Behandelter Abschnitt Phil 2,12-13
Eure eigene Seligkeit (Phil 2,12)
Unter diesem Titel findet man neben den vielen Predigten von C. H. Spurgeon eine Ansprache, und in den folgenden Zeilen soll ein Auszug aus ihr folgen. Spurgeon sagt:
Mögen dich heute keine anderen Gedanken, als diese drei Worte beschäftigen, „deine eigene Seligkeit“. Ihnen solltest du deine ganze Aufmerksamkeit schenken. Gewiss unterschätze ich das schöne Gut der leiblichen Gesundheit nicht, aber die Gesundheit der Seele bedeutet mehr. Auch will ich die materielle Seite des Lebens nicht übersehen, weil sie auch wichtig und nötig ist, aber, was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne? Weder Gesundheit noch Güter oder Ehre sind zu vergleichen mit deiner Seligkeit, darum schenke ihr alle Aufmerksamkeit.
I. Seligkeit, ein großes Wort.
Es ist ein so bedeutungsvolles Wort und doch ist es so wenig verstanden und erkannt. Viele denken nicht daran, dass es sie persönlich angeht. Durch Adams Fall sind wir alle Kinder des Zornes geworden und dem Tode verfallen. Doch, so groß der Fall durch die Sünde auch ist, die Seligkeit, die Gott für uns alle bereitet hat, ist noch größer.
II. Was bewirkt diese Seligkeit?
1. Sie befreit von der Schuld der Sünde. Unermesslich groß ist die Menge deiner Sünden. Sie sind zahlreicher als die Haare deines Hauptes (Ps 40,13). Von Jugend an hast du Sünde auf Sünde gehäuft. Fürchterlich hat dich die Sünde zugerichtet, so dass von der Fußsohle bis zum Scheitel nichts Gutes an dir ist. Diese Seligkeit aber ist eine Decke, die alle Schuld und Sünde zudeckt. Ergreife diese Seligkeit und du wirst glückselig sein (Ps 32).
2. Sie rettet von der Macht der Sünde. Durch die Übertretungen bist du nicht allein in Schuld geraten, sondern auch unter Satans Macht. Alles Rütteln an den dicken Sündenketten nützt nichts. Das Gute, das du willst, tust du nicht, aber du tust das Böse, das du nicht willst. Da sind die Fesseln der Geldliebe, der Fleischeslust, der Weltlust oder des Zornes. Du hast wohl die Sehnsucht, frei zu werden, aber Satan, der stärker ist, hält dich gefangen. Doch diese Seligkeit bringt Befreiung. Der Herr sagt in der Synagoge zu Nazareth: „Ich bin gekommen Gefangene zu befreien“ (Lk 4). Fei ist jeder, der diese Seligkeit annimmt. Da ist keine Kette, die Jesus nicht sprengen könnte. Welchen der Sohn frei macht, der ist recht frei.
3. Sie rettet vom Zorn Gottes. Wer nicht glaubt, der ist schon jetzt gerichtet, nicht erst dereinst. Der Sünder muss daran denken, dass, wenn man sich nicht bekehren will, Gott Sein Schwert gewetzt und Seinen Bogen gespannt hat. Daran zu denken ist furchtbar! Gott wiegt noch heute Menschen in der Wage und sie schlottern schon hier, weil sie merken, dass sie unter dem Zorne Gottes sind. Aber alle, die an diese Seligkeit glauben, sind befreit vom Zorne Gottes; denn es ist keine Verdammnis für diejenigen, die in Christo Jesu sind.
4. Sie rettet vom kommenden Gericht. Ohne diese Seligkeit sterben heißt: verloren gehen. Daran ändert der Tod nichts; denn wie der Baum fällt, so bleibt er liegen. Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Diese Seligkeit gibt dir die Sicherheit, dass du durch den Glauben an Jesum vor Gott gerecht bist, und keine Verdammnis zu fürchten hast. Das Blut Jesu Christi macht rein von aller Sünde und fähig zum Anteil der Heiligen am Erbe des Lichtes. Ergreife diese Seligkeit und du bist gerettet.
III. Beachte den großen Wert dieser Seligkeit.
Die Schrift lehrt die vielseitige Beurteilung dieser Seligkeit.
1. Denke daran, was Gott getan hat, dir diese Seligkeit zu geben. Er hat nicht weniger als Seinen geliebten Sohn für dich dahingegeben. So ist in keinem andern Heil, als allein in Jesus. Unbeschreiblich ist das Opfer, das der Vater brachte, als Er Seinen eingeborenen Sohn gab. Sein Opfer ist unvergleichlich größer als das des Abraham, der Isaak opferte. Es ist der Wille Gottes, dass kein Mensch verloren gehe, darum gab Er Seinen Sohn als Opfer. Ergreife es und du hast die Seligkeit.
