Schriften von Otto Stockmayer
Abraham - der Vater der Gläubigen
16. Dreizehn Jahre langes Schweigen Gottes. - 1. Mose 17 .16. Dreizehn Jahre langes Schweigen Gottes. - 1. Mose 17 .
Jede empfangene Gnade soll uns klein machen in unseren eigenen Augen; dann werden uns andere nicht verächtlich.
In einer doppelten Eigenschaft und darum unter einem doppelten Namen erscheint Gott der Hagar. Erstens als ein Gott, Der hört, und das soll der Begleitschein für Ismael sein, sein Leben lang. Ismael heisst – wie wir gesehen haben – „Gott hört", weil der Herr den Notschrei seiner Mutter Hagar gehört hat.
Zweitens erscheint Er ihr als ein Gott, Der sieht. – VERS 13. – In dieser doppelten Eigenschaft und nach dieser doppelten Richtung hindürfen und müssen wir unsern Gott alle Tage besser kennen und auch Seine Führungen, Demütigungen– und Zurechtbringungswege je länger, je mehr verstehen lernen. Wir haben einen Gott, Der hört. Er hört sowohl unser Schreien als auch das Schreien derer, denen wir Unrecht getan haben. Öffnen wir letzteren unsere Ohren nicht, so dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn Gott Seinerseits unserem Schreien Sein Ohr verschliesst. Damit, dass Er uns dann die Erhörung – wenn auch vielleicht nur für eine Zeit lang – versagt, erzieht Er uns.
Das andere, was für Hagar in der am Wasserbrunnen gemachten Erfahrung liegt, ist dieses: „Jehova, Der mich sieht." Sie war, nachdem sie selbst mit ihrer Vergangenheit gebrochen hatte, als arme Verstossene allein mit ihrer Not in der Wüste – aber wenn sie auch von Menschen verlassen war, so hatte sie doch ihr Gott begleitet. Sein Auge wachte über ihr, und sie sah schliesslich den, Der sie angesehen hat. Erst wenn wir uns bewusstwerden, dass Gott uns sieht, fangen wir unsererseits an, auch Ihn zu sehen – erst dann wachen wir auf und finden uns zurecht. Alles Sehen Gottes ist ein Lebendigwerden unsererseits. Hagar war fertig, sank zusammen, wusste nicht mehr, wo aus noch ein – ja, sie wusste nicht einmal mehr, wohin sie wollte, wie das bei Fliehenden gewöhnlich der Fall ist. Sie war müde und mürbe geworden. Da begegnete sie dem weckenden, lebendig machenden Blicke Gottes, darum nennt sie den Brunnen: „den Brunnen des Lebendigen, Der mich schaut", oder den „Brunnen des Lebendigschauenden". Wenn alles um uns her wie tot, wie ausgestorben ist, wenn es den Anschein hat, als seien wir gänzlich verlassen, so ist immer noch der Lebendige da, der schaut – der „Gott des Schauens".
„Der Brunnen des Lebendigen, Der mich schaut“, heisst es. Alle wunderbaren Führungen Gottes in der Geschichte der Patriarchen sind an Orte geknüpft, die ihre besonderen Namen haben, und in denen bedeutungsvolle Begebenheiten im Leben dieses oder jenes Patriarchen und der Seinen verkörpert sind. Alle diese Orte haben in Palästina noch den gleichen Namen.
Und nun kommen wir an den Schluss des Kapitels, der aber vom Anfang des nächsten nicht zu trennen ist. „Abram war 86 Jahre alt, als ihm Hagar den Ismael gebar." Das 17. Kapitel beginnt mit den Worten: „Als nun Abram 99 Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm..." Dreizehnjähriges Schweigen Gottes einem Erzvater gegenüber, der nicht hatte warten können, der nicht so unbedingt an Gottes Verheissung geglaubt hatte, dass er sich gescheut hätte, seinem Weibe nachzuhelfen – vielmehr sich von seinem Weibe dazu verführen liess, Gott bei Erfüllung Seiner Verheissung nachhelfen zu wollen. Sie hatten sich einen Weg ausgedacht, auf dem die Verheissungen sich erfüllen sollten, aber Gott verwirklicht Seine Verheissungen nicht in den Linien unseres Planierens, Nachhelfens, Einfädelns. Damit halten wir Gott nur auf und können schliesslich noch dankbar sein, wenn Er einen Strich durch unsere Rechnung macht und dann in Seinem Erbarmen die Dinge, die wir verwirrt haben, doch noch in die Hand nimmt, um hinauszuführen, was Er für uns im Sinne hatte, und was wir Ihm beinahe verpfuscht hätten. Aus unserem Nachhelfen wachsen nicht selten die ungeheuerlichsten Zustände heraus. Gott hat zugesehen, hat sich die Sachen abwickeln lassen und schliesslich Hagar den Weg gezeigt, auf dem sie wieder zurechtkommen konnte – nun aber hält Er mit Abram Abrechnung – und je näher jemand Gott steht, um so genauer nimmt Er es mit der Abrechnung.
