Schriften von Erich Sauer
Die Selbstoffenbarung des großen Königs in den Werken Seines SchöpfungsreichsDie Selbstoffenbarung des großen Königs in den Werken Seines Schöpfungsreichs
Aber nachdem nun einmal die Welt von Gott geschaffen war, mußte sie, als Sein Schöpferwerk, in Harmonie mit Seinem Wesen sein, und das Dasein einer in Raum und Zeit sich entfaltenden Welt ist, seinem Ursprung und Sinn nach, eine Offenbarung von Gottes innerstem, heilig liebendem Wesen.
Dann aber muß die Welt, als solcher Ausfluß des göttlichen Willens ein verstofflichter Ausdruck der Gedanken des Schöpfers sein. Die Geistesgesetze des ewigen Seins müssen sich in der Naturwelt widerspiegeln. Zwischen der Unendlichkeit und der Endlichkeit, dem Idealen und dem Realen muß eine so grundsätzliche Parallelität bestehen, daß das Sichtbare geradezu eine Einkleidung des Unsichtbaren, eine sinnlich-faßbare Versinnbildlichung des Übersinnlichen wird, eine Tatsache, die aller Symbolik, sowohl der göttlichen Offenbarung wie auch des menschlichen Denkens, zugrunde liegt.
Das ist die »Naturoffenbarung« im weitesten Sinne des Wortes. Durch sie werden alle geschöpflichen Lebensformen eine Verstofflichung bestimmter Gedanken Gottes, und das Weltall selbst wird damit zu einem universalen »Abglanz der Majestät des Ewigen im irdischen Stoff« (vgl. Röm 1,19.20). In diesem gewaltigen, weltumspannenden Rahmen soll auch der Mensch sich seines »Menschheitsadels« bewußt werden. In Heiligkeit und Liebe Gott Selbst zu erleben und Sein Wesen kraftvoll und königlich auszustrahlen, ist darum der Inhalt unserer menschlichen Berufung, das Ziel und die Krone unseres »Menschheitsadels«.
Der Zweck der Weltschöpfung ist die Offenbarung der göttlichen Herrlichkeit in dem gesamten Lebensprozess der Welt, der überall zu seinem Ziel kommt in der Hervorbringung und Vollendung Gottes-bildlichen Geisteslebens, auf Erden also in dem Menschen als Gottes Bild, Gottes Stellvertreter und von Gott eingesetztem Beherrscher der Kreatur.
Und wie wunderbar hat Gott doch diese Welt gemacht! Er benutzte zu ihrem Aufbau - zu einem Aufbau von Millionen und aber Millionen von Sonnen und Sonnensystemen - nur zwei Hauptarten von Bausteinen: Die Elektronen und die Atomkerne, die ihrerseits aus Protonen und Neutronen bestehen, und Er setzte sie so in Beziehung zueinander, dass die Elektronen in kreis- bzw. ellipsenförmigen Bahnen, ähnlich wie die Planeten in den Sonnensystemen, um ihre »Sonnen«, die Atomkerne, sich bewegen.
Und weiterhin: Wie unbegreiflich klein sind diese Atome! Der Durchmesser eines Wasserstoffatoms hat nur die Länge eines hundertmillionsten Teils eines einzigen Millimeters! Auf einer Reißzwecke haben so viele Atome Platz, daß eine Armee, wenn jeder Mann ein Atom trüge - zu viert in der Reihe marschierend - zum Vorbeimarsch über zwanzigtausend Jahre brauchen würde.22
So ist alles Bewegung in freiem Raum, ungeheuer schnelle, wirbelnde Bewegung, ein gewaltiges, schier unermeßliches Schwingungsfeld. Sonnensysteme in der Sternenwelt! »Sonnensysteme« in der Atomwelt!
Ein gleiches, einheitliches Prinzip beherrscht das ganze All. Es ist das Prinzip kreisender Bewegungen im Mikrokosmos und Makrokosmos.
Das ist doch geradezu eines der größten Wunder der Schöpfung, daß sie in ihrem Aufbau so harmonisch ist, daß der große Weltenbaumeister den gleichen Grundsatz in Seinem ganzen Schöpfungsreich zur Anwendung gebracht hat. »Dies Prinzip klingt im ganzen Universum in zahlreichen Variationen durch wie das Grundmotiv in einer Symphonie«.
Damit aber wird diese erstaunliche Systematik im Aufbau des gesamten Weltalls zu einem Zeugnis von der Größe des Schöpfers als eines allgewaltigen, universalen Konstrukteurs.
Und was für ungeheure Energien halten das Weltall zusammen!
