man sich an die Scholle festgebunden hat, alle möglichen Verbindungen eingegangen ist, die nicht nach Gottes Sinn waren, ist ein feingesponnener Faden, an dem der Feind einen festhalten kann. Da muss es oft Krieg, Heimsuchungen aller Art und alle möglichen Anfechtungen geben, bis man endlich aufwacht und alte Verbindungen löst, um auf königlichen Boden zu kommen und fortan unverrückt vor Gott zu wandeln. Das lässt der Feind aber meist nicht so ohne weiteres zu; da wehrt er sich ganz energisch. Der König von Sodom und Gomorrha wurde gefangen genommen, nachdem man ihn und seine Verbündeten aus den Löchern herausgeholt hatte, in die sie geraten waren. Ihre Habe wurde fortgenommen, und auch Lot wurde gefangen weggeführt. Warum das? Weil er sich in Sodom niedergelassen hatte. Er war schon vorher in der Gefangenschaft, war schon vorher nicht mehr frei, sondern von sodomitischen Anschauungen beeinflusst. Wenn man in eigener Wahl vorgeht, wird man leicht sesshaft in Sodom; aber er war doch der Neffe Abrams, und es war doch immerhin noch etwas von Glaubensleben in ihm – darum kam ihm Gott zu Hilfe.
Vers 13: „Da kam einer, der entronnen war und sagte es Abram an, dem Ausländer, der da wohnte im Hain Mamres, des Ammoniters, welcher ein Bruder Eskols und Aners war. Diese waren mit Abram im Bunde. Als nun Abram hörte, dass sein Neffe gefangen war, wappnete er seine Knechte, dreihundertachtzehn, in seinem Hause geboren, und jagte ihnen nach gegen Dan..." Er liess den Lot nicht im Stich, obwohl er das Unheil selbst über sich heraufbeschworen hatte, und er sagte sich nicht, wie wir in einem ähnlichen Falle etwa versucht sein könnten, zu sagen: „Das geschieht ihm recht – warum hat er nur an seinen eigenen Vorteil gedacht? Jetzt soll er nur sehen, wie er durchkommt." So dürfen Gotteskinder nie reden – so sagt Gott auch nicht, wenn wir einmal eine Torheit begangen haben. Er lässt uns nicht stecken, wenn Er uns auch zuweilen die Folge unserer Verkehrtheiten tragen lässt. Kinder Gottes sollen handeln wie ihr Vater im Himmel. Gerade die Stunde, wo andere die Folgen ihrer Torheit zu spüren bekommen, ist die Stunde, wann unser Gott sie uns in die Hände liefert, damit ihnen durch unsere Treue und Selbstlosigkeit Licht aufgehe über ihre verkehrte Handlungsweise. Ist jemand in Not, so muss er sich gefallen lassen, dass wir ihm Handreichung tun, und alle möglichen Dinge, die nicht aus dem Lichte gewesen sind, kehren damit in den Schatten zurück. Also heisst es warten, bis unsere Brüder und Schwestern aufwachen und froh sind, wenn ihnen jemand wieder zurecht hilft.
Abram beweist nun seine Treue. Sobald er hört, dass Lot gefangen ist, macht er seine kleine Armee mobil. Er lässt seine Hausgebornen ausrücken. Er hatte sie längst einexerziert, und sie waren aus alles gefasst. Es war also nicht nur ein gemütliches Nomadenleben, das Abram führte. Er hatte seine ganze Dienerschaft eingeübt. Abram stand mit allem, was er war und besass, seinem Gott zur Verfügung, und wenn man Gott zur Verfügung steht, so rüstet man sich in Friedenszeiten für die Schlacht, anstatt es sich auf fetten Weideplätzen wohl sein zu lassen. Wir müssen Friedenszeiten und Zeiten der Stille und Zurückgezogenheit, die Gott uns schenkt, nutzen, uns ausrüsten zu lassen für Kampfesstunden, die etwa später kommen werden. Wir müssen – wie Abrams Hausgeborne – mobilisierte Leute sein, die gewappnet dastehen, um nicht überrumpelt zu werden. Dazu hat uns Gott eine Waffenrüstung gegeben: Tartsche und Schild und einen Helm, damit auch unser Haupt gedeckt sei, gegen Dinge, die von oben hereinbrechen können. Dann dürfen wir uns aber auch niemals beklagen über die Waffenrüstung, die wir nach unseres Gottes Willen zu tragen haben. Wir wissen nie, wann so ein Sturm losbricht, und wer da nicht gewappnet ist, kann einem schweren Fall entgegengehen – einer schwerwiegenden Niederlage, weil er sich hat gehen lassen und sein Fleisch gepflegt hat.
Abrams Leute waren schlagfertig und rückten sofort aus. Nach Vers 15 teilte sie Abram in zwei Abteilungen – und nach gewonnener Schlacht verfolgte er die Geschlagenen mit seinen Knechten bis nach Damaskus. So gelang es ihm denn auch, Lot und seine Habe wiederzubringen. Alles wurde gerettet. Und auch bei uns kann noch alles gerettet werden, was unter feindlichem Einfluss in Gefangenschaft geraten ist – Alles kann wiedergebracht werden, wenn wir die Stunde der Heimsuchung nicht versäumen.
Man spricht von einer Wiederbringung aller Dinge. Es gibt jetzt schon hier und jetzt eine Wiederbringung aller Dinge für Kinder Gottes, wenn sie beizeiten umkehren. Die verlorene Zeit, der verlorene Boden, auf dem sich der Feind hat breitmachen dürfen, kann ihm wieder abgerungen werden, wenn wir in einer Stunde, in der Gott Neues in unseren Gesichtskreis stellt, keine Zeit verlieren, sondern uns sofort aufmachen. Wenn Gott uns ruft bei Tag oder Nacht, müssen wir bereit sein, aufzubrechen und das Alte dahinten zu lassen, um an der Hand des Herrn in Neuheit des Lebens zu wandeln, Gott die Ehre gebend und gewiss, dass Er einen Weg hat, auf dem wir zum Ziel gelangen können. Er ruft und gibt auch Macht, dem Rufe zu folgen und den Namen unseres Gottes zu verherrlichen.