Auf diese Weise hat Gott die Wesens- und Lebensgedanken Seiner ewigen Kraft und Gottheit in der Schöpfung harmonisch geoffenbart. Alles Himmlische und Irdische ist nun eine organische Vielheit von reinen, geschöpflichen Abbildern der ewigen, innergöttlichen Urbilder. Denn weil Gott niemals etwas im Widerspruch mit Sich Selber geschaffen hat, muß alles, was unmittelbar aus Seiner Hand hervorgeht, zugleich auch etwas schon von Ewigkeit her von Ihm Gewolltes und in Ihm Gedachtes sein. Darum muß es auch später, nach seinem raumzeitlichen Anfang, das Merkmal Seines heiligen Lichtlebens an sich tragen. Da Gott das Reale schon vor seiner Schöpfung erkennt, sind in Ihm auch auf zeitlose Weise ebenso viele ideale Gestalten und Ideen vorhanden, als es hernach endlich-geschöpfliche Wirklichkeiten gibt.
Sehr schön sagt Professor Rendle Short: »Wir sehen Ihn am Werk nicht nur seit sechstausend, sondern seit Tausenden von Millionen von Jahren. Er streckt Seine Hand aus bis hin zu Sternen, für deren Entfernungen unsere Mathematik einfach keine Zahlen mehr finden kann. Uns schwindelt geradezu bei der Vorstellung von der ungeheuren Weite und Größe wie auch der bis ins Kleinste und Winzigste gehenden Genauigkeit Seiner Werke. Die Schönheit und die unendliche Mannigfaltigkeit der Natur zeigen Ihn uns als den alles überragenden Künstler und den unübertreffbaren Werkmeister. Herr, mein Gott, Du bist sehr groß. Du bist bekleidet mit Ehre und Majestät.««31 So strahlt alles Geschaffene in eigener Lebendigkeit und doch zugleich lebend und webend in Ihm (Apg 17,28) Seine unerschaffene Herrlichkeit wider. In harmonischem Rhythmus der Stufen und Ordnungen, in organischer Einheit der Äonen und Sphären ist der ganze Kosmos eine große Symphonie von unbeschreiblicher Schönheit und ewigem Zusammenklang. Als gewaltiger Organismus verschiedenster Welten und doch in allen seinen Teilen verbunden durch die gleiche Schöpferidee, ist das ganze Universum ein nie endender Lobpreis, ein in Milliarden von Variationen auseinandergehender und doch zugleich durch eine einheitliche Grundmelodie zusammengefasster Schöpfungspsalm. »Ja, von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge: Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen« (Röm 11,36). Dies Ganze ist zugleich der große, universal-kosmische Weltrahmen, in dem sich auch der Adel des Menschen verwirklichen soll.
31 Short (Universität Bristol), 1952, a. a. O., S. 83.↩︎