Schriften von Erich Sauer
Das Zeugnis der Natur vom Dasein eines SchöpfersDas Zeugnis der Natur vom Dasein eines Schöpfers
Aber auch sonst ist es logisch, an Gott zu glauben. Alles Seiende muß seinen Urgrund haben. Wie es keine Uhr ohne Uhrmacher, kein Werk der Kunst ohne den Geist und die Hand eines gestaltenden Künstlers gibt, so müssen wir auch - folgerichtig rückwärtsschreitend - für das Weltganze zu einem »letzten« und «ersten» Welturgrund gelangen, zu einer alles bewirkenden, aber selber unbewirkten Weltursache, und diese kann ihrerseits - angesichts der geradezu großartigen Allgewalt, Gesetzmäßigkeit, Schönheit und Zielstrebigkeit des Naturlebens - nur als ein schaffender Geist voller Weisheit und Allmacht gedacht werden, also als personenhaft lebendiger, schöpferischer Weltbegründer.98
Man kann sich dem logisch einfach nicht entziehen, oder, wie sich ein moderner Mediziner einmal ausdrückt: »Mein wissenschaftliches Gewissen verbietet mir das >Nicht-an-Gott-glauben<« (Dr. Horstmann).
»Gott ist die Ursache (lat. causa) aller Dinge, und wer kausal denkt, denkt in der Richtung Gottes.«99 »Gerade weil ich nachgedacht habe, bin ich gläubig geblieben«, bezeugt Louis Pasteur, der französische Chemiker.100
Selbst christusferne Philosophen, die den biblischen Offenbarungsglauben ablehnten, haben sich genötigt gesehen, diese Begründung eines allgemeinen Gottesglaubens anzuerkennen.
So sagt Voltaire: »Ich weiß nicht, was ich von der Welt denken soll. Ich kann nicht glauben, daß diese Uhr existiert, aber kein Uhrmacher.« Und Diderot, einer der einflußreichsten französischen Schriftsteller der revolutionären Aufklärungsperiode des 18. Jahrhunderts (1733- 1784), erklärte: »Der Flügel eines Schmetterlings oder das Auge einer Mücke genügen, um alle zu verwirren, die das Dasein Gottes leugnen.«101
In seinem Buch »Die Wandlung im naturwissenschaftlichen Weltbild« (1953) erzählt Professor Karl Heim die Antwort des englischen Astronomen Newton an einen Gottesleugner: »In Newton’s Arbeitsstätte stand ein großer, neuer Himmelsglobus, an dem der ganze Mechanismus der Bewegungen von Sonne, Planeten und Monden veranschaulicht werden konnte. Da kam ein atheistischer Bekannter Newton’s zur Tür hinein, stand staunend vor dem Globus still und fragte: »Wer hat das gemacht?« Newton schaute ihm tief in die Augen und antwortete: »Niemand!« Das Wunderwerk des Sonnensystems, wollte Newton damit sagen, in dem sich alles nach ewigen Gesetzen harmonisch bewegt, kann doch nicht von selbst entstanden sein. Nur ein schöpferischer Geist kann es erdacht und erschaffen haben und bis heute in Gang erhalten.«
»Gottes unsichtbares Wesen, seine ewige Macht und Göttlichkeit läßt sich seit Erschaffung der Welt an den Werken der Schöpfung wahrnehmen« (Röm 1,20). »Hebet eure Augen zum Himmel empor und schauet: Wer hat diese da geschaffen?« (Jes 40,26). »Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk« (Ps 19,2).
»Wenn ein Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel eine geometrische Figur in den Sand gezeichnet fände, würde er nicht auf die Existenz eines Menschen schließen und würde seine Seele nicht mit lebhafter Freude erfüllt werden? Aber die Welt ist mehr als eine geometrische Figur! Und sollte da unser Herz und Geist nicht von Freude und Dankbarkeit erfüllt werden, daß wir in ihr eine höhere, eine göttliche Intelligenz voll Weisheit und Güte walten sehen?«102
»Ich habe«, sagte Linne, der in der Geschichte der Naturwissenschaften so hoch bedeutsame schwedische Botaniker, »die Tiere betrachtet, auf die Pflanzenwelt gestützt, die Pflanzen im Erdreich wurzelnd, die Erde vom Weltkreis getragen, im unerschütterlichen Lauf um die Sonne kreisend, die Sonne endlich, um ihre eigene Achse sich drehend, in schwebender Bewegung gehalten von der unbegreiflichen ersten Ursache, dem Baumeister, Erhalter und Regierer des Weltalls. Diesen einen, ewigen, unendlichen, allwissenden Gott habe ich, aufmerksam lauschend, einherschreiten sehen und bin von Staunen überwältigt.«
Dies ist das Zeugnis des sogenannten »kosmologischen Gottesbeweises«, in Verbindung mit dem »physiko-theologischen« und »teleologischen« (griech. physis Natur; telos Ziel).
Der erste geht von dem »Woher?«, der zweite vom »Wie?«, der dritte vom »Wozu?« der Welt aus.
Der erste schaut auf den Urgrund, der zweite nach der Ordnung und Schönheit, der dritte nach dem Ziel alles Seienden.
Aber in Wahrheit gehören alle diese drei zusammen. Die beiden Letzteren füllen das leere Begriffsschema und den Rahmen des ersteren mit konkretem Inhalt.
In dem allen übertrifft der biblische Gottesbegriff den philosophischen Gottesbegriff der griechischen Denker. Denn dieser lebendige Urgrund der Welt ist kein bloßes »ruhendes Sein«, kein »unbewegter Beweger« der Welt (Aristoteles), sondern der handelnde Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Vater Jesu Christi, der Gott der Geschichte und Erlösung. Also zwar »unbewirkt« aber nicht »unbewegt«, nicht nur »ruhend«, sondern vor allem »tuend«, nicht nur der Hintergrund aller Existenz, sondern zugleich der Sich im Vordergrund kundgebende Gott der Natur und Heilsgeschichte. Ihn kann menschliche Logik zwar nicht »beweisen«, wohl aber als Forderung der Vernunft (»Postulat«) klar »bezeugen«. Hier besteht eine Kluft zwischen philosophischem und biblischem Gottesbegriff, die nur durch die göttliche Selbstoffenbarung und den Glauben des Menschen überbrückt werden kann.
So fügt sich der Wahrheitsgehalt des kosmologischen Gottesbeweises, als »Zeugnis« von Gott, in den Rahmen der biblischen Offenbarung ein. Er bezeugt, daß schon das rein logische Denken zur Annahme der Existenz eines ewigen Welturgrundes nötigt, eine Nötigung, die von der Bibel bejaht und gleichzeitig unendlich übertroffen wird.
Gottes Wirklichkeit schließt das menschliche Denken in sich ein, geht aber unfaßbar weit über dasselbe hinaus. Sie geht nicht gegen, wohl aber über die Vernunft. Klares logisches Denken führt auf den Weg in der Richtung zu Gott hin. Gottes Realität und Seine Gedanken sind jedoch »höher als unsere Gedanken« (Jes 55,8).
98 Ein primum movens, eine causa efficiens prima.↩︎
99 Dr. A. Neuberg.↩︎
100 weiland Professor in Straßburg und Paris (gest. 1895).↩︎
101 L'aile d‘un papillon ou 1‘oeil d‘une mouche suffisent pour confondre tous ceux qui nient !‘existence de Dieu“.↩︎
102 Prof. Dr. Luthardt, a.a. O.S. 37 .↩︎