HEILIGKEIT UND HERRLICHKEIT IN DER EWIGEN VOLLENDUNG DER HOHEN BERUFUNG DES MENSCHEN
Groß und wundersam war die Erschaffung des Menschen. Heilig und hoch waren auch die Ziele, zu denen er berufen worden war. In ihm als dem König der irdischen Schöpfung sollte alles Leben und Sein hienieden von Satans Herrschaft befreit und in die Harmonie mit dem Ewigen eingeführt werden. Durch ihn sollten sich die erlösenden Kräfte des Höchsten auf sittlichem Wege offenbaren. Am Ende einer geradlinig aufwärtssteigenden Entwicklung sollte nichts Geringeres erreicht worden sein als Ehre für Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.
Und doch! So herrlich und groß diese Gnadenbestimmung des Menschen auch war, so kann sie trotzdem noch nicht alles, ja nicht einmal eigentlich die Hauptsache sein. Denn wenn sie das Einzige wäre, wozu Gott den Menschen erschaffen hat, so hätte dieser im kosmischen Heilsplan keine selbständige und eigene Bedeutung mehr, sondern nur noch eine indirekte und abgeleitete. Ja, im tiefsten Grunde wäre er nur noch ein bloßes Mittel zum Zweck. Der Hauptakzent seines Daseins würde, was das Geschöpfliche angeht, nicht auf ihm, sondern auf der ihn umgebenden Erdenwelt ruhen. Außerdem wäre dann seine Aufgabe eine zeitlich begrenzte. Für die Ewigkeit aber würde sein Weiterexistieren belanglos und ohne stets neuen, bedeutenden Wert sein. Denn da mit dem neuen Himmel und der neuen Erde alles Erlösbare in die Erlösung eingegangen sein wird, wäre er, vom Augenblick der Erreichung dieses Zieles an, ohne eigentlichen Lebensinhalt und Seinszweck, wenn er lediglich diese Erlösung zu vermitteln gehabt hätte.
Nach der Schrift aber nimmt er auch in den Äonen der Ewigkeit eine wichtige, ja sogar zentrale Stellung im Kosmos ein. Darum muß mit diesem seinem zeitlich begrenzten Erlöserberuf im Plan Gottes, schon von Ewigkeit her, eine noch höhere, unendliche Ewigkeitsbestimmung verbunden gewesen sein. Worin diese aber im Einzelnen bestand, kann nur aus dem allgemeinen Hauptzweck der Gesamtweltschöpfung erkannt werden.
Wir hatten im Eingang gesehen, daß dieser in der Aufrichtung einer Lebens- und Liebesgemeinschaft zwischen Schöpfer und Schöpfung besteht. Liebe und Liebesverkehr sind also der oberste, sittliche Grundsatz alles ewigen und zeitlichen Seins. Aus ihrem Begriff muß darum auch jeder andere, auf das Einzelne gerichtete Wille Gottes abgeleitet werden.