DER PRAKTISCHE WEG ZU WAHREM MENSCHHEITSADEL
Wie aber gelangt nun der Einzelne zum persönlichen Gotterleben? Wie wird er teilhaftig dieser hohen Berufung? Wie wird sein Suchen zum Finden, sein Hoffen zur Gewißheit, seine Glaubenserfahnmg zu echtem, lebendigem Gottesbeweis? Welches ist der Weg zum Vollbesitz dieser Würde, zum nie endenden Reichtum gottdurchdrungenen, menschheitlichen Königtums?
Auf einer meiner Reisen war ich in Athen. Ich wohnte bei einem Freund, der der Leiter einer blühenden, evangelischen Gemeinde war. Eigentlich war er Mathematiker und dann höherer Beamter im griechischen Finanzministerium gewesen. Er stammte aus einer absolut modem-christusfernen Familie. Als Student der Mathematik auf der Universität Athen widmete er sich, neben seinem Studium, mit Eifer dem Lesen von Büchern über Philosophie und Weltanschauung. Er wollte aus ihnen neue, scharfgeschliffene Waffen gewinnen für seinen geplanten, literarischen Kampf gegen den christlichen Glauben. Eines Tages stieß er beim Lesen eines französischen Buches auf einen Ausspruch Pascals, des weltberühmten französischen Mathematikers und Physikers. Gerade weil es ein Wort eines Mathematikers war - noch dazu eines Mathematikers von größtem Format - , fesselte ihn als jungen Mathematik-Studenten dies Wort Pascals. Es lautet:
»In dem Augenblick, wo du das Dasein des alleinigen Gottes annimmst, nimmt, entgegen deinem eigenen Willen, das Christentum mit all seinen Grundsätzen von dir Besitz.«
»Wie ist dies möglich«, fragte er sich, »daß, wenn man Gottes Existenz zugibt, man auch gegen den eigenen Willen die christliche Religion mit all ihren Lehren gelten lassen muß?«
Immer wieder gingen ihm diese Worte durch den Sinn: »Auch gegen deinen eigenen Willen.«
Das bedeutete doch, daß es eine unausweichliche Folgerichtigkeit gibt, mit der die Anerkennung des Daseins eines persönlichen Gottes zur Anerkennung der Grundlehren des christlichen Glaubens führt, eine Folgerichtigkeit, die den denkenden Geist zum Mitgehen und Weitergehen einfach zwingt, auch wenn er eigentlich nicht will!
Gleich am nächsten Morgen war er in der griechischen Nationalbibliothek und beschaffte sich sämtliche Werke Pascals, die er nun mit größter Sorgfalt studierte. Von Pascal kam er zum Neuen Testament und vom Neuen Testament zu Jesus Christus. Heute ist er ein gesegneter Zeuge des Glaubens und ein fruchtbarer Verkündiger des Evangeliums in der griechischen Hauptstadt.
Die folgenden Ausführungen werden die Richtigkeit dieses Ausspruchs Pascals bezeugen. Glaube an den einen, ewigen Gott läßt, bei logischem Weiterdenken, keine andere Glaubens- und Erlösungslehre zu als gerade die christliche. Hier steht der denkende Geist vor unausweichlichen Folgerungen und Notwendigkeiten. Auch wenn er nicht eigentlich »will« - »auch gegen seinen eigenen Willen« - , muß der aufrichtig und logisch denkende Mensch vom allgemeinen Gottesglauben zur Anerkennung der biblischen Heilslehre gelangen.