BIBLISCHER SCHÖPFUNGSBERICHT UND NATURWISSENSCHAFT
Ist eine rein »religiöse« Auffassung des biblischen Schöpfungsberichts berechtigt?
Unter teilweiser Bejahung bibelkritischer Gesichtspunkte ist auch eine »rein religiöse« Auffassung des biblischen Schöpfungsberichts entwickelt worden. Man sagt: Es komme im Wesentlichen nur auf seine geistlichen, »theologisch-prophetischen« Botschaften an;153 seine äußere, schöpfungsgeschichtliche Einkleidung aber sei zeitbedingt und nehme an den naturwissenschaftlichen Irrtümem des alt-orientalischen Weltbildes teil. Hierbei sei der biblische Schöpfungsbericht allerdings in bewundernswertem Maße frei von allen mythologischen, oft geradezu phantastischen Ausschmückungen der babylonischen und ägyptischen Kosmogonien seiner heidnischen Umwelt. Es sei aber gerade ein Handeln der Herablassung und Güte Gottes, daß Er Seine ewigen, geistigen Wahrheiten den Menschen, die auf einer naturwissenschaftlich noch nicht so vorangeschrittenen Kulturstufe lebten, in der Formensprache ihrer Zeit und Umwelt kundtue. In keinem Fall komme es also auf die naturwissenschaftliche Richtigkeit des Gesamtaufbaues und der Einzelangaben des biblischen Schöpfungsberichts an. Er behalte trotzdem seinen Charakter als Botschaft und Offenbarung Gottes.
Hierauf antworten wir: Der Hinweis auf eine etwaige Einkleidung göttlicher Wahrheiten in die Form menschlicher, zeitgeschichtlicher, sachlicher Irrtümer widerspricht der absoluten Wahrhaftigkeit Gottes. Er kommt letzten Endes auf den Grundsatz hinaus: »Der Zweck heiligt die Mittel«, nämlich: Der (heilig-vollkommene) Zweck heiligt auch die (mit seinem heilig-vollkommenen Wesen eigentlich nicht voll übereinstimmenden) Mittel.
Zweifellos ist das eigentliche Hauptanliegen des biblischen Schöpfungsberichts durchaus geistlicher Art. Auch alle naturwissenschaftliche Betrachtung darf dies niemals vergessen. Dies gilt zugleich im Hinblick auf die ganze Heilige Schrift. So sagt schon Augustinus mit Recht: »Wir lesen nicht in den Evangelien, daß der Herr gesagt habe: «Ich werde euch den Geist senden, der euch belehrt über den Lauf der Sonne und des Mondes: Christen sollen sie werden, aber nicht Sternkundige«.«154 Dennoch läßt sich nicht leugnen, daß das erste Kapitel der Bibel seine geistlichen Belehrungen in der Form eines geschichtlichen Berichts bringt. Unverkennbar bezeugt es eine Reihe von aufeinanderfolgenden Handlungen Gottes und damit zugleich einen naturgeschichtlich voranschreitenden Charakter des Schöpfungsvorgangs. Darum sollten wir, gleichwie wir das Geistliche im Schöpfungsbericht nicht übersehen dürfen, auch das Schöpfungsgeschichtliche in ihm nicht geringschätzen. Das eine hat das Vorrecht, das andere aber behält sein Recht.
Der Satz: »Die Bibel ist kein naturwissenschaftliches Lehrbuch«, darf darum nicht so verstanden werden, als ob die biblischen Originaltexte selber naturkundliche, sachliche Irrtümer enthielten. Es kann und wird niemals wirklich eine Disharmonie zwischen dem Wort Gottes und dem Werk Gottes bestehen. Wenn sich das Wort Gottes auch nicht auf Einzelheiten des Weltschöpfungsvorgangs einläßt, so wird es doch stets mit den Tatsachen - soweit diese wirklich als Tatsachen erwiesen worden sind - im Einklang stehen.
