Schriften von Otto Stockmayer
Abraham - der Vater der Gläubigen
11. Gerechtigkeit aus dem Glauben. - 1. Mose 15,6 bis Schluss.11. Gerechtigkeit aus dem Glauben. - 1. Mose 15,6 bis Schluss.
„Und Abram glaubte, und das rechnete ihm Gott zur Gerechtigkeit.“ Das ist das Wort, auf dem sich der ganze Römerbrief aufbaut, und in dem keimartig das ganze Neue Testament enthalten ist. Es ist das Wort, auf dem Luther fusste, als Gott ihn aus mitternächtlicher, schauerlicher Finsternis weckte, wo man keine Ahnung mehr von Ungerechtigkeit hatte und die Werkgerechtigkeit so furchtbar überhandnahm, dass man die Sündenvergebung um Geld verkaufte. Dahin kann man geraten, wenn man einmal abweicht von der Einfalt des Evangeliums und in eigenes Machwerk hineinkommt. Da ist es nicht mehr als recht und billig, dass man vor solch einem Worte stehenbleibt und sich fragt: „Wie hängen wohl der erste und der zweite Teil des Verses zusammen?“ „Er glaubte Jehova, und Jehova rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.“ Gott hat von Anfang an nichts Weiteres vom Menschen verlangt, als dass er Ihm vertraue, an Sein Wort glaube und sich an Sein Wort halte und anklammere. Kam doch der tiefe Fall des Menschen im Garten Eden daher, dass sich der Mensch vom Feinde, vom Lügner, vom Mörder weismachen liess, es könne ausserhalb der Linien des Wortes Gottes Genüsse geben, von denen ihn Gott abhalten wolle! Mit anderen Worten: Gott sei ein harter Herr, der den Gedanken nicht ertragen könne, dass der Mensch wie Gott sei. „Ihr werdet sein wie Gott, wenn ihr von dem Baume esst, von dem Gott gesagt hat, ihr sollt nicht davon essen“, hat der Teufel unseren Stammeltern zugeraunt. Es war eine Verleugnung der Liebe Gottes und eine Auflehnung gegen den Willen Gottes von ihm geplant. Eine von Gott geschaffene Kreatur kann aber nur unglücklich werden, wenn sie die Linien des Wortes Gottes verlässt; denn Gott ist die Liebe, und Sein Wort kann nur das Beste für den Menschen bedeuten. Es handelte sich um das Meisterwerk Gottes, den Menschen, und dieser sollte Gottes Mitarbeiter für zukünftige Äonen werden. Dazu gehörte vor allen Dingen, dass er an die Liebe Gottes glaube und sich nicht einbilde, es gebe ein Glück jenseits der Linien des Willens Gottes. Der Glaube ist Sache des Kindes. Das Kind hat Vertrauen zu seinen Eltern, zu den Erwachsenen, zu seinem Lehrer. Auch der Gehorsam des Bürgers beruht auf dem Vertrauen, dass die Obrigkeit zum Besten des Volkes regieren wird. Wo dieses Vertrauen in die Brüche geht, gibt es Auflehnung und Revolution. Mit Glauben und Vertrauen gebe ich Gott die Ehre – meinem himmlischen Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geist. Ich gebe Gott die Ehre für die Entwicklung meines äusseren Lebens, indem ich unerschütterlich fest vertraue, dass Er es in allen Stücken recht machen wird, und dass mir Gefahr droht, wo ich mein äusseres Leben in die eigene Hand nehme. Ich erkläre durch mein Vertrauen, dass ich mir bewusst bin, dass ich nur gewinne, wenn ich mein ganzes Leben aus der Hand gebe und Gott dessen Leitung überlasse. Ich lege es nieder in die Hand eines Vaters, weil ich weiss, dass Er mir gern alles Leid erspart, das mir nicht zu meiner Erziehung notwendig ist, und dass Er mir andererseits kein Gutes vorenthält. Das ist Glaube an die Liebe meines Schöpfers, der mein Leben regiert. Ich weiss, dass ich bei Ihm in guter Hand bin, und dass es die grösste Torheit wäre, wollte ich mein Leben und meine Erziehung in die eigene