Schriften von Otto Stockmayer
Abraham - der Vater der Gläubigen
6. Durch Scheidung hindurch zu tieferer Lösung - 1. Mose 13 .6. Durch Scheidung hindurch zu tieferer Lösung - 1. Mose 13 .
Wir haben im letzten Kapitel gesehen, wie Abram wieder aus dem Ägypten fortziehen musste, in das er, von Hungersnot getrieben, hinuntergezogen war und nachdem ihn der Herr aus all den Nöten, in die er durch fleischliche Kombinationen hineingeraten war, in Gnaden wieder heraus gerettet hatte.
Das Wort Gottes bewirkt Scheidungen. Es ist ein zweischneidiges Schwert, das zunächst in unserer eigenen inneren Gedanken– und Gefühlswelt Scheidungen bewirkt, das Herz erforscht und dann infolgedessen Scheidungen in unserem äusseren Leben hervorbringt. Da muss oft gar manches ausgeschieden werden in Verbindungen, auf die das Wort Gottes sein Licht wirft, um die Lösung von Personen und Dingen zu vollziehen, die uns im Glaubensleben hinderlich sind. Und es schafft Scheidungen in unserer inneren Welt, bis hinein in die Gedanken und Hintergedanken des Herzens – bis hinein in die Nebenabsichten, in denen man etwa gefangen war, ohne dass man sich davon Rechenschaft gegeben hätte, und die uns hinderten, in Einfalt zu wandeln und im Lichte Gottes zu erkennen, wo vielleicht noch verborgene Unlauterkeiten oder Unebenheiten waren. Wo Dinge verborgen liegen, über die Gott noch nicht hat Licht geben können, kann auch der äussere Wandel kein klarer, durchsichtiger sein.
Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, dass Abram bei seinem Auszug aus Haran seinen Neffen Lot mitgenommen hatte, obwohl der Herr Kapitel 12, Vers 1 zu ihm gesagt hatte: „Geh aus deinem Vaterland und aus deiner Freundschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das Ich dir zeigen will.“ Zu dieser Verwandtschaft und Freundschaft, aus der er ausziehen sollte, hat auch Lot gehört. Lot aber ging mit. Man kann im Allgemeinen nach Gottes Befehl tun und ihn doch nicht ganz verstanden haben – dann kommen Konflikte, bis endlich alles ausgeschaltet ist und Gott ungehindert schalten und walten kann, wie Er will – bis Er frei ist, unseren Dienst zu gebrauchen, ohne dass Ihm in unserem inneren und äusseren Leben irgend etwas hemmend im Wege stände. Gott wollte Abram persönlich in seine Erziehungsschule nehmen, und es scheint, dass Ihn Abram entweder nicht richtig verstanden hat oder dass er nicht gründlich genug gelöst war, um auch in diesem Stück in den Willen des Herrn einzugehen. Wenn die Kinder ihren Vater in diesem oder jenem nicht verstehen, so kommt letzterer später darauf zurück und löst von ihrem Gange ab, was nicht in denselben hineingehört und gegen Seinen Willen mitgeschleppt worden ist. Abram war ein auf Gottes Befehl Ausgezogener – aber die Lösung, die sich nach Gottes Absicht vollziehen musste, hatte sich noch nicht vollziehen können – Lot war noch bei ihm. Und nun bedient sich Gott der Welt und der äusseren Verhältnisse, um bei Seinem Kinde zu erreichen, was es nicht verstanden und worauf es nicht eingegangen war. „Abram und Lot wurden immer reicher an Vieh und an sonstiger irdischer Habe, und das Land vermochte sie nicht zu tragen und nicht zu ernähren.“ Da kommt es schliesslich zu einem Konflikt.
