Als Hauptgründe zu Gunsten der Periodenauffassung werden in der Regel die folgenden Gesichtspunkte geltend gemacht:
Die umfassendere Bedeutung des Wortes »Tag« an zahlreichen Stellen der Bibel.
Man fragt: Haben wir den biblischen Text überhaupt richtig aufgefaßt? Ist es nicht ganz offenbar, daß an vielen Stellen, sowohl im Alten wie im Neuen Testament, das Wort »Tag« eine Periode bedeutet? So leben wir im Zeitalter der Gemeinde am »Tag des Heils«, der jetzt, seit Christi Kommen, schon fast zweitausend Jahre lang währt (2Kor 6,2)! Vom »Tag des Herrn« reden die Propheten und meinen damit die ganze Endgeschichte, oft einschließlich des Tausendjährigen Reichs (Joel z, i. 2; 4, 18; Hes 13,5 u. a.)187 Ja, der zweite Petmsbrief redet sogar vom »Tag der Ewigkeit«
Göttliches Zeitmaß für göttliches Handeln.
Man fragt ferner: Sind nicht die sechs Schöpfungstage »Gottestage« gewesen? Müssen sie darum nicht mit göttlichem Längenmaß gemessen werden? Bei Gott gilt eben nicht das rein menschliche Zeitmaß. Bei Ihm »ist ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag« (2Pet 3,8; Ps 90,4).
Der Umstand, daß im Schöpfungsbericht von »Tagen« schon v o r der Bereitung der Sonne die Rede ist (erster, zweiter, dritter »Tag«).
Manche Vertreter der Periodenauffassimg haben geradezu die Frage gestellt: Wie kann man überhaupt dem biblischen Schreiber - schon rein menschlich und logisch, zunächst abgesehen von aller Inspiration - die Gedankenlosigkeit Zutrauen, von »Tagen« als buchstäblichen Vierundzwanzigstundentagen zu reden (1.- 3. »Tag«) für die Zeit schon bevor die Sonne (am 4. Tage) zur Beherrschung von Tag und Nacht für die Erde bereitet wurde? Denn erst seit der Erschaffung der Sonne beziehungsweise dem Durchbruch des Sonnenlichts durch die Erdatmosphäre, seitdem diese dünner und entsprechend lichtdurchlässiger geworden war, konnte von rein buchstäblichen Vierundzwanzigstundentagen, das heißt, Sonnentagen geredet werden. So schreibt Professor Dennert: »Es erscheint mir unannehmbar, daß ein so scharfsinniger Kopf, wie es der Berichterstatter der Genesis offenbar war, nicht gemerkt haben sollte, daß er von einem »Tage« in unserem Sinne nicht reden durfte, ehe die Sonne da war, die doch auch nach alter Ansicht den Tag regiert.«188 Ebenso erklärt H. L. Strack: »Hieraus ergibt sich, daß die Deutung (24stündige) Erdentage nicht nur nicht nötig, sondern sogar unmöglich ist.«189 In gleichem Sinne nennt Prof. D. Otto Zöckler die Fassung der »Tage« in 1Mo 1 als Viemndzwanzigstundentage geradezu eine »exegetische Unmöglichkeit«.190
Diesem Argument der Periodenauffassimg kann aber entgegengehalten werden, daß nach Hiob 38,4-7 die Sonnen- und Sternenwelt schon vor der Grundlegung der Erde erschaffen war, sodaß das »Licht« des ersten Schöpfungstages bereits das Sonnenlicht gewesen war und daß das Werk des vierten Schöpfungstages nicht in der eigentlichen Erschaffung der Himmelskörper bestanden habe, sondern in ihrer Sichtbarwerdung auf Erden durch Aufhellung und Dünnerwerden der Erdatmosphäre. Dann könnte es Morgen und Abend, Tag und Nacht auch schon in ganz buchstäblichem Sinne vor dem vierten Schöpfungstage gegeben haben. Nur wären dann eben vorher die Himmelskörper selber wegen der Wolkenschicht hier auf Erden nicht klar erkennbar gewesen.
