Schriften von Erich Sauer
Vom praktischen Wandel im Königsadel der ErlösungVom praktischen Wandel im Königsadel der Erlösung
Sind wir aber nun Königskinder des Höchsten, so ergibt sich daraus die Verpflichtung zu königlichem Wandel. »Adel« muß »edel« sein. Stellung verpflichtet. Christenmenschen haben »würdig« zu wandeln ihrer hohen Berufung (Eph 4,1; Phil 1,27; Kol 1,10; 1Thes 2,12). »Fürsten müssen fürstliche Gedanken haben« (vgl. Jes 32,8).
Das Wesen ihres Königsadels ist das Bild Jesu in ihnen, das Bild des himmlischen Königssohnes. Im Sohne des Höchsten sind sie zu Söhnen bestimmt. Darin liegt ihr königlicher Reichtum und ihre innere Hoheit. »Er in ihnen und sie in Ihm« - das ist das Geheimnis des neuen Lebens.•)
Im Bild des Sohnes aber sind sie zugleich Abbilder des Vaters. Denn der Sohn ist das Bild Gottes (Kol 1,15 ; Heb 1,3). Wer darum in Seinem Bild lebt, ist zugleich Ausstrahlung des Wesens Seines Vaters. »Also sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist« (Mt 5,48 vgl. 1Pet 1,15.16). Dies ist ihre Würde und allerhöchste Verpflichtung, ihre Gabe und Aufgabe, ihre Adelsstellung und ihr Beruf. Von hier aus strahlt dann auch ihr Adel nach allen Seiten und durchsonnt und verklärt alle Beziehungen ihres Daseins.
Göttlich geadelte Menschen sind frei von den Fesseln der Sünde (Röm 6,18; Gal 5,1). Sie sind aus dem Kerker der Versklavung versetzt in den Königspalast der Erlösung. Wenn das Böse sie anficht, so haben sie gottgeschenkte Siegeskraft. »Die Sünde wird nicht über euch herrschen« (Röm 6,14).
Göttlich geadelte Menschen stehen in königlicher Freiheit über den Verhältnissen. Von allen Hemmungen des Irdischen blicken sie hinweg zu den Kraftquellen des Himmlischen. Darum ist ein Wandel im Königsadel der Erlösung zugleich ein Leben in heiliger Sorgenfreiheit. Als Kinder des Höchsten glauben sie praktisch das Wort Jesu: »Euer Vater weiß, was ihr bedürft« (Mt 6,32).
Göttlich geadelte Menschen sind frei vom menschlichen Urteil (1Kor 4,3; Gal 1,10). Bei aller Rücksichtnahme auf die Menschen um
des christlichen Zeugnisses willen (Eph 5,15; Röm 14,18; 15,31b) lehnen sie alle Menschenknechtschaft ab (1Kor 7,23), ebenso Augendienerei (Kol 3,22), Menschenfurcht, Abhängigkeit von Mode und Zeitgeist und überhaupt jedes Hin- und Hergeworfenwerden von den wechselnden Schwankungen weltanschaulicher und religiöser Zeitströmungen. Ein Diener des Herrn weiß: »Vor den Menschen ein Adler, vor Gott ein Wurm.« So verbindet er Demut mit Hochgefühl, Bescheidenheit mit Adelsbewußtsein, Unterordnung mit königlichem Darüberstehen. Darum schämt er sich auch seines himmlischen Königs nicht und ist vor den Menschen ein mutiger Bekenner (Röm 1,16; Mk 8,38).
Göttlich geadelte Menschen haben eine Großzügigkeit des Denkens. In königlicher Schau erheben sie sich über alles Staubhafte und Kleinliche. Sie können königlich tragen, königlich vergeben, königlich dienen (Mt 20,26.27; Joh 13,3-5; Lk 12,37b), königlich lieben (Jak 2,8). Und in der Liebe, die ja das Grundwesen ihres himmlischen Vaters ist (1Joh 4,16), liegt auch der eigentliche Königsadel ihrer Gesinnung (Mt 5,44.45). »Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan, und ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan« (Luther). So gewinnt auch ihr Alltag königliches Gepräge, und die Zeit wird von der Ewigkeit verklärt.
Göttlich geadelte Menschen haben Freude an der irdischen Schöpfung. Sie freuen sich der Natur als eines Tempels ihres himmlischen Vaters. Sie sehen Seine Weisheit in den Werken Seiner Allmacht (Röm 1,20) und nehmen dankbar das Geschöpfliche aus den Händen des großen Schöpfers. Königlich stehen sie über dem irdischen Besitz. Sie haben das Geld; aber das Geld hat nicht sie! Darum dienen sie mit dem Vergänglichen der Sache des Ewigen und machen sich Freunde für den Himmel mit dem ungerechten Mammon (Lk 16,9). Sie sind Besitzer und doch nur Verwalter (1Kor 7,30.31; 1Tim 6,7-9 vgl. Apg 4,32), Gesegnete und Segnende, Beschenkte und Schenkende, königlich klug in Bezug auf das wahrhaft Bleibende; denn »die Gestalt dieser Welt vergeht« (1Kor 7,31b).
