Lichter in der Welt (Phil 2,15)
Wir streiften bereits die wichtige Wahrheit, dass die Gläubigen
„Lichter in der Welt“ sind. Da die Aussagen des Herrn und noch andere
Bibelworte diese Seite unserer Tätigkeit hervorheben (Mt 5,14;
I. Unser einstiger Zustand.
Wir waren weiland Finsternis. Und so glichen wir nutzlos herumstehenden Lampen ohne Licht. Das erste, was von der Erde gesagt wird, ist, ihren Bewohnern. Dunkel bedeckte die Erde und Finsternis die Völker. Wir sind in die Finsternis hineingeboren, von ihr umgeben und verfinstert am Verstande.
II. Es werde Licht.
So lautete das erste gebieterische Schöpferwort, vor dem sich die Finsternis beugen und weichen musste. Aber auch ebenso hat Gott bei der Neuschöpfung (der Wiedergeburt des Menschen) ein Licht in sein Herz leuchten lassen (2Kor 4,6). Erleuchtung ist also der erste Akt Gottes im Glaubensleben. Jesus kam, damit Er alle erleuchte (Joh 1,9). Als der Herr geboren wurde, erhellte Licht die dunkle Nacht von Bethlehem. Das ist ein symbolisches Zeichen dessen, was Er ist und brachte. Beachten wir folgendes:
1. Das Licht muss angezündet werden. Die Pharisäer glichen wohl schönen, aber dennoch unangezündeten Leuchtern, und darum waren sie nutzlos, ja, noch mehr, sie waren eine Gefahr. So wenig wie eine Kerze sich von selbst entzündet, ebenso wenig werden wir Licht aus uns selbst hervorbringen können. Wir müssen von Gott angezündet werden.
2. Licht scheidet die Finsternis. Licht wirkt verschieden - richtend, strafend, aber auch erleuchtend, erwärmend und erquickend. Wir werden also Licht genannt und haben nichts mehr zu tun mit den Finsterniswerken (Eph 5,11). Die Korinther mussten daran erinnert werden, dass Licht nichts mehr mit der Finsternis gemein hat (2Kor 6,14).
3. Licht muss auch unterhalten werden. Der goldene Leuchter im Heiligtum musste täglich zugerichtet werden. So muss auch das Innenleben täglich neu reguliert werden. Die Lampe, das Herz, und die Beziehungen zu Christus, müssen täglich gepflegt werden. Lampen müssen gereinigt, neu gefüllt, und ihr Docht muss geebnet werden, wenn sie hell leuchten sollen.
III. Unser Leuchtort.
Die Welt ist unser Leuchtort (Phil 2,14-16). Wir tragen dieses Licht überall hin, in die Herzen, in die Häuser, in die Heidenwelt. Gott stellte oft an die dunkelsten Orte die hellsten Lichter. Denken wir an einen Josef in Ägypten oder an Daniel und seine drei Freunde in Babylon. Wir leuchten inmitten eines bösen Geschlechtes, aber nur dann, wenn wir ohne Tadel dastehen. Einst sollte Israel dieses Licht sein, aber es versagte (5. Mose 26,19; 28,1) und wurde zum Irrlicht und darum beiseite gesetzt. Redet nicht der Herr zur Gemeinde von Ephesus vom Wegstoßen des Leuchters (Off 2,5)? Und das ist leider eingetroffen.
Dazu wissen wir, dass Lampen nur in der Nacht von Wert sind. Die größten Bogenlampen übersehen wir am Tage, dagegen beachten wir die kleinsten Lichter bei Nacht und sie sind uns Wegweiser. So bringen wir durch unser Leuchten Menschen aus ihrer Dunkelheit heraus.
IV. Das Ausstrahlen.
Viele wollen wie die Pharisäer vor Menschen scheinen. Wir aber strahlen vor Gott. Das Licht im Heiligtum war für Gott. Wir scheinen durch unsern vorbildlichen Wandel, durch gute Werke und durch ein klares Zeugnis. Der Herr sagte: „Ich bin das Licht der Welt“ und als solches sehen wir Ihn in jeder Lage, vor Freunden und Feinden. Unser Scheinen besteht in Tatsachen: im stillen Tragen des Unrechtes, im Schweigen bei Anklagen, in der Treue im Kleinen, in der wahren Bruderliebe, in der Feindesliebe etc. Brennen, ausstrahlen heißt aber auch erwärmen. Da sind wir das Gegenteil von Laodizäa, über das der Herr, der Lauheit wegen, so bitter klagen musste. Wir leuchten und wärmen zugleich, wir strahlen die Liebe Christi wider, denn sie ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist.
V. Der Zweck solchen Leuchtens.
Das ist die Verherrlichung des Vaters. Die Welt merkt gar bald, dass dieses Leuchten keine natürliche Gabe, sondern eine göttliche ist. Schon David erkannte in Ps 40,3, dass es viele sehen werden. Der eigentliche Zweck unseres Leuchtens ist Gottesverherrlichung wie beim Herrn selbst, und nicht nur das Wohl der Mitmenschen (Eph 5,1; Joh 17). Gott ehren, Seinen Namen groß machen, das ist das Vorrecht des Gotteskindes in dieser Welt.
VI. Verdunkelung.
Das ist heute ein ganz wichtiges Wort. Das Licht wird verhüllt, damit kein Strahl hinausgeht. Bei vielen ist es so im Glaubensleben. Das Licht steht unter einem Scheffel. Es ist zugedeckt mit Sorgen, - Reichtum, - Trägheit, - Weltlust etc. All diese Dinge und vieles andere verhindern das Scheinen. Man verliert also den beabsichtigten göttlichen Einfluss und wird unfruchtbar. Wir aber wollen unser Licht leuchten lassen und den Vater verherrlichen. Die das tun, erfüllen ihre Aufgabe vor Gott und Menschen.