Wo wir die Führungen Gottes in unserem inneren Leben nicht verstehen oder nicht darauf eingehen, muss der Herr eben durch die äusseren Führungen nachhelfen. In Gnade und Erbarmen lässt Er sich in unbeschreiblicher Geduld dazu herab, so die Seele sonst aufrichtig ist. Die Sache wird nun auf äusserem Wege zurechtgebracht – aus in gewissem Sinne fleischlichem Wege, wenn auch nicht etwa durch einen Streit seitens Abrams; denn dieser war nicht aus der alten Heimat ausgezogen, um dann sein Herz krampfhaft an eine neue Heimat zu hängen und diese um jeden Preis festzuhalten. Der Streit entspannte sich zwischen seinen Knechten und den Knechten Lots. Wie Abram, so hatte auch Lot Kleinvieh und Kinder und Knechte und Mägde. Was wir ohne Gottes Willen in unser Christenleben hereinnehmen, und die Verbindungen, die wir ohne Seinen Willen anknüpfen, werden uns früher oder später zur Last, und Gott muss dann in besonderer Weise eingreifen, um dennoch Sein Ziel mit uns zu erreichen. In diesem Falle war es der zunehmende Reichtum des Nomadenfürsten, der ein weiteres Zusammenwohnen unmöglich machte, und wie viel besser ist es unter solchen Umständen, dass man sich trennt, als dass man sich streitet um die fetten Weideplätze! Abram und Lot taten das zwar, wie gesagt, nicht, wohl aber ihre Hirten. Gottes Segen wurde eine Verlegenheit und zugleich das Mittel, die Verbindung mit Lot zu lösen.
„Es ward Zank zwischen den Hirten Abrams und den Hirten Lots..." Und das im Lande der Kanaaniter.
Jetzt sind wir noch im Lande der Kanaaniter, und wenn da angesichts der Kanaaniter Streit entsteht zwischen Kindern Gottes, so ist das eine Schande für Gott, der uns als Zeugen in die Welt hineingestellt hat. Lassen wir den Weltkindern die Dinge dieser Welt! Was Gott uns zugedacht hat, bekommen wir doch – wenn auch vielleicht durch schwere Schulen hindurch. Durch solche Schulen werden wir dann dazu herangebildet, was Gott uns zugedacht hat, nicht als Eigentum zu betrachten, sondern als ein uns von Ihm anvertrautes, geliehenes Gut. Aus Nachstehendem sieht man wieder den Geistesadel des Abram.
Da sprach Abram zu Lot: „Lass doch nicht Zank sein zwischen mir und dir, zwischen meinen Hirten und deinen Hirten: denn wir sind Brüder.“ Mit diesen Worten erweist sich Abram als Glaubensmann, der seine Heimat droben hat und sich nicht herumstreitet um Dinge, in denen andere ihr Leben suchen. Er hat nicht gesagt: „Wir wollen miteinander teilen“, und dabei etwa den Hintergedanken gehabt, dass dann ihm als dem Älteren die Wahl zufallen werde. Nein, – er stellt sich auf die gleiche Stufe mit seinem Neffen. Er ist frei und los, und jedenfalls hat ihn die in Ägypten gemachte Erfahrung auch noch gründlicher gebeugt. Durch Demütigung und Herzensbeugung werden wir los von der Scholle und von dem Ruhm suchen bei Menschen.
„Steht dir nicht das ganze Land offen?" fragt Abram seinen Neffen als etwas ganz Selbständiges. „Lass doch nicht Streit sein zwischen deinen und meinen Hirten; trennen wir uns lieber.“ Man darf nicht wie Kletten aneinanderhängen, sondern muss sich auch einmal trennen können. „Du kannst gehen, wohin du willst“, sagt Abram. „Willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken; willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten." Und Lot war irdisch gesinnt genug, um die Wahl, die eigentlich seinem Onkel zugestanden hätte, anzunehmen. Er hatte die göttliche Ausrüstung nicht, die er hätte haben müssen, um in diesem Falle korrekt zu handeln. Das war bereits ein kritischer Moment für ihn; denn er bekundete damit, dass er seine Heimat hienieden suchte. Ist unser Augenmerk aber nur auf den Besitz einer irdischen Heimat gerichtet, so kann dabei sehr Schlimmes herauskommen.
