Achtung! (Phil 3,2)
Achtung! lesen wir auf Warnungstafeln. Zu unserm Schriftwort würde folgende Warnung: "Achtung! Böse Hunde!" treffend passen. Der Apostel warnt die Herde Gottes in Philippi vor den judaistischen Irrlehrern, als vor bösen Hunden. Auch Wölfe werden sie manchmal genannt (Mt 7,15; Joh 10,12, Apg 20,29). Wir sehen, dass durch die zerstörende Tätigkeit dieser bösen Arbeiter mancher bittere Tropfen auf die lautere Freude fiel, die der Apostel an den Philippern hatte. Der große Seelsorger baute vor. Die judaistischen Irrlehrer waren überall tätig und versuchten in alle Gemeinden einzudringen. Zu gern hätten sie auch die schöne Philipper Gemeinde durch Gesetz und Beschneidung zerstört und ihr die Freude genommen, die sie kennzeichnete. Wo das Gesetz einkehrt und zur Grundlage wird, da muss die Freude schwinden. So spricht Paulus eine dreifache Warnung aus: „Sehet auf die Hunde, sehet auf die bösen Arbeiter, sehet auf die Zerschneidung“. Paulus braucht hier scharfe Worte gegenüber den Irrlehrern. Hunde nennt er sie wegen ihrer niedrigen Gesinnung, böse Arbeiter wegen ihrer zerstörenden Tätigkeit und Zerschneidung wegen ihrer falschen, gesetzlichen Einstellung. Beachten wir diese Warnungen kurz.
I. Sehet auf die Hunde.
Die pharisäischen Juden nannten die Nationen „Hunde“. Einmal bediente
sich selbst der Herr dieses Ausdruckes dem kananäischen Weib gegenüber
(Mt 15,26). Paulus weist nun diesen Schimpfnamen auf die zurück, die
sich seiner bedienten, und zeigt somit von vornherein, wohin sie
gehören, nämlich „hinaus“. Hunde gehören hinaus und werden in Ewigkeit
„draußen“ sein (Off 22,15). Paulus bezeichnet diese Lehrer als Feinde
des Kreuzes, die, wie Hunde, nur für ihren Bauch da sind. Sie sind böse
Menschen, die durch Heuchelei und schöne, süße Worte sich bei den
Gläubigen einschmeicheln, um sie an sich zu reißen und sie dann
auszusaugen. Erreichen sie nichts auf diesem Wege, so beißen und bellen
sie und zeigen ihre wahre Natur. Ein praktisches Beispiel dafür sehen
wir in der Geschichte Esras, als seine Gegner erst mit höflichen Worten
kamen, indem sie vorgaben, mithelfen zu wollen den Tempel aufzubauen und
Gott zu dienen. Als aber Esra nein sagte, wurden diese
angeblichen Mitarbeiter bald schlimme Feinde und suchten zu zerstören,
was Esra und seine Brüder aufbauten. In 2Sam 16 nannte Abisai den
Simei einen Hund, weil er schändlich gegen David bellte. So trachteten
unlautere Männer auch in Philippi danach, in die Gemeinde einzudringen,
um die Gläubigen zu dem zurückzuführen, was sie einst verlassen
hatten. Der Hund frisst ja bekanntlich sein eigenes Gespei (
Paulus sagt: „Sehet zu“. Wie wenige beachten es aber. Viele Gläubige in unsern Tagen sagen einfältig, wenn sie Vorträge der Bibelforscher, der Neuapostolischen, der Christlichen Wissenschaft, der Adventisten usw. besuchen, es stehet geschrieben: „Prüfet alles und das Beste behaltet“. Sie vergessen aber, dass man Giftiges gar nicht mehr prüfen muss. Wir essen doch auch nicht giftige Pilze oder Beeren und prüfen erst nach eingetretener Vergiftungserscheinung, ob sie giftig und schädlich waren. In jedem Fall wäre die Untersuchung reichlich spät genug. Hier gilt nur eins: „Gehorchet euren Lehrern“. Paulus will sagen: gehet diesen Hunden nicht nach; sie werden euch gewisslich beißen. Diejenigen, die da meinen, überall kosten zu müssen, leiden bestimmt Schaden. Zu keiner Zeit war es so nötig, Gläubigen zuzurufen „acht zu haben“ als gegenwärtig. Und je näher wir dem Ende entgegengehen, umsomehr gilt dies, weil der ärgste Betrug für die letzten Tage geweissagt wird (2Tim 3,1 ff.; 2Pet 2. 1 ff.). Der falsche Prophet wird dann durch Zeichen und Wunder viele betrügen und sie dem Tiere (Antichrist) zuführen (Off 13).