Aus der Energieformel des weltbekannten Physikers Albert Einstein23 geht hervor, daß ein Gramm eines beliebigen Stoffes, bei seiner vollständigen Auflösung in Energie, die Arbeit von 25 Milliarden Kilowattstunden leisten würde.24
Der süddeutsche Physiker Otto Willi Gail, dessen Bücher in über 40 Ausgaben in nahezu allen europäischen Sprachen erschienen sind, schreibt: »Wenn es uns gelänge, den Stoff vollständig in Energie umzusetzen, also nicht nur die Atomkerne zu spalten, sondern überhaupt aufzulösen und zu entmaterialisieren, dann würde ein einziges Gramm Treibstoff in einem Personenkraftwagen ausreichen für 400 Fahrten rund um den ganzen Erdball herum. Das wäre eine Gesamtstrecke von 16 Millionen Kilometern, das heißt, mehr als zwanzig mal von der Erde bis zum Mond und zurück.«25 Oder, in einem anderen Vergleich ausgedrückt: »Zweihundert Waggonladungen Kohle haben den Heizwert von einem Gramm entmaterialisierten Stoffes. Welch ein Reichtum an Energie steckt also in jedem Gramm Materie, in jedem Steinsplitter, in jedem Stück Holz! Wir können diesen Reichtum nicht heben; aber er ist da, überall um uns herum, im Erdboden, im Wasser, in der Luft.«26
In dem allen können wir nur die Kraft des großen Schöpfers bewundern. Der forschende Geist, der in die Tiefen der Werkstatt Gottes hineinschaut, wird durch diese unfaßbaren Energien hingelenkt auf den Urquell des Ganzen, den Allmächtigen Selbst. Gerade das Kleinste weist hin auf den Allergrößten. Denkende Naturbetrachtung führt das gläubige Gemüt zu Gottesverehrung und Gottesanbetung.
Mit Recht sagt ein Naturwissenschaftler der Gegenwart im Hinblick auf diese Selbstofienbarung Gottes in Seiner Schöpfung: »Die moderne Physik leistet heute das, was die Astronomie schon immer geleistet hat, indem sie das Gemüt mit immer neuer Ehrfurcht erfüllt. Sie gibt dem, der sich in sie vertieft, einen ganz unmittelbaren, in keiner Weise erzwungenen oder erkünstelten, grandiosen Eindruck von der Herrlichkeit Gottes in der Schöpfung« (Prof. Dr. B. Bavink). Zu diesen Wundern im Reich des Stoffes kommen nun noch die unzählbaren Wunder im Reich des Lebens, in Pflanzenwelt, Tierwelt und Menschenwelt: die Geheimnisse des Seelenlebens, die Rätsel der Gedächtniskraft, das Mysterium der menschlichen Persönlichkeit mit ihrem Denken und Wollen, ihrer Sehnsucht und ihren Idealen, ihrer moralischen Veranlagung und ihrem Streben nach Unendlichkeit und Ewigkeit.
So schließt sich alles zu einem großartigen Zeugnis zusammen: die Welt um uns und in uns, die Sternkolosse und die Atome, das Nichtbelebte und das Belebte, Stoff, Seele und Geist. Das Buch der Natur stimmt geradezu ein in das Loblied des Buches des geschriebenen Gotteswortes: »Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk!« »Herr, wie sind deine Werke so groß und so viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. . . Die Ehre des Herrn ist ewig; der Herr hat Wohlgefallen an seinen Werken . . . Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin« (Ps 19,2; Ps 104,24; 31; 33).1
22 Dr. A. Neuberg. Das neue Weltbild der Physik. Göttingen 1941, S. 14.↩︎
23 Der Energiewert (das Energie-Äquivalent) einer Masse ist gleich dem Produkt aus Masse und Quadrat der Lichtgeschwindigkeit. Also Energie- Äquivalent E = mc2.↩︎
24 Das heißt, die Arbeit von rund 9.000 Millionen Meterkilogramm. Ein Meterkilogramm ist die Arbeit, die erforderlich ist, um 1 Kilogramm 1 Meter zu heben.↩︎
25 Die mittlere Entfernung des Mondes von der Sonne ist 384.750 Kilometer.↩︎
26 O. W. Gail, Der Griff nach dem Atom. München 1947, S. 101, ebenso S. 88. - Einen gewissen Begriff von diesen Energien, ja eine erschütternde Darstellung von ihrer Gewalt hat unser Jahrhundert durch die Atombombe bekommen. „Die Energien zerfallender Atome haben am 6. August 1945 über der japanischen Hafen- und Großstadt Hiroshima eine Drude- und Hitzewelle hervorgerufen, die alles, was sich in ihrem Wirkungskreis befand - Häuser, Pflanzen, Tiere, Menschen - binnen Sekunden vernichtete (über 230.000 Tote!). Im Zentrum der Explosion, die 700 Meter über der Stadt erfolgte, entstand eine Hitze von 10 Millionen Grad. Die Wirkung der Bombe, die nicht mehr als einige Pfund aktiver Atome enthielt, entsprach einer Sprengstoffmenge von 20.000 Tonnen Dynamit“. Und dabei haben die seitdem entwickelten Wasserstoffbomben ein Hundertfaches an Sprengkraft im Vergleich zu dieser Anfangsbombe von Hiroshima!
Auf der Freilegung und technischen Anwendung dieser Atomkräfte beruhen auch die trans-kontinentalen Geschoßraketen, die Tausende von Kilometern, von Kontinent zu Kontinent, fliegen können, sowie die Träger-Raketen der Erdsatelliten und des künstlichen Sonnenplaneten und aller weiteren, sich in Vorbereitung befindlichen Vorstöße in den Weltraum. Nur durch diese ungeheuren Atomkräfte kann ein Treibstoff entwickelt werden, der eine Fluggeschwindigkeit von über 11 Kilometern in der Sekunde ermöglicht, wie sie zur Überwindung der Anziehungskraft der Erde erforderlich ist.↩︎