Ein entscheidendes Hauptargument zu ihren Gunsten sieht die Periodenauffassung in der folgenden Tatsache:
Die auffallende Übereinstimmung der allgemeinen Reihenfolge der Schöpfungswerke von 1. Mose 1 mit derjenigen in den geologischen Schichten.
Vergleiche hierzu unsere Darlegungen in Kapitel XIV. Die geologischen Felsenurkunden und der biblische Schöpfungsbericht erzählen also einfach dieselbe Geschichte und laufen parallel. Dies findet noch eine weitere Bestätigung darin, daß, nach dem Zeugnis der Geologie, die vorangegangenen Perioden des Tertiär, ohne irgendeinen radikalen Bruch, in den gegenwärtigen Zustand der Erdgeschichte übergehen, das heißt, in Quartär, Diluvium, Eiszeiten, Alluvium und damit schließlich in die Zeit des Menschengeschlechts. Durch dieses Ganze aber beweist diese Übereinstimmung in der Reihenfolge der Sechstagewerke mit der Geologie die Richtigkeit der Deutung der »Tage« als Perioden und wird zu einem Zeugnis wider die buchstäbliche Auffassung der Schöpfungstage als Vierundzwanzigstundentage. In gleicher Weise erklärt Professor Rendle Short: »Die erstaunliche Übereinstimmung der naturwissenschaftlichen Reihenfolge mit der biblischen Reihenfolge der Schöpfung scheint anzuzeigen, daß die biblischen »Tage« Perioden geologischer Zeit entsprechen.«191
Die Neutralität des biblischen Textes in naturwissenschaftlichen Einzelfragen.
Aus den Worten des Schöpfungsberichts: »Die Erde lasse Gras . . . Kraut . . . hervorsproßen . . . »nach seiner Art<. . . Gott schuf die Wassertiere . . . »nach ihrer Art<. . . , alles Geflügelte »nach seiner Art<. . ., die Landtiere . . . »nach ihrer Art<« (V. 11. 21. 25) haben Vertreter der buchstäblichen Auffassung der Tage als Vierundzwanzigstundentage einen Beweis für die »Konstanz« der Arten und einen Gegenbeweis gegen die Periodenauffassung gesehen. Darauf ist erwidert worden: Lassen nicht die Worte »Die Erde lasse hervorgehen« das Wie? dieser Entstehung der Lebewesen durchaus offen? Ist in ihnen nicht vielmehr einzig und allein die Tatsache ausgesprochen, daß alle lebendigen Wesen kraft göttlichen Worts entstanden sind? Läßt es der biblische Bericht dem Naturforscher nicht völlig frei, unter Anerkennung des Schöpfers, dem »Wie?« dieser Entstehung nachzusinnen? Und ist es nicht ebenso vereinbar mit dem biblischen Text, zu sagen, daß Gott in die einzelnen Formen der Lebewelt bei ihrer Erschaffung die Kraft hineingelegt habe, sich immer weiter zu entfalten und durch Umbildung der einfacheren Formen zu immer vollkommeneren emporzusteigen, und zwar »jedes nach seiner Art«? Aus diesem letzten Ausdruck eine naturwissenschaftliche Lehre über eine »Konstanz (Unveränderlichkeit) der Arten« herauszulesen, ist doch gewiß sehr gewagt! Genau derselbe Ausdruck steht im Grundtext in 3. Mose 11,14.15.19.22.29 und bedeutet dort ganz offensichtlich nichts anderes als »in allen ihren Varietäten«. Die Israeliten sollten unter anderem folgende Tiere nicht essen: den Adler. . . , den Geier . . . , den Falken »nach ihrer Art«, d. h. in allen ihren Varietäten. Über eine Veränderlichkeit oder Unveränderlichkeit (»Konstanz«) der Arten - etwa der 790 000 heute lebenden und der noch dazuzurechnenden, ungezählten, ausgestorbenen Arten - ist in diesem Ausdruck auch nicht das Allergeringste ausgesprochen, weder in bejahendem noch in verneinendem Sinne. Vielmehr ist der Text völlig neutral und besagt weder das eine noch das andere.
