Schriften von Otto Stockmayer
Abraham - der Vater der Gläubigen
13. Ergänzende Bemerkungen - zu 1. Mose 15 , anhand von Hebräer 11, 6–10 .13. Ergänzende Bemerkungen - zu 1. Mose 15 , anhand von Hebräer 11, 6–10 .
Wie Gott dem Abram, nachdem er sich von Lot geschieden hat, erscheint und ihm die Verheissung wiederholt, so erscheint Er ihm wieder nach den in Kapitel 14 geschilderten Begebenheiten und gibt ihm das Zeugnis Seines Wohlgefallens, indem Er zu ihm sagt: „Fürchte dich nicht, Abram, Ich bin dein Schild und dein sehr grosser Lohn.“
Abram hatte sein Leben für Lot eingesetzt, anstatt es ihm entgelten zu lassen, dass er nicht königlich an ihm gehandelt hatte. Nun will der Herr selbst sein Lohn sein dafür, dass er seinem Neffen nichts vorenthielt und ihn nicht in der Not stecken liess.
Vers 2: „Abram aber sprach: Herr, Herr, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder; und mein Hausvogt, dieser Elieser von Damaskus, hat einen Sohn." Es ist, als ob die grossen Linien der göttlichen Verheissung, mit denen Gott dem Abram in Haran entgegengekommen war, sich im Laufe der Zeit ein wenig verwischt hätten.
Vielleicht sind diese Linien zurzeit auch in dir weniger klar und bestimmt, als da du dich in heiliger Stunde, vom Herrn überwunden, Ihm völlig ausliefertest? Vielleicht ist in der Mittagshitze, in die du eingetreten bist, dein Horizont nicht mehr so hell wie in der Morgenfrühe – vielleicht steht die grosse Hoffnung deines Christenberufs dir nicht mehr in so lebendigen Farben vor der Seele, wie, als du aufbrachst – vielleicht sind die Kräfte der zukünftigen Welt deinem Bewusstsein etwas ferner gerückt – aber suche nur da, wo du jetzt stehst, treu den Fußstapfen deines Hirten zu folgen, wenn du sie auch nicht mehr so deutlich unterscheidest wie früher! Der Herr ist treu; er kommt deiner Schwachheit zu Hilfe und lässt zur entscheidenden Stunde das alte Licht mit neuer Kraft und Klarheit durchbrechen.
„Was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder..." sagt Abram. Er war von Gott reich gemacht worden an Gold und Silber, Knechten und Mägden usw., aber in seinem Herzen und Leben war eine Leere – er hatte kein Kind. Es ist, als wollte er Jehova fragen: „Was willst du mir geben, um diese tiefe Lücke auszufüllen?“ Der Herr schweigt. Da fährt Abram – Vers 3 – fort mit seiner Klage: „Mir hast du keinen Samen gegeben; und siehe, der Sohn meines Gesindes soll mein Erbe sein.“ Musste es nicht dem Vaterherzen Gottes wehtun, dass Abram nichts mehr zu wissen schien von Seinen Verheissungen? Hatte Abram nicht einen treuen Gott?
Jawohl – in grosser Langmut und Geduld wiederholt Er ihm nun Seine Verheissung: „Er soll nicht dein Erbe sein; sondern der von deinem Leibe kommen wird, der soll dein Erbe sein.“ Und er liess ihn hinausgehen und sprach: „Siehe gen Himmel und zähle die Sterne.“ Kannst du sie zählen? Also soll dein Same werden." (Vers 4 und 5.)
Geh hinaus, Abram; lass dein Klagen und Sorgen; lass dich nicht bekümmern, dass du nicht alles hast, was du haben möchtest; siehe ab von den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten deines Lebens – geh hinaus und hebe deine Augen auf gen Himmel! Willst du rechnen – willst du sehen, ob du etwas zu hoffen hast, so zähle die Sterne; rechne mit himmlischen Faktoren; versenke deine müde, niedergeschlagene Seele ins Himmelsblau, in die Unendlichkeit, in die Gewissheit der göttlichen Verheissung, und gehe vorwärts auf dem Wege des Glaubens! O heilige Stunde, wo uns Gott aus dem Druck der Sichtbarkeit herausholt, wo Er uns der schwülen Luft dunkler Täler entrückt, und uns herausführt aus allem, was uns den inneren Horizont verfinstert hatte unter seinem klaren Sternenhimmel, und uns in freier Gottesluft vor seine Werke hinstellt! Siehe gen Himmel und schau' deinen Gott an, so schwindet alles Leid! In der Finsternis nähert sich Gott dem Abram. Wie wollte nicht Schrecken auf den von Staub gebildeten Menschen fallen, wenn der lebendige, der heilige Gott sich naht! Inmitten dieser Finsternis lüftet Gott den Schleier und entrollt! deutlicher als je zuvor die Zukunft vor Abram, als wollte Er sagen: „Lass mich nur machen, Abram! Dein Same wird durch die gleichen Erfahrungen gehen wie du selbst – Vers 13 –, aber Ich wache, Ich richte. Vertraue deinem Gott! Vers 14: „Dein Same wird mein Same, deine Kinder werden meine Kinder sein.“ Die Bundespflichten seitens Abrams waren: Stücke geopferter Tiere – und seitens Gottes: himmlische Flamme. Gott identifiziert Seine Sache mit Abrams Sache, die Zukunft seiner Nachkommenschaft mit der Zukunft des Reiches und der Regierung Gottes.
So führt Gott einen Menschen, der an seines Vaters Haus, an seine Freundschaft und an sein Land gebunden war. Er zerreisst alle irdischen und menschlichen Bande, führt ihn hinaus auf einsamen Weg und macht dann einen Bund mit ihm. Fortan ist Abram nicht mehr allein; der lebendige Gott ist mit ihm, ist sein Bundesgenosse.