Behandelter Abschnitt 1Pet 3,8-12
Eine weitere Überlegung besteht in einer noch höheren Bitte: „die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, damit eure Gebete nicht verhindert werden.“ Obwohl der Ehestand im Wesentlichen irdisch ist, sind die hier Angesprochenen doch die Erlösten Gottes, seine Kinder. „Wenn aber Kinder, so auch Erben – Erben Gottes und Miterben Christi“ (Röm 8,17). Ehemann und Ehefrau, die Christen sind, werden als in einer Beziehung aus Gnade stehend angesprochen, die niemals vergehen wird. Wenn Christus, unser Leben, offenbart wird, dann werden sie die gegenwärtige Belastung durch Not und Leiden, für die wir Gott danken, für das übergroße Gewicht der Herrlichkeit eintauschen, in die Christus als unser Vorläufer eingegangen ist, während wir auf Ihn warten. O liebe Brüder, erkennt eure Glückseligkeit und haltet die schwerste Prüfung für eine leichte und vorübergehende Bedrängnis. Schaut nicht auf das, was man sieht, sondern auf das, was man nicht sieht; denn das, was man sieht, ist zeitlich, aber das, was man nicht sieht, ist ewig.
Eine allgemeinere Ermahnung schließt sich an:
Endlich aber seid alle gleich gesinnt, mitleidig, voll brüderlicher Liebe, barmherzig, demütig, und vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt. „Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der halte seine Zunge vom Bösen zurück und seine Lippen, dass sie nicht Trug reden; er wende sich aber ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach; denn die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Flehen; das Angesicht des Herrn aber ist gegen die, die Böses tun“ (3,8–12).
Es ist Christus allein, der diese Wünsche in denen, die Ihm angehören, möglich macht. Aber weniger als das konnte den Apostel auch in der Gegenwart von Schwachheit und Widersprüchlichkeit nicht zufriedenstellen. Sie waren aus Sünde, Verderben und Elend zum Segen berufen und sollten daher Zeugen und Vermittler der Gnade in einer Welt und einem Geschlecht sein, die unter den Fluch gefallen waren. Sie waren schon wiedergezeugt nach der großen Barmherzigkeit des Gottes und Vaters unseres Herrn Jesus Christus durch seine Auferstehung von den Toten zu einer lebendigen Hoffnung, zu einem unverweslichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel für sie aufbewahrt ist; und sie waren gesegnet mit anderen Vorrechten der Liebe und Heiligkeit und Würde in höchstem Maß, wie wir gesehen haben, nach der Fülle Christi. Denn der, der seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern Ihn für uns alle hingegeben hat, wie sollte Er uns mit Ihm nicht auch alles schenken?
Es ist also klar, dass unsere Pflichten aus unseren Beziehungen erwachsen, die uns durch die souveräne Gnade in Christus verliehen wurden, entsprechend der Herrlichkeit seiner Person und der Wirksamkeit seines Erlösungswerkes. Sie sind daher nicht nur über jeden Preis erhaben, sondern auch unveränderlich; und sie sind der Grund für unsere neuen Pflichten. Christus hat durch seinen Tod unsere alten Verantwortlichkeiten, in denen wir verloren waren, erfüllt und abgeschlossen; und durch seine Auferstehung hat Er uns, die wir glauben, in einen völlig neuen Zustand der Errettung der Seelen und des Segens versetzt, während wir hier auf der Erde sind und auf die Vollendung seiner Gnade auch für unseren Leib und in der himmlischen Herrlichkeit warten. Wir können daher ohne Verstellung und im Geist Gott segnen und sind eine heilige Priesterschaft, um Gott durch Jesus Christus geistliche Opfer darzubringen, die Ihm wohlgefällig sind. Denn Er lebt allezeit, um für die Seinen Fürsprache einzulegen. Wer kann uns scheiden von der Liebe Christi? Er, der unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat, die wir verloren und tot waren in der Bosheit, lebt auch, um die Frucht unseres Lebens, unser Lob, Gott wohlgefällig zu machen. Was, das durch den Geist aus unseren Herzen und Lippen kommt, kann einen so hohen und bedeutenden Platz einnehmen wie unsere Anbetung Gottes und des Lammes? Zweifellos wirkt die Liebe hier und dort durch denselben Geist; aber wir können, wenn wir recht empfinden, nicht umhin zuzugeben, dass Gott den ersten und nächsten Anspruch hat.
Und wenn das so ist, wird dann nicht sein Wirken umso mächtiger und reiner sein, wenn wir unsere Beziehungen zueinander bedenken, ganz zu schweigen von dem Anspruch der barmherzigen Liebe gegenüber einer vergehenden Welt? Der Apostel fordert alle, die glauben, auf, „gleichgesinnt“ zu sein. Rivalität, Selbstsucht und die Vorliebe, sich zu unterscheiden oder gar zu behindern, ist nicht von Christus, sondern vom ersten und gefallenen Adam. Wenn das Auge des Glaubens auf allen ruht, auf Ihm selbst und denen, die Er liebt, gibt es keine Schwierigkeiten. Natürlich sehen wir die Fehler der anderen und übersehen unsere eigenen; aber das ist der alte Mensch; es ist das Gegenteil von Christus, der unser neues Leben ist und zu dessen Leben wir berufen sind. Glieder eines anderen, Glieder Christi, wie unwürdig daher, nicht „gleichgesinnt“ zu sein? Wenn die Natur rechthaberisch ist, was bezweckt und bewirkt dann der eine innewohnende Geist? Wenn wir im Geist leben, dann lasst uns auch im Geist wandeln, nicht eitel-herrlich, aufreizend oder neidisch.