Abzulehnen ist in jedem Fall die Deszendenztheorie in ihrer Form der Theorie Charles Darwins (1809-1882), als ob der ganze Naturverlauf ziellos vom »Zufall« (chance) beherrscht gewesen sei und die einzelnen Lebearten (species) im »Kampf ums Dasein« (struggle for existence) durch »natürliche Auswahl und Zuchtlese« (natural selection) entstanden seien. Das Entscheidende ist der Glaube an eine göttliche Führung in der gesamten Naturgeschichte.
Zwar gibt es in der Natur zweifellos einen »Kampf ums Dasein«, in dem der Schwächere unterliegt und der Stärkere der Sieger ist. Auch gibt es eine Anpassung der Lebearten an ihre jeweilige Lebenssituation. Ebenso scheint es eine gewisse Vererbung neu erworbener Eigenschaften zu geben, sodass man in gewissem Sinne mit Recht von einer teilweisen Weiterentwicklung und einem Übergehen niederer zu höheren Lebeformen sprechen kann. Völlig unbestreitbar ist auch der durch die Fossilien der jeweilig übereinander liegenden geologischen Felsenurkunden unzweideutig bezeugte Aufstieg des allgemeinen Pflanzen- und Tierlebens zu stets neuen, höheren Ausgestaltungen.
Aber ebenso ist es auch ersichtlich, daß der »Kampf ums Dasein« in dem weiten Ausmaß und der großen Bedeutung, wie Darwin ihn voraussetzt, in der Natur überhaupt nicht existiert. Er ist vornehmlich ein negatives, »ausjätendes« Prinzip, in dem manches, ja vieles, aber nicht alles, Schwächere untergeht, sodaß damit dem Stärkeren der Sieg und freie Bahn verschafft wird. Keineswegs ist er aber der große, positive Faktor in der Natur, der stets neue Formen hervorbringt. Überhaupt herrscht er nicht als das Entscheidende im gesamten Naturleben. Auch sind nicht wenige der schwachen, ja schwächsten Lebeformen von der ältesten, kambrischen Formation nicht ausgerottet worden, sondern leben fast unverändert (!) heute noch. Dahingegen sind hervorragend organisierte, ja starke und riesige Lebeformen, z. B. die Saurier der Jura- und Permzeit, trotz trotz ihrer Überlegenheit und Kraft nicht übrig geblieben, sondern ausgestorben.
Auch ist manches höchst ausgebildete Organ körperlichen Lebens schon in den allerältesten Erdzeitaltern vorhanden gewesen, kann also überhaupt nicht als Ergebnis irgendeiner Art von Vererbung, Weiterentwicklung oder »Evolution« aufgefaßt werden. »Es ist sehr zu beachten, daß schon die ältesten uns bekannten Wirbeltiere wie ebenso die Fische des Silur Augen hatten, die soweit wir von ihren versteinerten Überresten urteilen können, den Augen der jetzt lebenden Fische gleichartig waren und in allem Wesentlichen auch den Augen der Säugetiere. Nichts deutet darauf hin, daß sich diese Augen aus irgend etwas Einfacherem heraus entwickelt hätten. Sie treten vielmehr gleich bei ihrem allerersten Erscheinen in absolut vollendetem Zustand auf den Schauplatz. Einige der ältesten Versteinerungen der Welt, eine Art der Tintenfische aus dem unteren Kambrium, hatte Facettenaugen genau wie unsere heutigen Insekten und unsere heutigen Krebs- und Krustentiere. In einigen versteinerten Triboliten kann man sogar die Facetten zählen« (Prof. Rendle Short).192
Außerdem muß festgestellt werden, daß es sich bei den oben genannten Vererbungen, Weiterentwicklungen und Übergängen von niederen in höhere Formen innerhalb der Grenzen der jeweiligen Familien, die Übergänge von niederen zu höheren Formen ermöglichen, nur um Kräfte handelt, die innerhalb ein und derselben Familie, Gattung und Ordnung sich auswirken.
