Schriften von Otto Stockmayer
Abraham - der Vater der Gläubigen
5. Ein krummer Weg Abrahams - 1. Mose 12,9-205. Ein krummer Weg Abrahams - 1. Mose 12,9-20
Es ist ja nicht leicht, die Heilige Schrift richtig zu lesen, noch sie richtig zu verstehen. Das gilt besonders für die Geschichten der Patriarchen. Es ist im Worte Gottes alles möglichst kurz, sachlich, gedrängt dargestellt. Die Tatsachen sind nur kurz angeführt, und dann bleibt es uns überlassen, näher darüber nachzudenken und uns zu fragen, was Gott jedem von uns persönlich damit sagen will. Da heisst es dann eben, so in den Grundgedanken Gottes zu Hause zu sein, dass wir imstande sind, jedes einzelne Ding dahin zu tun, wo es hingehört. So merken wir allmählich, wie dieses und jenes anzusehen ist. Es kommt alles darauf an, dass wir die Heilige Schrift nicht gedankenlos lesen, sondern damit vor unserem Gott liegen bleiben, bis Er uns Licht darüber gibt, wie sich die Einzelheiten nach dem Zusammenhang erklären und was jeder in Sonderheit daraus zu lernen hat.
Die Bibel ist das Buch der Wahrheit, und sie ist wahr auch in den Charakterzeichnungen heiliger Männer und Frauen. Sie zeichnet nicht Ideale, sondern sie schildert uns die Männer Gottes so, wie sie sind – mitsamt ihren Fehlern und Mängeln. Das tut sie aber nicht etwa, damit wir uns damit trösten und uns sagen könnten: „Ach, dem Abraham ist es auch nicht anders gegangen als unsereiner – er hat es auch so und so gemacht!“ Die Fehler und Mängel und Schwächen heiliger Männer Gottes sind keine Entschuldigung für uns, besonders nicht für uns Kinder des neuen Bundes, für die Jesus Sein Blut vergossen hat, damit wir in diesem Blute – dem Blute des unschuldigen, unbefleckten Lammes – nicht nur Vergebung unserer Sünden hätten, sondern gelöst seien von den Torheiten, die bei den Männern alten Bundes noch vorgekommen sind, und damit wir Nachahmer würden der Propheten und Apostel und Nachfolger unseres Herrn Jesu Christi.
Im ersten Abschnitt des Kapitels heisst es zweimal: „Abram baute daselbst Jehova einen Altar.“ Damit ist, wie schon erwähnt, natürlich nicht gesagt, dass Abram sonst nicht den Namen des Herrn angerufen hatte, sondern es soll nur hervorgehoben werden, dass er daselbst eine besondere Weihestätte, ein „Ebenezer“ zum Dank für die ihm bisher von Gott erwiesene Gnade errichtete. Es gibt im Leben der Gläubigen besondere Weihstunden, wo man auf den zurückgelegten Weg zurückblickt, und in solchen „Ebenezers“ liegt ein Stück Zukunft – der Ausblick: „Der Herr, der bisher geholfen hat, wird weiterhelfen.“ Je mehr du über die vergangenen Führungen nachdenkst, um so weniger wirst du für die Zukunft sorgen; um so mehr kann dir der Geist Gottes ins Licht stellen: „Jesus Christus gestern und heute und Derselbe auch in Ewigkeit.“
Da sagt man sich: „Der mich bisher so gnädig geführt hat, wird mich nicht im fremden Lande in allerlei Nöten und Schwierigkeiten dahingeben.“ Dann handelt es sich aber auch in erster Linie darum, dass man sich nicht selbst hilft und nicht seinen Glaubensberuf damit verleugnet, dass man die Sachen in die eigene Hand nimmt, wie Abram getan hat. Auf dem Glaubenswege tauchen natürlich bald heute, bald morgen, ungeahnte Schwierigkeiten auf. So entstand in Kanaan eine Hungersnot und veranlasste Abram, aufzubrechen aus dem Lande, dahin sein Gott ihn gerufen hatte „Darnach wich Abram ferner und zog ins Mittagsland“, immer weiter nach dem Süden. Es ist, als ziehe es ihn, ohne dass er sich dessen bewusst gewesen wäre, nach den Fleischtöpfen Ägyptens. Dort, in Ägypten, war eine Getreidekammer. Was wäre aus dieser Getreidekammer geworden, wenn Gott nicht einen Joseph erweckt und für die Zeit allgemeiner Hungersnot durch ihn Vorsorge getroffen hätte? Der Welt soll durch die Kinder Gottes geholfen werden – diese dürfen dann aber nicht aus eigener Initiative nach Ägypten ziehen. Zu dem unheimlichen Zuge des natürlichen Herzens nach der Ägypter Land kommen dann nur allzu leicht noch unerwartete, unvorhergesehene Dinge hinzu, die auf der Pilgerreise jedes Glaubenden früher oder später – zu der von Gott gewollten Stunde – Hereinbrechen – Proben, in denen man gewogen wird, und wo man sich orientieren kann, wie viel oder wie wenig es bedarf, um uns zu erschüttern und zu veranlassen, zur Selbsthilfe zu greifen.