Da wir uns in einem solch elenden Zustand befinden wie die Welt und einen noch nicht erlösten Leib haben, in dem wir seufzen, werden wir aufgefordert, auch „mitleidig“ zu sein. Gewiss dürfen und sollen wir uns mit denen freuen, die sich freuen; aber noch viel häufiger wird von uns verlangt, dass wir das Leid, das es gibt, teilen, und zwar besonders um der Gerechtigkeit oder um Christi willen. Es ist unser gemeinsamer Anteil als Christen, mit Ihm zu leiden, auch wenn wir nicht die Erfahrung machen, für Ihn zu leiden. In jedem Fall ist die Anteilnahme an diesen heiligen Schmerzen liebevoll und stärkend. „Voll brüderlicher Liebe“ ist eine klare Aufforderung, da sie zur selben Familie Gottes gehören. Müssen wir sie nicht über unsere Zuneigung zu unseren natürlichen Verwandten hinaus persönlich lieben, da das Band tiefer, göttlicher Natur und ewig ist? Sicherlich ist der Feind bestrebt, ständig Streit und Missverständnisse und jedes andere Mittel zur Verhinderung zu bewirken; aber die Pflicht ist so unbestreitbar wie die Beziehung. Wie sie auszuüben ist, hängt von jedem einzelnen Fall ab, wofür wir das Wort und den Geist Gottes brauchen. Denn wie Johannes deutlich zeigt, ist es kein bloßer menschlicher Impuls und darf weder der Wahrheit Gottes noch dem Gehorsam Abbruch tun.
Daran schließt sich passend das Wort „barmherzig“ an. Es ist in Gottes Augen nichts wert, wenn wir nur in Wort und Zunge lieben, nicht aber in Tat und Wahrheit. Wir sollen von Ihm lernen, der nie nur durch Kraft gelindert hat, sondern dessen Geist mit den Gebrechen und Krankheiten, die Er beseitigte, mitfühlte und sie vor Gott trug.
Auch ist die demütige Gesinnung nicht das Geringste, wenn auch das Letzte dieser Eigenschaften, die der Apostel zu üben suchte. Und wo können wir ihre Vollkommenheit finden als in demselben Herrn und Heiland? Man kann sich die Tage seines Fleisches nicht in Erinnerung rufen, ohne die lebhafte und demütigende Erinnerung an den traurigen Gegensatz sogar bei den geehrten Zwölfen, die so oft und bis zuletzt darüber stritten, wer von ihnen der Größte sei. „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29), sagte Er, und es war immer wahr. Der Ehrgeiz des Menschen war Ihm gänzlich fremd. „Ihr aber nicht so; sondern der Größte unter euch sei wie der Jüngste, und der Führende wie der Dienende“ (Lk 22,26).
Wiederum fordert der Apostel die Gläubigen auf, nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort zu vergelten, sondern im Gegenteil zu segnen, „weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt“ (V. 9). So deutlich ist der Gegensatz zwischen den Christen und Israel, als sie sich den Segen durch das Halten des Gesetzes verdienen wollten, wie der Apostel Paulus den Gläubigen in Galatien vor Augen führte, die denselben traurigen Fehler gemacht hatten. „Denn so viele aus Gesetzeswerken sind, sind unter dem Fluch“ (Gal 3,10): nicht alle, die das Gesetz gebrochen haben, sondern alle, die diesem Prinzip verhaftet sind.
Allein aus Gnade sind wir Christen gerettet oder können wir gerettet werden, und zwar durch den Glauben, nicht aus Werken. Sind wir, die wir zum Erbe der Herrlichkeit berufen sind, nicht auch Zeugen des Segens? Wir wissen, dass einer unserer eigenen Dichter das ausdrückt, was fast alle so ungläubig wie er selbst empfanden: „Der Mensch ist nie, aber immer, um gesegnet zu werden.“ Das Christentum ist der ständige Beweis, dass sie die Wahrheit nicht kannten. Bei A. Pope war es umso weniger wunderbar, als er sich nie aus dem Aberglauben und der toten Form erhob, um das Evangelium der Gnade Gottes auch nur zu begreifen.
Aber die Gnade gibt dem Christen die Möglichkeit, die moralische Regierung, die Gott mit seinen Kindern führt, zu verstehen und zu verwirklichen. Der Apostel zitiert in den Versen 10–12 dazu Psalm 34, obwohl Israel auf einen anderen Tag warten muss, an dem sich sein Herz dem zuwendet, den es in seinem Unglauben verworfen hat. Böses und Arglist verderben das Leben der Gläubigen ganz und gar. Wer seinen Herrn entehrt wie die Korinther, wird von Ihm gezüchtigt, und das kann in Form von Krankheit und Tod geschehen. Es sind auch nicht nur Worte, vor denen gewarnt wird. Er ermahnt sie, sich vom Bösen abzuwenden und das Gute zu tun, den Frieden in der Praxis zu suchen, und zwar ernstlich, denn die Augen des Herrn sind auf die Gerechten gerichtet und seine Ohren auf ihr Flehen, während sein Angesicht gegen die Übeltäter gerichtet ist. Die Gesinnung des Gläubigen ist so wahrhaftig, Gott zu gefallen, wie es die fleischliche Gesinnung nicht ist noch sein kann. Der Gläubige steht in lebendiger Beziehung zu Christus, die Pflicht folgt, und der Heilige Geist wirkt in Kraft zu seiner Ehre.