Schriften von Georg R. Brinke
Die Weltreiche im Lichte der Prophetie
Dan 4,28-30 - Gottes Mühlen mahlen langsamDan 4,28-30 - Gottes Mühlen mahlen langsam
Die wohlgemeinten Ratschläge Daniels an seinen Herrn, den König, waren bald vergessen. Der König fuhr in seinem bisherigen Sündenleben fort. Es wird Nebukadnezar nicht an hohen, einflußreichen Staatsbeamten gefehlt haben, die ihn vor allzu großer Frömmigkeit warnten und auch vorgaben, Daniel sei trotz seiner Gottesfurcht in Gefangenschaft geraten. An Zerstreuung und Ablenkung war am königlichen Hofe gewiß auch kein Mangel! Doch das änderte nichts an der großen Verantwortung des Königs in bezug auf die erhaltene göttliche Warnung. Tage und Monate verstrichen, Nebukadnezar übersah sein „Mene Tekel“. Er vergaß, daß der Tage seiner Wohlfahrt nur noch wenige waren, und daß die Zeit „Buße zu tun“ verstrich. Bald sollte die Uhr Mitternacht schlagen. Der gleiche Nebukadnezar, der noch gestern sein Zepter über Millionen schwang, wird heute als Irrsinniger hinausgestoßen. „ Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten.“
Nach einen Jahr. All das angekündigte Elend kam über Nebukadnezar auf die festgesetzte Zeit. Es brachen in Wahrheit, die sieben magern, traurigen Jahre, für ihn an. Wir dürfen annehmen, daß Nebukadnezar nach der Traumdeutung manche unruhige Nacht hatte, aber als die Erfüllung der ernsten Drohung auf sich warten ließ, wurde er wieder gleichgültig. Und so wie Nebukadnezar, handeln die Leute noch heute. Wie oft werden sie durch das Wort Gottes von der Notwendigkeit ihrer Bekehrung überführt; doch die Umlehr wird aufgeschoben. Die tiefsten Eindrücke sind bald entschwunden. Nebukadnezar lag, bildlich gesprochen, wohlgemut unter seinem erträumten, stolzen Baum und bewunderte ihn. Er merkte nicht, daß die schönen Früchte nur Sodomsäpfel waren. Groß ist die Gefahr langen Wohlstandes (5. Mose 8,11-18).
Ein Festtag in Babylon. Es muß irgendein besonderer Anlaß im Schloß gewesen sein. Nebukadnezar spazierte wahrscheinlich auf dem flachen Dach seines Palastes, wie einst David, vor seinem Fall. Vornehmer Besuch wird den König begleitet haben! Vor ihnen lag die wunderbare Stadt mit ihren hundert herrlichen Toren, breiten Alleen und den bekannten hängenden Gärten. Nebukadnezars Können und Leistungen übertrafen alles, was die damalige Welt an Großartigem bot. Durch das Lob und die Bewunderung fühlte er sich besonders geehrt und geschmeichelt; und mit seiner Hand auf all die Prachtbauten und ihren fabelhaften Luxus hinweisend, sagte er das verhängnisvolle Wort: „ Ist das nicht das große Babel, welches ich erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit?“ Aber wenn sie sagen „Friede, Friede, es hat keine Gefahr, dann wird sie plötzlich das Verderben erreichen“ (1Thes 5,3). Beachten wir die persönlichen Wörtlein ich, m e i n e r. In keiner Weise gab er Gott die Ehre, sondern beanspruchte allen Ruhm für sich. „Das ich erbaut habe!“ Hatten nicht Tausende daran gearbeitet? Wird er nicht die klügsten und besten Architekten seinen großen Reiches zum Entwurf und Bau beansprucht haben? ‑ Babel bestand übrigens längst vor Nebukadnezar. Und was nützten dem König die starken Bollwerke, die er für seine Sicherheit geschaffen hatte? Gott konnte durch sie nicht ausgeschlossen werden. Er fand den Zugang!
Hat Nebukadnezar nicht viele Nachsprecher gefunden? Ist nicht das schlichte Einfamilienhaus für manchen sein stolzes Babylon? Und wie viele gehen in Bewunderung ihrer eigenen Errungenschaften auf, oder sie brüsten sich mit der Ehre, die ihnen zuteil wird, wie einst ein Haman (Esther 5). Nur wenige geben Gott die Ehre und sagen im Wohlstand wie Hiob: „Der Herr hat's gegeben.“ Und obwohl sich das Dichterwort täglich wiederholt: „Gestern noch auf stolzen Rossen, heute durch die Brust geschossen, morgen in das kühle Grab“, so ändert sich der Mensch doch nicht in seiner Gesinnung. Hochmut ist vor Gott eine so schrecklich Sünde, daß sie gerichtet werden muß und nicht ungestraft bleibt (Spr 16,5; 29,23; Jak 4,6). In dieser Sünde steckten keineswegs nur mächtige Pharaonen, Cäsaren und Präsidenten, indem sie sich wie Götter verehren ließen; in dieser Gefahr stehen auch wir beide, du und ich. „So demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß Er euch erhöhe zu Seiner Zeit.“ Wie mancher Prediger bewunderte feine eigenen Reden und seinen Erfolg und was war der Ausgang?
