Ährenlese von Georg R. Brinke - Jahrgang 5, 6; 16-19 und 21
Mk 1,40 ‑45 - Der AussätzigeMk 1,40 ‑45 - Der Aussätzige
Der Herr diente in ganz Galiläa und heilte alle Arten von Krankheiten (Mt 4,23). Von allen Seiten strömten Kranke herbei, um geheilt zu werden. Diese gute Nachricht drang auch an das Ohr des Aussätzigen. Sie klang wie Musik in seinen Ohren. Vergessen wir nicht, daß Aussätzige nicht unter das Volk kommen durften. So sann er darauf, wie er zu Jesus komme. Schließlich durchbrach er alle Schranken und ging zu Jesus. Hier war es gewiß anders als in Kap. 2, 2, wo der Zugang zum Herrn von der Menschenmenge versperrt war. Hier gingen alle beiseite, als sie ihn kommen sahen aus Furcht, angesteckt zu werden. Kurz, niemand konnte ihn zurückhalten. Beachten wir sein großes Elend, in dem er sich befand. Fern von den Seinen verbrachte er Tage und Jahre und hatte keine Hoffnung auf Heilung. Er hatte vor allem keinen Zugang zum Tempel und war von allen Vorrechten und jeder Gemeinschaft mit Mitgläubigen etwa an ihren Festen teilzunehmen, ausgeschlossen. Das war
Eine Not, die er tief empfand. Eine Zeitlang konnten diese Kranken ihr Elend verbergen, insofern es nicht am Gesicht oder an den Händen ausbrach. Eines Tages wurde es doch offenbar. So kann der Sünder lange versuchen, sich zu rechtfertigen oder seine Sünde zuzudecken (Ps 32,3-5). Eines Tages wird er doch von seiner Sünde überführt. Das Wort macht sie offenbar.
Aussatz war eine Krankheit, da niemand helfen konnte. Der Aussätzige wußte, ich bin unrein und «unrein, unreine war sein Schrei (3. M. 13, 45). Begegnete ihm jemand, mußte er dieses Wort ausrufen. Er war ein hoffnungsloser Mensch, seine Krankheit war unheilbar. Und so ist die Sünde, sie verunreinigt den Menschen. Wollte doch jeder Sünder erkennen und mit Jesaja bekennen: „Wehe mir, ich bin unrein,“ oder mit Petrus sagen: „Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch.“
Seine Not trieb ihn zum Herrn. Hunger trieb den verlorenen Sohn ins Vaterhaus. Zahnweh treibt uns zum Zahnarzt. Manchmal muß der Herr die Rute „Krankheit“ brauchen, ehe der Sünder über sein Sündenleben nachdenkt. Viele nehmen eine Einladung zum Herrn erst auf dem Krankenbett an, vorher haben sie keine Zeit. In Tausenden von Fällen war Krankheit das Mittel, Gott zu suchen. Jede Not, die zum Herrn führt, ist heilsam. Oft ist es auch materielle Not, weshalb Menschen Gott suchen.
2. Achten wir, wie dieser Mann kam. Er kam bittend. Der Herr hat große Anziehungskraft. Selbst die Kleinen spürten das und kamen zu Ihm. Der Hauptmann Naeman kam erst befehlend. Er meinte, es müsse nach seinen Gedanken gehen und ging im Zorn davon, bis er bereit war hinabzusteigen. Dann wurde er geheilt (2Kön 5).
Er kam demütig, sehr ergeben. Er fiel vor dem Herrn nieder. Er war sich bewußt, wer er war, was er hatte und daß er allein von der Gnade des Herrn abhängig war. Das ist die rechte Art für den Sünder. Erkennt er seine Verlorenheit, weiß er, daß von der Fußsohle bis zum Scheitel nichts Gesundes an ihm ist, dann erfährt er Heilung. Er weiß, daß es schrecklich wäre, in diesem Zustand zu sterben und bittet, wie jener Zöllner: „Gott sei mir Sünder gnädig.“
Er kam auch wartend. Er sagte: „Herr wenn Du willst.“ Daß er ihn heilen konnte, wußte er von vielen andern Fällen her. Es hing also vom Willen des Herrn, von Seinem Erbarmen ab. Er kannte nicht jenes Wort: „Gott will nicht, daß jemand verloren gehe“, oder „wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“. Wer glaubend kommt, hat schon die Erhörung. Zu Abraham sagte Gott, daß bei Ihm nichts unmöglich sei (1. M. 18) .
Das Willkommen, das er beim Herrn fand. Nur absolute göttliche Vollmacht konnte dem Aussätzigen helfen.
Der Herr war innerlich bewegt. Der demütige und ernste Schrei um Erbarmen bewegte den Herrn zu tiefst. Das sind wir oft auch in Anblick von Krankheit und Not, aber das ist auch oft alles. Jesus aber hat Mitleid mit unsern Schwachheiten, und weil wir wissen, daß Er das hat, dürfen wir mit Freimütigkeit hinzutreten (Heb 4,15).
Nicht nur Jesu Herz war bewegt, sondern auch Seine Hand. Er rührte den Aussätzigen an, was sonst keiner tat. Wo wirklich das Herz bewegt ist, kann die Hand nicht zurückhalten. Das war wohl die erste freundliche Berührung, die er vielleicht nach Jahren erlebte. Keiner fühlt mit wie der Herr. Er ist der Gott allen Trostes und tröstet in aller Traurigkeit (2Kor 1,3.4).
Sein Arm ist nie zu kurz, um zu helfen und zu heilen.
Das erstaunliche Ergebnis. Jesus sagt: „Ich will, sei gereinigt.“ Er war rein. Hier wirkte kein Messer, keine Salbe, kein Verband, sondern allein Jesu Wort (Ps 107,20). Das ist es, was jeder Sünder, der mit seinem Sündenaussatz kommt, erlebt: Reinigung durch das Blut Jesu. Der Aussätzige zeigte dem Herrn sein Übel und wurde rein. Gerade das ist es, was der Sünder tun muß (1Joh 1,9; Ps 32). Dann ist er geschickt gemacht für Ihn (Kol 1,12) und zu guten Werken (Eph 2,10).
Was ein Einzelner tun kann. Der Herr gebot ihm zu schweigen. Er begehrte Stille, aber der Aussätzige erzählte voller Freude überall sein Erlebnis mit Jesus, so daß die Menschen von allen Seiten zum Herrn kamen. Tun wir das auch? (Apg 4,20.)