Behandelter Abschnitt Phil 3,18-19
Die Feinde des Kreuzes Christi (Phil 3,18.19)
Feinde des Kreuzes! Das ist ein harter Ausspruch. Es kann kaum etwas Schlimmeres geben, als ein Feind des Kreuzes Christi und damit Gottes zu sein. Solche Menschen sind nichts weniger als Rebellen der reichen Gnade Gottes, geoffenbart in Christo Jesu. Die Größe ihrer Sünde geht aus dem schrecklichen Ende hervor, das sie einst nehmen werden. Die, die Paulus hier meint, sind Menschen, die auf beiden Seiten hinken, die Gott und die Welt lieben wollen. Welt und Sünde lieben, heißt die Lanze küssen, die den Herrn am Kreuze durchstach. Damit sich niemand selbst täusche und am Ende gar zu diesen Feinden gezählt werde, betrachten wir sie etwas näher.
I. Was ist die Feindschaft des Kreuzes, die Paulus nennt?
Fragen wir uns erst, was sie nicht ist? Paulus versteht darunter
keineswegs jenen Holzbalken, an den der Herr genagelt wurde. Er denkt
nicht an jene Kreuze von Gold, Silber, Holz oder Stein. Diese
Menschenwerke hätte Paulus kaum beachtet, sondern eher nach
Unter der Feindschaft des Kreuzes versteht die Schrift mehr eine
gewisse Geringschätzung der wunderbaren Tatsache und Lehre der Sühnung
und ein nebensächliches Behandeln des kostbaren Blutes Christi. Am Kreuz
ist Gottes Liebe aufs höchste geoffenbart worden (1Joh 4,9.10).
Auch diejenigen Prediger, die gleich den Pharisäern mit großen Listen
prangen wollen, und nicht die Wiedergeburt als einzige Bedingung zur
Seligkeit lehren, gehören zu diesen Feinden des Kreuzes (
II. Einige Charakterzüge der Feinde des Kreuzes.
Paulus führt hier eine derbe Sprache und nennt drei Kennzeichen.
1. Deren der Bauch ihr Gott ist. Ihre Gesinnung steht also im krassen Gegensatz zum Kreuz, das das Ende des Ichlebens ist und der Ausdruck allen Drangebens und aller Enthaltsamkeit. Diese Leute leben also nur sich selbst und nicht dem, der für sie lebte und starb. Essen und trinken - also tierische Interessen allein kennzeichnen sie; etwa wie Nabal (1Sam 25,10.11). Das Kreuz Christi dagegen nimmt dem Menschen diese Gesinnung, heiligt und reinigt ihn vielmehr. Sie sind Feinde des Kreuzes, weil sie dem Fleisch huldigen (Röm 8,5-8), ganz entgegen dem äußeren christlichen Bekenntnis, das sie tragen.
2. Deren Ehre in ihrer Schande ist. Der Schande, die sie längst abgelegt haben sollten, rühmen sie sich. Der wahre Christ denkt mit Tränen an die einstige Schande (Tit 3,3-5). Auch Paulus war einst ein Feind des Kreuzes, ein Lästerer, der nach dem Gesetz den Tod verdient hätte (1Tim 1,13; 3. Mose 24,16). Sich schändlicher Dinge rühmen, ist teuflisch. Ihr böser Einfluss beeinträchtigt die wahren Freunde des Kreuzes, gibt Ursache zu berechtigter Kritik und hindert Gottes Sache. Ein falscher Bekenner schadet mehr als zehn offene Feinde.
3. Die irdisch gesinnt sind. Ihre Gesinnung steht im völligen Gegensatz zur Gesinnung Christi (Phil 2,5; 2Kor 8,9). Geldliebende verhöhnen den Herrn (Lk 16,14). Das, worin wir aufgehen, ist unser Gott (Eph 5,5; Kol 3,5). Das Geld, die Welt und ihre Gesinnung stehen in Feindschaft zu Gott (Jak 4,4). Das wahre Christentum ist dazu bestimmt, andere zum Guten und zur Umkehr zu reizen.
Dieses ihr Treiben ist bei ihnen „Zustand“ und nicht eine vorübergehende Erscheinung; denn Paulus sagt, dass sie darin wandeln. Es ist nicht ein unvorsichtiges Entgleisen, sondern ein Verharren in der Sünde. Das Schlimme dabei ist ihr christliches Bekenntnis, das sie im Munde führen (Mt 7,21-23). Des Sonntags rühmt man anscheinend das Kreuz, wenn man an Gottesdiensten oder gar am Mahl des Herrn teilnimmt, und während der Woche dient man der Sünde. Solches Treiben nennt die Schrift Feindschaft des Kreuzes.
III. Das Ende der Feinde des Kreuzes. „Ihr Ende ist das Verderben“ (Mt 25,41; Lk 12,45.46;
IV. Des Apostels Herzensstellung zu diesen Feinden. „Nun aber sage ich es mit Weinen.“ Paulus weinte über sie. Paulus, der ehedem selbst ein Feind war, aber vom Herrn auf das Ende seines Weges aufmerksam gemacht wurde mit den Worten: „Es wird dir schwer werden, gegen den Stachel auszuschlagen“ (Apg 9,5), machte andere auf ihre Wege aufmerksam. Wir können unmöglich Mitmenschen in heftigen Schmerzen sehen, ohne mitzuempfinden. Auch können wir nicht Blinde der Grube zueilen sehen, ohne schuldlos an ihrem Tode zu sein (Hes 33,7). Ein schlafender Wachposten kann der Stadt Verderben sein. Paulus war ein treuer Seelenhirte, der die Menschen warnte, und dies nicht nur einmal, sondern oft. Er hatte diesbezüglich große Ähnlichkeit mit seinem Herrn (Lk 19,41). Weinen auch wir über die Mitmenschen, wenn sie nicht selbst über ihre Sünde weinen?