Nachdem wir im vorhergehenden Abschnitt die Brautwerbung für Isaak im eigentlichen Sinne der Schrift betrachtet haben, wollen wir einige Züge herausgreifen für alle, die wie Isaak auch ans Heiraten denken. Der Abschnitt gibt allen reichliche Belehrung.
Die Gehilfin muß vom Herrn erfleht sein. Ergreifend ist das Gebet des Brautwerbers in der Angelegenheit (Vs. 12‑14). Der Knecht bat um ein Zeichen, und der Herr gab es ihm (Vs. 14,17‑21). Alle erwähnten Personen betrachteten die Ehewahl als eine sehr ernste Sache. Abraham ließ seinen Knecht sogar schwören. Bethuel, Laban und Rebekka bezeugten, daß es der Herr war, der alles geleitet habe. Abraham machte es nicht wie Lot, der seine Töchter ungläubigen Sodomitern gab. Hier standen nicht Geld oder Ehre im Vordergrund, sondern der Wille Gottes, dem Träger der Verheißung eine gottesfürchtige Jungfrau zuzuführen.
Die Wahl mußte nach Gottes Gedanken sein. Abraham wußte, daß von der rechten Wahl die ganze Zukunft seines Geschlechtes abhing, denn Isaak war der von Gott bestimmte Stammvater des auserwählten Volkes. Seine Gattin durfte keine Kanaaniterin sein. Wäre nicht eine Fürstentochter Kanaans vorteilhafter gewesen? Niemals, der heilige Same darf sich nie mit Ungläubigen vermischen (Esra 9,2; 2. Mose 34,16.17). Man gibt vor, daß in einer jungen Ehe der unbekehrte Teil sich schon noch bekehren werde; doch oft ist das Gegenteil der Fall; das sehen wir so deutlich bei Salomo (1Kön 11,4-6). Abraham hatte die Gefahr eines ungleichen Jodies erkannt und deshalb unter Schwur geboten, daß man für Isaak nur eine Gleichgesinnte zum Weibe nehme. Ein schönes Beispiel einer rechten Ehe haben wir auch in z. Mose 1,1. „Ein Mann vom Hause Levi ging hin und nahm sich eine Tochter Levis zum Weibe.“ So soll die Wahl sein. Kinder Gottes sind Priester und sollen auch nur Frauen aus priesterlichem Geschlecht heiraten. Einem entgegengesetzten Falle begegnen wir in Simson, jenem Auserwählten Gottes. Er hörte nicht auf die Stimme der Eltern, sondern nahm sich eine Philisterin, und sein böses Ende ist uns allen bekannt (Ri 14). Wer in der Ehewahl eigene Wege geht, entzieht sich der göttlichen Führung.
Wenn irgendwo die bekannte Frage „Was würde Jesus dazu sagen?“ am Platze ist, dann ist es hier. Wie oft schon ist ein junger Mann einem Mädchen zulieb mit unter Gottes Wort gegangen oder hat sogar mit in Chören gesungen, bis er das Mädchen zur Frau hatte, dann aber war es aus (2Kor 6,14).
Wichtig in der Ehewahl ist die Meinung der Eltern. In beiden Fällen, bei Isaak und Rebekka, wurde nach dem Wunsch der Eltern gehandelt. Viele junge Leute unserer Zeit meinen, ihre Ehewahl gehe die Eltern nichts an. Man beginnt mit einer heimlichen Liebschaft und versucht nachher den Willen der Eltern zu erpressen. Isaak und Rebekka lassen ihre Eltern handeln. Nachdem Abrahams Knecht sich im Gebet durchgerungen hatte und zur Erkenntnis gelangt war, daß Rebekka die von Gott bestimmte Braut sei, legte er seinen Plan ihren Eltern vor: „Und nun, wenn ihr meinem Herrn Liebe und Treue erweisen wollt, so sagt es mir; wo nicht, so sagt es mir auch, damit ich mich zur Rechten oder zur Linken wende.“ Da antworteten Laben und Bethuel: „Die Sache ist von Gott dem Herrn." junger Mann, junges Mädchen, warte geduldig, bis auch die Eltern dein Vorhaben gutheißen (Spr 10,28;.
Übersehen wir auch nicht die andere Seite. Die Eltern der Rebekka haben ihre Todfiter nicht beeinflußt, als sie hörten, was für eine reiche Heirat Rebekka eingehen könne. Sie fragten sie vielmehr, ob sie mit diesem Manne ziehen wolle, worauf sie „ja" sagte. Viele Eltern beeinflussen ihre Kinder stark, leider oft nur des Geldes, der Ehre oder eines einträglichen Berufes wegen. Das ist ebenso ungöttlich wie das Nichtbefragen der Eltern von seiten der Kinder.
Die gegenseitige Liebe muß vorhanden sein. Wir lesen, wie Rebekka nach ihrer Ankunft in Hebron von Isaak empfangen wurde. Es heißt: „Er hatte sie lieb.“ Heiraten ist kein Geschäft. Man darf auch nicht jemanden aus Erbarmen heiraten, sondern nur aus Liebe. Die Schrift befiehlt: „Ihr Männer, liebet eure Weiber gleich wie Christus die Gemeinde“ (Eph 5,25). Isaak wurde durch Rebekka getröstet, bis dahin hatte er noch um seine Mutter getrauert, nun aber kehrt wiederum Freude in sein Zelt ein.
