Ährenlese von Georg R. Brinke - Jahrgang 5, 6; 16-19 und 21
Joh 3,3-5 - Die neue GeburtJoh 3,3-5 - Die neue Geburt
Die natürliche Geburt ist der Eintritt in diese Welt, die Wiedergeburt der Eintritt in die ewige Welt Gottes. Wir sahen, daß der Mensch trotz aller religiösen Werke oder Tugenden verloren ist, er muß von neuem geboren werden. Ein Verbrecher mag Begnadigung erlangen, aber diese ändert seine Gesinnung nicht. Ein junger Tiger und ein junges Lamm mögen aus einer Schüssel trinken, aber später frißt der Tiger das Lamm.
Die Wiedergeburt bezieht sich nicht auf die natürliche Seite des Menschen, sondern auf sein Inneres. Aufgeben von Irrtum oder Religionswechsel nützen nichts. Der Trinker kann das Trinken aufgeben, der Ehebrecher die Freundin, aber das ist noch keine Wiedergeburt. Selbstzufriedenheit, wie sie die Juden hatten, genügt nicht ( Joh 8,33). Das Reich Gottes ist inwendig in euch (Lk 17,21), es ist nicht Essen und Trinken, etwa Abendmahlsgenuß, sondern Friede (Röm 14,17). Die Wiedergeburt ist die Wiederherstellung des verlorengegangenen Bildes Gottes im Menschen (Apg 26,18; Kol 1,13).
Was ist eigentlich die Wiedergeburt? Sie ist das Aufnehmen Jesu (Joh 1,12.13), das Empfangen des Heiligen Geistes.
Ein schöpferischer Akt des Heiligen Geistes (V. 5; 2Kor 5,17; Eph 2,10; 4,24). Sie ist ein geheimnisvoller Vorgang, kein Auge sieht ihn, aber Gott, der ins Herz sieht. Der Heilige Geist wird verglichen mit dem unsichtbaren Winde, der doch befruchtet. Paulus vergleicht die Wiedergeburt mit einer geistlichen Auferstehung (Eph 2,1). Ohne menschliches Hinzutun ist er plötzlich durch den Glaubensblick auf den Gekreuzigten ein neuer Mensch. Plötzlich haßt er, was er früher liebte. War er früher in den Dingen dieser Welt daheim, so ist er es nun unter den Mitgläubigen. Jene, die am Pfingsttage spotteten, fragen plötzlich, wie sie gerettet werden können (Apg 2,13.37), nehmen im Glauben den Gekreuzigten auf und waren in der Gemeinschaft der Gläubigen (Apg 2,42 ff.; 1Joh 4,5.6). Die Wiedergeburt ist ein Wunder Gottes. Sie besteht nicht im Zurückbleiben nach einer Wortverkündigung, obgleich sie dabei vor sich gehen kann, sondern ist ein Wunder der göttlichen Gnade, wie die natürliche Geburt ein Wunder ist. Sie vollbringt, was kein Mensch vermag. Sie kann aus dem größten Sünder, einen Apostel machen (1Tim 1,15.16).
Die neue Geburt erfolgt durch Glauben an den Gekreuzigten. „Nachdem der Herr dem Nikodemus die große Notwendigkeit, jenes „ihr müsset von neuem geboren werden“, bewiesen hat, und Nikodemus es erkannte, ja sogar fragt, wie es geschehen kann, antwortet ihm der Herr mit der Geschichte der ehernen Schlange (V. 14.15; 4. Mose 21). Der von Schlangen gebissene Israelit konnte nur durch den Blick auf die erhöhte Schlange geheilt werden. So mußte der Herr an Stelle des Sünders am Kreuz erhöht werden. Unser Gott ist gerecht und heilig, der Mensch aber ungerecht und sündig (Röm 3,23). Damit Er Seine Geschöpfe nicht verdammen muß, legte Er in Seiner unfaßbaren Liebe unsere Sünde auf Seinen Sohn, der an unserer Stelle starb. Jesu Tod war stellvertretend, sühnte unsere Schuld, befriedigte die Heiligkeit Gottes und erfüllte das ganze Gesetz. Das Kreuz ist also unser alleiniges Heil. Diese Geburt geschieht aus Wasser und Geist. Was ist damit gemeint? Gewiß nicht die Taufe, wie manche Kirchen lehren. Das widerspricht dem Kapitel sowie dem Schriftganzen. Unter dem Ausdruck „Wasser“ meint die Schrift das Wort (Eph 5,26; Tit 3,5; Jak 1,_18; 1Pet 1,23-25). Das Wort Gottes erleuchtet den Menschen und deckt ihm seine Sünde, seine Verlorenheit auf. Er sagt ihm: „du bist der Mann“; und der Sünder antwortet mit „ich habe gesündigt“.
Was unter Geist gemeint ist, wissen wir. Er befruchtet den Samen des Wortes. Erst überführt Er den Sünder durch das Wort, dann aber offenbart Er ihm den Wert des Kreuzes. Die Folge ist „Glaube an den Gekreuzigten" und „die Versiegelung des Heiligen Geistes“ (Eph 1,13).
Die gesegnete Folge der Wiedergeburt. Der Mensch, der eben noch ein Feind Gottes war, ist nun versöhnt mit Gott (Röm 5,8). Er ist sogar ein Teilhaber der göttlichen Natur (2Pet 1,4). Sie ist das Anziehen des neuen Menschen (Eph 4,24). Diese neue Natur kann unmöglich weiter in der Sünde leben, weil Christus selbst im Wiedergeborenen wohnt (Gal 2,20; Kol 1,27). Bei unserer natürlichen Geburt erhielten wir die Natur unserer Erzeuger, bei der Wiedergeburt aber die Sehnsucht nach Christi Gesinnung (Phil 2,5; Röm 6,6-11). Die natürliche Geburt ist zeitlich, die Wiedergeburt aber das ewige Leben (Joh 10,27-30).
Wiedergeborene Menschen sind nach Kapitel 1, 12 Kinder Gottes und damit Glieder der höchsten Familie (Röm 8,15-17). Sie genießen ungeahnte Segnungen. Zutritt zu Gott (Heb 10,19), Familiensegnungen wie der heimgekehrte verlorene Sohn (Lk 15). Auch gehen sie ungeahnter Herrlichkeit entgegen (1Kor 2,9). Inzwischen aber stehen sie unter dem beständigen Schutz Gottes und genießen seine Fürsprache (Heb 7,25). Sie beweisen fortan das neue Leben in ganzer Hingabe an Den, der sie zu einem Leben geschaffen hat, und dienen ihm mit Freuden (Ps 100; 1Thes 1,9; Apg 26,19). Sie wissen, daß sie zu guten Werken wiedergeboren worden sind (Tit 3,8).