Unser Abschnitt redet von den vier Frauen Jakobs und dem damit verbundenen Kindersegen. Jedem nachdenkenden Bibelleser müssen gründlich die Augen aufgehen über dieser ungöttlichen Vielweiberei und den daraus erwachsenden Früchten. Schon bei Abraham sehen wir, was die Ehe mit dem Kebsweib Hagar für Not und Verdruß in die heilige Familie brachte, und Abraham wird gewiß oft diesen Schritt bereut haben. Die Familiennöte der Vielehe zeigen zugleich die Weisheit Gottes, der die Einehe angeordnet hat, daß ein jeder sein Weib habe, und nicht Weiber. In der gegenseitigen Neiderei und Eifersucht der verschiedenen Frauen müssen wir keineswegs nur fleischliches Begehr suchen. Schließlich kannten sie durch Jakob die Verheißung an Abraham: Durch dich und durch deinen Samen sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden. So wollte jede der Frauen ihren Anteil an dem verheißenen Segen haben, besonders wohl noch im Hinblick auf Christus, der aus dieser Linie kommen sollte. Danach schaute schon Eva aus, als sie den Kain gebar, indem sie glaubte, den verheißenen Messias geboren zu haben.
Hauptgegenstand unseres Abschnittes ist der reiche Kindersegen und die darin erwähnte Namengebung der einzelnen Kinder. Wir vernehmen nicht nur die Namen, die den Kindern gegeben wurden, sondern ihre Bedeutung. Hier wollen wir nun in den verschiedenen Namen eine Anwendung auf das Evangelium machen.
Ruben d. h. „Siehe ein Sohn“. Dieser wurde zur Freude dem Jakob gegeben. Auch uns ist ein Sohn gegeben. Wie Jakob mit Freuden auf ihn blickte, so werden wir aufgefordert, auf DEN Sohn zu schauen, der zugleich das Lamm Gottes genannt wird, der der Anfänger und Vollender unseres Glaubens ist.
Simeon. Sein Name bedeutet „Erhörung". Offenbar hat Lea besonders um ihn zu Gott gefleht und wurde erhört. Das weist auf die Annahme des Evangeliums hin. Ihn sollt ihr hören, sagt Gott selbst, oder: „Höret, und eure Seele soll leben".
Levi d. h. „Anschließung, Anhänglichkeit“. Lea sagt: „Diesmal wird sich mein Mann mir anschließen“. Das Sehen und Hören auf DEN Sohn verbindet uns mit Ihm, macht Ihn uns zum Haupte, mit uns zu einer Einheit. Jeder Mensch, der sich durch das Hören des Evangeliums dem Herrn anschließt, ist ein Geist mit Ihm.
Juda d. h. „Lobpreis“, oder „Gegenstand des Preises“. Lea sagte: „Diesmal will ich den Herrn preisen“. Der Mensch, der den Herrn gefunden hat, fließt über von Lob und Anbetung, denn in Ihm hat er alles gefunden, Leben und volles Genüge.
Dan, der Sohn der Magd, es ist der nächste in der Reihenfolge und bedeutet „Einer, der Recht verschafft“. Einer hat uns Recht verschafft, Jesus, Er ist unsere Gerechtigkeit. Durch Ihn sind wir gerecht geworden (Röm 5,1). Das Gesetz verurteilt den Sünder, aber durch den Glauben an das Evangelium ist er gerecht.
Naphtali d. h. „Mein Kampf“. Rahel sagt: „Kämpfe Gottes habe ich mit meiner Schwester gekämpft und habe auch obgesiegt“. Diese Deutung weist auf den Kampf des Glaubens hin, den jeder, der in die Nachfolge Christi getreten ist, erfährt. „Mein Kampf" redet wohl noch besonders vom Gebetskampf, wie wir ihn in Kap. 32 bei Jakob in Pniel sehen, oder bei Abraham in Kap. 18.
Gad war der Sohn der Magd Leas und bedeutet „Glück“. Glück ist das schönste Los derer, die in Christo Jesu sind, sie haben Gemeinschaft mit dem Sohne und mit dem Volke Gottes. Das bewiesen die ersten Christen nach Apg 2.
Asser war der 2. Sohn der Magd Leas und heißt „Glückseligkeit“. Lea sprach: „Zu meiner Glückseligkeit, denn glückselig preisen mich die Töchter“. Gemeinschaft mit Gott ist das höchste Glück auf Erden. Der eben wiedergeborene Kämmerer aus dem Mohrenlande zog seine Straße fröhlich, er war glücklich.
Isaschar d. h. „Es gibt Lohn“. Lohn ist dem treuen Gläubigen zugesichert am Ende seiner Laufbahn, denn ein jeder wird seinen Lohn empfangen. Paulus empfing für seinen treuen Dienst vom Herrn die Krone der Gerechtigkeit.
Sebulon heißt „Wohnung“. Lea sagt: „Mir hat Gott ein schönes Geschenk gegeben, diesmal wird mein Mann bei mir wohnen, denn ich habe ihm sechs Söhne geboren“.
Josef, der eigene Sohn der Rahel. Sein Name bedeutet „Jehova füge hinzu“. Josef wird später ein Fruchtbaum genannt. Frucht erwartet der Herr von all den Seinen. Er sagt: Dazu seid ihr gesetzt, daß ihr hingehet und Frucht bringet.
Schließlich folgt noch Benjamin d. h. „Sohn meiner Rechten“. Beim ersten und letzten der 12 Söhne kommt der Ausdruck Sohn vor. Ruben: „Siehe, ein Sohn“ und Benjamin „Sohn meiner Rechten“. Er, unser Herr, der Sohn, ist das A und das O des Kindes Gottes.
Die Namengebung der Söhne Jakobs ist etwa kein Zufall. Das ganze Heil der Welt ist schon in ihren Namen kundgetan. Die Frauen Jakobs wußten kaum recht, was sie sagten, aber der Heilige Geist wacht über jedem einzelnen Wort der Heiligen Schrift. Die Namen der Söhne Jakobs sind aber auch im Himmel angeschrieben, denn wir finden sie im himmlischen Jerusalem wieder, sie stehen an den Toren der Stadt (Off 21).