Behandelter Abschnitt Phil 4,2-3
Die Einheit des Geistes mit Fleiß bewahren (
Einigkeit macht stark. Dieses alte Sprichwort ist in jeder Beziehung wahr, sei es in bezug auf das Gute oder auf das Böse. In Philippi war zwischen zwei Schwestern Unstimmigkeit entstanden. Ohne Zögern geht nun Paulus daran, den Zwischenfall zu beseitigen, indem er die Personen und ihre Tat mit Namen nennt. Paulus kennt also kein „Hinter-dem-Rücken“, vielmehr ein offenes, ehrliches Eingreifen. Die schriftliche Ermahnung in dieser Angelegenheit geschah im Hinblick darauf, die Schwestern bald persönlich belehren zu können. Der Apostel gedachte aber, wenn möglich, die Differenzen schon zum voraus durch diese schriftliche Ermahnung zu beseitigen. Lernen wir nun einiges aus diesem Vorfall.
I. Evodia und Syntyche.
Sie waren zwei Schwestern in der Gemeinde zu Philippi. Offenbar einflussreiche Personen. Sie müssen Dienerinnen gewesen sein, ähnlich wie Phöbe oder Pricilla. Aus der Tatsache, dass Paulus sie mit Namen nennt, geht hervor, dass sie in aktiver Gemeinschaft und wohlbekannt waren, zumal er sie mit Clemens und andern Mitarbeitern auf eine Stufe stellt.
Die zwei Schwestern waren des Apostels Mitkämpferinnen am Evangelium. Inwiefern sie das waren, wird uns nicht genauer gesagt. Sie mögen zu der Art einer Lydia gehört haben, die von Anfang an mithalf. Dankbar gedachte Paulus ihres Eifers und ihres Dienstes. Die Anfänge in Philippi waren gar schwer, lesen wir doch, dass es viel zu leiden gab, und das alles hatten die Schwestern mitertragen. Es ist nicht anzunehmen, dass sie öffentliche Versammlungen gehalten haben, weil dies im ganzen Widerspruch zur Schrift stünde, und auch zu dem, was Paulus sonst diesbezüglich lehrte. Die Schrift widerspricht sich nie, nur Menschen widersprechen ihr; auch Fromme tun das, wenn sie ihren Eigenwillen gern durchsetzen, und doch die Schrift als Deckmantel für ihr Handeln brauchen möchten. Am Evangelium mithelfen umfasst unendlich viel mehr als nur das Predigen.
II. Satans List.
Es war Satan gelungen, einen Keil zwischen diese beiden treuen und bewährten Arbeiterinnen im Werk des Herrn zu treiben. Was die Ursache war, wird nicht gesagt; hervorgehoben wird nur, dass sie Oberhand gewonnen, und da schwand auch die Gesinnung Christi. Meinungsverschiedenheiten waren da, - vielleicht Neid, der so störend und vernichtend wirkt, - weil etwa die eine begabter war als die andere oder höher geachtet, oder mehr gebraucht wurde? Man denke daran, dass es Satan gelang, selbst die gesegnete Miriam mit Neid gegen ihren Bruder Mose zu erfüllen, und obendrein noch den Aaron zu verführen. Was die entsetzlichen Folgen waren, sagt uns 4. Mose 12. Empfindlichkeit oder Beleidigtsein ist nicht selten die Ursache von Streitigkeiten. Es war stets Satans Taktik, Gläubige zu trennen, Parteien zu schaffen, Diener Gottes auseinander zubringen. Man denke an Paulus und Barnabas, dass sogar sie getrennt gingen (Apg 15). Die meisten Trennungen entstehen aus persönlichen Gründen, aus Selbstsucht, Eigendünkel, Rechthaberei, Unbeugsamkeit und Überhebung über andere. Aus einer kleinen Unebenheit versucht Satan schnell einen breiten Graben zu machen, und wird er nicht alsbald überbrückt, so entsteht großer Schaden.
