Schriften von Erich Sauer
Die biblische Urgeschichte als zuverlässige Grundlage für die Königsberufung der Menschheit.Die biblische Urgeschichte als zuverlässige Grundlage für die Königsberufung der Menschheit.
Entscheidende Voraussetzung für ein biblisches Verständnis der Adelsbestimmung des Menschen ist der Glaube an die Geschichtlichkeit und Buchstäblichkeit der ersten Kapitel der Bibel. Denn hier sind die grundlegenden Ereignisse und Berichte, in denen der Adel des Menschen wurzelt. Dies zeigt sich in mannigfacher Weise.
In dem biblischen Schöpfungsbericht steht das Wort von der Gottesbildlichkeit des Menschen ( 1Mo 1,27).
In der Reihenfolge der sechs »Tage« erscheint er als Ziel und Krone der Schöpfung (V. 27- 31).
Im biblischen Schöpfungs- und Paradiesesbericht steht seine Berufung zum Königtum auf Erden und sein praktischer Antritt desselben: »Machet sie euch untertan«. Der Mensch gab allen irdischen Lebewesen Namen (1Mo 1,28; 2,19.20).
Mit der Richtigkeit und Zuverlässigkeit der ersten Kapitel der Bibel steht und fällt darum alle biblische Basis für die Adelsbestimmung des Menschengeschlechts.
Aber gerade auch hier steht der Glaube auf unerschütterlichem Felsenfundament. Denn gerade hier erweist sich die Person Jesu und Seiner Apostel als zuverlässige und entscheidende Autorität. Immer wieder bekennen sich der Herr und die Schreiber des Neuen Testaments unverkennbar zu diesem Glauben.
So begründet Jesus Seine Worte über die Einehe mit dem Hinweis auf die Paradiesesgeschichte (Mt 19,4-9). So beweist Paulus seine Anweisungen über die Stellung der Frau in der christlichen Gemeinde mit der Erinnerung an die Erschaffung des ersten Weibes nach Adam und ihre innere Niederlage in der Versuchung bereits vor Adam (1Tim 2,13.14) eben genau so, wie es die ersten Kapitel der Heiligen Schrift in ihrer Buchstäblichkeit berichten (1Mo 2 u. 3). So bezieht sich Jakobus in seiner Warnung vor Zungensünden auf die Erschaffung des Menschen »nach dem Bilde Gottes«, also wieder auf den biblischen Schöpfungsbericht (Jak 3,9). So nennt Johannes den Satan »die alte Schlange«, unter Bezugnahme auf die Versuchung des Menschen im Paradiese durch die Schlange (Off 20,2), und er begründet die Forderung wahrer Bruderliebe mit dem warnenden Hinweis auf den Brudermord Kains bald nach der Austreibung Adams und Evas aus dem Garten Eden (1Joh 3,12). Paulus begründet sogar den Organismuscharakter der neutestamentlichen Gemeinde durch die Gegenüberstellung Christi, als des letzten Adam und Hauptes einer neuen Menschheit, mit dem Stammvater des allgemeinen Menschengeschlechts, dem »ersten« Adam (Röm 5,12-21), und die großartige Belehrung über die kommende Geistleiblichkeit der Verklärten bringt er in der Form eines Vergleichs des»ersten Menschen«, der »von der Erde, von Staub« war, mit Christus, dem »zweiten Menschen«, der »vom Himmel« ist und darum die Seinen einst himmlisch verklärt. »Der erste Mensch, Adam, ward eine lebendige Seele; der letzte Adam ein lebendigmachender Geist. . . und wie wir das Bild dessen von Staub getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen« (1Kor 15,45-49). Dies alles konnte von Jesus und Seinen Aposteln nur deshalb in dieser Weise gesagt werden, weil sie an die Geschichtlichkeit und Buchstäblichkeit der biblischen Urgeschichte glaubten.
Man hat versucht, zu erklären, daß Jesus nicht irrtumsfrei gewesen sei und daß es ja überhaupt nicht auf die Geschichtlichkeit jener Bezugnahmen ankomme, die solchen Jesus- und Apostelworten zugrunde liegen, sondern eben nur auf die geistlichen und prophetischen Schlußfolgerungen, die das Neue Testament daraus zöge. Aber wie wäre es möglich, bei einer solchen Haltung noch an der Vollkommenheit und Göttlichkeit der Person Jesu festzuhalten? Wie wäre es möglich, Ihm zeitgenössischen Irrtum zuzuschreiben, Ihm, der doch der Mund der ewigen Wahrheit ist? Oder sogar, wie wäre es möglich zu erklären, Jesus Selbst habe zwar gewußt, daß jene Ereignisse in dieser buchstäblichen Form niemals stattgefunden hätten, Er habe Sich aber dem Irrtum seiner Zeitgenossen aus praktischen, erzieherischen Gründen irgendwie angepaßt! Wie könnte man dann noch an die Aufrichtigkeit einer prophetischen Persönlichkeit glauben, die Geschichtsberichte als Wirklichkeit verwendet, die, nach ihrer eigenen Erkenntnis, in dieser Form geschichtlich unzutreffend wären! Und wie könnte man behaupten, dies alles seien doch wohl von vornherein nur sinnbildliche Einkleidungen ewiger Wahrheit gewesen, nicht aber eigentlich geschehene Geschichte? Denn niemand kann bestreiten, daß die ersten Kapitel der Bibel selbst ihre Berichte nicht als Gleichnisse, Symbole oder Visionen geben (wie zum Teil das Buch der Offenbarung des Johannes), sondern als buchstäbliche Berichterstattung über wirkliche Ereignisse!
Nein, hier bleibt nur eine Wahl:
entweder die Buchstäblichkeit und Geschichtlichkeit der ersten Kapitel der Bibel zu bezweifeln, aber damit zugleich auch die volle Autorität Jesu und Seiner Apostel zu verneinen,
oder aber an das Wort Christi und des Neuen Testaments rückhaltlos zu glauben, damit aber auch zugleich die Geschichtlichkeit der Berichte der Bibel über die Anfänge des Menschengeschlechts anzuerkennen.
Eine dritte Möglichkeit besteht nicht. Indem aber der Glaube an Christus und Sein Wort glaubt, bejaht er zugleich, mit diesen ersten Kapiteln der Heiligen Schrift, auch die in ihnen enthaltene und bezeugte Adelsbestimmung der Menschheit.