Ährenlese von Georg R. Brinke - Jahrgang 5, 6; 16-19 und 21
1Mo 39,21 ‑23 - Neue Aufgaben1Mo 39,21 ‑23 - Neue Aufgaben
Wo immer der wahre Christ, der in Jesus bleibt, sich befindet, wirkt er Frucht (Joh 15,5). Das sehen wir im Leben des Joseph. Zuerst im Elternhaus später im Hause des Potiphar, und nun im Gefängnis. Wahre Christen hinterlassen überall Segnungen. Es scheint, als lag Joseph nicht lange im Stock (Ps 105,18.19). Bald schaltete er im Gefängnis wie ein Direktor. Gottes Güte umgab ihn auch hier. Wir sehen wunderbare Gottesführungen. Menschen, die sich kaum im Leben getroffen hätten, begegneten sich im Gefängnis, z. B. Paulus und der Kerkermeister. Hier sind meistens alle Klassen vertreten: arm und reich, hoch und niedrig, Sklave oder Freier. Auch Paulus und Onesimus treffen sich im Gefängnis (Philemonbrief). Im Gefängnis finden wir den Sklaven Joseph und die zwei hohen Beamten des Königs, die auf einen gütigen Ausgang warteten.
Gott redet auf mancherlei Weise. Hier, wie oft zuvor, durch Träume (1. M. 15 und 28). Heute redet Gott durch den Herrn und Sein Wort (Heb 1,1; 4,12). Zu den beiden Beamten, die sich meistens mit ihrem Ausgang beschäftigten, sprach Gott durch Träume. In Tagen der Freiheit wären sie zu einer Wahrsagerin gegangen, doch das war hier unmöglich. Sie waren darob niedergeschlagen und traurig.
Der rechte Seelsorger. Gläubige haben überall
Aufgaben, wo immer sie auch sein mögen. Wohl uns wenn wir, wie Joseph,
uns mit unsern Aufgaben und nicht mit unsern Leiden und Nöten
beschäftigen. Denken wir vor allem an den Mann der Schmerzen. Er
beschäftigte sich nicht mit Seinen Leiden sondern mit denen der andern,
und das noch am Kreuz. Oft lesen wir von Ihm: „Er war innerlich bewegt.“
Beachte Josephs scharfen Beobachtungssinn und sein Mitleid für andere.
Am Morgen bemerkte er die Niedergeschlagenheit der zwei Beamten. Nicht
ihre Lage beschäftigte sie, sondern wie sie die Deutung ihrer Träume
erfahren könnten. Gott sprach nicht nur durch Träume zu ihnen, sondern
Er gab ihnen in Joseph einen Ausleger, der beiden die ganze Wahrheit
sagte. Laßt auch uns mit der Lampe des Wortes in die Finsternis der
andern hineinleuchten und ihnen Licht über ihre Zukunft bringen. Joseph
sagte ihnen, daß die Deutung nicht bei Menschen, sondern allein bei Gott
sei. Damit verwirft Er alle Wahrsagerei usw. (Jes 46,10). Jesus und
Sein Kreuz lösen alle Probleme. Unsere Weisungen liegen im Wort (
Man denke an Salomos Weisheit (1Kön 3,16-28). Joseph kommt zu ihnen wie ein Barnabas, als Sohn des Trostes (Apg 4,36). Das treue Gotteskind dient selbst am dunkelsten Ort und hinterläßt Segen. Man denke nur an Paulus und sein Wirken im Gefängnis (Apg 24,24-26), besonders aber an seine lehrreich:!: Gefangenschaftsbriefe. Im Dunkel leuchtet das Lichtbild am hellsten.
Das Geheimnis Gottes. Es ist denen geoffenbart, die Gott fürchten (5. M. 29, 28; Ps 25,14). „Gott war mit Joseph.“ Diener dieser Art haben Einsicht in Gottes Wege und Gedanken (Röm 11,33-36). Joseph merkte aus ihren Träumen Gottes Absichten. Mit der Deutung bewies er, daß er trotz schweren Führungen an die Verwirklichung seiner eigenen Träume glaubte. Er klagte nicht: „Einst hatte ich hohe Träume, und nun sitze ich in der Tiefe.“ Joseph glaubte fest an göttliche Offenbarungen und deren Erfüllung, auch wenn sie verzogen. Auch wir wollen unter allen Umständen an Gottes Verheißungen festhalten. Joseph ahnte nicht, auf welchem Weg Gott Seine Erfüllung an ihm einlösen werde, aber er hielt fest daran, das beweist die Deutung der Träume der zwei Beamten. Er wußte, was Gott zusagt, das hält Er gewiß. Auch ahnte Joseph nicht, daß seine Deutung an den zwei Beamten zu seiner eigenen Befreiung führen würde, und daß der Schenke gar bald nicht nur Pharao, sondern ihm selbst den Becher reichen werde. Diener Gottes mögen gebunden sein, wie Joseph oder Paulus, aber das Wort ist es nicht (2Tim 2,9). Gottes Gedanken verstehen nur die, die mit Ihm in Gemeinschaft sind (5. M. 29, 29).
Die Bestätigung. Das von Joseph Gedeutete traf genau so ein, wie er es gesagt hatte. Er sah die Erfüllung an andern, aber auf die Seine mußte er noch zwei Jahre warten. Seine Bitte an Menschen versagte (Kap. 40, 14; Ps 146,3). Der dritte Tag kam, Pharao feierte seinen Geburtstag, der zugleich ein Amnestietag zu sein schien, an dem der König befreite, oder auch verurteilte. Ähnliches geschah oft und bis in unsere Zeit. Herodes ließ an seinem Geburtstag den größten von Weibern Geborenen enthaupten, und Pilatus sprach den Mörder Barabas frei und ließ Jesus kreuzigen. Bald schlug die Stunde, da sich Josephs Deutung erfüllte. Sie brachte Befreiung dem Einen, und das Todesurteil dem Andern. So wird es dereinst sein: Einer wird angenommen, der andere wird hinausgestoßen. Joseph selbst aber vollendet das Maß seiner 'Leiden, bis er mit dem Dichter sagen konnte: „Wird aber sich's befinden, daß du Ihm treu verbleibst, so wird Er dich entbinden, da du's am mindsten gläubst.“