Unlogisch und unbesonnen wäre der Hinweis, es käme in der Bibel ja nicht auf die Richtigkeit der in ihr mitgeteilten Natur- und Menschheitsgeschichte an, sondern eben nur auf die Tatsache: Gott spricht!
Denn wie soll Gott zu uns Menschen, die wir mitten im Natur- und Geschichtsverlauf leben, anders reden als eben nur in der Geschichte und durch sie? Das heißt, wie soll Er anders zu uns sprechen als vornehmlich durch die geschichtlichen Ereignisse, besonders Heilsereignisse, und die geschichtlich vollzogenen Weissagungen und Reden der alttestamentlichen Propheten sowie Jesu und Seiner Apostel? Wenn aber Gott zu uns geschichtsgebundenen Menschen nur durch die Geschichte spricht, wo bleibt Sein Reden, wenn diese »Geschichte« »Nicht-Geschichte« ist, wenn diese Ereignisse sich nicht ereignet haben, wenn diese Reden von Jesus, den Propheten und Aposteln nicht gelehrt worden sind?
Wohl ist die vergangene Geschichte in sich selbst nicht die Hauptsache - abgesehen von den entscheidenden Heilsereignissen des Erlösungswerkes - , sondern die geistliche Botschaft, die Gott in ihr und durch sie zu uns heute und zu jeder Gegenwart spricht. Aber ohne daß sie »geschehen« ist, wäre auch Gottes Reden nicht geschehen, und unser Glaube wäre ohne jedes zuverlässige Fundament.
Volkstümliche Ausdrucksweise der Bibel in ihren Aussagen über Weltbild und Natur.
Daß sich die Bibel in ihren naturkundlichen Bemerkungen volkstümlicher Ausdrucksweise bedient, kann nicht als Gegenbeweis gelten. Denn auch wir Heutigen, die wir doch gewiß keine Ptolemäer mehr sind, reden vom »Aufgang« und »Untergang« der Sonne und sagen: »Die Sonne >steht< hier« oder »Der Mond >steht< dort am Himmel.« »Wem fällt es denn heutzutage ein«, fragt Professor E. Hoppe, »anstatt zu sagen: >Die Sonne geht auf<, sich folgender Worte zu bedienen: »Die Erde hat sich so weit um ihre Achse gedreht, daß die durch die Strahlenbrechung abgelenkten Sonnenstrahlen gerade den Beobachtungsort berühren«? Mit Recht bedient sich auch die ganze Bibel durchaus der allgemeinen Sprache des Verkehrs unter Menschen, und diese ist, bis auf den heutigen Tag, die Sprache des Augenscheins, das heißt, der scheinbaren Bewegung und Beobachtung. In gleicher Weise benutzen wir sie auch heute noch, es sei denn, daß wir ein Lehrbuch der kosmischen Physik schreiben wollen.«155
Bedeutsam aber ist, daß die Heilige Schrift keine einzige naturgeschichtliche oder geschichtliche Behauptung enthält, die sich, ihrer Substanz nach, als inhaltlich falsch herausgestellt hat.
So ist es also unser Recht, ja, unsere Pflicht, den Schöpfungsbericht auch naturgeschichtlich zu betrachten.
Grundsätzliche Übereinstimmung der Reihenfolge der Schöpfungswerke zwischen 1. Mose 1 und Geologie.
Hier nun stehen wir vor einer höchst auffälligen und beachtenswerten Tatsache, die einfach anerkannt werden muß, ganz gleich, wie auch der Glaube oder der Unglaube dazu Stellung nehmen mag.
