Wieder-Auflebung (Phil 4,10 ff.)
Der Rest der Epistel ist hauptsächlich persönlichen Dingen gewidmet. Der Apostel dankt den Philippern für ihre Gabe und zeigt zugleich, wie er sie würdigt. Darüber sollten alle Diener Gottes nachdenken. Wir sehen hier zwei Seiten: die des Gebers und die des Empfängers. Wüsste Gottes Volk, dass Geben ein großes Vorrecht ist und zum Gottesdienst gehört, so ginge es noch heute wie beim Bau der Stiftshütte, dass mehr vorhanden wäre als nötig ist (2. Mose 36,5). Würden aber manche Diener Gottes mehr daran denken, dass der Herr allein genügt, so würde man das unwürdige Betteln jeder Art unterlassen und den Herrn durch kindliches Vertrauen ehren und Ihn dadurch erfahren. Sich Geldmittel durch Basare, Lotterien, Gesangfeste zu verschaffen, würde man der Welt überlassen. Leider müssen wir bekennen, dass wir uns weit entfernt haben vom biblischen Christentum. Man denke an Männer von der Art eines Georg Müller, die alle ihre Bedürfnisse im Glauben Gott darlegten und niemals enttäuscht wurden. Kehren wir zurück und vertrauen wir in allem allein dem Herrn und wir werden Wunder erleben und Gott dafür anbeten.
I. Ich habe mich im Herrn gefreut.
Die Freude am Herrn war des Apostels Stärke. Alle Segnungen und jede Freude, die Paulus erfuhr, schrieb er dem Herrn zu. Wohl schätzte er die liebende, opferbereite Gesinnung der Heiligen sehr, aber er wusste, dass der Herr sie dazu willig gemacht hatte. So nahm auch Paulus die Gabe der Philipper in erster Linie aus der Hand des Herrn, von dem er alles erwartete.
II. Wieder aufgelebt.
Die Philipper ließen dem Apostel öfters Gaben zukommen. Nach 2Kor 11,9 schickten sie eine Gabe nach Korinth und zweimal erhielt Paulus eine Gabe von ihnen in Thessalonich. Nun dienten sie ihm wiederum in der Gefangenschaft in Rom. So waren sie auch in diesem Stück Teilhaber am Evangelium. Gern hätten sie noch mehr getan, aber die Gelegenheiten, Geld zu senden, fehlten. Wie herrlich, wenn Gottes Volk willig seinem Herrn opfert. Paulus freute sich, dass die Philipper wieder auflebten, eigentlich heißt es, wieder grün und kräftig wurden wie ein Baum, der frisch ausschlägt. Der Ausdruck „endlich“ soll nicht etwa vorwurfsvoll klingen, sondern besagt nur, dass es jenen Gläubigen vorher nicht möglich gewesen war, des Apostels zu gedenken. Die Gabe kam gerade zur rechten Zeit; wie ja Gott stets zur rechten Zeit für Seine Kinder sorgt. Paulus hatte große Unkosten wie: Miete, Unterhalt, Besoldung der ihn bewachenden Soldaten usw., aber wer mit Gott rechnet, wird nicht zuschanden.