Je näher wir unserem Gott stehen, um so mehr kann Er von uns verlangen, und wenn uns Sein Wort nicht mehr über alles hoch und heilig ist, so erzieht Er uns durch heiliges Schweigen, wie Er Abram durch dreizehnjähriges Schweigen erzogen hat.
„Als nun Abram 99 Jahre alt war“, erscheint ihm der Herr und kommt auf die alten Geschichten zurück. Es kommt je und je vor, dass der Herr jahrelang schweigen muss, ehe Er uns das letzte Wort über unsere Abweichungen sagen kann, und da werden wir oft ungeduldig und klagen, Gott höre uns trotz all unseres Bittens nicht. Ja, liebes Kind, wer ist denn daran schuld? Gott muss uns erst stufenweise den Blick für unsere Verirrungen öffnen, und wenn Er darin nicht so unbeschreiblich, treu und geduldig wäre, so bliebe unsere Erziehung oft verstümmelt, wenn nicht gar verpfuscht.
In diesem dreizehnjährigen Schweigen seitens Gottes liegt viel. Was sagt nun Gott dem Abram, nachdem Er endlich wieder das Wort ergreift? Im Verlauf des vorigen Kapitels hat sich Gott als einen sehenden und hörenden Gott geoffenbart, und jetzt offenbart Er sich als den Allmächtigen. Wir Menschenkinder sehen und hören gar viel, können aber eben dem Jammer nicht immer abhelfen, und die Unfähigkeit, Dingen, die man sieht und hört, und die einem zuweilen schwer aufs Herz fallen, abzuhelfen, bildet einen der Schwerpunkte menschlichen Lebens und Leidens. Wie schwer ist es für eine Mutter, wenn sie ihrem weinenden Kindlein nicht helfen kann – ja, wenn sie manchmal gar nicht weiss, wo es ihm fehlt, und vielleicht infolgedessen etwas ganz Verkehrtes macht! Das haben wir bei unserem Gott nie zu riskieren; denn Er, der Allsehende und Allhörende, ist auch der Allmächtige. Er sieht und hört nicht mit gebundenen Händen, sondern wo Er sieht und hört, hat Er auch Mittel und Wege, uns helfen zu können, wo Menschen ratlos die Hände sinken lassen. Da lässt Er denn nicht selten ein solches Menschenkind sich abarbeiten in der Menge seiner Wege, bis es endlich mürbe geworden ist und seine Zuflucht zu Ihm nimmt, weil es sich eingestehen muss: „Es geht einmal nicht anders." Selbst Gotteskinder begehen nur zu oft die Torheit, dass sie nicht mit allem, was sie sehen und hören, zu dem Allmächtigen gehen – und doch sagt der Herr auch zu ihnen: „Ich bin der allmächtige Gott; wandelt vor mir und seid fromm – tadellos – wandelt korrekt, lasst euch nichts zuschulden kommen, begebt euch nicht auf Abwege." Vordersatz und Nachsatz hängen hier eng zusammen. „Ich bin der Allmächtige" – was folgt daraus? „Wandle vor mir“, habe es nicht mit Menschen zu tun; glaube nicht, du seist unbedingt an die Naturgesetze gebunden. Aber dir steht der allmächtige Gott, Abram, und wenn Er dir eine Nachkommenschaft verheissen hat, die zahllos sein soll wie die Sterne am Himmel, so erhebe dich auf die Höhe der Situation, und anstatt dich sklavisch an die Naturgesetze zu binden, glaube an die Allmacht deines Gottes.
Das ganze Leben Jesu Christi von Seiner Geburt an bis an Seine Rückkehr ins Vaterhaus ist ein Protest gegen die Naturgesetze. Mit Ihm kam ein höheres Gesetz zur Geltung, und Er hat Dinge getan, die seit der Patriarchenzeit nicht mehr gesehen worden waren, ja sogar grössere als diese.