Wie immer auch die »Tage« im Schöpfungsbericht aufzufassen sind - als Vierundzwanzigstundentage oder als Perioden, als buchstäbliche »Offenbarungstage« oder als völlig andersartige »Gottestage«156 -, und wie immer auch der Schöpfungsbericht als Ganzes zu erklären sei - als Bericht über die ursprüngliche, einmalige Welt- und Erdschöpfung an sich oder als Bericht über eine »Wiederherstellung« der Erde nach Satans Fall, und zwar auch dann entweder in buchstäblichen Tagen oder in Perioden - : Tatsache ist, daß die Reihenfolge der in ihm genannten Schöpfungswerke, ihren wesentlichen Grundzügen nach, der Reihenfolge der Erdschichten und der allgemeinen Aufeinanderfolge der Fossilien entspricht, so wie sie der paläontologische Tatbestand der modernen Naturforschung erkennen läßt. An dieser Tatsache kann auch die Behauptung nicht rütteln, wie sie heute oft vorgetragen wird - nicht selten in geradezu überheblichem Geist und Ton -, die Feststellung solcher Übereinstimmungen zwischen Geologie und Genesis sei eine überflüssige, längst überholte und veraltete, ja, rückständige Form der Apologetik. Es ist einfach wahr und kann weder geleugnet noch wegdisputiert werden, was Professor Karl Heim in folgenden Worten ausdrückt: »Was der biblische Verfasser beschreibt, ist die prägnante Zusammenfassung eines Gesamtbildes, das nach dem geologischen Befund in einem Zeitraum von über anderthalb Milliarden Jahren entstanden ist.«157
Allerdings dürfen die im Folgenden genannten Übereinstimmungen zwischen Schöpfungsbericht und Geologie nicht überschätzt werden. In keinem Fall dürfen sie ohne weiteres als bewußte Erkenntnisse des heiligen Schreibers selbst aufgefaßt werden, als ob er diese neuzeitlichen naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse schon damals »gemeint« habe. Überhaupt müssen wir uns hüten, Ergebnisse oder Theorien moderner Forschung in das Denken längst vergangener Jahrtausende hineinzutragen. Auch die biblische Inspiration ist daran völlig uninteressiert.
Andererseits geht der gottgemeinte Sinn der heiligen Texte zuweilen weit über das Verständnis sogar ihrer eigenen, menschlichen Schreiber hinaus. So, möglicherweise, auch hier. Denn Gott, der die ganze Weltentstehung bewirkt hat und ihren Entwicklungslauf genau kennt, ist der eigentliche Verfasser der Heiligen Schrift, auch des biblischen Schöpfungsberichts. Der menschliche Schreiber ist nur das Werkzeug Seiner Inspiration.
Ausgangspunkt, Wert und Grenze des wechselseitigen Vergleichs zwischen Genesis und Geologie.
Hierbei dürfen wir allerdings nicht, um die Harmonie zwischen Bibel und Natur zu erkennen, von den Lehren der Naturforschung ausgehen, um uns erst danach eine Exegese des »Sechstagewerkes« zurechtzulegen. Vielmehr müssen Bibelglaube und Schriftauslegung den umgekehrten Weg gehen, das heißt, von der Bibel zur Naturbetrachtung, von der Auslegung des gottgegebenen Berichts zu einem Urteil über die parallelen Grundlinien der menschlichen Weltentstehungslehren. Niemals jedoch darf es zu einer Abhängigkeit der Schriftauslegung von dem jeweils erreichten Stand der Naturwissenschaft kommen, der noch dazu oft sogar recht schwankend ist. Auch darf in keiner Weise das Leitmotiv bestehen, die biblische Schöpfungsgeschichte unter allen Umständen mit dem modernen Denken harmonisieren zu wollen.
Bei diesem allen darf auch nicht übersehen werden, daß es, im Hinblick auf die allerältesten Entwicklungsphasen des Sonnensystems, keine absolute Übereinstimmung unter den Naturforschern und Astronomen gibt. Schon der Göttinger Physikprofessor G. Chr. Lichtenberg zählte kurz nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts fünfzig Hypothesen über die Sonnen- und Erdbildung auf und erklärte sarkastisch, neun Zehntel von ihnen gehörten mehr zur Geschichte des menschlichen Geistes als zur Geschichte der Erde.158 Dann ist es zu einer fast hundertjährigen Vorherrschaft, ja geradezu Alleinherrschaft der beiden Theorien von Kant und Laplace gekommen.