Vers 10 heisst es: „Es kam aber eine Teuerung ins Land. Da zog Abram hinab nach Ägypten, dass er sich daselbst als ein Fremdling aufhielte; denn die Teuerung war gross im Lande." Die grosse Teuerung war die Abram von Gott in den Weg gelegte Glaubensprobe, und diese hat er nicht bestanden. War Ägypten das Land, das Jehova ihm bestimmt hatte, als er ihn aus seiner Freundschaft herausrief? Weil die Hungersnot gross war in dem ihm von Gott bestimmten Lande, sagte sich der auf Gottes Befehl aus Haran Ausgezogene: „Ich bleibe jetzt hier in der Nähe der Kornkammer, bis die Teuerung vorüber ist." Menschlich gesprochen, mag das ganz logisch gedacht gewesen sein, aber es war eben nicht aus dem Glauben.
„Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gottseligkeit“ – zur Warnung und zur Ermutigung, damit wir in den Punkten, in denen die Glaubensmänner alten Bundes zu kurz gekommen sind, um so treuer sind, weil da ein Kapital für uns verborgen liegt. Die Kinder sollen sich die Erfahrungen der Väter zunutze machen. Auch bei den heiligsten Männern Gottes können sich Lücken finden – und es ist durchaus nicht notwendig, dass wir es ihnen darin nachtun –, aber nicht, weil wir etwa besser wären als sie, sondern weil wir Gelegenheit haben, uns an ihren Erfahrungen zu orientieren. Hungersnot darf nie massgebend für uns sein, uns nie veranlassen, zur Selbsthilfe zu greifen, weil wir meinen, wir kämen sonst nicht mehr durch. Wir sind Kinder Gottes, und Kinder Gottes müssen von ihrem Gott versorgt werden. Selbsthilfe kommt ihnen in der Regel sehr teuer zu stehen, und sie müssen meistens dahin zurück, wo sie vom Glaubensweg abgebogen sind. Gott hätte Abram in dem von Hungersnot heimgesuchten Lande gewiss nicht umkommen lassen, nachdem Er ihn selbst dahin gerufen hatte, und es wäre besser gewesen, er hätte in dem schwer heimgesuchten Lande mühsam sein Leben gefristet, als sich in den Hütten Hams niederzulassen und dort ohne Kraft einhergehen zu müssen, weil er sich hatte abziehen lassen von den einfachen, geraden Linien des Glaubens und des Gehorsams und ihm dann die schwüle Luft des ringsum herrschenden Heidentums die Glaubensschwingen noch mehr lähmte.
Je näher Abram dem Lande Ägypten kommt, um so mehr sieht er das Bedenkliche seiner Lage. Oft treten einem erst die bedenklichen Seiten einer Situation vor Augen, und man wird sich oft erst bewusst, welche Rechnungsfehler man gemacht hat, wenn man den Dingen näherkommt. Überhaupt verrechnet man sich immer, wenn man nicht im Glauben wartet. Hat man aber einen Rechnungsfehler gemacht, so ist es das Beste und das einzig Richtige, dass man Busse tut und zu seinem Gott sagt: „Ich will es nicht wieder so machen.“ Das ist viel besser und viel richtiger, als wenn man sich durch neue Berechnungen und Kombinationen aus den Verwicklungen herauszuziehen sucht. Dabei kommt man in der Regel immer weiter ab.