Hand nehmen. Du hast das probiert, und ich habe es probiert, und wir waren beide froh und dankbar, dass wir unser Leben schliesslich in Seine Leitung zurückgeben durften. Und was vom Vater gilt, das gilt von dem Werke des Sohnes, unseres Erlösers. Die Überzeugung, dass ich mich nicht selbst losmachen kann von meinen Trieben, Instinkten, Eindrücken, Fantasien, von allem, was mich lähmt, befleckt, aufhält oder entzündet, kann nur der Heilige Geist in mir wirken. Er ist es, der mir klarmacht: „Ich kann mich nicht bessern; ich kann mich nicht lösen. Ich brauche einen Heiland, einen Erlöser, dessen Blut mich wäscht und löst und mit Gott verbindet! Er wirkt den Glauben in mir, dass Vater und Sohn so zusammenwirken und zusammenarbeiten, dass ich durch die Leitung des Vaters in meinem äusseren Leben immer tiefer hineingeführt werde in die Erkenntnis meiner Schwäche und Haltlosigkeit und die Treue meines Heilands in grossen und in kleinen Dingen. Es ist ein Vertrauensakt, beruhend in der Erkenntnis meiner Armseligkeit. Glauben heisst dem Erlöser Raum machen und nie den Mut verlieren; glauben heisst sich beugen, wo es nicht vorwärtsgeht, und erkennen, dass man nicht weiter kommt, weil man seinem Heiland nicht vertraut und den Heiligen Geist nicht erkannt hat, Der uns unseren Heiland und die Macht Seines Blutes so offenbart, dass – was wir auch in unserem Organismus, unserer Seele, unserer Fantasie von Befleckung, Hemmnis, Dunkel, schwierigen Zuständen und Stimmungen finden – wir unerschütterlich fest dabei bleiben: „Im Blute Christi, das uns nur der Geist aufschliessen kann, ist Lösung davon.“
Ich habe schon oft daraus aufmerksam gemacht, dass man in dem Lobgesang in Offenbarung 1 ebenso gut lesen kann: „Der uns gelöst hat mit Seinem Blute“ wie: „Der uns gewaschen bat mit Seinem Blute.“ Gerade in dieser Stelle ist es unmöglich, festzustellen, welches die besser und stärker bezeugte Lesart ist. Es ist eben beides: Das Blut wäscht, und das Blut löst. Es ist hier die Tatsache gleichsam konzentriert dargestellt, dass die Schrift mit jeder Waschung zugleich Lösung meint, und dass ein Waschen, wo die alten Fantasien, Schmutzflecken, Triebe usw. in gleicher Stärke wiederkommen, kein biblisches Waschen ist. Es ist der Glaube an das, was im Mittelpunkt des Reuen Testamentes steht: „Das Blut Jesu Christi macht uns rein von aller Sünde.“ Und darin liegt, dass ich mit Christo gekreuzigt bin, dass die alte Natur abgetan worden ist, und dass es, wo es keinen Durchbruch geben will, nur daraus ankommt, dass ich mir in der Stille des Heiligtums ein Stück mehr von der Tiefe der Erlösung offenbaren lasse. Dann fängt man an, sich der abenteuerlichen Vorstellung zu schämen, als ob es irgendetwas im Herzen oder Leben geben könnte, von dem es nicht Heilung gäbe im Blute des Lammes – seien es nun Stimmungen oder Eindrücke, Charakterschwierigkeiten oder dergleichen. Wir glauben an Jehova, Der Seines eigenen Sohnes nicht verschont hat, sondern hat Ihn für uns alle dahingegeben, auf dass alle, die Ihm nicht durch Unglauben Grenzen stecken, nicht verloren gehen, noch an irgendeinem Punkte ihrer Entwicklung stecken bleiben, sondern durchbrechen – hinein ins ewige Leben, hinein aus dem Verweslichen ins Unverwesliche. Und wo das Verwesliche nicht weichen will, harren wir des Herrn, bis Er in dem unverweslichen Worte Gottes und dem unverweslichen Blute des Lammes neue Kräfte für uns flüssig gemacht hat. Das sind unverwesliche Kräfte. Ich möchte hier an das Wort unseres Heilands erinnern: „Wer mich ehrt, ehrt den Vater. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht.“ Wer nicht an die Fülle der Erlösung glaubt und lieber mit Rückständen durchs Leben geht, steckt damit dem erlösenden und lösenden Blute Jesu Christi Grenzen. Sage doch nicht: „Ja, wenn ich nur dies oder das nicht getan hätte! Wenn ich nur nicht so oder so geartet wäre! Wie soll Er über dieses und jenes Gebiet meines Lebens Herr werden?“ Wer so fragt, gerät unwillkürlich in die Nacht des Unglaubens hinein. Es gilt, niemals stehenzubleiben vor der Vollendung, vor der Entrückung, sonst geht es durch Tod und Grab hindurch, und der Tod ist ein Feind, den Jesus überwunden hat. Er hat Leben und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch eine Erlösung, die alles und von allem löst. Es ist also solcher Glaube an Jehova, an das Wort Gottes ein Akt, durch den der Mensch nicht nur Vergebung der Sünden bekommt, sondern der göttlichen Natur teilhaftig wird. Durch jeden Glaubensakt treten wir aus der Gebundenheit unserer Natur einen Schritt weiter heraus und einen Schritt tiefer hinein in die Freiheit der Kinder Gottes. Durch Unglauben legen wir uns in Fesseln, durch Vertrauen werden wir frei. Er macht alle frei, die in Bezug auf jede Gebundenheit und Schwierigkeit ihrer alten Natur an Ihn glauben und Ihm vertrauen.
„Abram glaubte Jehova, und das rechnete Er ihm zur Gerechtigkeit“ haben wir im 6. Verse unseres Kapitels gelesen. Mehr verlangt Gott nicht, als dass man Ihm glaubt, und das kann Er verlangen. Bringt man Gott weder Glauben noch Vertrauen entgegen, so ist das gottlos. Jemand das Vertrauen verweigern ist das schwerste Anrecht, das man ihm antun kann. Damit, da wir Gott glauben und uns an Sein Wort halten, stellen wir uns auf den Boden der von Ihm gewollten Linien – auf den Boden der Gerechtigkeit und Wahrheit. Wir können Ihm ja nichts anderes bringen als Vertrauen, und das werden wir Ihm doch nicht vorenthalten wollen! Das Vertrauen, das Gott von Abraham und von Seinem neutestamentlichen Bundesvolke verlangt, hat Tatsachen zur Grundlage – eine heilige Geschichte, auf der neben dem Worte Gottes unser Glaube fusst. Je mehr jemand eine christliche Vergangenheit hinter sich hat, umso leichter wird ihm das Vertrauen. Kann man doch schon Menschen nicht misstrauen, von denen man nur Gutes empfangen hat, besonders wenn sie sich jahrelang bewährt haben!
„Ich bin Jehova, der Seiende, Der da ist und Der da war, und Der da sein wird.“ Mit diesen Worten ist ausgedrückt, was Gott an sich ist, und als was Er sich bisher in der Geschichte und im Leben Seines Knechtes schon erwiesen und bewährt hat.
Vers 7: „Gott sprach zu Abram: Ich bin der Herr, Der dich von Ur aus Chaldäa ausgeführt hat, dass ich dir dies Land zu besitzen gebe. Abram aber sprach: Herr, Herr, wobei soll ich's merken, dass ich's besitzen werde?“ Immer wieder sieht man, wie Abram sich immer aufs Neue durchgerungen hat durch seine alte Natur, bis endlich die göttliche Berufung, die Gott in ihm niedergelegt hatte, zum Durchbruch kommt. Gott lässt sich in Gnaden herab zu unseren Zweifeln und Bedenken, gibt uns Unterpfänder, unter denen es kein höheres gibt als Seinen eingeborenen Sohn. „Woran soll ich erkennen, dass du mir das Land zu besitzen geben wirst?", fragt Abram. Ja, Abram, glaubst du denn deinem Gott nicht? Musst du noch besondere Unterpfänder und Anhaltspunkte haben, wenn Er dir etwas verheisst? Gott lässt sich herab, ihm solche zu geben.