Göttlich geadelte Menschen haben ein lebendiges Verhältnis zur Geistesarbeit der Menschheit. Sie bejahen Wissenschaft und Kunst, Zivilisation und kulturellen Fortschritt und helfen mit an seiner Erarbeitung und Fortentwicklung. Ein König darf sein Reich nicht vernachlässigen, sondern muß königlich darin walten. Mit dem menschlichen Erdenkönig ist auch sein Erdenreich geadelt. Darum gehören Naturforschung und Naturbeherrschung, Erfindungen und Entdeckungen, Verfeinerung und Veredlung, kurz, alle Dienstbarmachung des Irdischen zum Königsberuf der Menschheit. - Zu diesem Irdischen gehört auch der menschliche Leib. Darum:
Göttlich geadelte Menschen sind Könige über ihr Leibesleben. Beherrschung seiner Triebe, Selbstzucht in Haltung und Auftreten, Körperpflege in Anmut und Anstand, Dienstbarmachung der Glieder als Werkzeuge der Gerechtigkeit (Röm 6,13) - kurz, Bejahung des Leiblichen in Leib Würdigung und Leibheiligung ist ein Teil des menschlichen Königsadels. Dies alles aber zugleich im Blick auf die zukünftige Leibesverklärung, die Erlösung unseres Leibes und die kommende Geistleiblichkeit (Röm 8,23).
Göttlich geadelte Menschen haben ein edles Verhältnis zur seufzenden Kreatur. Sie können das allgemeine Naturleid zwar augenblicklich nicht ausschalten; sie werden es aber auch nicht vermehren. Ja, als »Erlöser« der Erde werden sie bestrebt sein, es zu vermindern.7 Auch in der unvernünftigen Schöpfung erkennen sie ein Harren auf Erlösung. Wartet doch alles Irdische auf den Tag ihres Offenbarwerdens, auf die Vollendung der Geschichte der gottesbildlichen Menschheit, »die Offenbarung der Söhne Gottes« (Röm 8,19-23)!
Da darf der menschliche »Erlöser« der Kreatur ihre Ketten bis dahin nicht noch schwerer machen!
Göttlich geadelte Menschen leben in einem heiligen Adelsbewußtsein. Sie haben persönliche, kulturelle und menschheitliche Ehre, und darüber hinaus noch die königliche Ehre, zur Familie des großen Gottkönigs zu gehören, des Herrn aller Herren, des Allherrschers des Universums. Darum wissen sie, Würde zu bewahren, alles Seichte und Unedle zu vermeiden, alles Inhaltlose und Niedere zu verneinen und in heiliger Würde, gottgeadelter Natürlichkeit, königlicher Freiheit würdig zu wandeln ihres hohen Berufs.
Göttlich geadelte Menschen leben in der Vorfreude ihrer kommenden Herrlichkeit. Bei aller Bejahung des Irdischen ist ihr Hauptziel das Himmlische. So geben sie dem Irdischen zwar sein Recht, dem Himmlischen aber das Vorrecht. Ihr Schatz ist im Himmel (Mt 6,21). Ihre Heimat ist im ewigen Licht (Phil 3,20; Kol 1,12). Ihr Heiland thront zur Rechten Gottes (Heb 8,1). Darum suchen sie, was droben ist (Kol 3,1). Königliche Gesinnung ist himmlische Gesinnung. Und zuletzt:
Göttlich geadelte Menschen sind Anbeter des Ewigen. Sie wissen: Ihre Kronen verdanken sie nicht sich selbst, sondern ihrem gekrönten und verherrlichten Erlöser. Nur durch die Gnade sind sie, was sie sind (1Kor 15,10; 4,7). Darum nehmen sie die Kronen, die sie von dem König empfangen haben, und legen sie Ihm nieder vor Seinen Thron (Off 4,10) und sprechen: »Dem Lamme die Segnungen!« -
»Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm die Lobpreisung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!« (Off 5,13).
Sind wir in diesem Sinne Christen? Bedenke: Hier geht es nicht um Weltanschauungsfragen oder theologische Probleme, die man bejahen oder verneinen kann. Hier geht es um deine eigene, persönliche, ewige Errettung! Gott will dich in Christo zum Vollbesitz Seines Lebens führen. Darum bietet Er dir Sein Heil an. Nimm es an und laß dich erretten. Werde in Wahrheit ein Christ. Dann führt dich Gott in Christo in den Reichtum Seiner Erlösung, zu triumphierender Glückseligkeit, zu neuer, königlicher Lebenshaltung, zum Heil für Zeit und Ewigkeit, zum wahren, endlos bestehenden, ewig-verklärten Menschheitsadel.135
135 Durch Liebe zu Tieren, Bekämpfung aller Tierquälerei und Vermeidung aller Rücksichtslosigkeit bei der Benutzung der tierischen Arbeitskraft.↩︎