Kant hatte seine Theorie 1755 in seinem König Friedrich dem Großen gewidmeten Buch »Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels«, Laplace die seinige im Jahre 1796 in »Exposition du Systeme du monde« entwickelt.159
Für ihre Zeit waren beide Weltenstehungstheorien wissenschaftliche Großleistungen ersten Ranges. Sie stimmten mit allem überein, was man im 18. Jahrhundert über das Sonnensystem wußte. Dann aber sind, auf Grund weiterer Beobachtungen, neue Erkenntnisse gewonnen worden, die nicht mit ihnen übereinstimmen.
Darum gelten sie heute als überwunden und sind in wissenschaftlichen Kreisen, in ihrer ursprünglichen Form, längst aufgegeben worden. »Sie spuken nur noch in populären Büchern herum« (Prof. Dennert).160
Aber auch in den neueren Erklärungsversuchen ist der menschliche Geist über ein Suchen und Fragen nicht hinausgekommen. Dies gilt besonders für die Probleme der eigentlichen Sonnen- und Sternenbildung und damit zugleich des »Stern-Zeitalters« der Erde, das heißt, der Zusammenballung der ursprünglichen, kosmischen Nebelmaterie zu »Weltkörpern«. So gibt es auch heute, im zwanzigsten Jahrhundert, noch nicht eine gemeinsame, einheitliche Weltentstehungslehre der gesamten, modernen Astronomie und Astrophysik. In seinem Werk »The Origin of the Earth« (Der Ursprung der Erde) 1951 zählt der englische Gelehrte W. M. Smart nicht weniger als zehn verschiedene moderne Theorien über die Entstehung des Sonnensystems auf.161
So muß also auch vom rein naturwissenschaftlichen Standpunkt aus zur größten Vorsicht im Hinblick auf Feststellung »unbezweifelbarer Erkenntnisse« gemahnt werden. Schon die Tatsache, daß ein Er klärungsversuch den anderen ablöst, beweist, daß keine, alle Naturwissenschaftler voll befriedigende Erklärung besteht, die allen vorhandenen Erkenntnissen der Naturforschung gerecht wird und dämm auch allgemeine Zustimmung gefunden hat.
Erst für die späteren Zeitabschnitte seit der Bildung der ersten, Fossilien enthaltenden Erdschichten, das heißt also, erst für die Entwicklungsphasen, die die Geologie zu erforschen hat, kann man, im Hinblick auf die allgemeinen Hauptfragen der Aufeinanderfolge der Perioden, im großen und ganzen von zuverlässig gewonnenen Er kenntnissen sprechen. Das heißt, dies ist, im Sinn der Periodenauffassung des Schöpfungsberichts, erst möglich hinsichtlich des dritten, fünften und sechsten Schöpfungs»tages«.
Auch dürfen wir keineswegs meinen, durch Feststellung gewisser Übereinstimmungen zwischen Bibel und Naturwissenschaft die Richtigkeit oder gar die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift »beweisen« zu wollen.
Denn erstens sind, wie soeben gesagt, nicht wenige naturwissenschaftliche Forschungen noch im Fluß und bieten keine gesicherten Ergebnisse dar, und zweitens ist unsere eigene Auslegung der Schrift durchaus nicht in allen Einzelheiten irrtumsfrei und in keiner Weise von vornherein der Heiligen Schrift selbst gleichzusetzen.