Der Lebensunterhalt sollte gesichert sein. Wir lesen, daß Isaak sein Weib in ein zubereitetes Heim führte. Hier wurde der Haushalt nicht auf Abzahlung hin begonnen, noch mit Schulden die Ehe angefangen. Schuldenmachen ist Sünde, die Schrift verbietet es (Röm 13,8). Der Mann ist der Versorger der Familie, er ernährt und pflegt sein Weib (Eph 5,27). Wer für seine Hausgenossen nicht sorgt, ist schlechter als ein Ungläubiger (1Tim 5,8). Die Familie soll an ihrem Versorger hinaufschauen können, und umgekehrt auch, der Mann soll sich auf sein Weib verlassen können. Eine Frau, die es versteht, ihrem Manne das Heim angenehm zu gestalten, fesselt ihn ans Haus und hält ihn ab von böser Gesellschaft außerhalb des Hauses.
Rebekka ihrerseits war gewiß nicht träge. Wir können uns nicht denken, daß sie sich als gesunde Frau das Frühstück von ihrem Manne ans Bett bringen ließ. Rebekkas Hilfsbereitschaft gegenüber dem Knechte Abrahams redet eine andere Sprache. Eine einzig schöne Beschreibung der Frau finden wir in Spr 31,10 ff. Jede Hausfrau sollte diesen Abschnitt auswendig lernen.
Höchst beachtenswert ist die Reinheit von Rebekka und Isaak. Von Rebekka lesen wir in Vs. 16: „Das Mädchen war sehr schön von Ansehen, eine Jungfrau, und kein Mann hatte sie erkannt.“ Rebekka hatte nichts gemein mit ihrer Enkelin Dina, die umherstreifte und dabei in Schande geriet (Lies 1. Mose 34). Rebekka lebte vielmehr nach dem weisen Rat in Tit 2,5: „. . . besonnen, keusch und mit häuslichen Arbeiten beschäftigt.“ Und was Isaak betrifft, so dürfen wir aus seiner früheren Frömmigkeit, aus seinem absoluten Gehorsam bis zum Tode nichts anderes schließen, als daß sein Charakter dem seines Enkels Joseph glich, der der Wollust gegenüber ein entschiedenes Nein sagte. Junge Leute, die rein in die Ehe treten, können einander achten und werden Gottes Segen erfahren.
Auch das Alter ist nicht ganz Nebensache. Warum ist gerade bei Isaak das Alter erwähnt? Es heißt: Isaak war vierzig Jahre alt, als er heiratete. Damit wollen wir aber nicht etwa sagen, daß Männer vierzig Jahre alt sein müssen, um zu heiraten. Rebekka ist gewiß weit jünger gewesen, denn im Orient heiraten die Mädchen recht früh. Zu große Altersunterschiede, besonders von seiten der Frau, haben oft später zu Disharmonie geführt. Doch auch hier möchten wir sagen: „Keine Regel ohne Ausnahme.“
Zur Ehe gehört auch eine gute Gesundheit. Sie war offenbar bei beiden vorhanden, bei Isaak und Rebekka. Rebekka war zweifellos kräftig, sonst hätte sie kaum die vielen Kamele zu tränken vermocht, die bekanntlich einen Wasservorrat für etwa 14 Tage in sich aufzunehmen vermögen. Wie schwer hat sich in vielen Fällen die Verheimlichung körperlicher Schäden gerächt, die nicht nur schwer zu tragen sind für den Ehepartner, sondern vor allem auch die Kinder belasten. Auch vor Selbsttäuschung muß man sich hüten. Ich habe Mädchen kennengelernt, die zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit oft lange Kuren machen mußten; bot sich aber Gelegenheit zu einer Heirat, dann waren sie plötzlich gesund. Da heißt es: „Der Herr hat mich geheilt.“ Kranke Personen sollten ledig bleiben. In zweifelhaften Fällen sollte man einen Arzt konsultieren.
Die Frau muß dem Manne eine Gehilfin sein. So sagt auch das Wort Gottes: „Ich will ihm eine Gehilfin machen.“ Also keine Plaudertasche für die Umgebung. In Abrahams großem Haushalt, den nun Isaak und Rebekka übernahmen, konnte man keine Salondame brauchen, sondern eine Sara, die im Haushalt fleißig war (Kap. 18,6. Rebekka war nicht zum Müßiggang erzogen, sondern stand dem großen Haushalt zuverlässig vor. Und Männer, die damit rechnen, ihre Frauen in Fabriken oder sonstwo um Lohn arbeiten zu lassen, verkennen völlig die eigentliche Aufgabe der Frau. Eine Frau und Mutter hat reichlich Arbeit, will sie ihren Haushalt recht instand halten und ihre Kinder gut erziehen.
Im christlichen Haushalt darf der Altar nicht fehlen. Wie viele Altäre Abraham da und dort gebaut hat, ist zur Genüge bekannt. Isaak wandelte in seinen Fußtapfen, und auch er baute dem Herrn einen Altar (Kap. 25,21). In Vers 63 lesen wir: „Und Isaak ging aus, um auf dem Felde zu sinnen beim Anbruch des Abends.“ Was will das sagen: zu sinnen? Stille zu suchen, um über den Herrn und Sein Wort nachzudenken. Ferner wissen wir, daß beide Eheleute den Herrn anriefen, als ihnen für längere Zeit der Kindersegen vorenthalten blieb. Isaak lernte auch nicht sein Weib an Belustigungsstätten kennen, sondern am Brunnen Lachai-Roi, d. h. am Brunnen der Lebendigen. Hauptsache in der Ehe ist Gemeinschaft mit Gott und untereinander im Wort und Gebet. Wo diese Gemeinschaft gepflegt wird, geht kein Kind verloren.