Wie sehr Paulus seine Brüder schätzt (
Am Schluss des 3. Kapitels ließ der Apostel die Philipper einen entschleierten Blick in das überaus große Vorhaben Gottes tun. Aus dem irdischen, hinfälligen, so vielen Wandlungen unterworfenen Leib soll, durch die Kraft der Auferstehung Jesu, ein lebendiger, dem Leibe Jesu gleichgestellter Herrlichkeitsleib erstehen! Gott ruht nicht! - Wenn Er sagt: „Ich kann , ich vermag, Ich unterwerfe“, wer will Ihn daran hindern? Ob der Mensch das glaubt oder nicht, wird Gottes Vorhaben nicht ändern. War der Mensch je Gottes Ratgeber? Gott vollendet das Werk. Er baut Welten um und unterwirft sie. - Er vergisst vor allem deine und meine baufällige Hütte nicht, und an ihr nimmt Er einen an Schönheit überwältigenden Herrlichkeits-Umbau vor, ja, ein Kunstwerk zu Seiner Ehre! Er unterwirft Sich alles, auch deine und meine uns oft so misslich scheinenden Verhältnisse, jeglichen Kummer und Schmerz. Und was wird das sein, wenn wir über kurz oder lang allem Irdischen enthoben im Herrlichkeitszustand zusammen mit Lydia, dem Kerkermeister, Paulus und Silas, Timotheus und Epaphroditus, Evodia und Synthyche, Clemens und den übrigen Gehilfen, und allen vom kaiserlichen Hofe, den Herrn als das geschlachtete Lamm anbeten und preisen werden! Wahrlich, Abscheiden ist Gewinn.
I. Daher.
Und nun, nachdem die Philipper einen Einblick in ihre Vorrechte hatten, sollte ihr Tun und Trachten, ja, ihr ganzes Wesen und Wandeln ihrer himmlischen Berufung entsprechen. Das geht aber auch die Gläubigen der Jetztzeit an. Auch wir haben unser Bürgerrecht droben, obgleich wir hienieden unsere Aufgabe noch zu erfüllen haben. Und täglich müssen wir verschiedenen Versuchungen, Anfechtungen und dem allem, wozu das Fleisch uns reizt, begegnen und widerstehen - also feststehen! An Gefahren von innen und außen fehlt es nicht - auch Irrlehrer schleichen fromm umher und suchen uns zu verführen und zur Unzufriedenheit und Uneinigkeit reif zu machen. Doch, bei alledem wollen wir die Ermahnungen der Schrift beherzigen, einig sein und einander lieben.
II. Meine geliebten und ersehnten Brüder.
Zu Beginn der Epistel hat Paulus die Gläubigen als „Heilige“ angeredet. Hier und auch später nennt er sie "Brüder". Paulus hat die Brüder stets geachtet und sie gemäß dem hohen Kaufpreis, den der Herr für sie bezahlt hat, eingeschätzt (Mt 20,28; 1Pet 1,18). Damit weist er auf die Zusammengehörigkeit der Gläubigen als Glieder einer Familie hin. Allzumal einer in Christo Jesu!
Paulus fügte die Worte „geliebte und ersehnte“ hinzu. Das waren keine bloßen Phrasen, sondern hinter diesen Worten sehen wir die herzliche, ungeheuchelte, innige Zuneigung zu allen Brüdern. Wo die wahre Bruderliebe fehlt, und zwar zu allen Heiligen, da ist der Heilige Geist sehr betrübt. Je inniger der Gläubige den Herrn liebt, um so herzlicher wird er auch den Bruder lieben. Bruderliebe ist ein Kennzeichen der Wiedergeburt (1Joh 3,14; 4,7). Paulus liebte die Brüder mit väterlicher Liebe (1Kor 4,15; Gal 4,19). Ja, wie Christus die Seinen, so sollen wir einander lieben (Joh 13,1, 34). Paulus nennt sie auch seine ersehnten Brüder. Wer die Brüder liebt, sehnt sich nach ihnen und ist auf ihr Wohl bedacht, ja, der sucht seine Brüder wie Josef sie suchte (1. Mose 37,14-16). Liebe ist die mächtigste Waffe im Dienste des Herrn; durch sie bringen wir Seelen zur untertänigen Übergabe an den Herrn Jesus Christus. Drohungen oder Gewalt bewirken nur das Gegenteil.
III. Meine Freude.
Des Apostels irdische Freude waren die Heiligen auf Erden; an ihnen hatte er, wie der Herr, seine Lust (Ps 16,3). Die für Christus gewonnenen Seelen waren der Lohn des Apostels. Er betrachtete sie wie ein reiches Geschenk, das er an jenem Tage dem Herrn zurückgeben wird. Das Verlangen des Apostels war, dass sie einst, wie eine reife Frucht, tadellos vor Gott stehen möchten. Der wahre Diener Gottes ist gleich einem Vater zahlreicher Kinder; er denkt an alle, schreibt ihnen, dient und hilft ihnen. Viele dienen wohl eine Zeitlang an einem Orte, gehen dann aber weiter und vergessen die zurückgelassenen Gläubigen gar bald! - Solche sind kaum Hirten nach dem Herzen Jesu. Paulus gibt uns das rechte Vorbild eines Dieners Gottes.
