Wir haben ein kleines Abbild von dieser Berufsbestimmung des Menschengeschlechtes in einem bekannten Vorgang der Weltgeschichte. Es war der Auftrag, mit dem 1411 der Hohenzoller Friedrich VI., Burggraf von Nürnberg, in die Mark Brandenburg kam. Dort herrschten seit dem Tode Kaiser Karls IV. (1378), besonders unter Jobst von Mähren, überaus traurige Zustände. Da Jobst nur selten in die Mark kam, benutzte der einheimische Adel die Gelegenheit zu wildem, räuberischem Treiben. Neben den andern Rittergeschlechtem, den Schulenburg, Alvensleben, Putlitz, Rochow, Bredow, waren es insbesondere die beiden Brüder Hans und Dietrich von Quitzow, welche in dieser anarchistischen Zeit, durch Plündern und Raubüberfälle von ihren festen Schlössern Friesack, Plaue, Golzow und Beuthen aus, ihren Besitz und ihre Macht zu vermehren suchten. Endlich schickte König Sigismund (1410-1437) den ihm treu ergebenen Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg als »Obersten Verweser und Hauptmann der Mark« in das verwilderte Ostgebiet, um dort Ordnung zu schaffen (1411). Später, auf dem Konzil zu Konstanz (1414-1418), übertrug er es ihm dann noch, nicht nur als Verwaltungsgebiet, sondern direkt erblich als Fürstentum mit dem Kurhut und der Erzkämmererwürde (30. April 1415), was nach kurzer Zeit durch feierliche Belehnung rechtskräftig besiegelt wurde (18. April 1417).
Was dieser süddeutsche Graf in der Mark Brandenburg gesollt hatte, war, das Land und die widerspenstigen Adligen zunächst sich »untertan zu machen«. Was aber König Sigismund mit dieser Sendung und späteren Belehnung als eigentlichen Hauptzweck im Auge gehabt hatte, war ganz offenbar nichts Geringeres, als daß durch die Aufrichtung einer ihm treu ergebenen Herrschaft im Lande seine eigene Autorität wiederhergestellt und das ganze Gebiet für ihn selbst zurückgewonnen werden sollte. Indem Friedrich VI. ein von seinem König abgefallenes Gebiet sich untertan machte und selber seinem Herrn die Treue bewahrte, eroberte er es tatsächlich für seinen Lehnsherrn zurück und »erlöste« das Land aus der Gewalt seiner Bedränger. Das aber ist es, was - nur in unvergleichlich größerem Rahmen und auf anderem Wege - im kosmischen Weltenreich Gottes die Menschheit auf dieser Erde bewirken sollte.