„Bring mir eine dreijährige Kuh und eine dreijährige Ziege und einen dreijährigen Widder“, sagte Er zu ihm. „Und er brachte ihm solches alles und zerteilte es mitten voneinander und legte ein Teil dem anderen gegenüber. Aber die Vögel zerteilte er nicht. Und die Raubvögel fielen auf die Aase; aber Abram scheuchte sie davon. Da nun die Sonne am Untergehen war, fiel ein tiefer Schlaf auf Abram, und siehe, Schrecken und grosse Finsternis überfielen ihn.“ Es ist ein unheimliches Nachtgesicht, eine nächtliche Erscheinung, die in diesem 15. Kapitel verzeichnet ist – eine heilige Nacht. Aus dem Schosse dunkler Nacht geht ein neuer Tag hervor. Tief eingreifendes ist da vorgegangen zwischen Gott und Abram. Es war kein natürlicher Schlaf, welcher kommt, wenn die Sonne untergegangen ist, der da auf Abram fällt. Nicht nur verweigert ihm Gott die Antwort nicht, sondern Er kommt ihm zu Hilfe mit neuen Offenbarungen, mit einem Ausblick auf das, was seiner Nachkommenschaft wartet, wo dieselbe durchzugehen haben wird. Allerdings verhehlt Er ihm auch nicht, dass der Segen, den Er ihm verheisst, nicht eintreffen wird, bevor seine Nachkommen nicht gründlich durchgeschult und geprüft sein werden.
Vers 13: „Da sprach Er zu Abram: das sollst du wissen, dass dein Same fremd sein wird in einem Lande, das nicht sein ist, und da wird man sie zu dienen zwingen und plagen 400 Jahre.“ Gott hat einen anderen Kalender als wir und rechnet mit anderen Zahlen als wir kurzsichtigen Menschenkinder, und zu je Höherem jemand berufen ist, um so tiefer wird er gedemütigt, um so gründlicher muss seine Erziehung sein. „Tausend Jahre sind vor Ihm wie ein Tag und ein Tag wie tausend Jahre“ Wir müssen uns erst hineinleben in die grossen Linien Gottes, in die Erziehung Seines Volkes alten und neuen Bundes – Seiner Gemeinde. Das ist keine sehr liebliche Aussicht, 400 Jahre langer Druck!
Gott fährt fort: „Aber ich will das Volk richten, dem sie dienen müssen. Darnach sollen sie ausziehen mit grossem Gut.“ Durch Gericht hindurch, durch Plünderung, durch 400jährigen Missbraucht werden hindurch ziehen sie schliesslich aus unter Gottes ausgestrecktem Arm und gnädiger Hand. Schliesslich dürfen sie auch noch ihre Plünderer plündern und ausziehen mit gewaltiger Habe.
Dieses in Abraham erwählte Volk, das dazu bestimmt ist, im tausendjährigen Reich über die Völkerwelt zu herrschen, und in dem noch alle Nationen gesegnet werden sollen, wie sie ja schon gesegnet worden sind dadurch, dass Jesus aus seiner Mitte hervorgegangen ist, geht jetzt durch eine fast zwei– tausendjährige Demütigungsschule, wie es vorzeiten in Ägypten durch 400jährige Knechtschaft gegangen ist, um klein gemahlen zu werden, damit es schätzen lerne das grosse Erbe, das der Herr ihm beschieden hat, anstatt sich etwas daraus zugutezutun, wie damals dem Herrn Jesus gegenüber. „Wir sind nie jemandes Knechte gewesen“, haben sie zum Heiland gesagt, und doch waren sie Knechte der Sünde, die nur Er frei machen konnte. Aber lieber stützt man sich auf alles Mögliche, was nicht stichhält – auf seinen Adel, seine Voreltern, seine Erziehung, auf das Land, dem man angehört, als dass man sich beugte. „Sie müssen gedemütigt werden“, sagt der Herr, „aber das Volk, dem sie zu ihrer Demütigung dienen müssen, will Ich richten.“ Auch wenn Gott Seine Kinder demütigt, gibt Er sie damit nicht in die Hände anderer dahin.
„Du aber“, fährt der Herr fort – „du aber“, das heisst, was dich persönlich betrifft, Abram – „du sollst fahren zu deinen Vätern mit Frieden und in gutem Alter begraben werden.“ In den Patriarchen konzentriert sich eine ganze Geschichte, eine ganze Zukunft – was sie persönlich betrifft, kommt nur in Parenthese. Es ist, als ob der Herr sagte: „Du persönlich, Abram, kannst ruhig sein.“ Der Segen, für den der Herr die Patriarchen erzog, war Fruchtbarkeit. Sie sollten Frucht bringen für Gott; sie sollten Stammväter für ein Erlösungsvolk sein.
