Ährenlese von Georg R. Brinke - Jahrgang 5, 6; 16-19 und 21
Ps 22 - Christi Leiden am KreuzPs 22 - Christi Leiden am Kreuz
Dieser Psalm stammt aus der Feder Davids und zweifellos aus jener grausamen Verfolgungszeit durch Saul. Aber der 1. Blick verrät, daß wir es nicht mit David, sondern mit dem Sohne Davids, Christus, zu tun haben, mit Jesu Leiden und Auferstehung. Mehr als irgendwo in der ganzen Prophetie sehen wir hier Jesu Leiden in vielen Einzelheiten niedergelegt. Gleich im ersten Vers führt uns der Schreiber in die Tiefe der Leiden Christi hinein. Wäre der Psalm ein Menschenwerk so fänden wir gewiß zuerst eine eingehende Beschreibung Seiner leiblichen Qualen. Daß er uns aber zuerst Seine inneren Leiden vor Gott zeigt, beweist, daß er in Werk des hl. Geistes ist, der zuerst hervorhebt, was groß vor Gott ist. Jesus ward von Gott geschlagen, und dies mußte Er weit mehr fühlen, als irgend welche Schläge von Menschen.
1, Der schreckliche „Eingangsvers“ Keine Feder und Zunge können beschreiben, was uns hier der Hl. Geist zum Nachdenken gegeben hat. Zwei, die nie für einen Augenblick ohne Gemeinschaft und Getrenntsein waren, sind hier getrennt. Wir sehen dabei gleichzeitig, was Gott die Erlösung kostete, das Getrenntsein von Seinem geliebten Sohne. Verlassensein, d. h. ganz allein sein, das war etwas, was Jesus nicht kannte, Johannes 8,29.
Im 2. Vers rechtfertigt Er den, der Ihn verlassen hat Er sagt: „Aber Du bist heilig“. Der große Dulder findet selbst die Antwort auf das „Warum“, obwohl keine Antwort aus dem Himmel kam. Er kennt sie aus der Schrift. Jesus wußte, in welcher Eigenschaft Er vor Gott stand, und daß Er nichts anderes zu erwarten hatte. Er wußte, daß Er dort ein Fluch für uns wurde, Gal 3,13, die Strafe auf sich nahm und sie eben empfing, Jes 53. Er wußte, daß Er dort zur Sünde gemacht wurde, 2Kor 5,21, daß Er die Sünde im Fleische verurteilte, Römer 8,8. Er wußte, daß Sünde und Heiligkeit unvereinbar sind, und mit unseren Sünden vor Gott stand.
2. Die Leiden durch die Menschen. Obwohl Jesus das Alleinsein am meisten empfand, so sehen wir in den folgenden Versen, wie sehr Er auch die Schläge von Seinem Volke empfand. Achten wir dabei nur auf einige Einzelheiten. a). Der Hohn und Spott der Menschen. Dem schrecklichen Eingangsverse folgen einige furchtbare Schilderungen Seiner leiblichen und Seelen-Qualen. War Er doch ein Mensch wie wir. Er fühlte den Spott derer, die zu retten Er gekommen war. Er sah ihr Kopfschütteln. Palm 69, 21. Er sah, wie die sonst unvereinbaren Juden und Heiden auf einmal sich eins waren, als es sich darum handelte, Ihn zu töten. Nicht die Juden allein haben Ihn gekreuzigt, wir aus den Nationen waren genau so dabei. Die Juden riefen kreuzige Ihn, und wir führten den Befehl aus, wir lieferten das Kreuz und die Nägel. b) Die Angriffe auf Seine Frömmigkeit, Vers 9. Wenn Er so fromm ist, warum rettet Ihn dann Gott nicht. Gott hat doch stets die Väter erhört, Vers 6. Warum denn Ihn nicht? So lautete die Herausforderung. Er gehört also doch ans Kreuz. Sein Betrug, den Er durch Beelzebub ausübte, ist nun offenbar, denn sonst würde Gott Ihn retten, Mt 27,39. Wird nicht diese alte Spottwaffe immer wieder gegen die Gläubigen angewandt? c) Seine große Angst, Vers 12. Diese wird noch in besonderer Weise durch 4 Bilder, durch 4 erwähnte Tiere, beleuchtet. Ich bin ein Wurm, Vers 7, den man rücksichtslos zertreten kann. Dann werden die Stiere Basans erwähnt. Wie groß muß die Angst eines Menschen sein, der deren grausamen Hörnern ausgeliefert ist, Vers 13. Danach folgt der Rachen des Löwen, Vers 14. „Rette mich aus dem Rachen des Löwen“. Natürlich ist hier noch ein anderer unter dem Löwen zu verstehen, 1. Petrus 5,8. Zuletzt werden die Hunde Basans genannt, Vers 17. Wir begreifen seine Angst. Alle 4 vereinigt gegen einen Menschen, ist eine unbeschreibliche Lage. d) Seine Nägelmale (Vers 17). Die Hände und Füße waren durchgraben, Joh 20,15-27. e) Sein Trankopfer (Vers 15.). Wie in Vers 27 wohl eine Anspielung an das Speiseopfer gemacht wird, 3. Mose 2, so im 15. Vers auf das Trankopfer. Ich bin ausgeschüttet wie Wasser. Sein Herz brach und alles, was darin war, wurde für uns ausgeschüttet. Johannes sagt, es floß Blut und Wasser heraus. Joh 19,34. Als David jene Männer ins feindliche Lager nach Wasser schickte und seine Helden glücklich zurück gekommen waren, da trank er es nicht, sondern schüttete es vor dem Herrn aus, 2Sam 23. So hat Jesus sein Herz für uns ausgeschüttet, 2Sam 14,14; Lk 22,94. f) Seine tiefe Schmach (Vers 18). Entblößt hängt Er am Kreuz, zur Schau aller. Er selbst betrachtet alle Seine Gebeine vom Kreuze herab, und sieht gleichzeitig auch die Augenweide der Feinde. In Heb 12,2 lesen wir, daß er die Schande nicht achtete. Heb 13,13.
Mögen Seine Leiden in uns das bewirken, wozu sie uns gegeben sind, nämlich nachzufolgen Seinen Fußtapfen.