Behandelter Abschnitt Phil 4,8-9
Sieben erstrebenswerte Dinge (Phil 4,8-9)
In einer siebenfachen Weise zeigt nun der Apostel, wie der Christ den
Frieden Gottes vor seinen Mitmenschen zur Schau tragen soll. Der Friede
Gottes ist ein persönliches, herrliches Erlebnis, das unmöglich
verborgen bleiben kann. Es klingt hier beinahe so, wie in
In Vers 7 hat der Apostel eine Art Abschiedswort ausgesprochen und den Philippern tiefen Frieden gewünscht. Wie in andern Briefen, schließt er auch hier seine Ausführungen mit einer wichtigen Ermahnung und fordert die Gläubigen auf, die Belehrungen, die sie gehört haben, praktisch vor aller Welt zu verwirklichen. Sie sollen in allem durchaus wahr sein, sich des hohen Namens Jesus, den sie bekennen, würdig erweisen, gerecht und rein dastehen. Kein faules Wort soll aus ihrem Munde gehen (Eph 4,29). Einige Einzelheiten über diese siebenfache Ermahnung sollen auch uns kurz dienen.
I. Was wahr ist.
Wahrheit ist die Grundlage aller folgenden Hinweise. Der Herr sagt:
„Ich bin die Wahrheit“ (Joh 14,6). Ganze Aufrichtigkeit Gott, sich
selbst und den Mitmenschen gegenüber, ist unbedingte Voraussetzung eines
wahren Christen. Er muss frei sein von jeglicher Heuchelei und jeglichem
Scheinwesen; durchaus wahr in Gedanken, Worten und Werken (Ps 32,2; 2Kor 1,12). Die Gesinnung muss lauter sein; denn nichts ist beim
Christen unwürdiger, als die Lüge, die ja abgelegt sein soll (
II. Was ehrbar ist.
Das Bekenntnis „des Herrn Eigentum“ zu sein, ist eine ernste Sache und muss nach aussenhin würdiglich dargestellt werden. Alle, die durch das Evangelium aus Welt und Verderben herausgerufen worden sind, sollen es auch verherrlichen (1Pet 2,9, 21). Der Gläubige muss sich die Achtung und den Respekt aller erwerben. Sein würdiger und ehrbarer Wandel soll allen auffallen.
III. Was gerecht ist.
Die Schrift nennt unter anderem die Gläubigen auch Gerechte; denn sie
sind es durch den Glauben an Christum Jesum geworden (Röm 5,1). Sie
sollen aber nicht nur gerecht heißen, sondern gerecht
sein. Gerechtigkeit muss all unsere Handlungen kennzeichnen. So
viel an uns liegt, soll nichts Unrechtes mehr an uns gesehen werden.
Andere mögen ungerecht gegen uns handeln, wir aber vergelten keineswegs
Böses mit Bösem. Den Obrigkeiten (Mt 22,1), den Unterstellten (
IV. Was rein ist. „Halte dich rein“, rief einst Paulus dem Timotheus zu. „Glückselig
sind, die reinen Herzens sind“, sagt der Herr. Alle unsere Glieder, auch
Zunge, Aug, Ohr und Herz, ja selbst die Gedanken sollen rein sein.
Nichts demütigt den wahren Gläubigen mehr, als wenn er Unreinheit in
seinem Innern entdeckt. Dazu dürfen wir nicht vergessen, dass Satan die
Gläubigen vor Gott verklagt, wenn Unreinheit an ihnen gefunden wird
(Sach 3). Ohne Flecken und Runzeln will der Herr die Seinen vor Gott
darstellen (Eph 5,27). Deshalb will der Gläubige lieber (wie ein
Josef) Unrecht leiden, als sich verunreinigen. Dazu wird unsere Reinheit
durch unsere lebendige Hoffnung gefördert, denn ein jeglicher, der diese
Hoffnung hat, reinigt sich, gleich wie Er selbst rein ist (
V. Was lieblich ist.
Die Liebe, und was anmutend wirkt, muss aus allem herausleuchten. Und wenn wir an das denken, was lieblich vor Gott und Menschen ist, so fehlt es auch nicht an der Einheit und Einigkeit; dann bedarf es für Evodia und Syntyche keiner Ermahnung mehr. Die Liebe ist mit göttlicher Vollmacht ausgerüstet und versöhnt getrennte Herzen (1Joh 4,7, 16). Es ist also nicht jene äußere Liebenswürdigkeit der Welt, die meistens nur Heuchelei ist und Maskerade machen will, sondern tiefe, vom Geiste Gottes gewirkte Lieblichkeit. Der liebenswürdigste aller Menschen hatte in Seiner höchsten Liebeserweisung keine Gestalt noch Schöne, aber Holdseligkeit ging zur Verwunderung vieler aus Seinem Munde. Ihn zierten Gnade und Wahrheit, Sanftmut und Demut. Den Mühseligen und Beladenen rief Er liebende und ermunternde Worte zu. Er weinte mit den Weinenden und trug die Lasten und Sorgen der Müden und Beladenen. Man kann kaum fünf Minuten mit dem geisterfüllten Gläubigen zusammen sein, ohne dass man merkt, welch Geistes Kind er ist.
VI. Was wohllautet.
Wie anstößig, grob und ordinär ist doch ab und zu die Sprache mancher Gläubigen! Das ist abstoßend. Etliche meinen sogar, eine feine Sprache sei hochmütig und sie bedienen sich nur der groben Fuhrmannsausdruck. Die Schrift aber sagt, „was wohllautet“, soll von uns gehört werden. Bei allem Freisein von Eitelkeit, soll uns unser Ansehen keineswegs gleichgültig sein (2Kor 6,8). Vieles ist nicht verboten, aber es klingt nicht wohl, es ist ungeziemend (1Thes 5,22; 1Pet 2,12). Die heilsame Gnade, die allen Menschen erschienen ist, möchte uns erziehen (Tit 2,12). Wie des Herrn Worte holdselig waren, so sollen die des Jüngers sein. Unsere Rede muss zu aller Zeit auch mit Salz gewürzt sein. Doch dabei reden wir nicht etwa, was den Menschen, sondern was Gott gefällt.
VII. Und zuletzt, damit nichts vergessen wird, nennt Paulus irgend ein Lob oder eine Tugend.
Sinnet und strebet dem nach, was ein berechtigtes Lob verdient. Wie der Mensch in seinem Herzen denkt, so redet er, so ist er. Schon Salomo sagt: "Vor allem, was du zu bewahren hast, bewahre dein Herz". In dem prächtigen Garten, in den der Apostel uns hier führt, darf keine Blume des Paradieses fehlen. Paulus zeigt uns also in zusammengefasster Form, was und wie wir denken sollen, und stellt ein wahres und gründliches Anstandsbuch für Gläubige zusammen. Wer sich nach diesen Regeln erziehen lässt und darin wandelt, der darf und kann sich in jeder Gesellschaft musterhaft und ungeheuchelt bewegen. Eine bessere Lehrstelle, als die beim Herrn, kann keiner finden. Jetzt wollen wir frisch ans Lernen gehen, damit wir wissen, wie wir uns dereinst vor unserm großen König zu benehmen haben.