Vor allem aber muß gesagt werden: Die Bibel ist ein Löwe, und ein Löwe kann sich selbst verteidigen! Das Buch Gottes bedarf nicht der Beschützung durch seine menschlichen, gläubigen Leser! Seine Autorität stammt von seinem göttlichen Autor! Bei aller Hochachtung vor wahrer Wissenschaft und guter Apologetik: Die Propheten benötigen nicht die Professoren als ihre Protektoren! Vor dem Forum der Wahrheit brauchen Gottes Zeugen keine menschlichen Advokaten! Gottes Weisheit steht fest, auch ohne menschliche Wissenschaft ( 1Kor 1,19-31)! Oder wie es der große französische Mathematiker Blaise Pascal, einer der größten Geister Europas, ein Mann also, der doch gewiß kein Schwachkopf war, in seiner Bekehrungsstunde 1654 niedergeschrieben hat: »Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, nicht Gott der Gelehrten und Philosophen.«162
Und selbst wenn es Einzelfälle geben sollte, wo die Bibel in geschichtlichen oder naturgeschichtlichen Aussagen durch offenbar gutbegründete, wissenschaftliche Darlegungen eines Irrtums bezichtigt werden sollte, so halten wir es mit den Worten Augustins, des größten aller Kirchenväter, in einem Brief an Hieronymus, den gelehrtesten aller Kirchenväter: »Wenn ich hier oder da auf etwas stoße, was mit der Wahrheit nicht übereinzustimmen scheint, so zweifle ich keinen Augenblick, daß entweder die Abschrift fehlerhaft sei oder daß der Übersetzer den Gedanken des Originals nicht genau ausgedrückt hat oder daß ich die Sache nicht verstanden habe.«163
Schrift und Schriftauslegung. - Naturwissenschaftliche Tatsachen und naturwissenschaftliche Theorien.
Überhaupt dürfen wir die Schrift nicht ohne Weiteres mit unserer eigenen Schriftauslegung gleichsetzen. Die sogenannten Widersprüche zwischen Bibelglaube und Naturforschung sind in Wahrheit nicht ein Konflikt zwischen Bibel und gesicherter Naturerkenntnis, sondern zwischen Schriftauslegung und naturwissenschaftliche Theorie, oft geradezu ein Zusammenprall zwischen persönlich ungeprüfter, einfach übernommener, volkstümlicher Tradition und naturphilosophischer Spekulation.
In jedem Fall gilt es bei der Schriftauslegung genau hinzusehen, was die Schrift eigentlich sagt beziehungsweise nicht sagt, und sich nicht durch Befangenheit unter überlieferte Auslegungsweisen irgendwie binden zu lassen! Unsere Aufgabe ist es, vorurteilsfrei die biblischen Texte zu untersuchen und nicht mehr in sie hineinzulegen, als sie wirklich besagen. Hüten wir uns, in den Fehler der Kirche zur Zeit des Kopernikus zu verfallen! Damals glaubten die Vertreter des Christentums der Astronomie gegenüber ein Weltbild - das ptolemäische - festhalten zu müssen, weil man meinte, der biblische Text verlange das so, und doch war dies ein Irrtum! Heute ist mancher in ähnlicher Lage der Geologie und Paläontologie (Erdgeschichte und Versteinerungskunde) gegenüber. Gar zu leicht verwechseln wir die eigentliche Wahrheit der Schrift mit unserer eigenen persönlichen Auffassung von ihr und kommen leicht in die Gefahr zu meinen, die Schrift sei angegriffen, wenn man unserer persönlichen Schriftauslegung nicht beipflichtet. Ferner:
Ungelöste Fragen sind für den Aufrichtigen und Ernstsuchenden nicht unbedingt Glaubenshindernisse. Auch der wissenschaftlich Tieferdenkende weiß um die Grenzen seiner Erkenntnismöglichkeiten. Und überhaupt: Der Glaube kann warten. Einst werden wir erkennen, gleichwie wir erkannt worden sind ( 1Kor 13,12).