III. Die rechte Stellung.
Paulus stand als Diener Gottes in absoluter Abhängigkeit vom Herrn. Langten die Gaben nicht, so arbeitete er mit seinen eigenen Händen. Natürlich war es diesmal unmöglich, weil er ja im Gefängnis war. Die Schrift kennt eigentlich die Einrichtung fester Gehälter für Diener Gottes nicht, und das einzige Mal, da solches genannt wird, war es vom Übel (Ri 18). Der Diener Gottes soll in seinen Bedürfnissen allein vom Herrn abhängen; dabei soll er nichts von den Nationen nehmen, d. h. von den Unbekehrten (3Joh 8). Das Werk des Herrn zu unterstützen ist Vorrecht und Pflicht der Gläubigen, und wo sie es nicht gottgemäß tun, betrüben sie den Heiligen Geist. Der Diener Gottes aber blickt nicht auf die Mitgläubigen, sondern auf den Herrn selbst, der ihn gerufen und in Seinen Dienst gestellt hat. Wohl haben diejenigen, die das Evangelium verkündigen, das Recht, auch vom Evangelium zu leben (1Kor 9,14). Doch machte der Apostel hiervon meistens keinen Gebrauch. In diesem Stück war er allen Dienern Gottes ein Vorbild. Er mag an den Herrn gedacht haben, der zeitweise nicht hatte, da Er Sein Haupt hinlege, der reich war, aber arm wurde um unsertwillen. Wenn Paulus sagt: "Ich habe gelernt", so hatte er vom Herrn gelernt. Wie selbstsüchtig, niedrig, anstößig, ja, den Herrn verunehrend ist das Sich-arm-stellen von solchen, die Diener Gottes sein wollen, um dadurch die Mildtätigkeit anderer zu wecken. Sie haben das bestimmt nicht vom Herrn gelernt.
IV. Wie nannte Paulus die Gabe der Philipper?
Er hieß sie einen "lieblichen Geruch". Vielleicht hat er dabei an die Maria von Bethanien gedacht, deren Opfer noch heute einen köstlichen Duft verbreitet. Gott ist nicht ungerecht, dass Er vergäße, was wir Seinen Heiligen tun (Heb 6,10). Damit wollte Paulus sagen, dass er ihre Gabe vor den Herrn hingelegt, und dass der Herr sie wie einen lieblichen Wohlgeruch empfunden habe. Das erstemal, da wir in der Schrift von einem Wohlgeruch lesen, geschieht dies im Blick auf das Opfer Noahs. Er war soeben aus der Arche gekommen und aus tiefer Dankbarkeit heraus brachte er Gott ein Opfer dar. Der Herr roch den lieblichen Geruch und gab daraufhin eine reiche Verheißung. So war der Herr über der Philipper Gabe erquickt, und Paulus freute sich über diese Frucht. Er betrachtete die Gabe im Lichte des Tages Christi und freute sich sehr, dass sie es wie eine Gutschrift auf ihr Konto droben wiederfinden werden. Sie sollen ja überströmend dastehen an jenem Tage, dazu hatten sie hier einen Beitrag geliefert (Kap. 1, 9-11). Paulus weiß, dass auch diese Gabe an jenem Tage im Gedenkbuch Gottes wiedergefunden werden wird. Der Herr ermahnte die Seinen, sich Schätze im Himmel zu sammeln. Das hatten die Philipper befolgt. Und indem der Apostel jene Gabe als ein gottwohlgefälliges Opfer hinstellt, betrachtete er sie auch nicht als ihm gehörend, sondern als dem Herrn (Vers 18). Er betrachtete sich also nicht als Eigentümer, sondern als Verwalter. Übrigens, was dürfen wir in der Welt „unser“ nennen, gehört nicht alles dem Herrn?
Wenn wir das Geben im Lichte der Schrift betrachten, so gelüstet es uns sicherlich alle, auch in dem Stück treuer zu sein, um dereinst im Himmel Schätze wiederzufinden. Erinnern wir uns dabei noch an das Wort in Heb 13,13-15: Auch dort lesen wir, dass der Herr an materiellen Opfern Seiner Kinder Freude hat, und dass wir das, was wir einem Seiner Geringsten getan haben, Ihm getan haben (Mt 25,40). Sollte uns angesichts dieser Tatsachen das Opfern nicht wirklich Freude bereiten? Und wollen wir nicht mehr als bisher unserem Herrn geben (Apg 20,35)? Wie werden die Philipper gestaunt haben, als sie in dem Brief lasen, wie der Herr ihre Gabe beurteilte. Betrachten wir also auch das Geben im Lichte des Wortes und des Tages Christi.