Schriften von Erich Sauer
Die ewige Bestimmung zur KönigsherrschaftDie ewige Bestimmung zur Königsherrschaft
Des Menschen Königtum und seine Sohnesstellung.
So besteht denn der Kernpunkt des himmlischen Heils darin, daß wir berufen worden sind »in die Gemeinschaft des Sohnes Gottes, Jesu Christi, unseres Herrn« (1Kor 1,9; Heb 3,14). Erst dadurch wird der Mensch zur Krone der Schöpfung. Erst dies erhebt ihn über alle andere Kreatur. Ohne dies wären alle seine Erwartungen, dereinst als Herrscher über Sonnen und Welten zu stehen, ein gar törichtes Traumbild phantastischer Eitelkeit, ein sinnlos trughafter Größenwahn.
Denn an physischer Kraft und stofflicher Größe ist er ein Nichts schon im Hinblick auf unsere Erde, die selber kaum ein Stäubchen im Weltall ist, und an geistiger Kraft, an Sittlichkeit und Intelligenz, steht er - wenigstens jetzt - gar weit hinter den Engeln des Himmels, jenen gewaltigen Helden, jenen Tätern des göttlichen Wohlgefallens, zurück (Ps 103,21 vgl. Ps 8,4-7).
Aber was ihn erhöht über alle diese Schöpfungen, das ist seine Bestimmung, in ewiger Lebens- und Wesensgemeinschaft mit Christo, dem Sohne des Höchsten, verbunden zu sein. Auf dieser seiner also bewirkten Sohnesstellung ist seine ewige Königsherrschaft mit göttlicher Folgerichtigkeit aufgebaut. »Wisset ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden?« (1Kor 6,2). »Wisset ihr nicht, daß wir Engel richten werden?« (1Kor 6,3), sagt die Heilige Schrift.
»Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich (die Königsherrschaft) zu geben« (Lk 12,32). Darum heißt es: »Dulden wir, so werden wir mitherrschen« (2Tim 2,12), und: »Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Throne zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron« (Off 3,21).
Das ewige Ziel.
Das ist die lebendige Hoffnung, zu der wir wiedergeboren worden sind durch die Auferstehung Jesu Christi (1. Petr, i , 3). Das ist das Erbe, das unvergängliche, unbefleckte und nimmer verwelkbare, das uns im Himmel durch Glauben, durch Gottes Kraft, aufbewahrt wird (1Pet 1,4). Zwar leben wir jetzt noch hier unten in Schwachheit und Unvollkommenheit. »Es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen jedoch, daß, wenn diese Offenbarung eintritt, wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist« (1Joh 3,2). Und »wenn Christus, unser Leben, offenbar werden wird, dann werden auch wir zugleich mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit« (Kol 3,4). Darum: »Da wir nun diese Verheissungen haben, so laßt uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes« (2Kor 7,1). Denn »jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst, gleichwie er rein ist« (1Joh 3,3).
Am 18. Januar 1701 fand in der Schloßkirche in Königsberg, in der Burg der einstigen Hochmeister des Deutschen Ritterordens, die Krönung des ersten preußischen Königs statt (Friedrich L). Einen Tag zuvor war der »Schwarze Adlerorden« gestiftet worden. In Anlehnung an den vom Kaiser gestifteten Reichsadler im Wappenschild der alten Hochmeister war er von nun an der höchste Orden im preußischen Staat. Gleich zu Anfang wurde er an siebzehn besonders verdienstvolle Männer des Königs verliehen. Mit der Verleihung des Schwarzen Adlerordens war die Erhebung in den erblichen Adelsstand und die Beförderung in den Rang eines Generalleutnants verbunden. Der Orden war ein achtspitziges, blaues Kreuz mit Adlern in den Winkeln. Er wurde an orangefarbenem Band über die linke Schulter getragen. Auf der Brust trug der Ritter einen silbernen Stern mit schwarzem Adler in orangefarbenem Feld. Bei Feierlichkeiten erschien er in rotem Samtmantel.
Ich trete ein in die Krönungskirche. Es ist derselbe Raum, in dem nicht nur Friedrich I., sondern auch später Wilhelm I (der spätere Kaiser Wilhelm I.). die Königssalbung empfing (1861). An den Wänden, den Emporen, den Säulen sehe ich Verzierungen, wie sie wohl nur selten eine Kirche trägt. In auffallend großer Zahl, zu Dutzenden, ja, zu Hunderten tragen sie die Wappen der Adelsfamilien der Ritter des Schwarzen Adlerordens. Ich zählte über 700.
Der Sinn dieser für eine christliche Kirche höchst auffallenden Ausschmückung ist offensichtlich. Die Erinnerung an dieses weltgeschichtliche Geschehen soll festgehalten werden. Mit der Ehrung des Herrschers sollen auch seine Diener geehrt werden. Der Krönungsraum des Königs soll zugleich die Ruhmeshalle seiner Getreuen sein.
Kronen und Fürstentümer gehen dahin. Herrscherhäuser sinken in den Staub. Vergänglich ist alle Menschenehre und die Herrlichkeit alles Irdischen.
Eines bleibt bestehen: das ewige Reich des Höchsten. Und das Wesen dieses Reiches ist die Person des Königs selbst. In Seiner Person ist das Reich konzentriert (Lk 17,21). Das Reich - das ist ER!
Aber Er behält Seine Königsherrlichkeit nicht für Sich allein. Die Seinen sollen teilhaben an Seinem Glanz. Sie sollen mit Ihm »regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit« (Off 22,5). »Vater, ich will, daß die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, auf daß sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt . . . Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben« (Joh 17,24.22).