Schriften von Erich Sauer
Gott - der Unendliche, der absolut freie Schöpfer und König des Universums.Gott - der Unendliche, der absolut freie Schöpfer und König des Universums.
Gott ist der Absolute, schlechthin Unbedingte. Er ist rein in Sich Selbst bestimmt und bewegt Sich aus nichts anderem denn nur aus Sich Selbst allein. Mit anderen Worten: Er ist völlig unabhängig und frei. Tätigkeit aus Zwang wäre eine Bewegung, die, wenigstens teilweise, aus einer anderen, selbständigen, äußeren Ursache hervorginge. Gott aber ist in Seinem Tun von keinem anderen bestimmt.
Eine Weltschöpfung ist darum zur Vollkommenheit des göttlichen Wesens nicht erforderlich. Gottes Vollkommenheit und Seligkeit hängt nicht von dem Dasein eines Weltalls ab. Gott ist um Seiner Selbst willen da und bedarf keines anderen, um wahrer Gott sein zu können. Er hat stets seinen Zweck in Sich Selbst erreicht und ist der schlechthin Selbstgenugsame, also absolut Selige. Alles was Er tut, tut Er »um Seines Namens willen« (Ps 23,3; Kol 1,18b; 1Kor 15,28). Freiheit von äußerem Zwang ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Freiheit von innerer Notwendigkeit. Sonst wäre sie dasselbe wie Willkür. Diese aber darf nie von Gott ausgesagt werden (vgl. 1Kor 14,33). Vielmehr ist Er in Seiner Freiheit absolut bestimmt durch Sein eigenes Wesen«.
Darum ist die Weltschöpfung eine freie Hervorbringung des göttlichen Willens und hat Gott Selber zum Ziel.
Dennoch muß es innere Gründe in Gottes Wesen gegeben haben, die Ihn veranlaßten, Sich schöpferisch zu betätigen. Diese Gründe sind uns jedoch nicht geoffenbart. »Das Geheimnis ist des Herrn« (5Mo 29,29 Luth.), Gott bleibt, auch bei aller Seiner Offenbarung, der Unergründliche. Er tritt, auch bei Seiner Herablassung zur Kreatur, aus Seiner einzigartigen Schöpferhöhe niemals heraus. Er bleibt ewig über uns, und darum werden wir auch ewig vor göttlichen Mysterien stehen. Nur Unverstand und Denkschwachheit sind imstande, einen Gottesglauben einfach deshalb abzulehnen, weil er Geheimnisse in sich birgt.
Denn können wir etwa die »allerwirklichsten« Erfahrungen des irdischen Lebens erklären? Wissen wir, was Leben und Tod ist? Können wir erklären, was Elektrizität, Schwerkraft, Masse sind? Sind diese alle etwa deshalb »unwirklich«, weil sie unerklärbar, also geheimnisvoll sind?
So schreibt der bekannte Naturforscher Professor Dubois-Raymond:
»Vor der Frage, was der Stoff sei, stehen wir heute noch genau so ratlos wie die altgriechischen, jonischen Naturphilosophen (um 500 v. Chr.). Seit Epikur (um 300 v. Chr.), der schon die Konstanz von Materie und Kraft kannte - (wir sagen heute Energie) - ward das Wesen des Geistes nicht verständlicher«.
Ebenso weiß auch der Glaube, daß er das Letzte nicht deuten kann. Er beugt sich aber vor dem Unendlichen, im Bewußtsein der Begrenztheit des Endlichen, und gerade in dieser seiner Selbstbescheidung ist er wahrhaftig. Hier ist Demut gleich Aufrichtigkeit, Bescheidenheit gleich Wirklichkeitssinn. Alles Mehrwissenwollen ist törichte Selbstüberschätzung, ist Unwissenheit über sich selbst, ist wirklichkeits-fremde Gedankenlosigkeit. Der Glaube aber weiß: »Ich bin des Vaters Kind und nicht Sein geheimer Rat« (Gerhard Tersteegen). So stehen wir still vor dem Unendlichen und beten Den an, der das große Werde einst gesprochen hat. »Er sprach: da geschah es. Er gebot: da stand es da« (Ps 33,9).
Ist aber die Welt Gottes alleiniges Werk, dann ist sie auch Sein alleiniges Eigentum, und Er hat das Recht, darüber frei zu verfügen. Aus der Schöpferherrlichkeit Gottes ergibt sich Sein Königtum. Er ist schöpferischer Urgrund und königliches Ziel aller Kreatur.
Wo aber Gottes Wille sich kundtut, kommt es auch zu einer Offenbarung Seines göttlichen Wesens. Dies zeigt sich sofort in den Werken Seiner Schöpfung. »Das Unsichtbare von Ihm, Seine ewige Kraft wie auch Seine Göttlichkeit, werden von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen» (Röm 1,20).