Behandelter Abschnitt Phil 2,25-30
Epaphroditus (Phil 2,25-30)
Epaphroditus war der Überbringer der Gabe der Philipper an Paulus in Gefangenschaft zu Rom. Die Reise nach Rom war lang und mühsam. Paulus freute sich herzlich über die Spende, die ihm zu seiner Notdurft geschickt wurde. Nun war Epaphroditus nach langer, schwerer Krankheit bereit, wieder heimzukehren und überbrachte den Philippern den Brief des Paulus, in welchem er einige liebliche Züge dieses Bruders erwähnt.
I. Seine bewährte Person.
Paulus nennt fünf Einzelheiten über Epaphroditus. Sie sind:
1. Bruder: Das ist eine schöne Bezeichnung und redet von Familienzugehörigkeit. In die Familie Gottes gelangt der Mensch durch den Glauben an den Herrn Jesum (Joh 1,12). Die Bruderliebe des Paulus war sehr warm, das zeigt z.B. Seine Besorgnis, sowohl um Epaphroditus als auch um Titus (2Kor 2,13).
Wie weit sind wir doch vom Urchristentum abgekommen! Wer sich heute in Missionen, Komitees u.a. „Herr Inspektor“, „Herr Direktor“ tituliert, hat das in jedem Fall der Welt nachgemacht. Vom Herrn Jesu oder den Aposteln wird das nicht gelernt. Die Schrift kennt nur den schönen Namen „Bruder“.
2. Mitarbeiter. Paulus hatte viele Mitarbeiter. Er gedachte ihrer allezeit und wo sich ihm eine Gelegenheit bot (Röm 16,3; Phil 4,3). Es war nicht leicht, ein Mitarbeiter zu sein, mitzutragen und mitzuleiden. Epaphroditus aber war ein treuer Mitarbeiter; er scheute weder Not noch Schwierigkeiten. Sind wir auch Mitarbeiter Gottes oder sind wir gar Faulenzer und Schmarotzer?
3. Mitstreiter. Beide, Epaphroditus und Paulus standen im Dienst des gleichen Königs und führten einen gemeinsamen Kampf gegen den gleichen Feind. Christen sind Kämpfer (Kap. 1, 27). Paulus redet von Gefahren, an denen Epaphroditus teilgenommen hat. Im allgemeinen ist der Gläubige allenthalben in Gefahren des Feindes (1Pet 5,8); sie treffen aber speziell den Diener Gottes, weil er im Kampf vorangehen muss. Gott sei Dank ist uns eine gute Waffenrüstung gegeben (Eph 6,10 ff.). Dazu gilt es, Mt 26,41 nicht zu vergessen!
4. Abgesandter. Ein Mann auf besondere Mission geschickt (
5. Diener. Wenn auch Epaphroditus der Diener des Paulus und der
Philipper war, so war er doch vor allem Gottes Diener (
II. Seine Krankheit.
Wie merkwürdig, dass so tüchtige Diener Gottes wie Epaphroditus, todkrank werden; warum bewahrt sie der Herr nicht? Sind sie vielleicht die besondere Zielscheibe Satans auch nach der Seite hin (Hiob 1)? Dazu gesellt sich die Frage, warum legt ihm Paulus die Hände nicht auf, wie er das so vielen getan hatte und sie geheilt wurden (Apg 20,10)? Krankheit kann unter Umständen genau so vom Herrn sein, wie die Gesundheit. Paulus hat nie gelehrt, wie das heute viele tun, dass körperliche Heilung im Opfer Christi liege, und dass somit jeder Gläubige ohne weiteres Anspruch auf einen stets gesunden Leib habe, zum mindesten aber auf Heilung in jedem Falle. Die Schrift lehrt das nicht. Die Besten des Herrn waren todkrank, ohne dass es ihnen am Glauben fehlte. Es liegt gewiss manchmal in des Herrn Absicht, dass Seine Diener besonders schwer krank werden und Er sie dadurch in der Demut und Abhängigkeit von Ihm hält (2Kor 12,6). Krankheit braucht nicht notgedrungenerweise Züchtigung zu sein.
III. Seine Heilung.
Nicht selten erlaubt der Herr, dass Seine Kinder durch Tiefen gehen, damit Er sie nachher nur um so besser brauchen kann. Der Herr offenbarte in diesem Fall Seine Güte sowohl am Kranken, als auch an Paulus selbst. Gnade ist die Triebfeder aller Handlungen Gottes, und beide machten diese Erfahrung.
IV. Seine Rückkehr.
Die Philipper hatten indessen vernommen, dass Epaphroditus todkrank war, und sie waren sehr besorgt um ihn. Das bedrückte Epaphroditus, und er versuchte wohl auch deshalb, schnellstens heimzukehren. Wer liebt, leidet lieber anderer wegen, als dass andere wegen ihm leiden sollten. Epaphroditus war sehr demütig und kam sich vor wie einer, der keine Träne wert sei. So konnte auch Paulus fragen: „Warum brechet ihr mir das Herz?“ (Apg 21,13). Paulus selbst fühlte sehr kühn, sowohl für Epaphroditus al auch für die Philipper. Er war kein Stoiker, oder dass er dem Irrtum der Christlichen Wissenschaft huldigte, die da meint, Schmerz und Krankheit seien Einbildung.
V. Seine Empfehlung.
Der Apostel empfahl nun den Philippern ihren Bruder ganz besonders. Sie sollten diejenigen in Ehren halten, die um des Werkes des Herrn willen sich dem Tode aussetzten. Der Herr ehrt die, die Ihn ehren und sich ganz für Ihn verzehren. Paulus sagt, sie sollen Epaphroditus von Herzen aufnehmen (Röm 16,2). Epaphroditus wandelte in den Fußspuren Christi bis an den Grabesrand. Er tat einen schönen Dienst (Kap. 4, 18).