„Du sollst fahren zu deinen Vätern... – sie aber sollen nach vier Mannesleben wieder hierherkommen; denn die Missetat der Amoriter ist noch nicht voll.“ Die Israeliten mussten unter dem Druck des Joches in der Knechtschaft Ägyptens reifen für die Herrlichkeit ihrer Berufung – die kanaanitischen Völker hingegen mussten für die Gerichte reifen, die ihrer warteten. Gott lässt alles reifen, lässt alles seine letzte Frucht bringen, um die Dinge dann fassen zu können. Die Ähren reifen für die Herrlichkeit – das Unkraut reift für den Höllenbrand. Alles, was uns auf Erden begegnet, ist von Gott in unser Leben hineingelegt, damit es uns zur Ausreifung für die Herrlichkeit diene, damit dadurch offenbar werde, was eigentlich in uns ist. Alles, bis ins allerkleinste hinein, muss dazu dienen, dass wir gewogen werden und sich also herausstelle, wie viel Ewigkeitsgehalt wir haben, wie viel wir glauben. Da kann es unter Umständen durch tiefes Dunkel bei uns gehen wie bei Abram. In Probestunden werden wir daraufhin gewogen, ob wir unseren Gott ehren, indem wir Ihm unbedingt vertrauen, oder ob wir uns entmutigen lassen, als ob Gott uns nicht weiterhelfen könnte.
„Das Mass der Amoriter" – und somit der Kanaaniter – „ist noch nicht vollendet.“ Im letzten Buch unserer Bibel haben wir Offenbarung 22 in gedrängter Kürze ein diesbezügliches allgemeines Gesetz, und das im Blick auf das Kommen des Herrn.
Vers 10: „Versiegle nicht die Worte der Weissagung in diesem Buche; denn die Zeit ist nahe. Wer böse ist, der sei immerhin böse, und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig. Die Zeit ist nahe.“ Wie soll nun aber diese Zeit bis zum Kommen des Herrn ausgefüllt werden? „Wer böse ist, der sei immerhin böse“ – das Mass der Amoriter ist noch nicht voll, und natürlich haben die Bösen da noch Zeit, umzukehren, und die Unreinen haben noch Zeit, sich zu reinigen. Das Gesetz ist: „Es muss alles reifen“; doch ist das nicht etwa so zu verstehen, dass Weizen und Unkraut einfach nebeneinander reifen, sondern es besteht eine Wechselwirkung zwischen denselben, so dass unter Umständen der Weizen vom Unkraut überwuchert und erstickt werden kann. Geradeso ist sozusagen ein beständiger Existenzkampf zwischen rein und unrein. Durch die Not, die uns die Gottlosen verursachen, werden wir näher zu Gott getrieben, oder es stellt sich infolge dieser Not heraus, wo unsere eigene Frömmigkeit noch nicht tief genug gewurzelt ist. Gar manche werden ausgewurzelt, eben weil sie nicht tief genug in Gott eingesenkt sind. Die Frage ist nun, ob man sich durch das böse Wesen anderer anstecken oder tiefer gründen lässt in den Heimatgrund der Ewigkeit. Wer fromm ist, der tue letzteres; denn der Herr ist nahe, und wer weiss, ob Sein Kommen nicht gerade dadurch aufgehalten ist, dass nichts ausreift! „Selig sind, die ihre Kleider gewaschen haben im Blute des Lammes“, die keine Flecken an ihren Kleidern herumtragen – keine Flecken in ihrer Heiligkeit, ihrem Christenwandel. Er heilige sie weiter auf den Tag der Wiederkunft des Herrn, auf den Tag der Ernte!