Es besteht ein höchst auffälliges Fehlen an fossilem Beweismaterial zur Erklärung der Hervorbringimg neuer Klassen und Ordnungen. Trotz größter Bemühungen und sorgfältigster Untersuchungen seitens darwinistischer Naturforscher ist es einfach bis auf den heutigen Tag nicht gelungen, die fehlenden »Zwischenglieder« (Darwin: missing links) nachzuweisen.
Vielmehr erscheinen in diesen geologischen Schichten die eigentlichen Hauptaxten und Hauptstämm e in ihren Grundformen ganz plötzlich, ohne jede erkennbare, direkte, allmähliche, vollständige Überbrückung zu bereits vorher bestehenden Lebeformen, also ohne auch nur den geringsten Hinweis auf ihren Ursprung und ihre Herkunft. Der fossile Tatbestand der Geologie weist also auf eine Anzahl von Neuanfängen hin, nämlich jedesmal dann, wenn eine neue Ordnung oder Familie, die mit neuen Organen ausgestattet ist, plötzlich auftritt.
Zahlreiche Naturforscher suchen dies durch »Mutation« (»Erbsprung«, lat. mutare, verändern) zu erklären, wie diese tatsächlich auch heute noch im Naturleben zu beobachten ist. Zugleich darf aber auch nicht übersehen werden, daß - wenn auch ein solcher »Erbsprung« zu einem Ausgangspunkt für höhere Lebeformen werden kann - , er in den allermeisten Fällen eine Abwärtsentwicklung (Degeneration) bewirkt, während eine Aufwärtsbewegung durch Mutation nur die Ausnahme ist.
Darum ist, nach der Periodenauffassung, für den, der an den lebendigen Gott glaubt, die andere Erklärung zum mindesten ebenbürtig, ja, wohl noch vorzuziehen, daß Gott an solchen Wendepunkten der Naturgeschichte in wiederholtem Maße neue »Starts« vollzogen habe, das heißt, Neuanfänge von noch nicht dagewesenen Lebeformen durch spezielle einzelne göttliche Schöpferhandlungen.
Der biblische Schöpfungsbericht selbst gibt über diese Fragen keine näheren Einzelheiten. Sicher ist, daß die Naturforschung nicht von einem absoluten »Beweis« einer lückenlosen Evolution aller Formen aus einer gemeinsamen Urzelle sprechen kann. Dies mag ein naturphilosophischer »Glaube« vieler Naturforscher sein, ist aber kein eindeutig nachgewiesenes, unbezweifelbares naturwissenschaftliches »Ergebnis« und selbst dann stünde es, nach der Ansicht mancher Vertreter der Periodenauffassung, nicht unbedingt in unversöhnlichem Widerspruch zum biblischen Schöpfungsbericht, da dieser über solche Einzelfragen ja überhaupt schweige, sondern nur die Tatsache berichtet, »daß« alles von Gott durch Sein Wort geschaffen worden ist, aber keine Aussage über die Art und Weise mache, »wie« Gott dies getan hat.