„Da hob Lot seine Augen auf und besah sich das Land.“ Darin zeigte sich der Unterschied zwischen ihm und seinem Onkel. Lot hob seine Augen nicht aus zu Gott, sondern auf halbe Höhe. Er fragte nicht seinen Gott, was Er ihm geben wolle, sondern er besah sich das Land, liess sein Auge in horizontaler Richtung abschweifen. Das war, sage ich, der bezeichnende Unterschied zwischen dem Onkel und dem Neffen. Macht man es wie Lot, so kann es einem passieren wie ihm, dass man in den Ländern, von denen man sich hat blenden lassen, untergeht, wenn einem Gott nicht in Gnaden noch rechtzeitig heraushilft. Lot besah sich die blühenden, prangenden Jordanauen, wo er die beste Weide für sein Vieh erhoffen durfte. Besieht man sich das Irdische zu genau, so wird man vom Irdischen betrogen und riskiert, im Irdischen unterzugehen, wenn es einem nicht gelingt, sich noch mit knapper Mühe zu retten. Die Gegend war wasserreich ... als ein Garten des Herrn, gleichwie Ägyptenland... ja, ja, dieses „gleichwie Ägyptenland", das hat eben auch einen tieferen Sinn. Was für Gewitterwolken über einer Gegend oder einem Lande oder einem Hause stehen, das sieht das irdische, leibliche Auge nicht – das sieht nur der Herr. Wohl denen darum, die sich von nichts blenden lassen, sondern den Herrn fragen, wo Er will, dass sie sich niederlassen. „Darum“ – weil alles so schön war – nicht weil er Gott gefragt und Gott ihm die betreffende Gegend zur Wohnstätte angegeben hatte – darum zog Lot nach Osten. „Also trennte sich ein Bruder vom anderen.“ O, wie viel hängt davon ab, dass es bei solchen Trennungen göttlich zugehe!
Im Gegensatz zu Lot hebt Abram seine Augen auf zu Gott und nimmt, was Gott ihm gibt. Der Blick des Glaubensmenschen ist vertikal, der des Erdenmenschen horizontal. Erdenwürmer blicken horizontal, Himmelsbürger heben ihre Augen aufwärts und trachten vor allen Dingen danach, dass sie es Gott recht machen. Dann stellt es sich mit der Zeit heraus, dass sie das beste Teil erwählt haben, während die Wahl derer, die in horizontaler Richtung blicken, sehr schlimm ausfallen kann. Die lachenden Ebenen, in denen Sodom und Gomorrha liegen, werden bald darauf ein Salzmeer, eine Wüste. Alles, was der Mensch sich selbst zurechtmacht, unabhängig von Gott, wird früher oder später zur Wüste, wenn er nicht über seine Eigenmächtigkeit Busse tut. Die Gegend von Sodom und Gomorrha war ein reich bewässertes Land, ehe der Herr es verderbte. Wir wissen nicht, was die Auen, die uns heute so prächtig dünken, morgen werden. Lot hätte sich offenbar gern wieder in einem so fruchtbaren Land angesiedelt, wie das Land Ägypten war, das sie kürzlich verlassen hatten. Das geht aber nicht, dass man alles so fortpflanzt, Lot! Wenn Gott in der Geschichte eines Menschenlebens ein Blatt wendet, dann gilt es, vorwärtszugehen, anstatt das Alte krampfhaft festhalten zu wollen. Während Lot sich die herrlichen Jordanauen aussuchte, blieb Abram in Kanaan wohnen, das ihm Gott später zum bleibenden Besitz gab.
„Und Lot schlug seine Zelte auf bis nach Süden, ohne sich zu erkundigen, welche Leute dort wohnten und was seiner dort wartete. Lass dich nicht unter Gottlosen nieder, und wenn Gott dich unter sie stellt, so lass dich von Ihm mit einer feurigen Mauer umgeben, sonst stehst du in Gefahr, dich zu beflecken und Fremdes von deiner Umgebung in dich aufzunehmen. Auch Wohnungen, die Gott uns zuweist, können ihre Schwierigkeiten haben; doch sie wirken erziehend, bildend für die Ewigkeit. Der Jammer aber, den man findet, wo man sich seinen Wohnsitz selbst ausgesucht hat, wirkt verderblich auf die Seele. Von den Sodomiten heisst es: „Und sie plagten Lots gerechte Seele Tag und Nacht.“ Hat sich Lot auch nicht an den Sünden seiner Umgebung beteiligt, so ist er doch nur mit grosser Mühe aus dem schweren Strafgericht gerettet worden, dem sie verfielen, und das letzte Wort war Schmach und Schande für ihn. Seine eigene Frau wurde zur Salzsäule.
