Schriften von Otto Stockmayer
Abraham - der Vater der Gläubigen
9. Ergänzende Bemerkungen über 1. Mose 13 und 14 - anhand von Heb 11,8-10 .9. Ergänzende Bemerkungen über 1. Mose 13 und 14 - anhand von Heb 11,8-10 .
In 1. Mose 13 sehen wir, wie Abram gereinigt, von Gott gesegnet, bereichert an Silber, Geld und Gut seinen Weg von Zeltlager zu Zeltlager fortsetzt, seines Gottes Namen ehrend, wohin er kommt. Dann kommt der Vorfall mit Lot: Streit zwischen den Hirten Lots und den Hirten Abrams – und Kanaaniter im Lande! Nichts ist trauriger, als wenn Kinder Gottes vor den Augen der Welt miteinander streiten. Das wollte Abram sich nicht zuschulden kommen lassen. Oft kann man den Streit nur vermeiden, indem man alles loslässt, alles preisgibt! Darin zeigt sich der wahre Charakter des Vaters der Gläubigen. Der Glaube lässt die Dinge dieser Welt fahren, um den Himmel zu gewinnen; er bleibt nicht zwischen Himmel und Erde hängen – erhält dann aber auch seine Belohnung. Wehe jedoch den Halbherzigen, die nicht wagen, festen Fuss im Himmel zu fassen!
Vers 8 u. 9: „Willst du zur Rechten, so will ich zur Linken, und umgekehrt, wähle“, sagt Abram zu Lot. Die wahren Abrahams lassen alles fahren. Was hat die Furcht dieser Welt mit solchen zu tun, die nicht von der Welt sind? Lasst doch alle geheimen Fäden durchschneiden; lasst euch von allem lösen, was euch noch anklebt – wäre es auch nur in eurer Fantasie! Lasst eure Götzen zerbrechen, damit ihr euch nicht versucht fühlt, im entscheidenden Augenblick in Bezug auf die Dinge dieser Welt euer Nichts geltend machen zu wollen: denn es ist eines Gotteskindes unwürdig, irgendwo hängenzubleiben. Abram konnte sagen: „Willst du zur Rechten oder zur Linken?“, weil sein Herz weder an rechts noch an links hing. Und Lot?
Vers 10 und 11: „Da hob Lot seine Augen auf und besah die ganze Gegend am Jordan … Da erwählte sich Lot die ganze Gegend am Jordan und zog gegen morgen. Also schied sich ein Bruder von dem anderen.“ So wie Lot machen es die Kinder der Welt. Sie heben ihre Augen aus; sie berechnen, was ihnen Vorteil bringen, was ihre Zukunft sichern und schmücken werde, wie sie am leichtesten durchkommen. Sie schauen aus wie Eva, und wer das tut, vor dessen Tür stehen Versuchung und Fall. Abram betrachtete sich nicht die Gegend ringsumher, sondern er blickte auf zu seinem Gott, Der zu ihm gesagt hatte: „In diesem Lande sollst du wohnen.“ Wie viel mehr Garantien hatte Abram als Lot! Er hat es Gott überlassen, für ihn zu sorgen. Ja, dann ist man geborgen auch in den wüstesten Gegenden; denn für Gott ist es eine Kleinigkeit, sie fruchtbarer zu machen als die lachenden Ebenen.
Vers 14: „Da nun Lot sich von Abram geschieden hatte, sprach der Herr zu Abram: Hebe deine Augen auf und siehe, von der Stätte an, da du wohnst, gegen Mitternacht, gegen den Mittag, gegen den Morgen und gegen den Abend …“ Das klingt anders, als wenn es heisst: „Lot hob seine Augen auf.“ Wenn wir unseren Augen nicht trauen und dir die Zauberkünste Satans fürchten, dann spricht der Herr zu uns: „Hebe deine Augen auf!“, und da gibt es anderes zu sehen. Heben wir unsere Augen hingegen ohne Gottes Geheiss auf, so stehen wir in Gefahr, entweder zu erschrecken oder von irgendwelchen vermeintlichen Reizen bezaubert zu werden. O, vergessen wir doch nie, dass wir Himmelsbürger sind, die von der Erde nichts mehr zu erwarten oder zu hoffen, aber auch nichts zu fürchten haben!
