Von der Adelsbestimmung der Menschheit soll dieses Buch reden. Der Mensch ist zum Königtum bestimmt. Zu diesem seinem Herrscherberuf gehören Naturforschung und Kulturfortschritt, Charakterstärke und Gesinnungsadel, Geistesveredelung und Leibbejahung, Ewigkeitsberufung und Weltverklärung.
Diese seine Königsstellung muß im Zusammenhang mit der Geschichte des Universums geschaut werden. Hinter allem Zwiespalt in der Natur steht eine gewaltige Revolution im Reich des Geistes. Gerade aus der ewigkeitlichen Vorgeschichte des Weltalls, in Sonderheit der Erde, ergeben sich gewaltige Perspektiven im Hinblick auf Zweck und Ziel der Menschenschöpfung. Wir lernen den Menschen sehen als königliches Werkzeug in der Hand des Schöpfers zur Verklärung der Naturwelt. Zugleich sehen wir ihn als Gefäß göttlicher Gnade und Herrlichkeit, berufen zu Anbetung, Gottesbildlichkeit, geschöpflicher Gottessohnschaft und ewigem Herrscherberuf.
Den modern empfindenden Leser mag zunächst manches vielleicht fremdartig anmuten. Denn wir Abendländer denken - den meisten selber ganz unbewußt - vielfach stark griechisch-platonisch-vergeistigend über das »Jenseits«. Der Einfluß der Philosophie des Griechen Plato (427- 347 v. Chr.) und anderer alt-griechischer Philosophen ist größer und weitreichender, bis hinein in das abendländische Denken unserer eigenen Gegenwart, als ungezählten Menschen unserer Tage bekannt ist. Selbst solche, die vielleicht nie den Namen dieses großen Atheners oder anderer Vertreter der klassischen oder spätgriechisch-hellenistischen Philosophie gehört haben und sich entweder gar nicht oder nur unzureichend mit den geistigen Wurzeln unserer europäischen Kulturwelt beschäftigt haben, stehen, infolge der jahrhundertelangen allgemeinen geistigen Formung des Abendlandes, ohne daß es ihnen bewußt ist, oft tiefgreifend unter den indirekten Auswirkungen ihres Denkens und ihrer Ideenlehre. Eine mehr realistische Auffassung von der unsichtbaren Welt erscheint uns sehr schnell als »theosophisch« und »mythologisch«. Doch dürfen wir nicht vergessen, daß die Bibel selbst einen stark realistischen Zug in ihrem Weltbild trägt. Was wir darum auch in den folgenden Ausführungen erstreben, ist keine theosophisch-phantastische Spekulation, sondern der Versuch, in Harmonie mit dem Schriftganzen, die Heilsgeschichte der Menschheit in den großen, kosmisch-universalen Rahmen der Welt-Geschichte und Ewigkeit hineinzustellen, in den sie hineingehört. Auf dieser Grundlage erstreben wir zugleich die Erfassung des Daseinszwecks der Menschheit in der Gesamtschau der prophetisch-apostolischen Weltanschauung der Heiligen Schrift (Kap. 3, 6, 7 , 10). Von vier Seiten aus wird die Berechtigung der biblischen Wahrheit oft bestritten. Nach diesen vier Seiten hin will dieses Buch zugleich einige Antworten geben. Es bemüht sich zu bezeugen,
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daß die weltanschaulichen Grundlagen der Bibel unerschütterlich sind: das Dasein Gottes, der Ursprung und der Zweck der Weltschöpfung, die göttliche Zulassung des Bösen, die Existenz einer persönlichen Teufelsmacht, die naturgesetzliche Berechtigung des Offenbarungs- und Wunderglaubens (Kap. 2, 4, 5, 11, 12). Ferner will das Buch darlegen,
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daß die Sittenlehre der Bibel durchdrungen ist von Charakterstärke und wahrer Lebensbejahung, vom Bewußtsein der Hoheit eines zu göttlichem Adel berufenen, menschlichen Königsgeschlechts. Darum werden gerade auch die scheinbar so entgegengesetzten, biblischen Lehren über Demut, Geduld, Selbstverleugnung, Liebe, Gnade, Buße besonders besprochen und ihre Übereinstimmung mit wahrem Seelenadel und echter Königshaltung nachgewiesen (Kap. 8, 9). Weiterhin wird betont,
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daß auch die Heilslehre der Schrift - ihre Verkündigung über Sünde und Sühne, Strafgerechtigkeit Gottes und Selbstopfer Christi, Unmöglichkeit einer menschlichen Selbsterlösung und Notwendigkeit einer Rettertat Gottes - auf festem, ewigen Felsenfundament steht (Kap. 13, ebenso Kap. 9, Abschnitt 2). Schließlich wird darauf hingewiesen,
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daß der biblische Schöpfungsbericht sich in geradezu überraschender Harmonie befindet mit der modernen Naturforschung, namentlich der Erdgeschichte und Versteinerungskunde, soweit diese wirklich gesicherte Ergebnisse festgestellt haben (Kap. 13 und Anhang, i. Teil). Allerdings bestehen hier - sowohl für die Schriftauslegung wie auch für die Naturwissenschaft - noch zahlreiche ungelöste Einzelfragen (Kap. 14 und Anhang), sodaß beiderseits Vorsicht und Zurückhaltung am Platze ist.