In jedem Fall aber offenbart sich die Sinnlosigkeit des Darwinismus in seiner Behauptung, daß alles vom »Zufall« beherrscht gewesen wäre und auch heute noch sei. Als ob je eine Uhr ohne die planende Intelligenz des Uhrmachers, ein Dom durch zielloses Durcheinanderwürfeln von Steinbrocken, eine Symphonie, wie die Neunte Symphonie Beethovens, durch zufälliges Zusammenfallen von Tintenklecksen entstanden sei! Nein:
»Wo rohe Kräfte sinnlos walten,
Da kann sich kein Gebild’ gestalten.« (Schiller)
Ähnlich fragt Professor Rendle Short: »Ist es glaubhaft, daß ein blinder, nur vom Zufall beherrschter Naturprozeß, wie die N atürliche Auslese« (Darwin: natural selection) es wäre, einen Geist hätte hervorbringen können wie einen Shakespeare oder einen Edison?«
Sir Arthur Keath, einer der hervorragendsten Anatomen Englands, der überall als Agnostiker angesehen worden ist, das heißt, als einer, der keine feste Ansicht über die weltanschaulichen Hintergründe für möglich hält, hat sogar einmal erklärt: »Ich würde ebenso leicht die Lehre der Dreieinigkeit (!) glauben wie die Behauptung, daß lebendes, sich entwickelndes Protoplasma durch bloße Würfe des Zufalls jemals das menschliche Auge hätte ins Dasein bringen können.«
Zum Schluß sei noch bemerkt, daß Darwin selbst, trotz seiner Theorie - im Gegensatz zu sehr vielen seiner Anhänger - kein absoluter Gottesleugner gewesen ist. Dies beweisen seine Aussprüche: »Selbst zur Zeit meiner größten Schwankungen war ich nie ein Atheist in dem Sinne, daß ich das Dasein eines Gottes geleugnet hätte.« »Die Frage, ob ein Schöpfer der Welt existiert, ist von den größten Geistern, die je gelebt haben, bejaht worden.« »Ich nehme an, daß wahrscheinlich alle organischen Wesen, die jemals auf dieser Erde gelebt haben, von irgendeiner Urform abstammen, welcher das Leben zuerst vom Schöpfer eingehaucht worden ist.«193 Dabei handelt es sich bei ihm allerdings um einen Gottesbegriff im Sinn des »Deismus«, also um einen Schöpfergott, jedoch ohne Eingreifen in die Natur und ohne Offenbarung.
Die geologischen Zahlenangaben.
Die Jahrmillionen der Geologie muß man allerdings mit großer Zurückhaltung aufnehmen. Von Huene nennt für die noch versteinerungsfreien Urschichten (das »Azoikum«) 1900 Jahrmillionen. In Bezug auf das Gesamtalter des Erdballs schwanken die Zahlen zwischen 3 und 5 Milliarden Jahren.
Die Rechnung wäre gewiß richtig, wenn man nur beweisen könnte, daß das Fortschreiten der Entwicklungen zu allen Zeiten ein gleichmäßiges gewesen wäre. Die Schwierigkeit und Unzulänglichkeit bei all diesen Berechnungen ist aus naheliegenden Gründen aber immer die, daß aus den Beobachtungen einer sehr kurzen Zeit auf sehr lange Zeiträume geschlossen wird. Dies gilt auch bezüglich der Zahlenangaben, die aus dem radioaktiven Zerfall von Uranium in Uranblei errechnet werden, obwohl diese Messungen eine größere Zuverlässigkeit in Anspruch nehmen können als frühere Methoden (vgl. S. 270). Mit Recht schreibt Professor Rendle Short: »Schätzungen, die von der Dicke von Tropfsteinablagerungen oder Flußsandschichten abgeleitet werden, die oberhalb menschlicher Reste gelagert sind, machen keinen großen Eindruck auf uns. Denn die Schätzungen sind nur auf die Ablagerungsgeschwindigkeit der Gegenwart aufgebaut, während diese Geschwindigkeit in der Vergangenheit wahrscheinlich viel größer war. In der Periode der Eiszeit waren die Flußläufe geradezu enorm, und Sand- und Kiesablagerungen müssen sich hundertmal so schnell aufgehäuft haben wie heutzutage. In einigen, Versteinerungen bildenden Brunnen wachsen die kalkhaltigen Ablagerungen außerordentlich schnell, und dies kann auch in manchen Höhlen der Vergangenheit so gewesen sein.194
Dennoch ist, trotz all dieser Einschränkungen, die alte Meinung, die Erde sei ungefähr 6000 Jahre alt, völlig unhaltbar. Allein um eine dünne Schicht von nur zwei (!) Zenti(!)metern Kohle zu liefern, wäre ein heutiger Buchenwald von einhundert (!) Jahren erforderlich! Und wie dick sind die Steinkohlenschichten im Innern der Erde! Nach Prof. Bettex stellenweise über zwölf Meter dick! Und oft liegen verschiedene Steinkohlenflöze übereinander! Und dabei ist die Steinkohlenzeit ja nur eine der zahlreichen, geologischen Perioden. Wie unübersehbar lang müssen doch da die Entwicklungszeiten des Gesamtwerdegangs der Erdoberfläche gewesen sein! Dies ist in jedem Fall richtig, auch wenn wir genauere Zeitberechnungen im einzelnen mit Zuverlässigkeit nicht anstellen können.