2. Betrachte die Liebe des Sohnes. Christus hat uns geliebt, da wir noch Feinde waren. Er hat die Herrlichkeit verlassen, kam auf diese Erde und nahm die Gestalt des sündigen Fleisches an, um dich zu retten. Ja, denke an jene von Ihm gesprochenen Worte, ehe Er ans Kreuz ging: „Mir bangt vor dieser Stunde“ (Joh 12,27). Diese Stunde, da Sein Schweiß wurde wie große Blutstropfen, da Er zu zittern und zu zagen anfing. Denke an die Wunden, die Er auf Golgatha erhielt, und an jene dunklen Stunden, da Er von Gott verlassen am Kreuze hing. Wahrlich, Er hat dich lieb und darum ersann und erwarb Er diese Seligkeit.
3. Überhöre das ständige Mahnen des Heiligen Geistes nicht. Wie oft hat Er auch dich von der Sünde überführt und von der großen Notwendigkeit, dass du Jesus haben musst. Oft hast du Ihm widerstanden und Ihn betrübt. Und dennoch ist Er unermüdlich in Seinen Bemühungen, dich zum Sohne zu führen. Gib den Widerstand auf und nimm die angebotene Seligkeit an.
4. Übersieh auch die Tätigkeit der Gemeinde Gottes bezüglich diese Heils nicht. Überallhin sendet die Gemeinde Gottes ihre Diener, die dir zurufen: „Lasset euch versöhnen mit Gott“. Es gibt kein Land und keine Insel, wo sie diese Seligkeit nicht hingebracht hätten. Die Gemeinde Jesu Christi macht alle Anstrengungen, damit du gerettet werdest. Viele treue Diener Gottes haben dafür ihr Leben gelassen, du aber stehst dieser deiner eigenen Seligkeit noch gleichgültig gegenüber. Wache auf, der du schläfst!
5. Auch die Engel haben großes Interesse an deiner Seligkeit. Von Kindesbeinen an umgeben sie dich und wirken mit an deiner Seligkeit (Mt 18,10). Und wenn du dich bekehrst, so ist Freude im Himmel darüber (Lk 15,10).
6. Selbst die Unseligen zeigen noch Interesse am Heil der Menschen. Der reiche Mann wünschte, dass man Boten zu seinen Brüdern sende, damit sie Buße tun und sich bekehren und nicht auch an diesen Ort der Qual kommen. Ja, wie groß ist diese Seligkeit, die dir angeboten wird! Der Vater gab den Sohn für dich. Der Herr opferte sich selbst. Der Heilige Geist wirkt unermüdlich am Heil der Menschen. Die Gemeinde macht alle Anstrengungen, dich auf den Weg des Heils zu bringen. Engel freuen sich, wenn du diese Seligkeit annimmst und Verstorbene zittern beim Gedanken, dass du an den Ort der Qual kommen könntest. Darum eile und rette deine Seele.
Wirket aus eure eigene Errettung (
"Daher", fährt der Apostel fort, und knüpft seine weiteren Ausführungen an den vorhergehenden Abschnitt an, und bezieht sich auf das herrliche Vorbild der Liebe, der Leiden, der Demut und des Gehorsams Christi (Vers 5-8) und auf die darauffolgende Belohnung (Vers 9-11). Mit unvergleichlicher Schöne hat der Apostel den Herrn vor die Augen der Philipper gemalt, in der einen Absicht, sie zur völligen Unterwürfigkeit Christi zu bringen, und zum Nachwandeln in Seinen Fußstapfen. Reich belehrend ist nun die folgende Anwendung und Ermahnung des Apostels.
I. Allezeit gehorsam.
Weil Paulus die Philipper als Heilige anspricht und sich selbst als Diener der Heiligen bezeichnet, so teilt er auch zur rechten Zeit apostolische Befehle aus. Es ist praktische Heiligung, die Paulus hier lehrt. Gläubige sollen allezeit das Beispiel Jesu befolgen, der auch allezeit gehorsam war. Es gibt keine Unterbrechung im Heiligungsleben. Kein Sichgehenlassen während der Abwesenheit von Dienern der Gemeinde. Das hieße ja gegen das Vorbild verstoßen. Der Montag ist ebenso heilig wie der Sonntag. Was Gläubige sind, das sind sie nicht vor einem Diener der Gemeinde, sondern vor dem Herrn und zwar immer. Die Abwesenheit des Paulus brachte die Philipper in noch größere Abhängigkeit von dem Herrn, als Pauli Anwesenheit.
II. Schaffet, dass ihr selig werdet.
So übersetzt Luther. Genau aber heißt es: „Wirket aus eure eigene
Errettung“. Viele Bibelleser meinen, auf Grund dieses Wortes ihre
Seligkeit durch allerlei Werke selbst schaffen zu müssen. Doch dabei
käme selbst der Eifrigste zu kurz. "Welche Werke sollen wir wirken",
fragten einst die Juden den Herrn. Da antwortete Er ihnen: "Das ist das
Werk Gottes, dass ihr an den glaubet, den der Vater gesandt hat"(
Was ist hier nicht gemeint? Gewiss nicht die ewige Errettung; denn Paulus sprach die Philipper als bereits Errettete und Heilige an. Zudem hat er eben bezeugt, dass sie allezeit gehorsam seien. Jeder an Jesus gläubig gewordene Mensch besitzt das Heil, er muss es nicht erwirken (denn das hat der Herr am Kreuz getan), aber er soll es auswirken und darstellen.