Wir wollen uns darum neu unterstreichen lassen das neutestamentliche Wort: „Trachtet am Ersten nach dem Reiche Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.“ Trachten wir danach, dass wir es unserm Gott recht machen und mit gutem Gewissen sagen können: „Der Herr hat uns unser Plätzchen ausgesucht“; dann dürfen wir damit rechnen, dass uns nur Gutes zufallen wird durch die Gnade Gottes.
Der Herr sprach zu Abram – nachdem dieser königlich gehandelt und seinem Neffen die Wahl des irdischen Besitzes überlassen hatte: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Es ist besser, wir warten auf Gottes Stunde, um das uns von Gott verheissene Land einzunehmen, und überlassen letzteres einstweilen anderen. Nachdem Lot fort ist, darf Abram die Augen aufheben. Lot hob die Augen auf, als es ihm nicht gebührte – wenn Gott uns aber sagt, wir sollen sie aufheben, so dürfen wir es getrost tun – dann hat es keine Gefahr.
„Und Jehova sprach zu Abram“, nachdem er sich von Lot getrennt hatte... Jetzt erst kann er eingeführt werden in den vollen Besitz dessen, was Gott ihm zugedacht hat – voll und ganz. Lasse es sich doch niemand verdriessen, wenn das Wort Gottes tiefer und immer tiefer scheidet und alles unter seine Macht stellt und in seinen Bereich zieht! Es ist das der Weg, um reich zu werden, um das volle Erbe in Besitz zu nehmen. Wer mit eigener Hand etwas zurückbehält, bindet Gottes Hand, den Segen zu geben, den Er so gern ungeschmälert geben möchte. Jetzt, nachdem Abram sich in allem bewährt und es Lot überlassen hat, das Land nach eigenem Belieben zu wählen und nachdem er als Glaubensmann alles andere ruhig seinem Gott überlassen hat, darf er auch ungeteilt von dem ihm von Gott zugedachten Besitz nehmen.
„Hebe doch deine Augen auf und schaue“, sagt Jehova jetzt zu ihm. Er darf nach allen Richtungen hin Ausschau halten. „Das ganze Land, das du, Abram, siehst, dir will Ich es geben..." Gott ist der Erbherr und gibt auch Irdisches – wo, wie und wann Er will. Aber wir müssen vorbereitet werden zum Eingang in das irdische Erbe, sonst macht uns das irdische Erbe irdisch und hindert uns in unserem Glaubenslauf und Diensteifer.
„Dir will Ich es geben." Gott ist souverän. Er enthält vor und gibt, wie Er will – die Erde ist Sein, und Er enthält sie vor, wie Ihm gut dünkt – aber nur aus Liebe. Da hat keiner Ursache, den anderen zu beneiden. Du bekommst, was dir nötig ist, um vorwärtszukommen. „Das ganze Land...“ Abram darf sich jetzt Rechenschaft geben von dem Reichtum des Erbes, das Gott ihm zugedacht hat, weil er ein Glaubensmann ist. „Dir will Ich das Land geben deinem Samen nach dir ewiglich.“ Diese Verheissung reicht weit hinaus über die damalige Zeit. Damit, dass Israel Jesum verworfen hat, sind die Seinem Volk gegebenen Verheissungen nicht annulliert worden, sondern nur suspendiert – vorbehalten für spätere Zeiten. Israel wird noch einmal das ganze Erbe in allen seinen ihm zugedachten Grenzen besitzen und dann im Mittelpunkt der Völkerwelt ein Segen werden für die Heiden, nachdem sie sich zu dem bekehrt haben werden, in den sie seinerzeit gestochen hatten. Gott der Herr rechnet mit anderen Proportionen als wir. „Tausend Jahre sind vor Ihm wie ein Tag, und ein Tag wie tausend Jahre.“ Aber Sein Wort bleibt ewig stehen, und Er löst es ein, wenn auch durch menschliche Schuld die Erfüllung da und dort Aufschub erleiden mag.