III. Herzliches Verlangen.
Paulus wusste, wie sehr die Uneinigkeit der zwei Schwestern dem Werke schadete, und wandte alles an, um den Schaden zu beseitigen. Wenn Uneinigkeit zwischen führende Personen tritt, so lähmt dies die ganze Gemeinde. Bald merkt es auch die Welt, und es ist furchtbar, wenn sie Zeuge sein muss, dass die Gläubigen sich zanken. Paulus sagt: „Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?“ Es ist besser, Unrecht dulden, als Unrecht tun. Paulus rang aus der Ferne mit den Schwestern. Der Ausdruck „ermahne ich“, kommt zweimal vor, als wollte er jede Schwester einzeln und persönlich ermahnen (Apg 20,31). Paulus verlangte nicht, dass sie gleich denken sollten, sondern, dass sie einerlei gesinnt seien im Herrn. Trotz Verschiedenheiten der Erkenntnis kann die herzlichste Gemeinschaft sein. Hier aber hatte die Liebe gelitten, und wo sie erkaltet, da sind dem Feind Tür und Tor weit geöffnet. Paulus wollte diesen Streit beseitigt wissen. Und was tat er neben der persönlichen, schriftlichen Ermahnung? Er bat einen seiner Mithelfer um Beistand.
IV. Hilf ihnen zurecht.
Wer dieser Mitarbeiter war, wissen wir nicht. Vielleicht sollte Epaphroditus, der Überbringer dieses Briefes, den zwei Schwestern zurechthelfen, oder vielleicht war es sonst ein Ältester der Gemeinde in Philippi? Ein kostbares Gut sind treue Mitarbeiter, die, wie Timotheus, nicht das Ihrige suchen. Es ist meistens eine schwere Arbeit, zwei, die durch Uneinigkeit getrennt sind, wieder zusammenzubringen. Das erfordert viel Gnade, Takt, Weisheit und Demut. „Hilf ihnen zurecht“, wie klingt das lieblich! Diejenigen, die früher mit mir kämpften, kämpfen nun gegeneinander, ja, sind Überwundene; sie finden den Weg nicht, hilf ihnen, dass sie sich wiederfinden und der Schandfleck aus der Versammlung beseitigt werde, damit die Welt keinen Anstoß nehmen muss. Der Mitarbeiter wird sie daran erinnert haben, wie schön es einst war, als sie gemeinsam dienten, rangen und flehten. Der gemeinsame Gedanke an den Herrn und Sein Werk kann sie wieder zusammenbringen. „Hilf ihnen“, so bittet Paulus. Viele tun das Gegenteil in solchen Fällen. Sie lassen sich noch als Ohrenbläser von Satan brauchen und vergrößern den Schaden.
V. Wer kann zurecht helfen?
Das kann nur der Geistlichgesinnte (Gal 6,1). Die Wiederherstellung der Gefallenen und Abgeirrten war stets der Gedanke des Herrn. Wir lesen, dass Er selbst einen Petrus wiederherstellte. Wiederherstellung muss auch unser Sehnen sein.
Wer soll wiederhergestellt werden? Jeder, der von einem Fehltritt übereilt worden ist. Und so, wie es im Alltagsleben Fehltritte gibt, die einen Beinbruch mit Komplikationen zur Folge haben können, so gibt es auch Fehltritte im Glaubensleben. Wie schnell ist man zum Amputieren bereit, doch nicht vom Abschneiden, sondern vom Zurechthelfen redet Paulus.
Paulus zeigt zugleich, wer zu diesem Dienst befähigt ist. Nicht jedermann! Nur Menschen mit der Gesinnung Jesu Christi, die sich selbst streng in Zucht halten. Außerdem fügt Paulus hinzu, wie dieser Dienst geschehen soll. Im Geiste der Sanftmut und der Demut. Also nicht durch Schläge. Lesen wir den Vers sorgfältig: "Wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt überrascht würde, so bringt ihr, die Geistlichen, einen solchen wieder zurecht im Geiste der Sanftmut.