Der Friede Gottes (Phil 4,7)
Der Friede Gottes, den Paulus hier nennt, ist die Belohnung derer, die die eben genannte Ermahnung im Glaubensgehorsam befolgen. Der Apostel hat zur Einheit, Freude und Sorglosigkeit ermahnt, sowie zum Beten und Danken aufgefordert. Und dann schließt er mit den Worten: "Und der Friede Gottes wird eure Herzen und Sinne bewahren". Unser Gott wird unter anderem auch der Gott des Friedens genannt. Der Psalmist sagt: „Großen Frieden haben die, so Sein Gesetz bewahren“ (Ps 119,165). Die Schrift redet von
I. Mancherlei Frieden.
1. Der Weltfriede. Wie beschäftigt er in dieser Zeit alle Gemüter, alles lechzt und sehnt sich nach Frieden. Er ist für die Menschheit ein köstliches Gut. Gottes Volk soll für die Obrigkeit beten, damit es ein ruhiges und stilles Leben führen kann (1Tim 2,1-2). Doch Krieg und Kriegsgeschrei wird es geben, bis Jesus, der Friedefürst, Sein Reich auf Erden aufrichten wird. Vorher aber wird noch die Zeit kommen, da die Menschen freudig sagen werden: „Friede, Friede, es hat keine Gefahr“ (1Thes 5,3). Das wird in jener Zeit sein, da der Reiter auf weißem Pferd in Off 6 seinen Scheinfrieden zustande gebracht haben wird. Dieser Friede aber wird nur von ganz kurzer Dauer sein, denn diesem trügerischen Reiter folgt bald derjenige auf dem roten Pferd, unter dessen Wirksamkeit der Friede von der Erde genommen werden wird.
2. Der faule Friede. Es gibt eine Art inneren Frieden, der aber genau so faul ist, wie jener Weltfriede, den wir eben erwähnten. Er gleicht dem Frieden der törichten Jungfrauen, bei denen nach außen hin alles fromm aussah. Bei andern sieht es auch sehr friedlich aus, aber ihr Gewissen ist total verhärtet und sie haben, wie Asaph sagt, keine Qualen beim Sterben (Ps 73). Ihr Erwachen aber wird umso furchtbarer sein.
3. Der Friede mit Gott. Die Schrift macht, glaube ich, einen Unterschied zwischen „Frieden mit Gott“ und „Friede Gottes". Der Friede mit Gott ist jenes köstliche Gnadengeschenk, das dem Menschen in dem Augenblick zuteil wird, da Er erkennt, dass der Herr seine Sünde getragen und die gerechte Strafe an seiner Stelle empfangen hat. „Er hat Frieden gemacht durch das Blut Seines Kreuzes.“ Diesen Frieden lässt der Herr durch Seine Diener verkündigen (Apg 10,36). Dieser Friede folgt vorangegangener Buße zu Gott und Glauben an Christum Jesum (Röm 5,1). Der schuldige Sünder glaubt von Herzen, dass ihn Jesus durch Sein Blut mit Gott versöhnt hat. Das hat dann zur Folge, dass sein Gewissen zur Ruhe gekommen ist und gereinigt wird von toten Werken. Menschen, die von Herzen glauben, dass der Herr Frieden gemacht hat, fürchten weder Tod noch Gericht. Sie wissen, dass sie bei Gott in Gnaden stehen, dass die Handschrift, die wider sie war, zerrissen und ausgetilgt ist. Dieser Friede ist ein köstliches Gut, eine Frucht des Heiligen Geistes und hat in der Regel große Freude und innige Liebe zu dem zur Folge, der ihn uns geschenkt hat.
4. Der Friede Gottes. Er ist der Friede, von dem Paulus in unserm Wort schreibt. Dieses, alles Denken übersteigende Gut, besitzt der Gläubige inmitten größter Unruhe und Friedlosigkeit der Welt. Er ist jenes völlige Ruhen in Gott, jenes kindliche Vertrauen in all Seine Wege und Führungen. Paulus, der das Wort schrieb, hat dies in allen Lagen so deutlich zum Ausdruck gebracht. So konnte er in völliger Zuversicht zu seinem Gott dankend im Gefängnis weilen und sich ein „Gefangener Christi Jesu“ nennen. Ähnliches sehen wir bei Petrus, der ruhig im Gefängnis schlief, obwohl er wusste, dass er am nächsten Morgen hingerichtet werden sollte (Apg 12). Das ist jener Friede, von dem der Herr sagt: „Meinen Frieden gebe ich euch“ (Joh 14,27). So sicher, wie der Friede mit Gott ist, der sich allein auf Jesu Opfer stützt, ebenso sicher ist auch der Friede Gottes. Wer ihn hat, wirft sich inmitten von Not und Gefahren in die liebenden Vaterarme Gottes und lässt Ihn handeln, wissend, dass Er es wohl macht.
5. Friede untereinander. Nebenbei sei schließlich noch dieser Friede gestreift. Paulus erflehte ihn ernstlich zwischen Evodia und Syntyche. Gläubige sollen dem Frieden nachjagen (Heb 12,14). Nie soll Unfriede anstehen, wir sollen nicht einmal die Sonne über dem Unfrieden untergehen lassen. Also nicht bis morgen warten, um Frieden zu machen.
II. Die köstliche Wirkung des Friedens.
Friede ist ein Gottesgeschenk, sei es, dass es sich um Landesfrieden handelt, oder dass der faule Friede aufgegeben wird und dafür der Friede mit Gott einkehrt, oder dass der Friede untereinander wieder hergestellt wird. Und gerade vom Frieden Gottes sagt ja der Apostel, dass er allen Verstand übersteigt. Gehasi konnte die Ruhe des Elisa nicht begreifen (als sie so ernste Gefahr bedrohte), weil er die Rettung Gottes nicht sah (2Kön 6,14 ff.). Der Friede Gottes ist nicht nur für die Welt, sondern sogar für viele Gläubige etwas Unverständliches und Unfassliches. Aber, das in der Vaterliebe ruhende Herz erfreut sich dieses so tiefgehenden Friedens in allen Lebenslagen. Der Herr hat uns diesbezüglich als Vorbild manchen Anschauungsunterricht hinterlassen. Wer vermag den tiefen Frieden, ausgedrückt durch den Lobgesang, vor dem schweren Gang nach Gethsemane zu ermessen; - dann die Ruhe vor Seinen Peinigern und vor Pilatus. Und in tiefem Frieden legte Er im Tode Seinen Geist in die Hände des Vaters.
III. Der Geber des Frieden.
Paulus schreibt in unserm Text, dass er „in Christo Jesu“ ist. Unser Gott wird der „Gott des Friedens“ genannt und Er bietet uns Seinen Frieden in Christo an. Der Herr Jesus ist beides: der Friedensstifter und Friedensbringer. „Friede sei mit euch“, das war seine große Osterbotschaft an die Jünger. Er hat den Frieden gemacht; denn die Strafe zu unserm Frieden lag auf Ihm (Jes 53,6).