Schriften von Erich Sauer
Der Irrtum des Polytheismus, Pantheismus und des DeismusDer Irrtum des Polytheismus, Pantheismus und des Deismus
Man hat eingewandt, dieser »Kosmologische Gottesbeweis«, in seiner Verbindung mit den beiden anderen genannten, sei noch keine restlose Widerlegung der heidnischen Vielgötterei. Er führe also nicht unbedingt zum biblischen Ein-Gott-Glauben (Monotheismus). Denn es sei ja immer noch denkbar, daß am Anfang der Welt nicht nur eine, sondern mehrere schöpferische Weltursachen nebeneinander oder nach einander frei wirksam gewesen seien.
Hierauf ist zu antworten: Es ist ein Grundzug der modernen Naturbetrachtung, alle Naturvorgänge, die organischen wie die anorganischen, auf gleiche, einheitliche Grundgesetze zurückzuführen, so daß also das gesamte Weltall von einer einheitlichen Planung bestimmt ist. Wir erinnern nur an das physikalische Prinzip der kreisenden Bewegungen - gleichsam »Sonnensysteme« - sowohl in der Stemenwelt wie auch in der Atomwelt.103 Desgleichen bezeugt die Spektralanalyse eine überraschende Einheitlichkeit des Universums. Denn sie beweist, daß die Stoffe aller Himmelskörper aus genau denselben chemischen Elementen bestehen wie die irdische Welt, so daß also das ganze All nicht nur physikalisch, sondern auch chemisch von gleichen Prinzipien durchwaltet ist. Gerade aber diese erstaunliche Einheitlichkeit des Kosmos bezeugt dem denkenden Geist, daß es nur ein planender Geist ist, der als der einige und alleinige Weltbegründer, alle Kreatur ins Dasein gerufen hat. Damit aber wird die gesamte Naturwelt zu einem Zeugnis zugleich wider alle heidnische Vielgötterei.
So schreibt auch Professor Dr. A. Rendle Short in seinem Buch
»Modern Discovery and the Bible« (S. 82): »Die entferntesten Sterne erscheinen chemisch und physikalisch wie aus einem Stück gemeinsam mit unserem eigenen Sonnensystem. Die Tiere und Pflanzen wie auch die Naturvorgänge der vergangenen geologischen Zeiten waren denjenigen, die wir heute erforschen, sehr ähnlich. Allerorts und in allen Dingen zeigt sich das Werk nur einer Hand und eines Geistes. Ein Widerstreit von mehreren Schöpfern würde schon längst die Erdwelt und das Universum zu Grunde gerichtet haben.«
Und in gleichem Sinne schreibt Sir Edmund Whitaker, Professor der Mathematik an der Universität Edingburgh, ebenfalls ein Mitglied der Akademie der Wissenschaften (Royal Society) 1946 in seinem Buch »Space and Spirit« (Raum und Geist): »Die Tatsache, daß dieselben mathematischen Gesetze im gesamten Bereich des Universums gültig sind und daß, wie die Naturwissenschaft zeigt, dieser Kosmos in Wechselbeziehungen und Zusammenhalt in sich und mit sich verbunden ist, führt zu der Folgerung, daß nur ein einziger Geist in der Gesamtschöpfung wirksam ist und ihr innewohnt. Dieser eine Geist waltet zugleich über dem gesamten Universum.«
Man hat ferner betont, der »Kosmologische Gottesbeweis«, in seiner Verbindung mit den beiden anderen oben erwähnten, bewege sich doch durchaus im Raum-Zeitlichen. Er führe also nicht über die Natur hinaus und gelange folglich nicht in das Unbedingte, Überräumliche und Überzeitliche. Er überwinde daher den Pantheismus nicht, das heißt, die Lehre, daß Gott und Welt eins seien.