Nachdem Jesus durch Seinen vollkommenen Gehorsam die Errettung
vollbracht hat, bleibt es die Aufgabe der Gläubigen, diese Errettung zur
Auswirkung kommen zu lassen, und zwar auf demselben Wege des Gehorsams,
auf dem Christus sie zustande gebracht hat. Das Auswirken der eigenen
Errettung ist so zu verstehen: Der Apostel pflegte die Gläubigen in der
jungen, christlichen Gemeinde wie eine Amme (stillende Frau) ihre Kinder
(1Thes 2,7), und ermahnte sie, wie ein Vater seine Söhne ermahnt
(1Thes 2,11). Dieser großen Hilfe waren die Philipper nun beraubt
worden durch die Gefangennahme des Apostels. Einmal müssen die Kinder
von der Mutter entwöhnt und die Söhne der Leitung und Ermahnung des
Vaters entzogen und selbständig werden. Die Philipper sollten nun
allein, ohne die Hilfe des Apostels, also selber, die Errettung
auswirken; denn, wenn ihnen auch der Apostel genommen worden war, so war
ihnen doch Gott, auf den es letztlich allein ankommt, und der Wollen und
Vollbringen wirkt, geblieben. Das Vorbild „Christus“, wie es Paulus in
den Versen 5-8 gezeigt hat, stand vor ihnen. Zwiespalt, Parteigeist oder
eigene Ehre durften nicht mehr gesehen werden, wenn sie nach Vers 15 ein
Licht sein und nach Kapitel 1, 27 einen Wandel würdig des Evangeliums
führen wollten. Mit andern Worten sollten sie, wie Paulus in
III. Wie soll diese Auswirkung vor sich gehen?
Paulus sagt: "Mit Furcht und Zittern". Die Philipper kannten das Heil längst; sie waren durch den Glauben gerettet worden, ihr Bürgertum war in den Himmeln (Kap. 3, 20) und ihre Namen standen im Lebensbuch (Kap. 4, 3).Nun sollte dieser Christus in ihnen Gestalt gewinnen. Dabei denkt Paulus an Weihe, an Hingabe, an tadelloses Dastehen (Dan 6,4). Doch, dies geht nicht ohne harten Kampf ab, da Satan den Gläubigen allenthalben daran hindern will. Konnte Satan unsere Rettung nicht verhindern, so möchte er doch die Umgestaltung in Christi Bild verunmöglichen. Die Gläubigen sollen alles daran wenden, das geistliche Leben zu fördern. Nichts dulden, was die Gemeinschaft stört. Nicht auf sich selbst vertrauen, wie einst Petrus, sondern den guten Kampf des Glaubens kämpfen und dem Feind widerstehen. Sie sollen aber auch Gott gegenüber mit Furcht und Zittern erfüllt sein, weil unser Gott heilig und ein verzehrendes Feuer ist. Furcht und Zittern ergreift jeden, der an den Tag Christi denkt, da er Rechenschaft ablegen muss von allem, was er getan hat (2Kor 5,10).
IV. Eine kostbare Ermunterung.
Wohl sagt Paulus: „Wirket aus euer Heil mit Furcht und Zittern“, zugleich aber nennt er auch den, der im Gläubigen wirkt, nämlich Gott und zwar beides:
1. Er wirkt das Wollen. Die Sehnsucht nach Heiligkeit, nach Sieg über jede Sünde, nach einem heiligen Wandel und einem treuen Zeugnis, kommen nicht aus der menschlichen Natur, sondern Gott wirkt sie. Die tiefe Betrübnis im Gläubigen über eine Untreue ist von Gott gewirkt. Er hat das Bekenntnis der Sünde gewirkt und die Sehnsucht nach Wiederherstellung der Gemeinschaft geweckt.
2. Er wirkt das Vollbringen. Der endliche Erfolg ist also göttlicherseits zugesichert. Geist, Seele und Leib sollen tadellos dargestellt werden am Tage Christi (1Thes 5,23). Also wirket aus, hindert Gott nicht am Werk durch Ungehorsam! Habt ständig das große Vorbild Christi vor Augen und ahmet es nach.
V. Das große Ziel.
"Nach Seinem Wohlgefallen." Das wird ein großer Tag sein, da wir Gott ohne Flecken und Runzeln vorgestellt werden. Gott selbst wird größtes Wohlgefallen daran finden, wenn Er sehen wird, dass Jesus aus Menschen, die tot in Sünden waren, Lebende gemacht und sie völlig in Sein Bild umgestaltet hat.