Der Eintritt ins heilige Land hing davon ab, dass Kanaaniter für das Gericht reiften, dass Israel reifte für sein Erbe, dass die Welt reifte für das Gericht, und dass die Gemeinde reife für die Entrückung. Das ist die ganze Entwicklung der Gemeinde; denn wenn wir uns nicht aufhalten, sondern uns umgestalten lassen ins Bild Christi, so reift dadurch das Unkraut. Es geht da nicht wie in der Natur, sondern das reifende Unkraut nötigt uns, tiefer in die Gnade einzugehen. Dadurch reizen wir aber den Widerspruch der Welt und des Teufels, des Fürsten dieser Welt, so dass sie es immer ärger treiben. Das sind die Gesetze der Entwicklung im Reiche Gottes. Und über dem allen steht für uns: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte.“ Wenn der Herr nur auch bei uns immer wiederholen kann wie bei Abram:
„Er glaubte Gott, und das rechnete Er ihm zur Gerechtigkeit!“ Wenn nur wir immer wieder uns halten an den Bund, den Gott mit uns geschlossen hat in Christo – und das im Vertrauen, dass Er uns im Geiste einführen wird in das ganze Erbe, das Er uns hinterlassen hat. Dort am Kreuz ist uns die Welt gekreuzigt worden und wir der Welt. Wir sind Mitgekreuzigte, Mitgestorbene, Mitauferstandene und mit ins himmlische Wesen Versetzte – mit Christo in die obere Welt entrückte, damit wir im Geiste jetzt schon als mit Christo in himmlischen Örtern Sitzende herrschen über Sünde, Welt, Fleisch und Tod.
1. Mose 15,17: „Und nun wurde es vollends Nacht. Da rauchte ein Ofen, und eine Feuerflamme fuhr zwischen den Stücken hin.“ Das war ein Opfer, welches nicht von Menschenhand angezündet wurde – von Menschenhand hergerichtet, aber nicht von Menschenhand angezündet. Gott selbst hat mit Seinem Feuer eingegriffen wie damals, als Elias und die Baalspriester ihr Opfer brachten. Da hat Gott mit Feuer vom Himmel bezeugt, was Er annimmt und was nicht. Der Feuersee offenbart alles, und wiederum offenbart sich Gott durch Feuer. Dieses Feuer brennt fortwährend in unserem Innern und ist eine Macht, die nur gelähmt wird, wenn man den Heiligen Geist betrübt. „Sanftmütig und demütig“ und doch ein heiliges Feuer, das ausgeht von allen Geisteskindern, aber nur von ihnen – nur von solchen, die sich erst durch Feuer reinigen und läutern lassen, damit ein heiliges Feuer in ihren Herzen brennen kann – nicht ein Feuereifer, wie ihn die Donnersöhne hatten, als sie Feuer vom Himmel herabrufen wollten, damit es die Gegner Christi verzehre. Geduld ist auch eine der Früchte heiligen Feuers. Wer nicht die nötige Geduld hat, um alles reifen lassen zu können, der ist ein Kind der Zeit – in dem brennt kein heiliges Feuer, der hat keine Geistesmacht.
„Deinem Samen habe Ich dies Land gegeben“ – nicht – „werde ich dies Land geben.“ Das ist göttliche Sprache. Ich habe den Bund geschlossen, das Feuer ist zwischen den Opfertieren hindurchgegangen, es ist versiegelt zwischen uns beiden: „Deinem Samen habe Ich dies Land gegeben," und zwar nicht nur das Stück Erde, wo das eben vorgefallen ist, sondern das ganze Land von dem Wasser Ägyptens an bis an das grosse Wasser Phrat...“
Darnach sind die Völker aufgezählt, die diese Länder besahen, darunter auch Riesen. Das sind die grossen und kleinen Schwierigkeiten, die sich uns in den Weg stellen, wenn wir das uns von Gott zugedachte Land einnehmen. Mit diesen rechnet Gott gar nicht, und wir sollen auch nicht mit ihnen rechnen, sondern mit dem lebendigen Gott, Seinem Wort und Seinen Verheissungen und Weissagungen. Darauf sollen wir fussen, und aller Widerstand, dem wir begegnen, soll uns für unser Erbe vorbereiten, uns abschleifen und in unserem Herzen Raum machen für das Bewusstsein unserer hohen Berufung. Die Hoffnung auf das uns zugedachte Erbe und das Bewusstsein der Herrlichkeit, zu der wir berufen sind, stärkt uns dazu, alles durchmachen zu können, was wir nach Gottes Willen durchzumachen haben, um tüchtig zu werden für unser herrliches Erbe.