Geologisches Erdalter und biblische Heilsgeschichte.
Schließlich hat man bemerkt: Wie kann es überhaupt so lange Schöpfungsperioden gegeben haben, da doch die Dauer des gegenwärtigen Bestandes nur wenige Jahrtausende umspannt? Dann würde ja die ganze, geoffenbarte Heilsgeschichte der Bibel, die doch den eigentlichen Hauptinhalt der Heiligen Schrift ausmacht, dagegen ganz klein und unverhältnismäßig kurz erscheinen. Im Wesentlichen miteinander übereinstimmend, schätzen unsere heutigen Geologen das Gesamtalter der Erde auf ungefähr nicht unter 2850 Millionen Jahre. Hierin ist das Sternzeitalter der Erde miteingerechnet, das heißt, der Übergang der feuerflüssigen Erdoberfläche in die erste Erstarrungskruste. Nimmt man nun, mit dem Paläontologen Professor von Huene, diese Zeitspanne als die 24 Stunden eines Erdentages, so ergibt sich, wie jeder leicht nachrechnen kann, daß die ganze »lange« Zeit der uns genauer bekannten »Weltgeschichte« (d. h. die Zeit von 400 vor Chr. bis heute) sich zur Gesamtzeit der Erdgeschichte verhielte wie der 13. Teil einer einzigen Sekunde zu einem ganzen 24stündigen Tageslauf. Wir ständen also eine dreizehntel Sekunde vor 24 Uhr! Allerdings sind die Zahlenangaben der Geologie nur mit größter Zurückhaltung aufzunehmen. Immerhin handelt es sich in jedem Fall um ungeheuer lange Zeiträume, gegen die die uns übersehbare Menschheits- und Heilsgeschichte nur ein ganz winziger Bruchteil ist.
Darauf ist von Seiten der Periodenauffassung ungefähr folgendermaßen geantwortet worden: Allerdings ist die Zeit zwischen Menschenschöpfung und Weltvollendung nur ein kurzer, nur wenige Jahrtausende währender Zeitabschnitt. Aber es steht doch zu erwägen, daß dieser desgleichen nur erst eine W erde- und Anfangszeit ist. Er ist eine Periode, die gewisse, durch die Sünde in die Schöpfung noch dazwischen hineingekommene Hemmungen zu überwinden hat. Er ist also gleichsam ein vollendender Abschluß der Schöpfungszeit! Der eigentliche Dauerzustand aber beginnt erst mit der Neuschöpfung und Verklärung von Himmel und Erde und wird dann allerdings auch die ganze Ewigkeit umspannen. Dieser Ewigkeit gegenüber werden jedoch auch die begrenzten Jahrmillionen der Schöpfungsund Erlösungszeit geradezu zu einer Kleinigkeit zusammenschrumpfen. Auf diese Ewigkeit aber muß man das Augenmerk richten. Nur so kann man den rechten Maßstab für die Beurteilung dieser Verhältnisse gewinnen.195
Zusatz
GOTTGEMEINTER SINN UND MENSCHLICHES TEXT VERSTÄNDNIS DER BIBLISCHEN SCHREIBER
Wir bestreiten in keiner Weise, daß die heiligen Schreiber selber möglicherweise in den Schöpfungstagen buchstäbliche Vierundzwanzigstundentage erblickt haben. Wir sind weit davon entfernt, ihnen naturwissenschaftliche Kenntnisse zuzuschreiben, die über den Rahmen ihrer Zeit und Kultur hinausgingen. Aber es handelt sich bei dieser ganzen Frage ja gar nicht um das Weltbild der heiligen Schreiber, auch nicht einmal um ihre persönlichen Auffassungen über den heiligen Text, sondern um den heiligen Text selber! Und mehr als einmal ist der gottgemeinte Sinn des inspirierten Wortes weit über das Verständnis des inspirierten Schreibers hinausgegangen! Bei aller