„Und es geschah“, heisst es weiter. Nun kommt die Frucht der Selbsthilfe. Alles wirkt seine Frucht aus, und es kommt nun etwas sehr Schlimmes in Abrams Leben herein. „Da er nahe an Ägypten kam, sprach er zu seinem Weibe Sarai: „Siehe, ich weiss, dass du ein schönes Weib von Angesicht bist...“ Ja, ja, so geht es. Wer nicht alles mit seinem Gott durchmacht, der wird mit einem Male einen unerwarteten Haken sehen, an dem er nicht vorüber kommt, wenigstens nicht, ohne eine böse Schlappe davongetragen zu haben, und nicht ohne tiefe Demütigungen.
„Siehe“, sagt er zu seinem Weibe, „ich weiss, dass du ein schönes Weib bist...“ Das hat er ja schon vorher gewusst, aber an der Grenze Ägyptens kommt es ihm erst recht zum Bewusstsein. Hat sein Gott es nicht auch gewusst, und hätte Er nicht ihn und sein Weib umgeben können wie mit einer feurigen Mauer? Die Sache war eben die: Abram war aus eigener Initiative nach Ägypten gezogen, und nachdem er damit die Sache selbst in die Hand genommen, hatte er nicht die Freudigkeit als Glaubensmann zu handeln und zu Sarai zu sagen: „Es steht uns jetzt diese und jene Schwierigkeit bevor – da wollen wir miteinander niederknien und Gott um Deckung und Bewahrung bitten.“ Aber, o die Gemeinheit des natürlichen Herzens! Ist man erst von Gott abgewichen, so kommt man unversehens in gemeine Denkweisen hinein.
„Wenn dich nun die Ägypter sehen werden“, sagt Abram, „so werden sie sagen: Sie ist sein Weib, und werden mich erwürgen und dich leben lassen. So sage doch, du seiest meine Schwester, auf dass es mir wohl gehe um deinetwillen und meine Seele am Leben bleibe um deinetwillen.“ Er denkt nicht an die Ehre seines Weibes – darum ist es ihm im Augenblick nicht zu tun, sondern nur darum, dass es ihm wohl gehe, und er um ihretwillen am Leben bleibe. „Sie werden dich leben lassen, und ich muss sterben,“ sagt er mit anderen Worten. „Nun wollen wir es so machen: Sage du, du seiest meine Schwester … Dadurch, dass ich dich den Ägyptern preisgebe, komme ich aus der Schlinge heraus und bin gerettet."
Errötet man nicht unwillkürlich, wenn man sich in diese Lage versetzt – ein Mann, der seine Frau preisgibt, damit es ihm selbst wohl gehe? Ach, und wie mancher Mann behandelt seine Frau so, dass er erröten müsste, wenn es in der Öffentlichkeit bekannt würde! Wie gesagt, die Schrift ist durch und durch wahr – da werden die Leute nicht idealisiert wie in Romanen. Sie zeichnet naturgetreu – auch Heldengestalten – ja, selbst Glaubensmänner zeichnet sie schonungslos wahr. Sie ist die ewige Wahrheit in allem, was sie an unseren Augen vorüberführt, damit wir uns selbst kennenlernen und nicht nur an solchen Glaubensgestalten hinaufschauen, sondern uns auch vor den Abwegen hüten, in die sie seinerzeit geraten sind.
„Auf dass mir's wohl gehe um deinetwillen …" O Abram, wo bist du? Was fällt dir ein? Sobald man sich dagegen sträubt, diesen oder jenen Weg zu gehen, um sich Leiden zu ersparen, ist es dahin mit dem Adel der Seele. Wir sind mit Blut erkauft und brauchen uns also nicht zu fürchten vor dem, was kommen könnte.