„Ich bin der allmächtige Gott" – und da können wir gleich hinzusetzen: „Und Ich bin derselbe gestern, heute und in Ewigkeit." Er ändert sich nicht, auch wenn wir vor Unmöglichkeiten stehen. Wenn wir für irgend etwas ein Wort Gottes haben, so geht das über alles – nur müssen dann Menschenworte ihren Zauber für uns verloren haben. Wenn wir unter dem Zauber und Druck von Menschen stehen, kann Gott Seine Allmacht nicht beweisen; denn dann sind nicht nur wir gebunden, sondern wir binden Ihn auch. Hast du mit Gott zu tun und mit Seinen Verheissungen, dann kann dich dein Weib nicht mehr in ihre Berechnungen und Kombinationen hineinziehen.
„Wandle vor mir" und nicht vor deinen Hausgenossen! Wenn du ein Kind Gottes bist, so wandle keusch und unverrückt in den Linien deines Gottes – und wenn du noch kein Kind Gottes bist, so kannst du heute noch eins werden –, dann geh aber zu Ihm und habe es mit Ihm zu tun, um dann in allen Dingen mit Ihm rechnen zu können, anstatt mit dem Lächeln oder Stirnrunzeln deiner Mitmenschen.
„Ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir." Lass nichts Fremdes hereinkommen, nicht irgendwelche Nachhilfe, kein In–die–Hand–nehmen dessen, was in Gottes Hand gehört und in Gottes Hand bleiben soll – kein Mischmasch von göttlichem Tun und menschlichem Machwerk. Lass dir nichts zuschulden kommen – besonders nicht das, dass du eingreifst, wo ich auf den Plan getreten bin. Zieh deine Hand zurück und lass dein Leben mit allen seinen Beziehungen in meiner Hand; ich will die verworrenen Fäden in deinem Familienleben schon auswirren, dass jedes einzelne zu seinem Recht komme und nicht eins dem anderen geopfert werde wie die Sarai der Hagar und die Hagar der Sarai. Sei unbescholten, tadellos; dann will Ich auf gereinigtem Boden meinen Bund stiften – auf dem durch das Gericht göttlichen Schweigens gereinigten Boden. Darauf will Ich meinen Bund aufrichten, erneuern die Verheissungen, durch die Gott mit Abram in einen Bund eingetreten ist, sind ja unerschütterlich; aber nachdem Abram den Bund gebrochen hatte, musste eine Erneuerung und wiederum eine neue Stiftung desselben seitens Gottes vorgenommen werden.
„Ich will dich mehren durch ein Werk meiner Allmacht," sagt Gott gewissermassen zu ihm – rechne jetzt nicht mehr mit Sarais Alter.
In 1. Mose 17,18 heisst es dann: "Und Abram sprach zu Gott: Ach, dass Ismael leben sollte vor dir!" An dieser Bitte sieht man wieder, durch wie viele Schwankungen es geht, bis Abram der Vater der Gläubigen wird, wenn er auch noch so sehr das Zeug dazu hat. Zunächst fällt er auf sein Angesicht und lacht und spricht in seinem Herzen: „Soll mir, hundert Jahre alt, ein Kind geboren werden und Sarai, neunzig Jahre alt, gebären?" „Ach, dass Ismael leben sollte vor dir!" Man sieht hier, wie man sich durch Nachhelfenwollen an das Machwerk seiner Hände bindet und sich selbst dadurch das Schaffen Gottes verdunkelt. Er fällt auf sein Angesicht und betet an, aber die wahre Anbetung kann bei ihm noch nicht zum Durchbruch kommen. Es steckt immer noch der Ismael dahinter. O, wie schwer löst sich ein Mensch von dem Machwerk seiner Hände, von seinen Kombinationen! Wie lange dauert es selbst bei einem Abram, bis er es nur noch mit Gott zu tun hat! Es hat eben alles Samen und dauert fort, bis man davon abgelöst und auf einen rein göttlichen Boden gebracht ist.
Vers 3 und 4: „Da fiel Abram auf sein Angesicht, und Gott redete mit ihm und sprach: „Siehe, Ich bin's und habe meinen Bund mit dir" – mit anderen Worten: „Nicht nur mache Ich einen Bund mit dir, sondern Ich bin Der, Der Ich mit dir im Bunde stehe." Es handelt sich nicht um eine neue Bundesschliessung, sondern darum, dass wir endlich wurzeln in der Tatsache, dass Gott im Bunde mit uns steht durch den Gottmenschen Jesus Christus, Der für die gefallene Menschheit in den Riss getreten ist – und dieser Bund ist unantastbar.