Was ist unsere Freude? Sind es die Heiligen, und zwar alle Heiligen? Ein wahrer Gottesknecht dient allen Heiligen, ohne Ausnahme, und liebt sie mit dem Herzen Jesu. Wie sehr klagte Paulus mit jenen Worten: „Sie suchen alle das Ihrige, nicht das, was Jesu Christi ist“ (Kap. 2, 21). Es gibt bedauerlicherweise sehr viele Parteidiener, aber wenig Gottesdiener.
IV. Meine Krone.
Paulus denkt hier wiederum wie in Kap. 1, 6, 10; 2, 16 an den Tag Christi. Er und einige andere Brüder durften die Philipper zum Herrn führen. Paulus sieht sie nun im Geiste schon am Tage Christi vor dem Herrn stehen, da sie seine Krone sein werden; denn die Seelengewinner werden zur Belohnung Kronen empfangen (1Thes 2,19). Schon ein Daniel wusste dies, und schaute offenbar danach aus (Dan 12,3). Die für Christus gewonnenen Seelen sind des Apostels Ruhmeskranz, jedoch nicht ein vergänglicher auf seinem Grabe, sondern jener unvergängliche, herrliche Kranz, der immer grünen wird. Nur wenige Gläubige strecken sich mit Ernst nach dieser Auszeichnung aus. Kein Dienst ist so mühsam,. wie der des Seelengewinnens, weil man dabei Satans Macht hart zu spüren bekommt. Wie furchtbar hat Paulus dies erfahren müssen. Schläge, Spott, Hohn, Entbehrungen und Gefängnis waren für ihn das Alltägliche. Er fühlte die Wut jenes Satansengels, der ihn mit Fäusten schlug. Dennoch ließ sich Paulus durch nichts abwendig machen. Er wollte die Krone des Ruhmes haben, er wollte, wie der Läufer in der Rennbahn, unter allen Umständen den Preis erlangen (1Kor 9,25; 3,14; Kol 3,24). Die Sieger und die Überwinder werden die gewonnenen Kronen einst auf die Stufen des Thrones des Lammes niederlegen und ausrufen: „Du bist würdig zu nehmen Ehre und Anbetung“ (Off 4,9 ff.). Leser, bist du auch ein Seelengewinner? Liebst du auch alle Brüder, wie Paulus sie geliebt hat
Stehet fest! (Phil 4,1)
Das ist ein sehr wichtiges und nötiges Wort, das uns alle, ohne Ausnahme angeht, und bei jedem die praktische Auswirkung von Kapitel 3 sein sollte. Satan ist ununterbrochen mit Versuchungen und Entmutigungen bereit, darum begegnen wie dieser Ermahnung immer wieder in der Schrift. Paulus wusste aus eigener Beobachtung, dass schon mancher durch Missachtung dieses Gebotes in Satans Schlingen geraten war. Sein Bangen um die Philipper, die er doch als reiche Siegestrophäe am Tage Christi darstellen möchte, war um so begreiflicher, da er mit innerer Wehmut an die Galater denken musste (Gal 3,1). Mit Freuden gedachte der Apostel dagegen der Philipper und ihres ununterbrochenen Interesses am Evangelium. Doch gerade diese Tatsache drängte ihn in vermehrtem Maße, sie zur Wachsamkeit zu ermuntern. Darum der Zuruf: „Stehet fest!“
I. Im Herrn.
Feststehen kann man nur auf einem sicheren Grund. Der feste Grund Gottes steht (2Tim 2,19). Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus (1Kor 3,11). Wer im Herrn fest steht, wird erstens nicht verführt (Kol 2,4), zweitens nicht weggeführt als Beute (Kol 2,8) und drittens nicht um den Kampfpreis gebracht (Kol 2,18). Nicht umsonst sagt der Apostel: "In dem Herrn" (Joh 8,31; Mt 10,22). Manche stehen nur fest in einer Gemeinde, oder so lange gewisse materielle Vorteile andauern. Im Herrn feststehen heißt in Ihm bleiben, und ist Grundbedingung für ein fruchtbares Zeugnis vor der Welt. In der Endzeit, in der wir leben, gibt es besonders viele Ablenkungen. Der Geist von Laodizäa darf uns aber nicht mitreißen, sondern alles hindurch stehen wir fest im Herrn.
II. Im Glauben.
Nachdem Paulus den Philippern das Evangelium verkündigt hatte, nahmen
sie es im Glauben an. Der Herr zog sie aus der Grube des Verderbens
heraus und stellte sie auf den Felsen, auf dem der Gläubige
unerschütterlich stehen kann, denn der Fels (Christus) wankt nicht.