II. Sehet auf die bösen Arbeiter.
Diener Gottes werden Arbeiter und Mitarbeiter Gottes genannt. Daneben gibt es böse Arbeiter, die im Dienste des Bösen stehen, die Unkraut unter den Weizen säen. Paulus musste viel über sie klagen. Sie arbeiten meistens recht fleißig, was zu unserer Beschämung dienen sollte. Sie machen unermüdlich Besuche, um Anhänger zu gewinnen. Man denke nebenbei an die Tätigkeit gewisser Sekten, die fast täglich zu zweien in die Häuser eindringen, böse Arbeit leisten, und große Opfer an Zeit, Geld und Literatur bringen. Ihren Fleiß müssen wir in jedem Fall nachahmen und anerkennen; doch gräulich ist ihr Werk! Man denke nur an jene Lehrer in Antiochien (Apg 15). Für solche Arbeiter hat die Schrift nur ein Urteil, nämlich: „Wehe euch“ (Mt 23).
III. Sehet auf die Zerschneidung.
Das ist ein verächtlicher Ausdruck, den Paulus hier braucht. Jene Irrlehrer nannten sich die Beschneidung, was aber nicht zutreffend war, sie waren das Gegenteil und so nannte sie der Apostel die Zerschneidung, d. h. sie verwüsteten und richteten Trennungen an. Die Beschneidung war das sichtbare Zeichen, durch das sich Israel als Nation von andern Völkern unterschied; sie war von Gott schon einem Abraham gegeben (1. Mose 17, Röm 4,11). Sie sollte das äußere Zeichen eines inneren Vorgangs sein, nämlich das der Herzensbeschneidung. Den „Zerschneidern“ aber, von denen Paulus schrieb, gilt der Ausspruch Moses und des Propheten wie er in 5. Mose 10,16 und Jer 9,26 aufgezeichnet ist. Ohne die Herzensbeschneidung nützte Israel die äußere Zeremonie genau so wenig, wie heute die Taufe ohne das Gestorbensein mit Christo den Menschen etwas nützt. Schmerzlich litt Paulus unter diesen Formalisten (Gal 1,8; 5. 12).
Pp 3,3
Behandelter Abschnitt Phil 3,3-4
Wir dienen, rühmen und vertrauen (Phil 3,3, 4)
Wir sahen bereits, dass die wahre Beschneidung nicht nur eine rein äußere Handlung und ein sichtbares Erkennungszeichen war, sondern dass auch ein innerer Vorgang mit ihr verbunden sein musste. Wo dieser fehlte, da war auch die äußere Form wertlos. Die wahre Beschneidung liegt im Ablegen des sündlichen Fleisches und in der Erkenntnis, dass unser alter Mensch mit Christo gestorben ist. Alle, die aus religiösen Formen und Zeremonien mehr machen, als aus der Wiedergeburt, verfallen dem Urteil in Vers 2. So rühmte sich Israel der Beschneidung, des Gesetzes, des Tempels und anderem mehr, aber ihre Herzen waren dennoch entfernt vom inneren Wert dieser Anordnungen und Vorrechte. Was Paulus im Kreuze Christi erkannt hatte, überbot alles, was das Judentum zu bieten vermochte.
Paulus spricht in Kol 2,11 von zwei verschiedenen Beschneidungen:
a) Die Beschneidung mit Händen gemacht, die nur äußerlich am Leibe vollzogen wurde und weder einen Einfluss auf die Gesinnung noch auf den Wandel des Menschen hatte.
b) Die Beschneidung des Christus, die ein rein innerlicher Vorgang ist und eine ganz neue Gesinnung gibt. Diese neue Gesinnung durchdringt das ganze Denken des Menschen und ist das geistliche Lebensgesetz in Christo Jesu (Röm 8,2), das dem Wandel Richtung und Gestalt gibt. So rücken nun mit einem Mal die zwei großen biblischen Gesichtspunkte „Fleisch und Geist“ vor unsere Augen, nach welchen die neue Gesinnung alle Dinge beurteilt. Die Beschneidung des Christus ist darum auch die einzige Voraussetzung eines geistlichen Gottesdienstes, weil sie alles Vertrauen aufs Fleisch und jeden Ruhm des Fleisches vor Gott ablehnt und sich allein Christi Jesu, Seines Todes, Seiner Auferstehung und in der Hoffnung auch Seiner Herrlichkeit rühmt (Röm 5,25, Kap. 5, 2).
