Behandelter Abschnitt Phil 2,5-8
Jesu Selbsterniedrigung und Gehorsam (
Wenn die Philipper den Apostel weit höher achteten als sich selbst, warum denn nicht auch die andern Mitgläubigen? Damit sie dieses schöne Ziel erreichen möchten, stellte ihnen Paulus die Gesinnung Christi als Beispiel vor Augen. Nichts ist der Eigenliebe und Selbstsucht mehr im Wege, als das Vorbild Christi (Röm 15,3; 2Kor 8,9). Wenn wir wissen wollen, wie wir denken, reden und handeln sollen, so brauchen wir nur den Herrn zu betrachten. In Ihm sehen wir die tiefste Demut und die höchste Liebe vereinigt. Paulus zeigt nun in immer tiefer führenderen Abwärtsstufen die Gesinnung unseres Herrn, in die wir uns alle täglich vertiefen sollten.
I. Da Er in Gestalt Gottes war.
Der Herr Jesus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, alles ist
durch Ihn und für Ihn geschaffen (Röm 9,5; 1Kor 6; Kol 1;
II. Er entäußerte sich selbst.
Der Herr Jesus ist Gott von Ewigkeit her. Paulus hebt aber nicht nur den ersten freiwilligen Entschluss der Entäußerung, den Jesus aus Liebe zum Vater traf, hervor, sondern auch den zweiten, nämlich Seine tiefe Demut, als Er Mensch auf Erden war. Er verbarg die Fülle der Herrlichkeit Gottes in sich, ähnlich wie Moses sein Angesicht verhüllte, als er vom Berge herabstieg. Es kann jemand gedemütigt werden, ohne demütig zu sein. Man denke an Pharao, der von Gott gedemütigt wurde. Der Herr jedoch entäußerte sich selbst (Ps 8,6; Heb 2,7). Bei allem blieb der Herr mit Seiner Gottheit erfüllt, aber Er benahm sich wie entleert, entäußert. Und wie Er sich widersetzte, als Satan Ihn herausforderte, ist uns allen bekannt (Mt 4). Nur einmal offenbarte Er auf dem „heiligen Berg“ Seine Herrlichkeit (Mt 17).
III. Er nahm Knechtsgestalt an.
Jesu einstige Herrlichkeit und Seine Fleischwerdung sind Gegensätze
größer als Tag und Nacht. Er nahm Knechtsgestalt, das heißt
Sklavengestalt, an, indem Er Mensch wurde. Es stehen sich hier Gott und
Mensch einander gegenüber. Gott, der alleinige Machthaber (
IV. An Gebärden wie ein Mensch erfunden.
Genau so wie Er Gott war, war Er auch Mensch. Er war in allem den
Brüdern gleich, aber ohne Sünde. In Seinem Fleisch und Blut waren keine
sündlichen Neigungen, trotzdem Er des Fleisches und Blutes des Menschen
teilhaftig wurde, so will das bedeuten, dass Er unter dieselben
Lebensgesetze gekommen war. Eine menschliche Mutter gebar, nährte und
pflegte Ihn. Er wurde hungrig und durstig, aß und trank. Desgleichen
wurde Er auch müde, darum ruhte und schlief Er auch. Kommt aber die
sündliche Seite des menschlichen Daseins in Frage, so hatte Er damit
nichts zu tun. Als Mensch war Er in all Seinem Tun und Lassen
vollkommen. Auch war Er sicher ein Bild vollkommener Schönheit (
V. Er erniedrigte sich selbst.
In Seinen Leiden ging der Herr tiefere Wege als alle andern. In der Stunde tiefster Erniedrigung am Kreuze hatte Er keine Gestalt noch Schöne (Ps 22,6; Jes 53,3), so dass ein Pilatus sagen musste: „Sehet, welch ein Mensch!“ Der Herr erniedrigte sich selbst, indem Er gehorsam ward, nicht den Menschen, sondern Gott. Und das gerade machte Ihn als Mensch so groß in den Augen Gottes, dass Er Ihn hoch erhöht hat. Der Herr legte alle Rechte und Vorrechte beiseite und ging den Weg völliger Unterwerfung unter Gottes Willen, wie das schon Adam hätte tun sollen, aber versagte. Ja, Jesus war für kurze Zeit sogar niedriger als die Engel (Heb 2,7). Hier dürfen wir auch sagen: „Ziehe deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, worauf du stehst, ist heiliger Boden“ (2. Mose 3,5). Wie beschämend ist doch diese Selbsterniedrigung für uns kleine Menschen, die immer etwas sein wollen und doch nur ein Hauch sind.
VI. Er ward gehorsam bis zum Tode.
Das Gesetz war im Innern Seines Herzens (Ps 40). Der Herr erfüllte das ganze Gesetz und die Propheten. Er gehorchte jederzeit und tat, was dem Vater wohlgefiel. Nichts auf Erden konnte Ihn vom Gehorsam gegen Gott abbringen. Er machte Sein Angesicht hart wie einen Kieselstein (Jes 50,7). Täglich erhielt Er Belehrung von Seinem Vater (Jes 50). Er ward gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz (Heb 5,8). Und gerade im Kreuzestode liegt der äußerste Gehorsam und die tiefste Erniedrigung (Apg 8,33; Ps 90,3).
VII. Ja, bis zum Tode am Kreuz.
Beim Herrn sehen wir geradezu das ganze Gegenstück von Adam. Adam war ungehorsam und führte den Tod ein, der Herr aber war gehorsam und brachte das Leben. Der Herr erduldete den Tod, den Verbrecher erlitten, den Tod am Kreuz. Willig ließ Er sich von jenen ans Kreuz schlagen, die Er zu retten gekommen war. Er musste nicht sterben, sondern gab sich freiwillig dahin. Ungehindert hätte Er vom Berge Tabor aus mit Moses und Elias in den Himmel fahren können; Er ging jedoch ans Kreuz.
Der Tod am Kreuz war der schmachvollste. Der Herr starb wie ein Übeltäter den Tod eines Verfluchten, eines Gehängten (Gal 3,13). Er achtete der Schande nicht (Heb 12,2). Der Kreuzestod war die tiefste Erniedrigung (5. Mose 21,22,23).
Paulus sagt: „Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christo Jesu
war“. Da wir Christi Geist empfangen haben, sollen wir auch Seine
Gesinnung tragen. Der Apostel hatte diesen Sinn (1Kor 2,16).
„Betrachtet Jesus“, sagt der Schreiber in Heb 3 und im Betrachten
Seiner Person, im Aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des
Glaubens, werden auch wir verwandelt in dasselbe Bild. Diese Gesinnung
macht, dass wir einer den andern höher achten als uns selbst (