Hierbei geben wir unsere Antworten nicht in der Form einer systematisch aufgebauten Apologetik, sondern jeweils in den entsprechenden, hierfür infrage kommenden Abschnitten des Gesamtzusammenhangs des Buches. Unser Thema ist nicht Glaubensverteidigung, sondern Zeugnis vom Adel und Königtum des Menschen.
Aus diesem Grunde geben wir auch die Besprechung des biblischen Schöpfungsberichts nicht im ersten, sondern im fünften Teil des Buches und im Anhang. Denn der Erdenkönig hat sein Vorrecht vor seinem Erdenreich. Dennoch darf dies hinterher nicht übersehen werden.
Die naturwissenschaftlichen Hinweise des Buches, besonders aus Astronomie, Geologie und Atomphysik, sind also nicht etwa entbehrliche Abweichungen von seinem eigentlichen Gegenstand, sondern wenn der Mensch wirklich der König der Erde sein soll und wenn die Erde wirklich der Hauptschauplatz der Gottestaten der Erlösung ist, so gehören sie eben beide zusammen: Geist und Natur, Weltall und Erde, Schöpfung und Heilsoffenbarung, Zeitliches und Ewiges, der menschliche König und sein Erdenreich.
Das Buch will ein »Zeugnis« sein, nicht eine theologische oder naturwissenschaftliche Abhandlung. Es möchte Suchenden und Denkenden, Zweiflern wie Christen eine Handreichung darbieten. Jenen möchte es einige Steine aus dem Wege räumen, diesen einige Waffen zum Kampf für die Wahrheit geben. Darüber hinaus möchte es ihnen aber auch helfen, den Blick ihres eigenen, persönlichen Erkennens zu erweitern.
Wie weit dieser Versuch gelungen ist, mögen andere entscheiden.
Seine Beurteilung wird gewiß, je nach der verschiedenen, persönlichen Einstellung des einzelnen zu naturwissenschaftlichen und biblischen Fragen, verschieden ausfallen. Wir erwarten von niemandem restlose Bejahung alles Gebotenen, sondern möchten zu weiterem Nachdenken anregen. Sollten aber einige durch das Lesen dieses Buches zu dem Glauben an Gottes herrliches, unüberwindbares Wort zurückgeführt und andere in diesem gefestigt und noch weiter vertieft werden, so wäre das für den Schreiber die größte Belohnung.
Gewaltig ist die Geisteskrise, in der viele Menschen der Gegenwart stehen (Kap. 1). Moderne, neu aufgekommene Weltanschauungen haben ihre Hohlheit erwiesen und sind schmählich zusammengebrochen. Das Evangelium aber steht! Es erweist seine eigene, unzerstörbare Gotteskraft in allen Krisen und Katastrophen der Weltzeit. Von seiner Unbesiegbarkeit und universalen Schau will dieses Buch zeugen. Möge der Herr, der Sich ja, wenn das Herz auf Ihn gerichtet ist, auch zu dem Unvollkommenen stets herabneigt, auch dieser Arbeit Seinen Segen nicht versagen.
Missionshaus Bibelschule Wiedenest
Erich Sauer