Gläubige sollen nun in diesem angefangen Werk feststehen und sich durch
nichts erschüttern lassen. Sie sollen ständig den Schild des Glaubens
festhalten (Eph 6,16). Der Gegenstand unseres Glaubens ist der Herr
selbst. Und wer auf Ihn blickt, wird nicht zuschanden. Wir ahmen hierin
nicht David nach, der damit rechnete, er werde eines Tages in Sauls
Hände fallen. Die Folge war seine Niederlage (1Sam 27,1 ff.). Nein,
wir wollen feststehen i m Glauben wie Abraham, der nicht wankte (
III. In Anfechtungen.
Die Philipper waren in der Einigkeit untereinander angefochten und Paulus wies sie auf die Gesinnung Christi hin, die das große Mittel zum Siege ist. Die Schrift lehrt uns, dass der Herr selbst in allem versucht wurde wie wir, aber wir lernen auch von Ihm, dass es gilt zu siegen, indem wir sagen wie Er: "Es stehet geschrieben" (Mt 4), oder wie Josef: „Wie sollte ich ein so großes Übel tun“. Josef schaute auf seinen Gott und er hatte den Sieg. Im Herrn überwinden wir weit. Die haben überwunden durch des Lammes Blut (Off 12,11). Hart, ja, aussichtslos scheit oft der Kampf. Man denke an den Kampf des David mit Goliath. Der Feind aber, der uns entgegentritt, ist noch weit mächtiger; doch wir stehen fest und räumen das Feld trotz aller Gegenangriffe Satans nicht. Der Sieg und die Siegeskrone sind unser.
IV. In Trübsalen. „In Trübsalen harret aus“ sagt Paulus in 1Thes 3,3. Das beste Beispiel, in Trübsalen festzustehen, hatten die Philipper im Apostel selbst. Sein Leben glich oft einer ununterbrochenen Kette von Leiden und Not. Bei ihm aber gab es kein Erlahmen, kein Wanken, er stand fest wie ein Fels im Meer. Es gilt vor allem selbst dann festzustehen, wenn, wie bei Daniel, der Löwengraben sich öffnet. Im Neuen Testament gedenkt Jakobus der bestandenen Prüfungen eines Hiob (Jak 5,11). Der Gläubige soll in Trübsalen nicht nur ausharren, sondern sich sogar der Leiden rühmen (Röm 5,3; 2Kor 4,16; Heb 12,12). „Wir rühmen uns auch der Trübsale.“
V. Im Dienst. „Seid fest und unbeweglich und nehmet immer mehr zu im Werke des Herrn“, schreibt Paulus in 1Kor 15,58. Viele dienen leider gar nicht. Sie kümmern sich um keine Sonntagsschule, legen kein Zeugnis ab und sind wie stumme Hunde, die nicht bellen. Andere fangen an wie Markus, der Neffe des Barnabas, wenn aber Schwierigkeiten kommen, dann laufen sie draus (Apg 13,13; 15,38). Im Dienste gibt es Härten zu tragen und Undank zu buchen. Da bleiben oft die gewünschten Erfolge aus, und schon möchte Satan uns entmutigen. Nein, "stehet fest" heißt die besondere Parole im Dienste des Herrn. Mächtige, wie ein Elias, sind unterlegen, aber sie standen wieder auf. Mutig wie ein Kaleb, wollen wir auf unserem Posten stehen (4. Mose 14,24) und handeln bis dass Er kommt.
VI. In der Lehre.
Kinder Gottes dürfen nicht hin und her bewegt werden von allerlei
Wind der Lehre (Eph 4,14). Sie sollen vielmehr wie jene ersten
Gläubigen, beständig in der Lehre der Apostel bleiben (
VII. In der Hoffnung.
Die Hoffnung festhalten bis ans Ende (Heb 6,11). Den Herrn zu erwarten ist das beste Mittel, von allem Irdischen gelöst zu werden (1Joh 2,28). Ein jeglicher, der diese Hoffnung hat, der reinigt sich (1Joh 3,3). Diese Hoffnung war außerordentlich lebendig in den jungbekehrten Thessalonichern. Und wie reich die Frucht war, die aus dieser Hoffnung erwuchs, bestätigt der Apostel in seinen Briefen an sie.
VIII. In guten Werken.
(Gal 6,9). Im Gutestun soll der Gläubige nicht ermüden, also feststehen, trotz allerlei Enttäuschungen, durch die ihn Satan lahm legen möchte. Wir wollen daran denken, dass, was immer wir tun, wir es in erster Linie dem Herrn und nicht Menschen tun. Der Tag kommt, da der Herr sagen wird: „Ihr habt es mir getan“ (Mt 25,40). Maria wurde von den Jüngern für ihr gutes Werk hart getadelt, aber der Herr sprach ihr das höchste Lob aus: „Sie hat getan, was sie tun konnte“, und wiederum: „Sie hat es mir getan“. (Mt 26,10). Das gute Werk der Maria war so groß, dass ihr der Herr ein bleibendes Denkmal gesetzt hat: „Wo irgend dieses Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen Welt, wird auch davon gepredigt werden, was diese getan hat“ (Mt 26,6 ff.).