I. Wir sind die Beschneidung.
Nicht jene sind die Beschneidung, die sie nur nach dem Fleische sind, sondern wir, die wir das Kreuz anerkannt haben, das allein das Ende alles Fleisches ist. Wir, die, wie einst Josua, die scharfen Messer an uns selbst gelegt und die Schande Ägyptens wirklich abgelegt haben (Josua 5), und dadurch in Christo Jesu sind (Kol 3,11). Wir sind die Beschneidung, die wir im Gegensatz zu jenen, nichts Gutes mehr in uns sehen, und keine Gerechtigkeit aus uns kennen, sondern aus Gott geboren und neue Kreaturen geworden sind. Nicht sie, die nur das rein äußerliche Siegel tragen, sondern wir, die wir mit dem Heiligen Geist versiegelt worden sind, sind das wahre Israel Gottes. Paulus, der einst die Frage stellte, „welchen Vorteil der Jude vor andern hat“, beantwortete sie mit Röm 9,4, 5. Aber unendlich viel größere Vorteile haben die, die alles in dem gefunden haben, der des Gesetzes Erfüllung ist, Jesus Christus, und der allein die wahre Beschneidung ist. Sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt, die unverhüllt Seine Herrlichkeit schauen dürfen (Joh 1,14-18); sie sind die Besitzer weit größerer Verheißungen als jene es waren, die Abraham gegeben wurden (Röm 4,11-13; Gal 3,7-9). Dazu ist unser Erbe ein weitaus herrlicheres als das jener, die sich der Beschneidung rühmen, die mit Händen gemacht wird; denn wir sind Miterben Christi. Wir beneiden also keineswegs die Juden, die nach dem Fleische mit Christus verwandt sind, während Sein Kreuz ein Ärgernis für sie war. Auf die Behauptung, dass wir die Beschneidung sind, folgen drei Beweise. Sie heißen: „Wir dienen oder beten an, wir rühmen und wir vertrauen“.
II. Wir dienen oder beten an.
Paulus will damit sagen, wir, die wir den Heiligen Geist empfangen haben und in diesem Geiste dienen und anbeten, im Gegensatz zu jenen, die in bloßen Formen sich selbst zum Ruhm dienen, sind die wahren Anbeter. Ein äußerlich beschnittener Jude, der aber nicht abgesondert für Gott lebt, ist kein Jude. Genau dasselbe gilt von einem Namen-Christen; da ist nur Form ohne wahre Gottseligkeit, nur ein Bekenntnis ohne wahre Gemeinschaft mit Gott. Der wahre Gottesdienst ist ganz anderer Art; da ist der Gläubige selbst ein Tempel, in welchem der Geist Gottes wohnt. Seiner göttlichen Berufung nach ist er ein Priester Gottes, um darzubringen geistliche Schlachtopfer. Sein ganzes Leben ist ein Lobgesang seinem Gott. „Heilig dem Herrn“ steht über seinem Leben, ob tätig in Hausgeschäften oder im Beruf. Alles was er tut, in Wort oder Werk, ist dem Herrn getan. Das ist wahrer Gottesdienst. Unser Dasein ist ein abgesondertes Leben, das einem heiligen Meister geweiht ist. Wir beten Ihn im Glauben, in Ehrfurcht, in Demut und mit ganzer Ergebenheit an, und das nicht etwa nur zu vorgeschriebenen Zeiten, sondern allezeit. Der Herr sagte zur Samariterin, dass die wahrhaftigen Anbeter Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten (Joh 4). Solcher Gottesdienst ehrt den Vater.
III. Und wir rühmen uns Christi Jesu.
Jene rühmten sich ihrer Herkunft, Paulus aber bekannte, dass das Kreuz Christi all sein Ruhm sei (Gal 6,14). Wir rühmen uns Christi Jesu, weil wir durch Ihn Gotteskinder geworden sind, Vergebung der Sünden erlangt haben und Frieden mit Gott besitzen. Wir rühmen uns Christi Jesu, weil wir durch Ihn reich geworden sind, und durch die Erkenntnis Christi täglich neue Herrlichkeiten an Ihm entdecken. Jene Juden rühmten sich ihrer Äußerlichkeiten und des sichtbaren Bundeszeichens, wir aber rühmen uns nicht des Symbols, sondern des Herrn, der die Erfüllung aller Vorbilder ist. Über uns selbst aber ist nichts zu rühmen außer Christo Jesu, durch den wir alles haben und angenehm gemacht worden sind vor Gott.
IV. Und nicht auf Fleisch vertrauen.
Überzeugt sagen wir mit dem Apostel: „Ich weiß, wem ich mich anvertraut habe“ (2Tim 1,12). Sein Wort, Sein Werk und Seine Person sind es, worauf wir uns verlassen. Wir misstrauen uns selbst, weil uns die Erfahrung lehrt, dass das Fleisch nach Jahren der Nachfolge Christi genau so verderbt und unverbesserlich ist, wie es am Anfang war. Das ist die Herzensgesinnung, die der Herr liebt. Das ist auch der wahre Gottesdienst, das wahre Rühmen und Vertrauen.