„Damit es mir wohl gehe“ – was aus dir wird, das ist Nebensache. Der eigene Mann liefert sein Weib dem ersten besten Ägypter aus –, und zwar ist dieser Mann kein anderer als Abram! Dass der betreffende Ägypter der König ist, kommt hier gar nicht in Betracht. O, hüten wir uns doch, andere jemals unseren eigenen Interessen zu opfern, um uns persönlich den Weg zu erleichtern! Damit gewinnen wir nichts, gar nichts. Gott findet das alles heraus; denn er kommt allem auf die Spur.
Es ist wahrlich der Mühe wert, bei dieser Begebenheit in dem Leben Abrams stehenzubleiben und sich seine Lehre daraus zu ziehen, jeder für sich persönlich. Zeigt sie uns doch deutlich, wie das natürliche Herz ist, sogar das Herz eines Abram, solange er noch kein Abraham geworden ist und solange sich der Glaubenskern noch nicht losgelöst hat von allem Schmutz der Sünde und des Eigenlebens. Erst durch langjährige Glaubensproben ist Abraham, der Vater der Gläubigen, gereinigt worden. Durch Glaubensproben wird unser ganzer Mensch gereinigt, geadelt und losgelöst von der gemeinen Denkweise, dass unser persönliches Wohlergehen die Hauptsache sei – den anderen möge es dann gehen, wie es wolle.
In der Tat geht es nun genau so, wie Abram vorausgesehen hat. Gewöhnlich ist ja ein Stück Wahrheit in der menschlichen Berechnung.
„Und das Weib ward in das Haus des Pharaos gebracht“, ausgeliefert vom eigenen Mann! „Und es ging Abram gut um ihretwillen“ – aber um welchen Preis, Abram? Was hast du schliesslich gewonnen, wenn du dich aus der Schlinge herausgezogen hast? Eine schmerzliche, demütigende Schlappe in deinem Glaubensleben! „Und er bekam Schafe, Rinder und Esel, Knechte und Mägde, Eselinnen und Kamele.“ Er wurde ein reicher Mann durch Pharaos Gunst – durch das Opfer seines Weibes. Alles das hätte ihm der Herr auch ohne dem geben können – und hätte es gewiss auch getan; denn Er hatte ihn nicht seinerzeit aus Ägypten herausgeführt, um es ihm dann an irgend etwas mangeln zu lassen. Tritt uns doch nun wieder so recht anschaulich die Gnade Gottes vor Augen, dessen Berufung unabänderlich ist und Der sich auch durch die verschiedenen Irrwege Abrams nicht irre machen lässt! Er sieht als der Herzenskündiger das noch unter mancherlei Schutt begrabene Gold. Lernen wir daraus, andere nicht zu verurteilen, wenn sie auch einmal gemein denken und gemein handeln – wer weiss, ob nicht im tiefsten Grunde ein Abraham unter dem Abram verborgen ist?
Merkwürdigerweise steht nichts darüber da, dass Gott dem Abram einen Vorwurf gemacht hätte. Es werden nur die äusseren Linien der Geschichte gezeichnet. Zu Seiner Stunde aber griff Jehova ein; denn es heisst: „Und der Herr schlug den Pharao und sein Haus mit grossen Plagen um Sarais... willen.“ Gott plagte – nicht den schuldigen Abram – sondern den unschuldigen Pharao. Und der König war klug – oder sagen wir lieber – gottesfürchtig genug, um zu merken – nicht nur, dass die Plage nicht von ungefähr kam, sondern von Gott war – sondern auch, warum er also geplagt wurde. Gott kann, wenn Seine Kinder nicht mehr in Seinen Linien wandeln, Heiden erwecken, die sie schliesslich noch zur Rechenschaft ziehen müssen. Wie viele Plagen muss Gott schicken auch unserer heutigen Christenheit, und wie verhältnismässig wenige kommen zu der Erkenntnis oder sind aufrichtig genug zu bekennen: „Gott sucht uns um dieser oder um jener Sache willen heim!“
