Behandelter Abschnitt Phil 1,3-5
Ein dankbarer Hirte (Phil 1,3-5)
Nach der inhaltsreichen Anrede und dem liebevollen Segensspruch "Gnade und Friede", den der Apostel soeben ausgesprochen hat, fährt er mit Danken fort.
I. Ein dankbarer Hirte. "Ich danke meinem Gott allezeit." Es ist doch etwas Großes um das Danken, und derselbe Apostel schreibt: "Danksaget für alles". Dankbarkeit ist das Gegenstück von Unzufriedenheit, von Murren. Paulus dankte! Dieses Danken war des treuen und einfältigen Glaubenslebens der Philipper wegen, die so ganz zu Gott und Seinem Evangelium gestanden, deren Liebe, Eifer und Aufrichtigkeit den Apostel reichlich erquickten. Paulus wusste, dass der Herr das Wollen und das Vollbringen gewirkt hatte und so dankte er auch Gott dafür. Nicht alle Gläubigen sind gleich leicht zu lieben. Manchmal müssen Führer seufzen. Fragen wir uns, kann der Hirte, der Diener Gottes, unter dessen Wort wir sitzen, auch unsertwegen den Herrn preisen, oder muss er seufzen?(Heb 13,17.)
II. Wie Paulus dankte. "Bei all meiner Erinnerung." Wenn immer Paulus an die Philipper dachte, musste er danken. Bei ihnen war nichts, was seinen Dankesstrom hemmte. Er dachte an das herrliche Werk der Gnade an ihnen und lobpries Seinen Herrn dafür, ferner gedachte Paulus ihres geistlichen Brautstandes (Jer 2,2), der so unverändert geblieben war. Hier war eine herzliche Beziehung zwischen Hirte und Herde. Bedauerlicherweise hat man vielerorts wenig Verständnis für die Diener der Gemeinde. Wo aber das verständnisvolle Entgegenkommen fehlt, mangeln notgedrungenerweise auch die Mitarbeit und der Segen. Paulus betete und dankte viel. Wo wenig gebetet wird, fehlt das Leben; denn das Beten ist das Atmen der Seele, wer aber nicht atmet ist tot. Das inbrünstige Gebet vermag viel (Jak 5,16). Das sehen wir bei Männern von der Art eines Abraham (1. Mose 18), Elias(1Kön 18,36-38), Hiob (Kap. 42, 8) und vielen anderen.
III. Paulus dankte mit Freuden. Er ging im Geiste zurück zu jenem ersten Tage, als er mit seinen Mitarbeitern den Frauen am Fluss das Wort verkündigte. Er sah, wie sich eine Lydia gleich einer zarten Blume erschloss und einen duftenden Wohlgeruch verbreitete. Nicht aller Gemeinden konnte Paulus mit Freuden gedenken. Den Galatern musste er sagen: "Ihr törichten Galater", und von den Korinthern schreibt er "Ich danke Gott, dass ich niemanden von euch getauft habe". Das war ein schmerzliches Gedenken. Aber der Philipper wegen darf Paulus stets mit Freimütigkeit zum Gnadenthron kommen. Das Danken für die Philipper fing wohl schon dort im Gefängnis zu Philippi an, als er mit Silas den Herrn lobte und wofür ihm Gott als Antwort die Familie des Kerkermeisters schenkte.
IV. Wofür der Apostel dankte. Gewiss dafür, dass der Herr die Philipper errettet und sie ihm geschenkt hatte. Besonders aber dankte Paulus für ihre Teilnahme am Evangelium. Paulus war zum Dienst am Evangelium berufen und für jede Mithilfe, die ihm wurde, war er sehr dankbar. Ging der Apostel da- oder dorthin, das Evangelium zu verkünden, so halfen ihm die Philipper. Für das Evangelium schlugen ihre Herzen, beteten ihre Seelen, zeugten ihre Lippen, arbeiteten ihr Hände, und mit ihren Gaben unterstützten sie das Werk.
1. Der Dienst am Evangelium fing früh an. Paulus sagt: „Vom ersten Tage an“. Dabei will er wohl sagen, dass die Lydia ihn und seine Mitarbeiter aufnahm und beherbergte. Wie herrlich, wenn junge Gläubige sofort anfangen dem Herrn zu dienen. Das sind die echten und besten Glieder der Gemeinde, die nicht nur in einem Register, sondern im Arbeitsdienst stehen, die sich an der Sonntagsschule, im Traktatdienst, im Einladen und an Gebetsstunden beteiligen. Nicht bei allen ist das von Anfang an so. Viele verlieren Jahre und köstliche Gelegenheiten, und weil sie erst so spät beginnen, gehen sie des Lohnes an jenem Tage verlustig. In Philippi ging es ähnlich zu wie in Apg 2,42-47. Da waren auch alle dabei, keiner stand zurück, alle liebten, alle dienten, alle beteten, andere predigten das Wort. Philippi hat große Ähnlichkeit mit Philadelphia (Off 3).
2. Der Dienst der Philipper war ein ständiger. Vom ersten Tage an bis jetzt. Manche fangen schön an, hören aber bald wieder auf. Paulus musste den Galatern sagen: "Ihr ließet sein", d.h. dass sie es nun nicht mehr taten. Viele sind müde geworden (Heb 12,12). Andere liegen in einem geistlichen Spital krank danieder, anstatt wacker unter der Kreuzesfahne zu kämpfen. Aber ganz anders war es bei den Philippern. Da gab es keinen Unterbruch. Sie halfen dem Apostel nicht nur während er bei ihnen war, sondern auch noch nach zwölf Jahren, fern von ihnen. (Kap. 4, 15, 16). Sie widerstanden jeder Versuchung, die sie hindern wollte, lässig zu werden Sie ahmten das gute Beispiel des Apostels nach.
3. Das Danken des Apostels war sehr zart. Es war mit seinem innersten Empfinden verbunden. Er sagt: "Ich danke meinem Gott". Wenn Paulus mit seinem Gott allein war, so war es, als nähme er die Philipper mit. Er konnte nicht beten, ohne zugleich ihrer zu gedenken.
V. Ein hoffnungsvoller Ausblick. Der Rückblick war voll Dankbarkeit
und Anbetung zu Gott. Ebenso eindrucksvoll war der Ausblick. Paulus
wusste, dass das Werk der Philipper nicht das seinige, sondern Gottes
Werk war. Gott hatte es angefangen; denn Er hat sie versöhnt (