„Du sollst ein Vater vieler Völker werden, darum sollst du nicht mehr Abram, sondern Abraham heissen," – nämlich: hoher Vater, Vater einer Menge. Man kann sehr hochstehen, großen Einfluss haben und doch unfruchtbar sein. Man kann sich viel auf seine Gaben, seine Lebensstellung und alles Mögliche andere zugutetun, ohne seinem Gott Frucht zu bringen. Wahre Fürsten sind Väter ihres Volkes, die für ihr Volk sorgen und sich hergeben für ihr Volk, wie Gott sich hergegeben hat, indem Er Seines eigenen Sohnes nicht verschonte. Gross sein, das möchte jeder gern – das Höchste und Grösste aber ist: Frucht bringen für Gott. Ohne Leiden kommt es nicht zum Fruchtbringen; das sagt auch die Beschneidung. Dieselbe brachte fortwährend Leiden mit sich – man bedenke nur, was das für eine Mutter war, wenn sie ihr neugeborenes Kindlein dem Messer ausliefern musste, daher auch der Name „Blutbräutigam", den Zippora ihrem Manne gab. Im tiefsten Grunde ist auch das eine Weissagung auf Christum hin.
Vers 9 sprach Gott zu Abram: „So halte nun meinen Bund, du und dein Same nach dir, bei ihren Nachkommen“, und Vers 10 sagt Er weiter: „Dies ist aber mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und meinem Samen nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden. Ein jegliches Knäblein, wenn’s acht Tag alt ist, sollt ihr’s beschneiden bei euren Nachkommen." Von Vers 15 an knüpft Gott noch einmal die gegebene Verheissung ausdrücklich an Sarai, sein Weib – nicht an Hagar, sein Kebsweib. "Und Gott sprach abermals zu Abram: Du sollst dein Weib Sarai nicht mehr Sarai heissen, sondern Sara soll ihr Name sein. Denn ich will sie segnen und ihr auch von dir einen Sohn geben; denn ich will sie segnen, und Völker sollen aus ihr werden und Könige über viele Völker. Da fiel Abram auf sein Angesicht und lachte..." Man hat dieses Lachen vielfach als ein Lachen der Freude bezeichnet; wenn man aber den ganzen Zusammenhang überlegt, kommt man zu einer anderen Anschauung. Man sieht dann, wie er sich noch einmal krampfhaft ans Sichtbare anklammert. Angesichts der klarsten göttlichen Verheissung sagt er: „Ach Herr, dass Ismael, der nach dem Fleisch Geborene, leben sollte vor dir!" Menschliches Machwerk bindet uns und hängt sich uns wie ein Bleigewicht an die Füsse, und wir sind nur allzu sehr geneigt, Gott in Sein Gnadenwerk hineinzupfuschen durch vorzeitiges Eingreifen; dann haben wir Mühe, dessen wieder loszuwerden, was wir durch eigenes Machwerk in Szene gesetzt haben.
„Ach, dass Ismael leben sollte vor dir!" bittet Abram; der Herr aber sagt: „Nein – nicht in dem Sinne, wie du es meinst, Abram. Leben soll er – soll er sein; Ich will ihn als deinen Sohn dadurch versiegeln, dass Ich ihn fruchtbar mache, aber der Sohn der Verheissung soll er nicht sein. Dein Weib, die Frau, die ich dir gegeben habe, soll einen Sohn gebären, und dieser soll die Verheissung ererben." Das ist wahrlich auch kein Geringes, wenn Gott dem Abram verspricht, dass zwölf Fürsten und zwölf Fürstentümer aus Ismael kommen werden. „Am Ismael habe Ich dich auch gehört," sagt Er zu ihm; aber das ist nicht der ewige Bund – das ist nicht die Verheissung, die auf Israel beruht und noch ihrer völligen Erfüllung harrt –, nämlich die Verheissung, dass Israel dereinst im Mittelpunkt der Völkerwelt stehen wird. O, halten wir uns doch nicht bei irdischen Segnungen auf! Seien wir von Herzen dankbar für jedes Stück Brot, für jede neue Freudigkeit zur Arbeit, die der Herr uns gibt; aber vergessen wir darüber nicht, dass wir dazu da sind, dem Herrn Frucht zu bringen! Dazu ist Beschneidung nötig, Beschneidung unserer Befürchtungen, Hoffnungen, Gaben und Kräfte. Durch Beschneidung wird alles, was wir haben, erst wieder fruchtbar für Gott – sonst ist es nur zusammengepresster Dampf.
