Behandelter Abschnitt Phil 2,19-24
Timotheus (Phil 2,19-24)
Nach einigen allgemeinen Ermahnungen nennt Paulus zwei Mitarbeiter, Timotheus und Epaphroditus, die wir getrennt voneinander betrachten wollen. Wir beginnen mit Timotheus. Timotheus hatte schon auf der ersten Reise den Apostel nach Philippi begleitet. Seither hatte Timotheus die Philipper besucht. Paulus, der mit inniger Herzenszuneigung an den Philippern hing, aber seiner Gefangenschaft wegen sie nicht besuchen konnte, versprach ihnen, seinen treuesten Freund und bewährten Mitarbeiter, Timotheus, nach Philippi zu senden.
I. Drei hervorragende Männer.
Ehe wir Timotheus im besonderen betrachten, wollen wir einen Blick
auf die drei Männer - Paulus, Timotheus und Epaphroditus - werfen. In
ihnen sehen wir so recht die Verse 5-8 verwirklicht. Alle drei Männer
suchten nicht das Ihrige, sondern das, was Christo Jesu ist. Am tiefsten
war zweifellos Paulus in die Gesinnung Christi eingedrungen (
II. Der Grund der Reise des Timotheus nach Philippi.
Für Paulus war Timotheus geradezu unabkömmlich, aber Pauli Liebe zu den Philippern war so groß, dass er ihnen seinen treuesten Mitarbeiter sandte. Die Reise war weit und beschwerlich in jenen Tagen, aber Timotheus als gehorsamer, untergebener Mitarbeiter dachte nicht an seine körperliche Schwäche, sondern die Liebe Christi trieb ihn, nach Philippi zu gehen. Timotheus wird durch seine Reisebereitschaft manch einen gesunden Mann beschämt haben. Er ging, trotz seines häufigen Unwohlseins (1Tim 5,23). Gibt es in unsern Tagen nicht viele angebliche Diener Gottes, die meinen, ihre körperlichen Kräfte übermäßig schonen zu müssen, oder sie ziehen die Bequemlichkeit eines netten Heimes und die Güter dieser Welt den Beschwerden eines gottgeweihten Dienstes vor. Sie haben es nicht wie Paulus, der alles für Kot achtete, und deshalb sind sie nicht geschickt zum Reiche Gottes. Paulus sagt: „Sie suchen das Ihrige“. Aber was ist es, das wir unser nennen könnten? Wir werden uns nicht der irdischen Dinge rühmen am Tage Christi.
Timotheus sollte den Philippern gute Nachrichten über Paulus und über die Aussichten auf seine Freilassung aus dem Gefängnis bringen; auch sollte er ihnen an Stelle des Apostels geistliche Nahrung darreichen. Wie treu hatte Paulus die einzelnen Gemeinden besucht und ihnen gedient! Da er aber der Gefangenschaft wegen diesen Dienst nicht mehr tun konnte, schickte er andere Brüder, die Gläubigen zu ermuntern und ihnen ihre himmlische Berufung stets neu vor Augen zu stellen. Timotheus sollte auch, wenn es bis dann noch nicht geschehen war, die Streitigkeiten in Kap. 4, 2 ordnen helfen. Schließlich sollte er dem Apostel Bericht über die Philipper bringen. Paulus wollte Näheres über ihr geistliches Wachstum erfahren und dadurch selbst ermuntert werden.
III. Liebliche Züge.
Was nun Paulus über Timotheus schreibt, klingt fast schmeichelhaft. Timotheus ist der Mann mit der Gesinnung Christi. Woher stammte dieser schöne Charakter? Er liebte die Schriften, Gottes Wort, das Wunder im Menschen bewirkt (2Tim 3,15-17).
Da war keiner so gleichgesinnt mit dem Apostel wie er. Keiner hatte die Gedanken und Ratschlüsse Gottes so tief erfasst, wie Timotheus. Dabei war er ein demütiger, schlichter Bruder. Große Lehrgaben führen leider bei den einen oft zur eigenen Bewunderung, bei anderen werden sie gar zum schnöden Gelderwerb benützt, oder um die große Masse an sich zu reißen. Timotheus jedoch war darauf bedacht, die Herde Christi zu weiden (1. Mose 31,40; 33,13).
IV. Seine Besorgnis.
Timotheus lag das Wohl der Gläubigen in gleicher Weise auf dem Herzen wie Paulus. Das ist aber nur dann möglich, wenn der Diener frei ist von Selbstsucht, sonst sucht er das Seinige. Die Philipper hatten übrigens den sichtbaren praktischen Beweis der selbstlosen Hingabe des Timotheus; denn er hatte viel in Philippi gedient. Als treuer Reisebegleiter des Apostels hatte er sich überall bewährt (1Kor 4,17). Timotheus war nur um die andern besorgt. Selbstsucht macht den Menschen untauglich, Gott zu dienen (1Kor 1,12; 3,1-3; 5,2; 6,5).
V. Ein persönlicher Wunsch.
Paulus drückt die Hoffnung aus, selbst bald nach Philippi zu kommen. Wie werden sich die Philipper beim Lesen dieses Satzes gefreut haben! Ob sie aber diese Freude erlebten, wissen wir nicht. In jedem Fall aber genießen sie sie auf Grund von Kap. 3, 20 schon lange, weil der Gläubigen Bürgertum im Himmel ist, und sowohl Paulus wie auch die Philipper dort längst eingegangen sind. Sie sind nun in unzertrennlicher Gemeinschaft mit dem Herrn und untereinander. Die Gemeinschaft der Heiligen droben, ist geradezu unvorstellbar schön.