„Und Ich will deinen Samen machen wie den Staub auf Erden. Kann ein Mensch den Staub auf Erden zählen, der wird auch deinen Samen zählen.“ Also einfach, wie die Sterne am Himmel – unzählbar – sollte der Samen sein. Die Astronomen haben Namen für alle Sterne, aber sie entdecken fortwährend neue Sterne mit immer verbesserten Teleskopen, und wenn die Wissenschaft am Ende angelangt ist, so ist es Gott doch nimmermehr.
„Darum mache dich auf, und ziehe durch das Land in die Länge und Breite; denn dir will Ich's geben.“ Abram hat sich nun auch wieder als Glaubensmann ausgewiesen, den das Irdische weder bannt noch bezaubert, der immer dabei ist, wenn Gott nachexerziert und nachexaminiert und sich aus anderen Wegen und mit anderen Mitteln Bahn macht, um zu erreichen, was Er sich vorgenommen hat. Gott gibt keinem Menschen Rechenschaft und hat auch keinem Menschen Rechenschaft zu geben. „Warum siehst du scheel, dass ich so gütig bin?" fragt der Herr im Gleichnis von den müssig am Markte stehenden Arbeitern. Dieses Wort stammt aus einer höheren Welt. Gott ist vollständig frei, zu geben oder vorzuenthalten, je nachdem es Ihm beliebt, und ohne irgend jemandem Rechenschaft dafür abzulegen – mit der Zeit wird es sich herrlich herausstellen, dass Er recht hat in allem, was Er tut. Wir haben genug und haben gar manchmal im Leben missbraucht, was Gott uns in Gnaden gegeben hatte, so dass Er mit Seinen Gaben zurückhalten und uns stramm halten musste.
Also erhob Abram seine Hütte, kam und wohnte im Hain Mamre, der zu Hebron ist; und baute daselbst dem Herrn einen Altar.“ Letzteres finden wir, wie schon erwähnt, von Zeit zu Zeit im Leben der Patriarchen. Diese Altäre waren Denksteine im Wanderleben, Gedächtnisstätten. Wir Kinder des neuen Bundes brauchen keine Altäre mehr zu bauen. Unser Altar ist Jesus Christus, und auf diesem Altar nahen wir zu Gott mit jedem neuen Morgen, jedem neuen Abend und im Laufe des Tages – nicht nur an bedeutungsvollen Wendepunkten unseres Lebens. Es hat jeder Tag seine eigene Plage und seine eigenen Wendepunkte – diejenigen, die wir besonders feiern, mögen in Gottes Augen wenig Wert haben, während andere, woran wir vorübergehen, hätten tief bedeutungsvoll werden können. Wir haben in Christo unseren Altar, auf dem wir morgens und abends räuchern, auf dem wir uns selbst Gott als Brandopfer darbringen und der uns dann auch zum Brandopferaltar und zum Rauchaltar wird, auf dem wir Gott Dank opfern können. Da kann sich Gott uns auch offenbaren, während Dank und Anbetung von uns zu Ihm aufsteigen. Immer neu und immer tiefer können wir uns Ihm da opfern, wie Abram getan hatte. Christus ist unser Altar und einziger Mittler, in dem wir Gott nahen und unsere Dankopfer in heiliger Feierstunde bringen, und wo wir jeden neuen Tag mit Gott anfangen und beschliessen. Wohl denen, die auf diesem Altar als Schlachtopfer liegen bleiben – die ihr Leben nicht mehr vom Altar wegnehmen, sondern als aus dem Altar Liegende handeln – als vernünftige, Gott wohlgefällige Schlachtopfer. Soweit wir als Brandopfer auf dem Altar liegen, kann Gott unser Leben segnen – soweit kann Er es fruchtbar und für andere dienstbar machen für Zeit und Ewigkeit. Alles, was zu Gott zurückkehrt, wird fruchtbar, wenn wir auch nicht wissen, wie und wann. So wollen wir denn auch aus dieser Episode in der Geschichte Abrams lernen, in den Linien Gottes wandeln und – abgesehen von solchen Feierstunden – festhalten, dass wir alles, was wir tun, tun im Namen Jesu Christi mit Danksagung.