Der Herr sagt dem Abram nicht: „Sieh dir nun das Land an, das dir noch bleibt, nachdem Lot sich seinen Teil vorweggenommen hat“ – nein – Er sagt: „Siehe, das ganze Land ist dir gegeben; schaue nach Norden, Süden, Osten und Westen, es ist alles dein!“ Lot hat sich in einem kleinen Kreis festgesetzt. Was man sich selbst sucht und erwählt, das wird einem zum Gefängnis. Abram hat nichts gesucht in der Welt, und Gott gibt ihm die ganze Welt. Ein Geschlecht, das nichts hier unten sucht, das alles aufgibt und anderen das Flitterwerk dieser Welt lässt, sich einzig und allein treu an seinen Gott haltend – das ist ein königliches Geschlecht. Wer aber königlich denkt und handelt, wird von Gott königlich behandelt und belohnt.
Vers 15–18: „Alles Land, das du siehst, will ich dir geben und deinem Samen. Und ich will deinen Samen machen wie den Staub auf Erden … so mache dich auf und ziehe durch das Land in die Länge und Breite; denn dir will Ich es geben. Also erhob Abram seine Hütten und wohnte im Hain Mamre, der zu Hebron ist, und baute dem Herrn daselbst einen Altar.“ Wie schön, wenn ein Kind Gottes auf seinem Wege nur Ebenezers hinterlässt –, Denkmäler zum Lobe Gottes und Seiner Treue und wunderbaren Errettungen. Die Ebenezers sind Dankopfer, welche darauf hinweisen: „Der Gott, Der bisher geholfen hat, wird auch fernerhin helfen.“ Je tiefer ein Herz, in Gnade gehüllt, dies erkennt, desto unmöglicher wird es ihm, an der Gnade und Treue seines Gottes zu zweifeln. So bildet sich der wahre Same Abrahams; so wachsen Abraham Söhne und Töchter heran.
In Kapitel 14 finden wir die zweite Probe. Auch ein Elias hatte in seiner Vorbereitungszeit von Glaubensprobe zu Glaubensprobe zu gehen.
Hier sehen wir Abram vom Kampfe gegen die Feinde der Könige von Sodom und Gomorrha wiederkehren. Letztere waren nach Vers 10 völlig geschlagen und Lot zurückgeführt worden. So geht es, wenn man sein Zelt im Lande der Gottlosen aufschlägt und sich von den Reizen der Welt blenden lässt. Sodom war ein Garten Edens, aber voller innerer Verwüstung – ein verlockender Apfel mit einem Wurm inwendig.
Vers 14 bewaffnet Abram seine Knechte, zieht aus, schlägt die Könige und bringt Lot samt seiner Habe wieder. Vers 18 erzählt uns von seiner Begegnung mit Melchisedek, welcher Abram segnet, und dem dieser den Zehnten gibt (Hebräer 7,1-14). Der Herr segnet die Seinen und macht sie damit unabhängig von fremder Hilfe, welche sie in Abhängigkeit von der Kreatur bringen könnte. Gott, Der Seinen Segen niemand aufdrückt, geht Abram entgegen, lässt ihm durch Melchisedek Seinen Segen im Augenblick entgegentragen. Wo ihm auch der König von Sodom entgegenkommt. In entscheidenden Augenblicken müssen wir zuerst Begegnung mit unserem Gott haben, von Ihm aufs Neue gesegnet werden, sonst können wir den Königen der Erde nicht königlich begegnen.
Vers 21 findet sich der Dank des Königs von Sodom für die ihm geleistete Hilfe. Aber es soll nicht gesagt werden können, dass der König von Sodom königlicher handelt als der Knecht Jehovas.
Vers 22: „Aber Abram sprach zu dem König von Sodom: Ich hebe meine Hände auf zu dem Herrn, dem höchsten Gott, Der Himmel und Erde besitzt, dass ich von allem, das dein ist, nicht einen Faden, noch einen Schuhriemen nehmen will, dass du nicht sagst, du habest Abram reich gemacht.“ Ausgenommen, was die Jünglinge verzehrt haben, und die Männer Aner, Eskol und Mamre, die mit mir gezogen sind; die lass ihr Teil nehmen.“ Das ist eine des Vaters der Gläubigen würdige Antwort. Die Gaben eines Gottes, Der Himmel und Erde besitzt, genügen ihm. Er ist eifersüchtig für seinen Gott; den anderen lässt er ihr Teil. Das gefällt Gott wohl, wenn Seine Reichtümer keusch und ohne Sorge deinen Weg gehen und deinen Gott allein ehren, den Besitzer Himmels und der Erde, Der aus Seinem Vorratshaus jedem gibt, was er bedarf. Nur auf unbeflecktem Boden kann die Glaubenspflanze wachsen. Den, der nach eigener Ehre ausschaut, kann Gott nicht ehren. „Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre, die bei Gott ist, sucht ihr nicht“, – die ihr geizig seid wie die Pharisäer? (Johannes 5,44.)