Mit Recht aber spottet Goethe über die pantheistische Idee, daß es wohl eine unpersönliche Gottheit - eine Weltseele - , aber keinen persönlichen Gott gäbe: »Der Herr Professor ist eine Person, Gott keine!« Auch ist es von vornherein unmöglich, eine bewußtlose Intelligenz anzunehmen. Dies wäre ein Widerspruch in sich selbst. Und ebenso ist es unmöglich, von bewußtlosen Ideen zu reden; denn Ideen fordern ein bewußtes und vernünftiges Prinzip, welches sie hervorbringt. So fragt auch der Psalmist: »Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gebildet hat, sollte der nicht sehen?« (Ps 94,9).
Wir führen noch einmal ein Wort von Professor Rendle Short aus seinem soeben genannten Buch an: »Auch entspricht eine unpersönliche Gottheit nicht den Hinweisen und Merkmalen der Natur in befriedigender Weise. Ein Geist ist vielmehr am Werk gewesen, der Ziele voraussieht und beabsichtigt und sie durch Gesetze und mit Stoffen zur Durchführung bringt, die wir bis zu einem gewissen Grade begreifen können. Es ist ein Geist, der nach denselben Grundlinien arbeitet, wie auch unser eigener Geist, nur eben auf einer unermeßlich weiteren, ausgedehnteren und höheren Ebene. Geist ist aber nicht etwas, das irgendwie im Weltenraum schwebt und schwimmt. Geist ist auch nicht einem Granitblock innewohnend. Geist ist vielmehr verbunden mit einer Persönlichkeit, die planen kann und die Fähigkeit der Durchführung ihrer Planungen besitzt, die Neigungen und Abneigungen, Wohlgefallen und Mißfallen empfinden kann. So ist es nicht überraschend, daß die Bibel den Ausspruch Gottes anführt: »Lasset uns Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis« (S. 82).
Außerdem ist - folgerichtig gedacht - der Pantheismus nur eine höfliche Form des Atheismus. Denn wenn man behauptet, Gott und W elt seien dasselbe, so kommt dies letzten Endes auf das gleiche hinaus, als wenn man sagen würde: Es gibt nur eine Welt, aber es gibt keinen Gott. »Der Satz des Pantheismus: >Gott und die Welt sind eins< ist bloß eine höfliche Wendung, dem Herrgott den Abschied zu geben« (Schopenhauer).
Albert Einstein, der größte Mathematiker und Physiker der neuesten Zeit, hat bezeugt: »Meine Religion besteht aus der demütigen Bewunderung des unendlichen, unbegrenzbaren, allem überlegenen Geistes, der sich auch in den kleinsten Einzelheiten offenbart, die wir mit unserem gebrechlichen und schwachen Geist wahrzunehmen vermögen. Diese tief bewegende Überzeugung von der Gegenwart einer höheren, vernünftig denkenden Macht, die im gesamten, unfaßbaren Weltall offenbar wird, bildet meine Vorstellung von Gott.«104
Und schließlich hat man erklärt, auch der Deismus sei noch nicht widerlegt, das heißt die Lehre, daß es wohl einen persönlichen Schöpfergott gibt, daß dieser aber nicht in die naturgesetzlich geordnete Welt durch Wunder und Offenbarung eingreift.
Hierzu bemerken wir:
»Was wär’ ein Gott, der nur von außen stieße, Im Kreis das All am Finger laufen ließe!
Ihm ziemt’s die Welt im Innern zu bewegen,
Natur in Sich, Sich in Natur zu hegen,
So daß, was in Ihm lebt und webt und ist, Nie Seine Kraft, nie Seinen Geist vermißt.«
(Goethe).
In der Tat, »wir sehen das Weltall voll bewegter Kraft, im Atom mit seinen sich drehenden Elektronen, im schwingenden Äther, im Lichtstrahl, in der elektromagnetischen Welle, in den Kraftlinien, die den Raum durchziehen, überall nur Kräfte. Es ist, als ob das W eltall atme. Ebenso in der W elt des Lebens, in der Zelle mit ihren unausgesetzten Teilungen, im Eiweiß mit seinen Kraftlinien, in den rätselhaften Keimvorgängen: überall Stromlinien des Geschehens, eine immer bewegte Natur« (Dr. A. Neuberg).
103 Vgl. Seite 4 4 .↩︎
104 bei Short, a. a. O. S. 3 5 .↩︎