Ährenlese von Georg R. Brinke - Jahrgang 5, 6; 16-19 und 21
1Mo 39,1 ‑6 - Joseph als Sklave1Mo 39,1 ‑6 - Joseph als Sklave
Joseph kam also nach Ägypten, wo für ihn ein ganz neuer Zeitabschnitt begann. Weder Joseph selbst noch seine Brüder, weder Potiphar noch Pharao und die Ägypter konnten etwas ahnen von der reichen Gabe Gottes, die ihnen durch diesen Sklaven gebracht wurde. Und hat die Welt jemals erkannt die Gabe Seines geliebten Sohnes, der noch in größerer Niedrigkeit zu ihr kam (Joh 3,16) ?
Heben wir nur einiges aus diesen Versen hervor: Jehova war mit Joseph (V. 2). Er war ein Mann dem alles gelang (V. 2; Ps 1,3; Jer 17,3). Potiphar sah, daß Gott mit ihm war (V. 3). Gott ließ alles in Josephs Hand gelingen (V. 3). Potiphar stellte diesen Sklaven über sein Haus (V. 4). Gott segnete Potiphar um Josephs willen (V. 5). In Haus und Feld gab Gott um Josephs willen Segen (V. 5). Alles wurde Joseph unterstellt (V. 6).
Obwohl die Brüder Joseph den bunten Rock auszogen, sehen wir ihn hier in noch schönerem Kleide, in dem man ihn auch bald beneidete. So segensreich wie anfangs dieser Ort für Joseph war, so wurde er der schwerste seines Lebens. Doch war es nicht weit schwerer für unseren Herrn? Sobald der Mensch zu Ansehen und Ehre gelangt, wie Joseph, steht er in größter Gefahr (1Tim 6,17).
Der Abgesonderte. Gott hatte Joseph aus seiner
Familie herausgenommen, wie zuvor den Abraham (1. D4. 12, 1‑3), um durch
ihn Sein Vorhaben auszuführen. Der Pfad der Auserwählten Gottes ist nie
rosig. Das sehen wir am deutlichtsen an unserem Herrn (
Der Weg hinab. Josephs Träume deuteten von einem Aufstieg zu Ehre, Ruhm und Glanz, wovon sein jugendliches Herz gewiß voll war. Joseph ahnte nicht, daß der Auserwählten Weg zuvor ein Abstieg ist. Durch Leiden zur Herrlichkeit, durch Schmach zur Krone. Josephs Weg war in jeder Weise ein tägliches Sterben. Ein Sklave hatte keinerlei Rechte. Gottes Segensträger sind durch Dienen mächtig geworden. Wie der Herr wurden sie arm, um viele reich zu machen. Von Natur scheuen wir alle diesen Weg, aber nur wenn das Weizenkorn stirbt, bringt es Frucht (Joh 12,24). Alles mußte dazu dienen Joseph dahin zu bringen, da Gott ihn erziehen wollte, die Grube, um nicht getötet zu werden, die Feigheit Rubens, um verkauft zu werden. Joseph wäre nie auf selbstgewähltem Wege dahin gelangt (Röm 8,28). In Lk 24,26 hörten die Emmausjünger: „Mußte nicht Christus solches leiden, um zu Seiner Herrlichkeit einzugehen?“
Ein guter Kauf: Joseph auf dem Sklavenmarkt. Wieviel Potiphar für Joseph bezahlt hat, wissen wir nicht. Selbst wenn der Preis hoch war, machte er einen guten Kauf. Potiphar merkte gar bald, welchen Schatz er erworben hatte. Er sah, wie alles in den Händen Josephs gelang. Gewiß wurde er zunächst von den andern Sklaven zu den niedrigsten Diensten gezwungen, bis Potiphar seinen hohen sittlichen Wert sah. Wo .immer Joseph war, erwies er sich als Diener Gottes (2Kor 6,4). Nicht was wir für unsere Arbeit empfangen ist wesentlich, sondern wie Gott sie einschätzt (Heb 6,10; Off 22,12). Joseph war:
Einer nach Jakobus 1,12. Man denke an das Einst und Jetzt des Joseph. Einst wurde er bedient, hier mußte er dienen, einst geehrt, jetzt verachtet. Soll er Retter eines Sklavenvolkes werden, so mußte er selbst ein Sklave werden. Joseph klagte nicht wie viele, die meinen, nur für den Geldsack des Reichen schuften zu müssen, sondern diente Gott. Der war bei ihm und das genügte (Kol 3,17). Er, der im Geringsten treu war, erkannte, daß Gott ihn dahin gesandt hatte. Diese Erkenntnis machte ihn frei von Bitterkeit seinen Brüdern gegenüber.
Ein zufriedener Meister. Da Joseph ein hübscher Mann war, mag ihn Potiphar zunächst deshalb gekauft haben. Bald aber entdeckte er seine Charakterschönheiten. Kinder Gottes dürfen sich in allem von der Welt unterscheiden. Unser Zeugnis muß sich in Taten beweisen. Die Schrift nennt uns Kinder des Lichts, und die Lampe scheint im Kerker wie im Salon (1Pet 2,9). Potiphar sieht, wie er so vieles im Hause zum Guten geändert hat und erwählt ihn zu seinem persönlichen Diener. Potiphar kümmert sich um gar nichts und überläßt ihm alles (Kap. 39, 6).
Joseph, wiederum ein Hinweis auf Christus. Joseph, der Hebräer, wurde den Nationen überliefert und verlor jede Beziehung zu den Seinen. Dasselbe geschah mit Jesus, der den Heiden (Nationen) übergeben wurde. Damit hörten Gottes Beziehhungen zu Israel auf, und das Evangelium wurde den Nationen (Heiden) gegeben (Apg 13,46). Ehe wir erfahren was weiter aus Joseph wurde, sehen wir wie in einem Seitenblick in Kap. 38 den gegenwärtigen Zustand Israels, der durch Sünde und Schande gekennzeichnet ist. Israel ist gegenwärtig noch ohne den Messias. Die Brüder verkauften und erniedrigten Joseph, wie Israel seinen Messias. Wenn es Ihn aber aufnehmen wird, wird es wieder zu Ehren kommen.