Mitindienststellung der menschlichen Persönlichkeit nach Anlage, Lebensgeschichte und bewußter, geistiger Mitarbeit (vgl. Lk 1,1-3) - worin sich eben die biblisch-organische Inspiration vom magisch-spiritistischen »Diktat« unterscheidet - , hat dennoch der Geist Gottes den Werkzeugen Seiner Inspiration zuweilen Worte eingegeben, deren letzter und tiefster Sinn ihnen selber - jedenfalls zum Teil - verborgen blieb. So haben sie viel von zukünftigen Ereignissen geweissagt und dennoch deren Zeitfolge nicht erkannt, und als sie über diese »Zeiten und Zeitpunkte nachforschten«, wurde ihnen sogar durch eine besondere »Offenbarung« ihr Nichtverstehen dahin »verständlich« gemacht, daß sie dies gar nicht zu wissen brauchten; denn sie täten ihren Dienst »nicht für sich selbst«, sondern für die Geschlechter eines kommenden Zeitalters (1Pet 1,10-12). Verschiedentlich sind wir auch geradezu überrascht, zu sehen, wie das Neue Testament bei gewissen alttestamentlichen Stellen einen zuerst gar nicht ersichtlichen, viel tieferen Sinn offenbart, als es nach dem alttestamentlichen Wortlaut und Zusammenhang der betreffenden Stelle zunächst zu erwarten war. Es ist eben alles geschichtlich bedingt und doch ewigkeitsdurchdrungen, menschlich und göttlich, zeitlich und überzeitlich zugleich.196
So ist die Heilige Schrift kein Lehrbuch der Naturwissenschaft und hat folglich nur wenig Interesse, das naturwissenschaftliche Weltbild ihrer Leser, ja nicht einmal ihrer eigenen Schreiber, zu formen und zu gestalten. Sie ist das Buch Gottes an unsere Seele und will uns das sagen, was wir zur Errettung unserer Seele erkennen müssen. Darum mögen selbst die heiligen Schreiber durchaus an den Auffassungen ihrer Zeit teilgenommen und in diesem Sinn auch den heiligen Text noch nicht voll verstanden haben. Der Text selber aber ist gottgegeben und vom Geist Gottes so geformt, daß er selbst an den Irrtümern der damaligen Zeit nicht teilnimmt.
»Wie hätte es jemals für den Verfasser möglich sein können«, fragt Professor Rendle Short, »die richtige Reihenfolge zu finden, wenn er nicht beschenkt gewesen wäre mit einer göttlichen Inspiration? Wo anders ist in der Literatur des Altertums oder in dem nichtchristlichen Schrifttum der Zeiten vor der Geburt der Geologie als Wissenschaft, eine so richtige Linienführung der Reihenfolge der Schöpfungswerke zu finden?«197
In diesem, beziehungsweise ähnlichem Sinne gibt Professor Karl Heim seine Erklärung vom biblischen Sechs-Tage-Bericht: »Wahrscheinlich hat der Verfasser dieser schlichten Schöpfungserzählung an gewöhnliche Tage gedacht. Aber das Wunderbare an diesem Bericht, das uns immer wieder beim Lesen den Gedanken nahelegt, eine unsichtbare Hand habe dem Erzähler die Feder geführt, ist die Tatsache, daß in der biblischen Beschreibung des Sechstagewerkes die großen Etappen der Entwicklung der Schöpfung in derselben Reihenfolge dargestellt sind, in der sie nach dem paläontologischen Befund im Lauf des ungeheuren Zeitraums von fünfzehnhundert Jahrmillionen sich vollzogen haben.. . In einer Zeit, in der unsere heutigen biologischen Kenntnisse noch fehlten und unsere astronomischen Zeitmaße unbekannt waren, hat die