Wie schon erwähnt, wird das stolze Babel noch einmal erbaut werden. Der Ruhm der Stadt wird weltweit sein, das zeigen die Kapitel 17 und 18 des Buches der Offenbarung; doch plötzlich wird die Herrlichkeit ein Ende finden. Ein gewaltiges Erbbeben wird den, Zusammenbruch der Stadt in einer Stunde herbeiführen. Und am Ende wird dann nicht Rom, nicht London, nicht Berlin, noch Babel das Weltzentrum sein, sondern das von den Völkern zertretene, aber wiederaufgebaute Jerusalem. In dieser Stadt wird der Einzug des Königs der Könige dereinst stattfinden.
Doch, kehren wir zurück zu Nebukadnezar. Er hatte von dem Wächter das Urteil vernommen und Daniel hatte es ihm deutlich ausgelegt. Er hatte gehört, daß der Höchste regiert und die Reiche gibt, wem Er will. Unser Gott ist ein eifersüchtiger Gott und gibt die Ehre keinem andern. Die in Hochmut wandeln erniedrigt Er.
Der schreckliche Augenblick. Während Nebukadnezar
sich noch rühmte und seine Herrlichkeit bewunderte, kam eine Stimme aus
dem Himmel, welche sagte: „Das Königtum ist von dir gewichen! Man wird
dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wird
deine Wohnung sein.“ Nebukadnezar wollte mehr sein als ein Mensch, Gott
aber machte ihn geringer als ein Tier. Gott widersteht den Hoffärtigen!
Es erging Nebukadnezar ähnlich wie später dem hochmütigen Herodes, bei
so plötzlich von Gott gerichtet wurde, allerdings mit dem Unterschied,
daß Gott bei Herodes auch den Wurzelstock ausroden ließ (
Wie wird Nebukadnezars auserlesene Gesellschaf t erschrocken sein, als der eben noch protzende und gesunde König sich plötzlich wie ein wildes Tier gebärdete, ja, ihnen sogar zur Gefahr wurde. Man mußte ihn hinausstoßen und in Fesseln legen, wie Daniel geweissagt hatte (Vers 23). So wurde der stolze Monarch, das goldene Haupt des Standbildes, der Erbauer der großen Stadt, erniedrigt! Konnte er sein Zepter länger schwingen? Nein, er kroch wie ein Tier auf der Erde (Jes 14,16). „Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ Das Aussehen des Königs war furchtbar, wenn wir an einige Einzelheiten denken. Die Haare wurden lang und borstig wie Adlerfedern, und seine Nägel glichen Vogelkrallen. Gott hatte plötzlich allem Rühmen und Sichbrüsten ein Ende gemacht. Den, der sich so sehr seiner Herrlichkeit rühmte, beraubte Gott seines Glanzes und Verstandes. Gott machte die verheißene Drohung an ihm wahr. Vergessen wir nie, daß Gottes Drohungen genau so wahr sind, wie Seine kostbaren Verheißungen. Beide erfüllen sich zu Seiner Zeit. Nebukadnezar mußte nun volle sieben Jahre als Wahnsinniger unter dem Tau des Himmels, bei den wilden Tieren verbringen. Paulus fordert uns auf, die „Strenge Gottes“ zu beachten. Hier haben wir ein warnendes Beispiel vor Augen. Und wer wollte Gottes gerechte Strenge im heutigen Weltgeschehen übersehen. Der Herr bewahre uns vor Hochmut und Sündenleben! Er gebe uns vielmehr Gnade, gleich einem Daniel uns entschlossen vor Verunreinigung zu hüten.
Wird man nun Daniel nicht besonders geachtet haben, da seine ernsten Worte erneut eingetroffen sind? Er blieb jedoch bescheiden auf seinem Pfosten, diente seinem König und betete für ihn; denn er kannte den Ausgang des gegenwärtigen Gerichtes. Er dachte an den Wurzelstock, der stehengeblieben war und hat zweifellos die Gewaltigen des Reiches auf ihn aufmerksam gemacht. Wie leicht hätte dieser bedeutende Daniel eine Verschwörung anzetteln können, um das Reich an sich zu reißen. Nein, nie und nimmer! Das ist nicht der Weg des Gläubigen; er ist nie staatsfeindlich. In keinem Fall beteiligt er sich an Umstürzen; er weiß, daß der Höchste regiert. Er bleibt ein Fremdling in der Welt, sein Bürgerrecht ist droben. Daniel ist nun allen ein leuchtendes Vorbild, sowohl in seiner Reinheit, seinem Gebetsleben, seinem Forschen in der Schrift, als auch in seiner Treue und in seinem unerschrockenen Mut.