Nun, wodurch auch Abram nach dem in Kapitel 17 Berichteten gegangen sein mag – Gott bleibt nicht dabeistehen. Er bleibt nicht bei vorübergehenden Schwankungen stehen, wenn wir nur schliesslich den Widerstand aufgeben und gehorsam sind, ob wir Ihn verstehen oder nicht. Was wir auch an Bedenken und Fragezeichen mit in unser Glaubensleben hinübergenommen haben mögen, wenn wir nur tun, was Gott uns heisst! Es fange doch jedes einmal bei strammem Gehorsam an, so kommt Gott zu Seinem Recht!
Der Zusammenhang zwischen den Versen 22 und 23 ist ein anderer als der zwischen den Kapiteln 16 und 17 bestehende.
Vers 23: „Und Gott fuhr auf von Abraham. Da nahm Abraham seinen Sohn Ismael und alle Knechte, die daheim geboren waren, und alle, die erkauft … und beschnitt die Vorhaut an ihrem Fleisch ebendesselbigen Tages, wie ihm Gott gesagt hatte." Damit sind alle seine Widerreden, Bedenken und Zweifel gesühnt und mit Gottes Gnade zugedeckt. Der Vater der Gläubigen lernt allmählich glauben und muss erst in allen Gebieten als Glaubensmann versiegelt werden. Die Frage ist nun, ob er tut, was Gott ihm geboten hat, oder ob er es nicht tut. Darum handelt es sich: ob man tut oder nicht tut – nicht um frommes Geschwätz und auch nicht um gottlosen Zweifel, wenn es nur einmal zu einer klaren, festen Stellung kommt dem gegenüber, was geschrieben steht. Es war keine Kleinigkeit, die Gott ihm befohlen hatte. Da floss viel Blut, und da mag es manchen Widerstand gegeben haben, aber schliesslich haben sich doch alle gebeugt – keiner ist davongelaufen. Er beschnitt sie „ebendesselbigen Tages, wie Gott ihm gesagt hatte". Mit dem Augenblick, in dem Gott auffuhr, war die Sache abgemacht. „An ebendemselben Tage." Kind Gottes, wenn dir dein Gott etwas sagt, tu es; du hast immer die nötige Kraft dazu – durch Verschleppung wirst du matt und schwach und werden dir die Sachen verhüllt; da steigt nur allzu leicht die Frage in dir auf: „Sollte Gott wirklich gesagt haben?" Sobald dir etwas klar ist, tue es sofort! Verschleppungen zeugen Verschleppungen, und dann geschieht nichts zur rechten Zeit, nichts am rechten Ort und nichts im rechten Geist; denn was man verschleppt, tut man nicht im Geiste der Willigkeit und völligen Hingabe wie das, was man sofort tut. Abraham hat nicht gesagt: „Wir wollen zuerst noch einmal darüber schlafen." Das kann und muss man unter Umständen sagen bei Dingen, welche Menschen vor uns bringen; handelt es sich aber um etwas, was Gott sagt, so gilt es, nicht zu zögern. „Derselbige Tag", an dem Abraham auf Gottes Befehl die Beschneidung Ismaels und seines Hausgesindes vornahm, war der Stiftungstag des Volkes Gottes, der Geburtstag Israels. «Und», lesen wir Vers 24, „Abraham war neunundneunzig Jahre alt, da er die Vorhaut an seinem Fleisch beschnitt." Damit ist das Denkwürdige dieses Tages noch besonders bezeichnet. „Eben auf einen Tag wurden sie alle beschnitten, Abraham, sein Sohn Ismael und was Mannsnamen in seinem Hause war, daheim geboren und erkauft von Fremden; es ward alles mit ihm beschnitten." Danach wird von einer neuen Erscheinung Jehovas berichtet. Jetzt ist der Grund für neue Offenbarung gelegt. Unbedingter Glaubensgehorsam kostet ein Stück Leben – es muss dabei oft Blut fliessen. Wo nicht Blut fliesst, kann Gottes Leben nicht ungehindert in gefallenen Kreaturen zirkulieren, und wenn Jesus Sein Blut gelassen hat, so haben wir in diesem Blute Macht durch den Geist, uns zu opfern und Gott zu gehorchen ohne Verschleppung. Das ist das Losungswort unseres Herrn: „Siehe, hier bin Ich, o Gott, zu tun deinen Willen", und es soll auch je länger, je mehr das unsere werden.