Dennoch mag es manchem Zweifler und Wahrheitssucher eine Hilfe sein, wenn ihm durch Hinweise auf Übereinstimmungen zwischen Bibel und Naturforschung gewisse Steine aus dem Wege geräumt werden.
Unter dem Gesichtspunkt der Apologetik gibt der Astronom Johannes Riem folgende Zusammenfassung: »Die in dem mosaischen Schöpfungsbericht niedergelegten Anschauungen kosmologischen Inhalts können sich auch vor der strengsten Kritik sehen lassen.« Oder, wie es der Engländer Dr. A. R. Riley geradezu triumphierend sagt: »Das erste Kapitel der Bibel hat dem Sturm getrotzt. Es geht aus dem Kampf mit fliegenden Fahnen hervor. Jede einzelne seiner Aussagen ist bestätigt durch die besten Naturwissenschaftler des zwanzigsten Jahrhunderts!«
153 Vgl. unsere Ausführungen auf Seite 51 „Der geistliche Gehalt des biblischen Schöpfungsberichts.“↩︎
154 Bei Lie. E . G. Steude, Christentum und Naturwissenschaft, Gütersloh 1895. S. 34.↩︎
155 Prof. Dr. Ed. Hoppe, Glauben und Wissen. Antworten auf Weltanschauungsfragen. Gütersloh 1915, S. 321 f. - Vgl. z. B. auch in Apg 27,27 den Ausdruck: „Ein Land naht sich“, obwohl natürlich der Verfasser - genau wie jedermann heute - wußte und weiß, daß nicht das Land näher kommt, sondern das Schiff.↩︎
156 Vgl. Kapitel XIV. „Auslegungsweisen des biblischen Schöpfungsbe- richts“.↩︎
157 K. Heim, Weltschöpfung und Weitende. 1952 . S. 4 8 .↩︎
158 Vgl. Prof. Dr. C. E. Luthardt, a. a. O., S. 68.↩︎
159 Beide Theorien unterschieden sich in wesenhaften Punkten. Das Gemeinsame war die Annahme, daß das Sonnensystem aus einem Umebel entstanden ist, der sich ursprünglich über die Bahn des äußersten Planeten hinaus erstreckt habe. So hätten sich also die Sonne und sämtliche Planeten mit ihren Monden aus einer gem einsam en Urmasse entwickelt. Doch in der nun folgenden Hauptfrage, wie sich aus dieser Nebelmasse die Planeten gebildet hätten, gehen beide Theorien weit auseinander.
Kant dachte mehr an einzelne Punkte von stärkerer Anziehungskraft innerhalb dieser Gaskugel, nach denen dann von allen Seiten die Stoffteilchen strömten, Zusammenstöße hervorriefen und allmählich Zusammenballungen und Himmelskörper bildeten. Laplace glaubte an eine ungeheure Rotation (Umdrehung) dieser Glaskugel, aus der durch die Bewegung gewisse Teile heraussprangen und sich zu Kugeln formten.
Beide Theorien denken sich - abgesehen vom Umebel - die Weltentstehung also total verschieden. Es ist dämm eine geradezu unentschuldbarer Irrtum, wenn man, sogar in Schulbüchern, beide Theorien zusammenwirft und von einer „Kant-Laplaceschen Theorie“ spricht, die es überhaupt nie gegeben hat! Das, was man gewöhnlich mit diesem Namen bezeichnet, ist vielmehr nichts anderes als eine vereinfachte Form der Laplace'schen Theorie.↩︎
160 Vergl. Dr. B. Ramm, a. a. O., 1955 , S. 37 .↩︎
161 E. Dennert, Ist Gott tot? Halle 1911 , S. 69 .↩︎
162 Bei Dr. Howe, a. a. O., S. 41 .↩︎
163 Bei Lic. theol. W. Möller, Um die Inspiration der Bibel. Lütjenburg 1928 . S. 5 6 .↩︎