Schriften von Otto Stockmayer
Abraham - der Vater der Gläubigen
15. Ergänzende Bemerkungen - über 1. Mose 16 anhand von Hebräer 8-10 .15. Ergänzende Bemerkungen - über 1. Mose 16 anhand von Hebräer 8-10 .
Mit 1. Mose 16 kommen wir zu der Geschichte Hagars, die sich aus dem Staube macht, weil sie gedemütigt wird. Dennoch verlässt der Engel sie nicht, sondern geht der Fliehenden nach und stellt sie durch herzdurchforschende Fragen zur Rede: „Wo kommst du her?“ sagt er. „Wo willst du hin? Was soll aus dir werden? Glaubst du, es werde sich dir nun ein Besseres bieten als bei Sarai?
Nicht ein Tröpfchen aus dem Leidenskelch ist zu viel oder unnütz im Leben eines Gotteskindes. Geflohen ist man bald, aber was ist damit gewonnen? Nimm dein Leben nicht heraus aus Gottes Hand in deine eigene, sondern „demütige dich unter Gottes gewaltige Hand“ (1. Petrus 5,6.). Da hört man so oft sagen: „Ja, unter Gott will ich mich wohl demütigen, aber nicht unter Menschen – nicht unter diesen oder jenen.“ Was soll das heissen? Steht nicht Gottes Hand hinter der Menschenhand, die auf dir lastet? Wirkt Er nicht in dir durch Freund oder Feind, durch Gotteskinder und durch Weltkinder? Mit deinem Gott hast du nicht zu rechten, noch Ihm vorzuschreiben, welche Hand Er benötigen darf, um dich zu erziehen. Es geht dich das gar nichts an. Sieh auf deinen Heiland: Er wusste, dass Er es mit Seinem Gott und nur mit Ihm zu tun hatte, als Er das Opfer des grössten Verbrechens, der tiefsten Bosheit, wurde. Er brachte Dein Leben freiwillig dar für eine aufrührerische Menschheit, die Ihn frevelhaft mordete.
Aus der Zurechtweisung des Engels folgt Vers 10 und 11 die Verheissung: „Und der Engel des Herrn sprach zu ihr: Ich will deinen Samen also mehren, dass er vor grosser Menge nicht soll gezählt werden. Weiter sprach der Engel des Herrn zu ihr: Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären..." Nach dem Sündenfall im Garten Eden hiess es: „Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären“ und von Paulus sagt der Herr Jesus: „Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen." Vers 11 sagt der Engel des Herrn: „Du wirst einen Sohn gebären, des Namen sollst du Ismael heissen, darum dass der Herr dein Elend" – oder wie man auch übersetzen kann – „deine Demütigung angesehen hat."
Demütige dich, so wird der Segen Gottes aus dir ruhen! Fürchte dich nicht vor schweren Wegen, die du zu gehen haben magst! Wie süss ist es, gedemütigt zu seinem Gott zurückzukehren, um es fortan mit Ihm allein zu tun zu haben! Und wie gern begegnet unser Gott Seinen Gedemütigten mit schonender, zarter Vaterliebe und überschüttet sie mit Beweisen Seiner Huld und Gnade! Triumphiert der Feind ob unserer Demütigung, sind Menschen schadenfroh uns gegenüber – Gott birgt uns und tröstet uns, sobald wir uns unter Seine Hand beugen. Nirgends erquickt uns die Nähe des guten Hirten mehr als im dunklen Tal, wo Tod und Abgrund uns umgeben, wo kein Sternlein uns erhellt und es uns zuweilen ist, als wolle der Boden unter unseren Füssen weichen. Das ist der Augenblick, wo Er Seine Hand nach dir ausstreckt und zu dir redet. Für Hagar war alles verschlossen wie nie zuvor, und gerade da öffnet sich der Himmel über ihr wie nie zuvor, und sie darf wie nie zuvor hineinschauen in den Abgrund göttlicher Gnade und göttlichen Erbarmens. Noch einmal: aus tiefster Erniedrigung wurde der Menschensohn erhöht, und Er fragt dich, Gotteskind: „Kannst du den Kelch trinken, den ich trinke, und dich taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?" (Markus 10,8).
Machen wir Ansprüche auf die Segnungen unseres Gottes, so dürfen wir
uns nicht fürchten vor dem, was Er in unser Leben hineinlegt. Durch
Leiden geht es zur Herrlichkeit, durch Kreuz zur Krone. (
Vers 10: „Ich will deinen Samen also mehren, dass er vor grosser Menge nicht soll gezählt werden." Wie wunderbar! Der grosse, heilige Gott, Der alles Recht gehabt hätte, Abram und Sarai, Hagar und Ismael zu verwerfen, weil sie eigene Wege gegangen waren, verlässt sie nicht, sondern richtet sie in Gnaden, um sie dann neuer Segnungen teilhaftig machen zu können. Die Folgen ihrer schweren Versündigung bekommen sie zu kosten, aber nach dem Gericht lässt Gott sie auch wieder Seine ganze Gnade erfahren.
Vers 11: „Du wirst einen Sohn gebären, des Namen sollst du Ismael heissen" Die Bedeutung des Namens Ismael ist: „Gott hört." Was tut es, ob auch der Menschen Auge und Ohr verschlossen ist für unsere Leiden – ob sie auch wagen, noch mehr Demütigungen über uns zu verhängen, wenn wir unter der demütigenden Hand Gottes stehen – Jehova hört, darum nur getrost! Wäre die Demütigung auch noch so verdient, Gott rechnet nicht, wie die Menschen rechnen. Er hört den Notschrei jedes Gedemütigten, wie Er damals den Notschrei der Kinder Israel in Ägypten hörte. Aber ach, wie lange muss Gott oft warten, ehe Er die Demütigung von uns nehmen kann; denn geht sie nicht bis auf den Grund, so ist sie vergeblich gewesen. Doch ist Gottes Segen so überschwänglich und die Herrlichkeit, die Er mit der Demütigung bezweckt, so gross, dass man wahrlich alles darüber vergessen kann.