Schriften von Otto Stockmayer
Abraham - der Vater der Gläubigen
26. Ergänzende Bemerkungen über 1. Mose 22,1-19 anhand von Hebräer 11,13-19 und Lukas 14,25-35 .26. Ergänzende Bemerkungen über 1. Mose 22,1-19 anhand von Hebräer 11,13-19 und Lukas 14,25-35 .
Jedes Wort aus Jesu Munde ist besonders beachtenswert, aber wenn es Lukas 14,35 heisst: „Wer Ohren hat, zu hören, der höre", so müssen wir uns dieses Wort vorrangig ins Herz schreiben lassen. In Lukas 14,25-35 ist vom Salz die Rede. Die Welt hat Angst vor Christen, die zu weit gehen, und doch kann ihr nur durch Christen geholfen werden, die dem Lamme nachfolgen bis ans Ende. Was wäre der Welt gedient mit Leuten, die nicht entschlossen sind, rücksichtslos ein für allemal alles dahinten zu lassen, was es auch sei, und wären es Vater, Mutter, Brüder, Schwestern und sogar das eigene Leben – das heisst: hassen. Aber ach, wie viele gibt es leider, die immer noch markten mit dem Herrn, die ihren Gott nicht kennen und immer noch fürchten, Er möchte in Seinen Forderungen zu weit gehen! Ist das Vaterland in Gefahr, so werden die zartesten und heiligsten Familienbande beiseitegesetzt; es muss alles hinaus in den Kampf. Sollten da die Christen nicht auch lernen, alles daranzugeben, wenn der Herr ruft?
Wir haben schon einmal darauf aufmerksam gemacht, dass man den Seinen nie mehr zum Segen werden kann, als wenn man stracks vorwärtsgeht. Dadurch wird der Fäulnis in Familien und Gemeinden am besten gesteuert, und so wird man ein Salz. Der Herr kann aber nur gelöste, ausgelieferte Leute brauchen, nur Leute, bei denen es Ihm wie bei Abraham entgegen tönt: „Hier bin ich, bereit zu allem, was du von mir verlangst!" Ein Kind Gottes, das nicht so antworten kann, ist seinem Christen- und Zeugenberuf, seinem Licht- und Salzberuf untreu geworden.
Ein Brandopfer sollte Abram dem Herrn auf Morijah darbringen – also ein Opfer, das gänzlich verbrannt wird auf dem Altar. Dazu sind wir bestimmt, und darüber müssen wir uns klar werden. Es ist eben am gefallenen Menschen gar nichts Reines, gar nichts Gesundes, vom Scheitel bis zur Fusssohle. „Das ganze Haupt ist krank; das ganze Herz ist matt", klagt der Herr über sein Volk (Jesaja 1,5). Man kann die Sünde aus Herz und Leben und Existenz nicht mehr anders herausbringen – als dass es durch Lot, durch Verbrennen geht. Als Christus als ein zum Fluch Gemachter am Kreuze hing, hing Er dort für die ganze Menschheit – nicht nur für einzelne, in besonderer Weise in Sünde und Schmutz versunkene. Nein, über alle ist der Fluch ausgesprochen; über jeden einzelnen Menschen ist der Stab gebrochen. Das Gesetz konnte mit den Anforderungen göttlicher Heiligkeit, mit welchen es an den Menschen herantrat, nichts erzielen. Es konnte nur den Abstand zwischen Gottes Heiligkeit und des Menschen Verderben offenbar machen. So wurde das Gesetz der Zuchtmeister und Vorbereiter auf Christum. Es kann nichts ausgebessert und repariert werden – der einzige Weg ist: der Tod. Alles in uns muss in den Tod, sonst gibt es kein Auferstehen. Wie manche, wenn der Herr mit ihnen weitergehen will, wenn Er mehr und mehr zu verlangen scheint, markten mit Ihm als mit einem Herrn, der nie zufrieden ist, sondern immer nur schlägt und züchtigt, und sie fragen: Will denn Gott alle Blüten und Blumen eines Menschenlebens zerstören? Steht denn nicht in der Bibel, dass alle Kreatur gut ist, und dass man dem nachgehen soll, was lieblich ist, was wohllautet, wo etwa eine Tugend oder ein Lob ist? Soll man sich nicht mehr freuen dürfen über alles Hohe, Schöne und Gute? Soll man denn jedem Genuss entbehren?" O Menschenkind, dein Gott ist nicht, wie du Ihn dir vorstellst! Berauben, Entziehen und Ausziehen sind nicht Seine letzten Worte, sondern nur ein Durchgang. Was nicht auf den Altar gelegt, was nicht durch den Tod gegangen ist, kannst du dir nicht erlauben zu geniessen; denn nicht du würdest es besitzen, sondern die Kreatur würde dich besitzen und knechten. Alle sogenannten Ruhe- und Sonnenpunkte in deinem Leben sind befleckt, unrein, von abgöttischen Elementen durchzogen. Alle Kreatur Gottes ist gut und nichts verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird – aber wirklich mit Danksagung geniessen können nur Könige, die nicht besessen sind von Kreatürlichem, von Büchern, Korrespondenz, Freundschaft, Kunst, Wissenschaft usw. Geniesse jede Freundlichkeit, jede Erquickung – ja, jeden dir von Kindern Gottes dargereichten Becher kalten Wassers mit Danksagung, aber lass dich nicht daran binden; erkenne deinen Gott in allem! Was dein eigenes Leben ausmachte, sei auf den Brandopferaltar gelegt; damit unterschreibst du praktisch, dass dein Bestes, dein Heiligstes, so durchfressen ist, dass es durch den Tod muss. Tod ist nicht das letzte Wort – aber du hast es in den Tod zu geben ohne zu zaudern. Gib deinen Isaak, gib das, womit dein Herz und Leben, deine Hoffnung und Zukunft verwachsen waren, dein Bestes und Liebstes – in den Tod! Liegt nicht auch darin ein sehr ernster Wink, dass bei der Stiftshütte der Brandopferaltar auf dem Wege zum Heiligtum stand? Im Heiligtum waren der Rauchaltar, die Schaubrote und der Leuchter. Du kannst nicht vorbei am Brandopferaltar, du musst darüber gehen, wenn du in Gebets- und Lebensgemeinschaft mit dem Herrn treten, im Heiligtum Einlass erhalten willst. Nie und nimmer führt Gott das natürliche Leben in Seine Gemeinschaft ein! Gib es in den Tod! Du brauchst dich nicht zu fürchten und nicht zu zittern, du hast es mit einem herrlichen, freundlichen, gnädigen Herrn zu tun, Der gerade da am meisten Barmherzigkeit an dir übt, wo Er am unbarmherzigsten scheint.
Jeder entscheide sich, was er will, und dann gehe er vorwärts nach Morijah, dem Lamme nach, durch Tod und Auferstehung! Dann ist die Welt nicht betrogen mit einem dummen Salz – dann ist sie nicht mehr betrogen mit Christen, aus denen sie machen kann, was sie will, denen sie vorschreiben kann: „Bis hierher geht ihr und nicht weiter – wer weitergeht, den halten wir für einen Schwärmer." Christen sollen verlorene Leute für die Welt sein; denn die Welt braucht solche, die ihr Tun verdammen wie Noah, der für die Zukunft baute und mit seinem Leben nicht im Irdischen aufging.