Behandelter Abschnitt Obad 1-7
Obad 1.3.4.7: 1 Gesicht Obadjas. So spricht der Herr, HERR, über Edom: … 3 Der Übermut deines Herzens hat dich verführt, der du in Felsklüften, auf hohem Sitz wohnst und in deinem Herzen sprichst: Wer wird mich zur Erde hinabstürzen? 4 Wenn du dein Nest auch hoch bautest wie der Adler und wenn es zwischen die Sterne gesetzt wäre: Ich würde dich von dort hinabstürzen, spricht der HERR … 7 Bis zur Grenze haben dich deine Bundesgenossen geschickt; betrogen, überwältigt haben dich deine Freunde …
Gott hatte sein schonungsloses Gericht über Edom angekündigt, und dies hat zu der besonderen Darstellung Christi geführt, die Gott dem Obadja für uns eingegeben hat. Jeremia hatte das Gericht schon vorhergesagt: Aus dem Kapitel 49 des Buches, das seinen Namen trägt, sind die ersten sechs Verse in Obadja zitiert. Das stolze Edom sollte erniedrigt werden. Obwohl es so hoch wie der Adler wohnte, sogar zwischen den Sternen, würde Gott selbst dieses überhebliche Volk demütigen; Er würde dessen weise Männer vernichten und seine Verbündeten zu Staub zerstieben, durch die es sich eine dauerhaft führende Position in der Welt erhofft hatte. Das, was schon Jeremia vorausgesagt hatte, wird jetzt durch Obadja wiederholt und bekräftigt.
Hat diese uralte Botschaft den modernen Menschen überhaupt noch etwas zu sagen? Im Grunde genommen repräsentiert Edom die Welt allgemein; es ist nur wie ein Stück Kohle, willkürlich aus der Grube genommen, das die Beschaffenheit dessen anzeigt, was in der Mine zurückbleibt. Hat menschlicher Stolz je einen höheren Stand erreicht als in diesem zwanzigsten Jahrhundert? Hat man je mehr nach Bündnissen gestrebt als heutzutage? Denken wir doch einen Augenblick nach über die Welt um uns her: an den Aufstieg der Zivilisation, die Errungenschaften der Wissenschaft, die Ausbreitung des Wissens. Wie doch die Menschen sich all dessen rühmen! Wahrlich, sie sagen in ihrem Herzen: „Wer wird mich zur Erde hinabstürzen?“ Erheben sie sich nicht wie Adler und bauen ihr Nest in den Sternen? Beachten wir auch, wie Zusammenschlüsse heute in der Welt hoch im Kurs stehen. Die Völker nähern sich einander durch Schließen von Verträgen und Übereinkommen. Es kommt zu Konzernen und Vereinigungen zwischen Kapitalisten und Erzeugern, Unionen und Gesellschaften und ihren Arbeitern. Es gibt Verbände für dies und jenes. All dieses wurde schon, im Ansatz, unter den Edomitern gefunden. Sie hatten ihre Gelehrten, ihre tapferen Krieger, ihre befestigten Städte. Auch sie praktizierten Zusammenschlüsse und hatten sich mit anderen Völkern verbündet, um gemeinsame Sache zu machen gegen Gott und sein Volk.
Ohne Zweifel ist diese Weissagung eine Vorschau auf die Endzeit, wenn Edom wiedererscheinen und eine führende Stellung einnehmen wird im großen Staatenbund. Derselbe wird – zusammen mit dem wiedererstandenen Assyrien – gegen Jerusalem ziehen. Einige der Völker, die den großen, feindlichen Staatenbund bilden, sind in Psalm 83 aufgeführt, und Edom erscheint als Erster auf der Liste. „Sie sprechen: Kommt und lasst uns sie vertilgen, damit sie keine Nation mehr seien, damit nicht mehr gedacht werde des Namens Israels! Denn sie haben sich mit einmütigem Herzen beraten, sie haben einen Bund gegen dich geschlossen: die Zelte Edoms und die Ismaeliter …“ (Ps 83,5-7).