Ährenlese von Georg R. Brinke - Jahrgang 5, 6; 16-19 und 21
2Chr 35,20-27 - Josia und sein tragisches Ende2Chr 35,20-27 - Josia und sein tragisches Ende
Auf den vorhergehenden Blättern hatten wir Gelegenheit, das Leben Josias zu betrachten. Welch ein gesegnetes Leben war es doch für ihn selbst, für sein Land und Volk, ja selbst für uns, denn auch uns hat es viel Gewinn gebracht. Um so trauriger ist es, daß wir nicht im gleichen Sinne schließen dürfen. Hier geht es nicht nach dem Sprichwort „Ende gut alles gut“. Bei ihm war alles gut, nur nicht das Ende. Es ist auffallend, daß die Bibel das nicht verschweigt. Die Darstellung von Lebensbildern der Schrift unterscheidet sich wesentlich von denjenigen der Menschen, indem sie Mängel nicht übersieht. Laßt uns das tragische Ende Josias näher betrachten.
- Die Ursachen, die zu seinem Tode führten.
a) eigene Wege. Es ist sehr ernst für den Gläubigen, eigene Wege zu gehen. Josia ging nach Megido, wo er in Jerusalem hätte sein sollen. Jona ging nach Tarsis, hätte aber in Ninive sein sollen. Paulus ging trotz vielem Warnen des Hl. Geistes nach Jerusalem (Apg 20,23) und fiel in die Hände der Feinde. Obwohl Gott diese Dinge in seinen Ratschuß eingeschlossen hatte, so trugen die betreffenden Personen doch selbst die Folgen. Josia büßte sein Leben ein. Paulus litt unsagbar von seinen Feinden und Jona schrie bitterlich im Bauche des Fisches, Jona 2.
b) Schnelles Handeln. Solches ist nie von Segen. Wir erhalten einen unangenehmen Brief und unterbreiten ihn nicht dem Herrn, wie Hiskia (2Kön 19,14), sondern beantworten ihn sofort, und das Unheil ist da.
c) Kein befragen Gottes. Hier hatte sich Josia nicht nach dem Vorbild Davids gerichtet, noch nach seinen früheren Gewohnheiten, 2Chr 34,21.
d) Maskierung, 2Chr 35,22. Josia verkleidete sich. Auf Gottes Wegen brauchen wir keine Maske, da ist Er uns Schutz und Schild. Als Saul auf Abwegen war, verstellte er sich, 1Sam 28,8. Alles Verstellen oder sonstige unwahre Haltung endet katastrophal.
e) Verwerfung des göttlichen Rates, 2Chr 35,22. Durch sein schnelles, eigenmächtiges Handeln überhörte er Gottes Stimme. Auf eigenen Wegen verlieren wir alles Feingefühl für göttliche Leitung.
2. Die Wirkung seines Todes.
Gottes Verheißung über seinen Tod lautete ganz anders, 2Chr 34,28. Juda stand vor der babylonischen Gefangenschaft, aber weil Josia Buße getan hatte, sollte er vor diesem Gericht verschont bleiben und in Frieden sterben. Jedoch hier müssen wir sehen, daß er trotz der Verheißung im Kriege getötet wurde. Mancher ist von Gott in seinen Dienst gerufen worden und von Gott gebraucht worden, aber eigene Wege durchkreuzten Gottes Verheißungen. Manchmal muß Gott Knechte wegnehmen, weil Hochmut, Eigensinn und Selbstgefälligkeit ihm die Ehre rauben. So ließ Gott es zu, daß sein treuer Knecht umkam. Jedoch mannigfaltig waren die Wirkungen seines eigenen Weges:
In Bezug auf ihn selbst „Ich bin verwundet“, rief er aus.
In Bezug auf sein gesegnetes Wirken, das er so früh aufgeben mußte.
In Bezug auf sein Volk, das er so plötzlich verlassen mußte.
In Bezug auf seine Feinde, die sich seines Todes freuten.
In Bezug auf die geistlichen Feinde in Juda, die froh waren, daß endlich der fromme König tot war, denn die Tatsache, daß nach seinem Tode sofort der Abfall so furchtbar einsetzte, zeigt wieviele Feinde Gottes in Juda waren. Wir können uns die Wirkung seiner Todesnachricht vorstellen. Plötzlich hing überall die Flagge auf Halbmast. Nachdem die letzten Arbeiten der Einbalsamierung vorüber waren, begleiteten ihn alle zur väterlichen Gruft. Es war wie bei Jakob eine schwere Klage, 1. Mose 50,11. Der getreue Jeremia dichtete ein besonderes Klagelied, 2Chr 35,25. Die Sänger und Sängerinnen haben die Klagelieder über ihn zu Volksliedern gemacht. Die Klage war ja groß, daß sie als Abbild der Klage in Sach 12,11, wenn Israel Buße tun und Jesum erkennen wird, verglichen ist.
3. Sein Grabstein.
Dieser war, bildlich gesprochen, mit Flammenschrift ins Herz des Volkes gesetzt worden. Bei Josia war es nicht wie bei Joram, der unvermißt starb, 2Chr 21,20. Viele Gläubige sterben unvermißt, weil kein Leben guter Werke hinter ihnen liegt.
4. Zu unserer Belehrung.
In 1Kor 10,11 schreibt Paulus in Bezug auf Israels Irrwege, daß sie uns zur Ermahnung geschrieben sind. Auch Josias eigner Weg ist uns deshalb gegeben. Zeigt er uns nicht, wie Gott unsere Wege notiert? Vers 26‑27. Auch unsere Geschichte wird geschrieben, geben wir nur acht auf den Stoff, den wir dafür darbieten. Die Seiten sind numeriert und wir können keine abtrennen. Die Tatsache, daß wir selbst in unser Lebensbuch von Morgen bis Abend schreibet, ist doch sehr ernst. Es kommt die Stunde, da wird man auf all das zurückkommen.
a) für die Gläubigen vor dem Richterstuhl Christi, 2Kor 5,10
b) Für die andern vor dem Throne der Herrlichkeit des Menschensohnes, Mt 25,31
c) und vor dem großen weißen Thron, Off 20,12.