Nicht so der heidnische König Pharao. Dieser rief Abram zu sich und sprach zu ihm: „Warum hast du mir das getan? Warum sagtest du mir nicht, dass sie dein Weib wäre?“ Keine Antwort. Das ist eine traurige Sache, wenn ein Kind Gottes der Welt nicht Rede und Antwort stehen kann, sondern mit geschlagenem Gewissen vor ihr stehen muss – wenn Weltkinder es strafen und zurechtweisen müssen, weil es krumme Wege gegangen ist! Hätte sich Abram, wenn nötig, nicht lieber töten lassen sollen, als sein eigenes Weib preiszugeben? Hätte der Herr nicht Macht gehabt, Sarai zu decken und zu bewahren, ohne dass er seine eigenen ungöttlichen Vorkehrungen getroffen hätte? Die einzige Antwort, die Abram dem König hätte geben können, auf seine Frage: „Warum hast du mir nicht kundgetan, dass sie dein Weib ist?“ wäre gewesen: „Ich fürchtete, du könntest mir das Leben nehmen, wenn ich es dir sagte.“
Der König Pharao zeigt sich in diesem Stücke gerechter als der Mann Gottes, wie das leider zuweilen vorkommt. Er verabschiedet ihn, sorgt aber noch grossmütig für ihn und sein Weib. „Siehe, da ist dein Weib“, sagt er. „Nimm sie und geh.“ Er gibt ihnen also sogar noch eine Schutzwache mit auf den Weg. „Und“, heisst es weiter, „Pharao bot seinetwegen Mannschaft auf, dass sie ihm das Geleite gaben und seinem Weibe und allem, was er hatte.“ Was man von einem Pharao erwarten konnte, das tat er und noch mehr. Er entliess sie mit Ehren, anstatt sich an ihnen zu rächen. Abram war nach Ägypten gezogen, ohne von Gott dahin geleitet worden zu sein – jetzt muss ihm Pharao wieder hinaushelfen. Abram hatte sich dem Geleit seines Gottes nicht anvertraut – jetzt muss Pharao seine Fittiche über den Glaubensmann breiten. O, wachen wir doch auf zu dem Bewusstsein, was Glaubensleben ist, und ehren wir unseren Gott damit, dass wir nicht mehr bei der Welt um Bereicherung und Beschützung betteln, sondern uns Rechenschaft geben von dem Adel eines Glaubenswandels! Bleiben wir unter heiliger Zucht, in der Einfalt des Glaubensgehorsams, die Folgen getrost unserm Gott überlassend! Dann ist unsere Sache in guten Händen, und wir riskieren nicht, in Verwicklungen zu geraten, aus denen wir uns vielleicht schwer wieder herausziehen können. Wandeln wir in den einfachen Linien des Glaubens und des Gehorsams, so werden unsere Füsse fest, und unser Gang wird gewiss auf dem Pfad, den Er uns führt. Dazu gehört aber, dass wir rückhaltlos unserem Gott überlassen, was Er allein imstande ist, hinauszuführen.
„Und Abram zog mit seinem Weibe und allem, was er hatte – auch mit Lot – aus Ägypten in das südliche Kanaan. Und er war sehr reich an Silber und Gold.“ Dann kam er wieder an die Stätte, wo er dem Herrn früher einen Altar gebaut hatte und rief daselbst den Namen des Herrn an. Diese Haltestelle bedeutet einen Fortschritt im inneren Leben Abrams – und zwar durch eigene Schuld hindurch. – Auch wir haben wohl, jedes von uns, solche Haltepunkte in unserem Leben gehabt. Auch bei dir, lieber Leser, hat vielleicht nicht immer eine einheitliche Entwicklung stattgefunden – auch du hast vielleicht zuweilen über einen Stillstand in deinem Glaubensleben zu klagen gehabt – dann aber auch wieder Zeiten des Durchbruchs gekannt. Wohl dir, wenn es zur Stunde zu einem festen, regelmässigen Gang bei dir gekommen ist – zu einer regelmässigen Nachfolge des Herrn in Freude und Leid, in guten und in bösen Tagen, in der Verborgenheit und in der Begegnung mit anderen! Wohl uns, wenn die Gnade in uns Raum gewonnen hat, und unser Herz wirklich fest geworden ist in der Gnade!