Behandelter Abschnitt Phil 3,17; 4,9
Das Beispiel (Phil 3,17; 4,9)
Ein Sprichwort lautet: „Das Beispiel erzieht Kinder“. Nichts beeinflusst das Leben mehr als das Beispiel. Was nützt alle Belehrung an Kindern, wenn das entsprechende Beispiel der Eltern oder der Lehrer fehlt. Und was nützt alles Predigen, wenn der Prediger das Wort nicht selbst auslebt! „Sei ein Vorbild“ rief Paulus dem Timotheus zu (1Tim 4,12). Paulus durfte sich selbst zum Beispiel geben und andern zurufen: „Seid meine Nachahmer“ (1Kor 11,1). Er hat auch die Philipper ermuntert seine Nachahmer zu sein und in Kap. 4, 9 sagt er: „Was ihr gelernt, empfangen, gehört und an mir gesehen habt, dieses tut“. Aber auch andre Schriftstellen reden vom nachahmenswerten Beispiel des Apostels (1Thes 1,6; 2,10-14; 2Thes 3,7-9; Heb 13,7; 1Pet 5,3). Der Diener Gottes, der seinen Zuhörern kein Vorbild ist, mag noch so schön reden, aber er wird nichts anderes als ein tönendes Erz sein.
I. Das erste Beispiel.
Das erste Vorbild, das die Schrift anführt, finden wir in
Was hatten sie denn vom Apostel gehört und an ihm gesehen:
I. Das Evangelium.
Paulus hatte ihnen mit einigen andern Dienern das Evangelium gebracht. Und die Philipper hatten es nicht nur gehört, sie hatten es auch angenommen; sie waren also nicht allein Hörer des Wortes, sondern auch Täter desselben. Das Schönste und Beste was wir Mitmenschen bringen können, ist das Evangelium. Paulus hatte es ihnen unter vielen Mühen und Beschwerden kundgetan. Wahrlich, das war kein bloßes Berufspredigen, sondern die Liebe Christi trieb ihn zu den Verlorenen.
II. Seine Liebe zu allen Heiligen.
Die Liebe ist eine kostbare Gabe; sie ist aus Gott. Gott ist Liebe. Alles hört auf, auch Sprachen und Erkenntnis, aber die Liebe bleibt. Wie groß des Apostels Liebe zu allen Heiligen war, zeigt dieser Brief. Unterstreichen wir das Wörtlein alle. Paulus liebte nicht allein die Philipper, die ihm treu ergeben waren, sondern auch die unter ihnen, die das Wort aus Neid verkündigten, um ihm Schmerzen zu bereiten (Kap. 1, 15-20). Paulus liebte selbst die Feinde, das beweisen seine Tränen über sie (Kap. 3, 18; Lk 19,41). O, dass auch wir solche Liebe zu allen Heiligen hätten, und vom Herrn und dem Apostel lernten.
III. Seine Gebete.
Paulus war ein Beter. In diesem Stück war er seinem Herrn sehr ähnlich. So betete er allezeit für die geliebten Philipper (Kap. 1, 4). Wie viel Paulus sonst betete, das bezeugen alle seine Briefe. Das sahen auch die Philipper, als er unter ihnen weilte, und sie wussten nun, wo Paulus die Kraft für seinen Dienst holte. Sie hatten also im Apostel ein seltenes Beispiel davon, wie man beten soll. Wer nicht betet, ist kraftlos. Kennen uns die Mitgläubigen auch als vorbildlicher Beter, wie die Philipper den Apostel in dieser Beziehung kannten?
IV. Seine Selbstlosigkeit.
Paulus hätte, wie viele andere Menschen, ein behagliches Dasein führen können. Denken wir nur daran, dass er ein Pharisäer, ein Mann von Ansehen war. Aber seine Bekehrung und die damit verbundene Berufung in den Dienst des Herrn änderten alles. Auf das, was ihm Gewinn war, verzichtete er. Den Philipperbrief schrieb Paulus aus dem Gefängnis. Not und Trübsal waren sein täglicher Gast und sein gegenwärtiges Los. Ständige Leiden, ja sogar der Märtyrertod waren seine weitere Aussicht. Dazu vermehrten Mitgläubige seine Leiden (Kap. 1, 7). Pauli Selbstlosigkeit zeigte sich auch in der Beurteilung der empfangenen Gabe, die er zwar nicht suchte, weil er beides konnte: satt sein und Hunger leiden. Selbst in der Wahl, abzuscheiden um bei Christo zu sein oder zu bleiben, tritt seine Selbstlosigkeit hervor. Obwohl das Abscheiden für ihn viel besser gewesen wäre, so wollte er, um den Gläubigen zu dienen, lieber noch unter ihnen weilen.
V. Seine Bereitschaft als Märtyrer zu sterben
(Kap. 2, 17). Wie ist doch diese Bereitschaft eine Belehrung für alle diejenigen, die aus Furcht vor den Menschen, Christus nicht bekennen dürfen. Paulus sehnte sich sogar danach, dem Tode Christi gleichgestaltet zu werden. Wenn uns die Zukunft Verfolgung und Tod bringen sollte, werden wir dann auch noch bereit sein, den Namen des Herrn zu bekennen? Der Apostel war nicht nur bereit, gebunden zu werden, sondern auch, für den Namen des Herrn Jesu zu sterben (Apg 21,13).
VI. Seine Demut.
Paulus war sehr bescheiden in jeder Hinsicht. All seine großen Vorzüge hatte er um Jesu willen für Dreck geachtet (Kap. 3, 4-6). Der große Apostel ist ein einfacher Bruder unter Brüdern. Wie ähnlich war er in der Demut dem Herrn Jesus! Sicher hat er die Einladung des Meisters oft befolgt: "Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig" (Mt 11,29). Gläubige sollen nicht nach hohen Dingen trachten, sondern sich zu den Niedrigen halten.
VII. Seine Freude.
Paulus war ein sehr freudiger Christ. Das hatte er selbst inmitten größter Schmerzen bewiesen (Apg 16,23-25). Wir sahen bereits, dass dieser Brief die Epistel der Freude genannt wird. Ein fröhlicher Christ ist ein lebendiges Zeugnis und spornt andere an, den Herrn zu suchen, und Ihm zu folgen.
VIII. Seine Dankbarkeit.
Der Brief ist eigentlich ein Dankesschreiben des Apostels für eine empfangene Gabe. Er nahm sie aus der Philipper und vor allem aus Gottes Hand, und dankte beiden. Lob und Dank für alles sagen, verherrlicht den Herrn. Das hat auch David reichlich getan.
IX. Seinen Glauben. „Mein Gott aber wird alle eure Notdurft erfüllen“ (Kap. 4, 19). Groß war des Apostels Glauben. Er war kein Prediger der Theorie, sondern des lebendigen Glaubens, und er vertraute in allen Lagen jenem Herrn, der ihn in Seinen Dienst gerufen hatte. Paulus bettelte nie; sein Herr war ihm Garantie genug. Man kann sich nicht denken, dass Paulus etwa in einer öffentlichen Gebetsstunde seine Bedürfnisse Gott vor den Ohren anderer Mensch unterbreitete, damit ihnen etwas in den Sinn kommen solle. Er erwartete nichts von den Mitmenschen. Auch darin war er den Philippern ein Beispiel und durfte ihnen zurufen: „Seid meine Nachahmer“.