Einen vermittelnden Standpunkt nahm bereits im 19. Jahrhundert der Dorpater Theologe Professor Johann Heinrich Kurtz ein.144 In ähnlicher Form heute der Engländer P. J. Wisemann, 1949145 und der Amerikaner Dr. B. Ramm, 1955146. Die sechs Tage seien zwar buchstäbliche Vierundzwanzigstundentage, aber nicht die Tage der eigentlichen göttlichen Weltschöpfungshandlung selbst, sondern »Offenbarungstage«, in denen Gott den Menschen Seine Weltschöpfungswerke kundgetan hat, die ihrerseits jedoch von ganz anderen, nämlich unübersehbar langen Zeitmaßen bestimmt gewesen waren. Im Verlauf dieser sechs Vierundzwanzigstundentage zeigte Gott den Menschen, was Er im Verlauf der geologischen Perioden vollbracht hatte. Hierbei geschah dies zugleich in ihrem eigenen Nacheinander, sodaß in der Aufeinanderfolge der Offenbanmgstage auch die wesentliche chronologische Reihenfolge der Schöpfungswerke erkennbar wurde, allerdings nicht in einer Schilderung aller Einzelheiten, sondern in großen, allgemeinen Umrissen.
In zwar nicht ganz gleicher, aber doch ähnlicher Weise hatte schon der Kirchenvater Augustinus (354- 430) gemeint, die sechs Tage seien sechs Bilder, in denen Gott die Engel Seine Werke schauen ließ.
144 In „Bibel und Astronomie“, 1857 .↩︎
145 In „Creation Revealed in Six Days“, London 1949 .↩︎
146 In „The Christian View of Science and Scripture“, London 1955 .↩︎