biblische Erzählung von den sechs Schöpfungstagen mit einer rückwärts gekehrten Prophetie den Bauplan der Schöpfung in seiner ganzen, architektonischen Größe, wie in einer großen Vision, mit einer solchen Klarheit vom Fundament bis zum krönenden Abschluß in der Schöpfung des Menschen enthüllt, daß die paläontologische Forschung der heutigen Zeit nur die Aufgabe haben kann, den monumentalen Bau, dessen Plan uns hier in seinen Grundzügen vor Augen tritt, mit dem reichen Material der heute zutage geförderten Funde bis in alle Einzelheiten hinein auszuführen.«198
187 Vgl. Sauer. Gott, Menschheit und Ewigkeit. Wuppertal 1955 , S. 77 - 80 (Die „Tage“ Gottes). (2Pet 3,18 wörtl.)!↩︎
188 E. Dennert, „Es werde", Halle 1907 , S. 25 .↩︎
189 Prof. D. H. L. Strack, Genesis, München 1905 , S. 8.↩︎
190 O. Zöckler in seinem Werk, „Beweis des Glaubens“, IV, S. 526 .↩︎
191 Modem Discovery, London 1952 . S. 99 .↩︎
192 Zu welchen extremen Folgerungen sich manche Vertreter der Deszendenztheorie auch in Bezug auf die Vererbung neu erworbener Eigenschaften haben führen lassen, möge ein Beispiel von Darwin, dieses doch durchaus bedeutenden Naturforschers, beweisen. Darwin lehrte zwar nicht (wie später E. Häckel) die Abstammung des Menschen vom Affen, wohl aber von irgendeinem Tier. In diesem Zusammenhang erörtert er auch die Frage, auf welche Weise wohl der Schwanz bei diesen Vormenschen und bei den menschenähnlichen Affen nach und nach verschwunden sei! Er meint, daß die Vorfahren mit ihren langen Schwänzen oft auf ihnen gesessen hätten und diese daher rauh und schwielig und abgerieben worden wären. Da nun Verstümmelungen gelegentlich vererbt werden sollen, so sei es nicht unwahrscheinlich, daß der Schwanz nach und nach zurückgebildet worden sei. Dann sagt Darwin wörtlich: „Soweit wir es beurteilen können, ist dann schließlich der Schwanz beim Menschen und den anthropomorphen (d. h. menschenähnlichen) Affen infolge davon verschwunden, daß der Endteil eine sehr lange Zeit hindurch durch Reibung beschädigt wurde, während der Anfangsteil, der in der Haut eingebettet hegt, zurückgebildet wurde, um sich der aufrechten oder halbaufrechten Stellung anzupassen“ (Abstammung des Menschen, Bd. 1 , Stuttgart 1875 , S. 76.77 ). - Wir bemerken hierzu: „Das zu glauben: dazu gehört doch auch allerdings eine ganze Portion - Glaube!!“↩︎
193 Vgl. Dr. H. Engel. Die größten Geister über die höchsten Fragen, Konstanz, 4 . Aufl., S. 38 . -- Ebenso bei Lie. E. G. Steude, Christentum und Naturwissenschaft, Gütersloh 1895 , S. 175 . - Prof. D. Dr. Rauschen, Grundriß der Apologetik, Bonn 1920 , S. 11 .↩︎
194 Prof. Dr. A. Rendle Short, The Bible and Modern Research, London 193 . S. 54. 5 .↩︎
195 In dieser Weise beantwortete das Problem des Verhältnisses der Heilsgeschichte zu den langen geologischen Zeiträumen bereits der Vertreter der Periodenauffassung Professor D. Dr. F. W. Schultz in seinem Werk „Die Schöpfungsgeschichte nach Naturwissenschaft und Bibel“.↩︎
196 Man vergleiche nur Mt 2,15 mit Hosea 11,1 oder Mt 2,17.18 mit Jer 31,15.↩︎
197 Modem Discovery, London 1954 , S. 100 .↩︎
198 Prof. Dr. Karl Heim, Weltschöpfung und Weitende. Hamburg 1952 , S. 48.95.↩︎